Shockheaded Peter, der „Struwwelpeter“ in der Elisabethbühne

Struwwelpeter

 

Abgeschnittene Daumen, verhungerte, verbrannte, erstochene, ertrunkene, erschlagene Kinder, ein erschossener Jäger – kurz gesagt „Der Struwwelpeter“.

Michaela EsslerVon Michaela Essler

Man möchte meinen, daß dieses Kinderbuch von Heinrich Hoffmann eigentlich nicht mehr interessieren kann. Auch der Programmhinweis „Junk-Opera“ von Phelim McDermott & Julian Crouch klingt nicht gerade einladend. Aber weit gefehlt!

Die Inszenierung von Robert Pienz begeistert von der ersten Minute an. Der Struwwelpeter ist zwar für seine schaurigen Geschichten bekannt – aber in dieser Aufführung unterhalten und amüsieren diese Geschichten.

Die Schauspieler der Elisabethbühne zeigen ihr ganzes Können: Gesang, Tanz, Akrobatik – alles wird geboten. Trotz aller Schaurigkeiten ist man schon gespannt auf die nächste Geschichte, fragt sich, was kommt als Nächstes.

„Dr. Hoffmann’s Correction Show” steht in großen Lettern auf dem Bühnenbild, das an die Dekoration einer Wanderbühne aus dem vorigen Jahrhundert erinnert. Ein purpurfarbener Vorhang öffnet sich und riesige Möbel kommen zum Vorschein. Das Bühnenbild von Stefan Pfeistlinger zeigt die Perspektive, in der Kinder ihre Umwelt sehen. Alles ist groß, hoch, schwer zu erreichen: eine große Kommode, an der Paulinchen Lade für Lade hinaufklettert, ein hoher Stuhl, an dem Ferdinand Kopeinig als Zappel-Philipp sein akrobatisches Talent unter Beweis stellt, riesige Suppenschüsseln, die der Suppen-Kaspar über die ganze Bühne wirft. Das Alles erzählt mit den bekannten Texten aus dem Struwwelpeter, die in der Manier von Wanderbühnen, vorgesungen werden. Nicht nur die herausragende Leistung des Ensembles macht diesen Theaterabend zum Erlebnis. Die mitreißende Musik trägt maßgeblich zum Tempo der Aufführung bei.

Und so beginnt es mit dem bösen Friedrich und jammervollen Wehgeschrei, der von ihm gequälten Kreaturen, bis ihn selbst sein Schicksal ereilt. Gefolgt von Pauline, in einem erschreckend rosa Rüschchenkleid, die als Aschehaufen endet. Die Bösen Buben, versehen mit großen Pflastern auf den Knien, die vom Riesen erschlagen werden. Konrad, der im lindgrünen Babykleidchen daumenlutschend in einem riesigen Bett liegt, bis ihm die Daumen abgeschnitten werden. Kaspar, der „Nein, meine Suppe ess ich nicht“ schreit und immer dünner wird, bis er Hungers stirbt. Der Jäger, den ein Hase erschießt. Der Zappel-Philipp, der nicht ruhig sitzen kann, Hans-Guck-in-die-Luft und Robert.

Robert Pienz zeigt, welches Potential in einem Buch steckt, von dem man glaubt, das es heute eigentlich niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlockt. Die Aufführung begeisterte das Premierenpublikum: mehrfacher Szenenapplaus, frenetischer Jubel und nicht enden wollender Applaus am Ende.

Ein Theaterabend der besonderen Klasse, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

„Shockheaded Peter“, Junk-Opera von Phelim McDermott & Julian Crouch nach dem Kinderbuch „Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann, Elisabethbühne Schauspielhaus Salzburg / Premiere: 2. Mai 2003 19.30 Uhr Großer Saal / Mit: Marcus Marotte, Udo Freitag, Ferdinand Kopeinig, Olaf Salzer, Ute Hamm, Charlott Kreiner Elke Hartmann, Daniela Gnoycke, Charlott Kreiner, Nicolas Marchand, Udo Freitag, Ferdinand Kopeinig / Regie: Robert Pienz / Bühnenmusik: Gesamtleitung Manfred Kirchmeyer, Jean-Baptiste Marchand / Keyboard: Fabio Buccafusco / Schlagzeug: Andreas Rethmeier /  Kontrabass: Sven Wolf / Regieassistenz: Petra Wieser / Bühnenbild: Stefan Pfeistlinger / Kostümbild: Ragna Heiny/ Lichtdesign: Hubert Schwaiger / Gesangsbetreuung : Jana Stefanek / Tänzerische Betreuung: Marion Hackl / Musikalische Assistenz: Javier Francisco Veliz Delgado / Dramaturgie: Irene Girkinger / Fotos: Joachim Bergauer

Literatur:
„Struwwelpeter“
von Heinrich Hoffmann

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