„Der brave Soldat Schwejk“ – Salzburger Straßentheater 2011

Salzburger Strassentheater 2011 - Der brave Soldat Schwejk Foto: Neumayr/MMV

Salzburger Strassentheater 2011 - Der brave Soldat Schwejk Foto: Neumayr/MMV

Noch bis 14. August 2011 ist der Thespiskarren in Stadt und Land Salzburg unterwegs und unterhält mit der von Klaus Gmeiner bearbeiteten Fassung des bekannten Schelmenromans von Jaroslav Hašek das Publikum.

Von Elisabeth Pichler.

Der Prager Hundehändler Josef Schwejk nimmt es nicht tragisch, dass er „amtlich für blöd erklärt wurde“. Als in Sarajewo der Thronfolger erschossen wird und der Krieg ausbricht, wird er jedoch wegen seines unbekümmerten, losen Mundwerks von einem „Geheimen“ verhaftet. Nach Militärgefängnis und Militärspital landet er schließlich als „Putzfleck“ beim Oberleutnant Lukasch. Er dient dem „feinen Kavalier“ mit Begeisterung, denn in diesem Haus gehen ständig hübsche Damen ein und aus. Nach einem kleinen Missgeschick muss er jedoch seinem Herrn an die Front folgen und da ist Schluss mit lustig. Auch hier schafft er es, sich mit stoischer Gelassenheit und treuherzigem Gerede aus allen brenzligen Situationen herauszureden und so kann er wie geplant „um sechs nach dem Krieg im Kelch“ seinen Freund Woditschka umarmen und mit ihm auf den Frieden anstoßen.

Im schrägen Bühnenbild von Bernd Dieter Müller rutscht der Hradschin fast in die Moldau, wäre da nicht die stabile Karlsbrücke. Eine Drehtür in dieser Kulisse ermöglicht schnellen Schauplatzwechsel, denn wir begleiten den braven Soldaten bis an die Front, bis zum Kampf mit den Russen. Klaus Gmeiner ist mit dieser komprimierten Fassung ein sehr heiteres Stück voll Doppelbödigkeit gelungen, in dem das Komische stets über das Tragische triumphiert.

Salzburger Strassentheater 2011 - Der brave Soldat Schwejk Foto: Neumayr/MMV

Peter Josch überzeugt als Schwejk nicht nur durch seine verschmitzte Naivität und sein liebenswertes „Bömakeln“, er begeistert auch mit seinen launigen Couplets, die er mit musikalischer Unterstützung zum Besten gibt. Ihm zur Seite steht Leo Braune als fescher, stets in „Weibergeschichten“ verwickelter Oberleutnant Lukasch. Das übrige Ensemble erweist sich als sehr wandlungsfähig, muss es doch die verschiedensten Rollen in diesem sehr personenreichen Stück übernehmen, so schlüpft Mona Perfler in vier ganz unterschiedliche Frauenrollen.

Auch das Straßentheater hat in diesem Sommer mit dem Wetter zu kämpfen, so setzte in Bergheim nach einer halben Stunde Dauer-Nieselregen ein. Während das Publikum sich ganz verschämt mit Decken und Regenhäuten gegen die Nässe zu schützen versuchte, ließen sich die Schauspieler auf der Bühne nicht das Geringste anmerken. Nur über die Musikinstrumente wurde zum Schutz ein großer Sonnenschirm gespannt. Das überaus zahlreich erschienene Publikum – die Sitzplätze reichten bei weitem nicht aus – bedankte sich mit kräftigem Applaus. Großartige Schauspieler, eine professionelle Inszenierung und der ganz besondere Reiz dieses Pawlatschentheaters sorgen auch heuer wieder für beste Stimmung.

„Der brave Soldat Schwejk“ – Komödie nach dem Roman von Jaroslav Hašek. Musik von Helmuth Gubi. Fassung für das Salzburger Straßentheater von Klaus Gmeiner. Inszenierung: Klaus Gmeiner. Ausstattung: Bernd Dieter Müller. Musik: Helmuth Gubi, Barbara Gruchmann, Marlies Fürst. Mit: Peter Josch, Leo Braune, Mona Perfler, Geza Terner, Willi Steiner, Peter Strauss, Ferdinand Seebacher, Alexander Korobko.

 

 

 

 

 

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