10 Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen

Stückfassung von Peter Arp nach dem gleichnamigen Roman von Hallgrimur Helgason. Premiere im Schauspielhaus Salzburg am 3. November 2011.

Von Heide-Maria Müller

Der kroatische Auftragskiller „Toxic“ muss nach einem verpatzten Mordattentat (seinem 66.igstem) auf der Flucht vor seinen „Mafiafreunden“ New York fluchtartig verlassen. Beim Check-in am Flughafen JFK wartet schon das FBI. Am WC tötet er in seiner „Not“ einen Priester, der gerade auf dem Weg nach Island ist und nimmt dessen Identität an. Als „David Friendly“ landet er in Rejkjavik (auf der „Kühlschrankinsel“) – wo er von christlichen Fundamentalisten empfangen wird, die ihn in ihrer Show „Amen“ als Ehrengast präsentieren. Und er verliebt sich in die eher weltlich gesinnte hübsche Tochter seiner Gastgeber.

Doch dann holt ihn seine Vergangenheit ein – er soll verhaftet werden, doch die besonders „christlichen“ Menschen helfen ihm zu entkommen, allerdings zu einem hohen Preis : er muss sich all seiner Verbrechen bewußt werden und durch die Hölle gehen – erst dann wird er einer von ihnen – ein richtiger (scheinheiliger) Isländer.

Peter Arp (Stückfassung und Regie) kreiert aus der literarischen Vorlage von Hallgrimur Helgason ein interessantes Theaterstück, das sich als Tragikomödie entpuppt (der kuriose Titel lässt einen eher an eine Krimikomödie denken), in der mit viel Wortwitz und mit zahlreichen Rückblenden dargelegt wird, wie ein junger Mann durch traumatische Kriegserfahrungen zum Massenmörder werden kann – und trotzdem ein Mensch bleibt, mit dem man Mitleid haben kann.

Die eher karg gehaltene schräge Bühne (Ausstattung Alexia Engel) – mit breiteren Spalten, durch die die Personen auf – und abtreten, wird belebt durch sogenannte „Visuals“ (Beda Percht und Alexia Engel), das sind bewegte Bilder und Projektionen auf die Bühne und auf den Bühnenhintergrund. Auch die Musik (isländische und kroatische Beiträge zu Eurovision-Song-Contests) tragen zur gelungenen Uraufführung bei.

Hervorragend die Schauspieler, die teilweise bis zu 7 Personen verkörpern. Besonders hervorheben möchte ich den Hauptdarsteller Bernhard Linke als „Toxic“ und Volker Wahl als „Father Friendly“, auch die Damen Ulrike Arp (Zickrita/Mutter) und Sophie Hichert (Gunnhildur) waren sehenswert – aber eigentlich, wie fast immer im Schauspielhaus, alle Akteure. Und so gab es auch reichlich- verdienten- Applaus.

Kurz zusammengefasst : Tragikomödie mit viel schwarzem Humor.
P.P.S. Für meinen Geschmack ein bisschen zu oft „Fuck“ und „Scheiße“ – ob das im Originaltext auch so ist ?? – Nachlesen im Buch !!

10 TIPPS, DAS MORDEN ZU BEENDEN UND MIT DEM ABWASCH ZU BEGINNEN // Uraufführung, Stückfassung von Peter Arp nach dem gleichnamigen Roman von Hallgrímur Helgason // Deutsch von Kristof Magnusson
Premiere: 03. November 2011 // Saal // Regie: Peter Arp // Ausstattung: Alexia Engl // Visuals: Beda Percht, Alexia Engl, Lea Kronberger // Dramaturgie: Birgit Lindermayr // Regieassistenz: Lea Kronberger // Besetzung: Toxic – Bernhard Linke, Father Friendly – Volker Wahl, Zickrita/Mutter – Ulrike Arp, Gutmunduhr – Antony Connor, Gunnhildur – Sophie Hichert, Tordhur/Vater/Priester – Marcus Marotte, Munita/Senka/Frau/Blondine – Katharina Pizzera, Niko/ Zöllner/ Polizist/ Geschäftsmann/ Soldat/ Offizier/ Leutnant – Maximilian Pfnür, Radovan/ Zöllner/ Andro/ Soldat/ Polizist/ George/ Geschäftsmann – Thomas Enzi // Bilder von Eva-Maria Griese

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