„Ironie des Schicksals oder nach der Sauna“ – Theater Panoptikum in der ARGEkultur

Arturas Valudskis hat den gleichnamigen sowjetischen Kultfilm von Eldar Rjasanow aus dem Jahre 1975 für die Bühne bearbeitet und als „melancholische Komödie“ in Szene gesetzt. Diese Parodie auf die sowjetische Wohnungsbaupolitik, in der alle Häuser gleich aussahen und auch die Wohnungen gleich eingerichtet waren, zählt in Russland zu den Fixpunkten im Silvesterprogramm der Fernsehanstalten.

Von Elisabeth Pichler.

Zu viel Alkohol kann bei einem Saunabesuch in Moskau unangenehme Folgen haben, denn keiner aus der fröhlichen Runde weiß, wer am nächsten Morgen nach Leningrad fliegen sollte. Kein Wunder also, dass mit dem sturzbetrunkenen Schenja der falsche Mann in der Stadt an der Newa landet. Er lässt sich von einem Taxi in die Arbeiterstraße 25/12 bringen und diese Siedlung sieht genauso aus wie die in Moskau. Auch die Schlüssel dürften damals Einheitsgröße besessen haben, denn Schenja hat keinerlei Schwierigkeiten, in die Wohnung zu gelangen und sich dort endlich ins Bett zu legen. Als plötzlich eine fremde Frau in „seiner Wohnung“ auftaucht und ihn auffordert, sofort zu verschwinden, ist er ziemlich verwirrt. Als dann auch noch Ippolit, ihr eifersüchtiger Verlobter, erscheint und einen fremden Herrn im Bett seiner Geliebten vorfindet, ist das Chaos perfekt.

Gerda Gratzer verkörpert die etwas steife Lehrerin Nadja, die sich ständig verteidigen muss und eigentlich nicht weiß wofür. Alexander Mitterer ist in der Rolle des unglücklichen Schenja zu bewundern. Während er anfangs noch mit den Folgen der nächtlichen Sauna-Orgie zu kämpfen hat, wird er im Laufe „dieser einzigartigen“ Nacht immer zutraulicher und entschlossener und trägt schließlich ein wirklich unglaubliches Gedicht vor, steckt doch in jedem Russen ein verkanntes Lyrik-Genie. Martin Bermoser erweist sich als überaus wandlungsfähig. Er überzeugt als geschniegelter Ippolit, der seine Verlobte mit einem hinreißend romantischen Heiratsantrag überrascht: „Glaubst du, dass wir unseren ledigen Zustand beendigen sollten?“ Grandios auch seine Wandlungsfähigkeit, sorgt er doch mit seinen Auftritten als Nadjas verklemmte Kollegin für große Heiterkeit.

Das Stück überrascht mit vielen skurrilen Situationen, über denen aber stets ein Hauch von russischer Schwermut liegt, sind doch die Protagonisten ständig am überlegen, wer von ihnen eigentlich unglücklicher sein sollte. Ein Abend voll Humor und Melancholie, der tief in die russische Seele blicken lässt.

„Ironie des Schicksals oder nach der Sauna“ – eine melancholische Komödie nach Motiven des gleichnamigen Films von Eldar Rjasanow. ARGEkultur/Studio / Regie und Ausstattung: Arturas Valudskis / Produktionsleitung: Gerda Gratzer / Technik: Gunther Seiser / Mit: Martin Bermoser, Gerda Gratzer, Alexander Mitterer / Fotos: Eva-Maria Griese

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