Nachruf auf einen entleuchteten Pinzgauer Christbaum

„Am Weihnachtsbaum, die Lichter brennen“, heißt in einem wunderschönen alten Weihnachtlied, das in vielen Häusern am Heiligen Abend von Familen gesungen wird; oft spielen Kinder dazu auf ihren Musikinstrumenten. Es ist heimelig, mit strahlenden Augen erwarten die Kinder ihre Geschenke.  Es durftet allerorts nach heißem Kinderpunsch und  Weihnachtsgebäck.

Diesem friedvollen Weihnachtsglück innergebirg konnte sich auch die Verbund-Tochter APG nicht entziehen und enschloss sich kurzerhand, sich am vorweihnachtlichen Treiben zu beteiligen. Was lag näher, als einen Christbaum im öffentlichen Raum zu spenden. Gedacht, getan. Auf dem Grundstück des Maximarkts Bruck stand ein riesiger Strommast, der kurzerhand mit Lichterketten geschmückt wurde und um das dritte Advetwochenende jedermann und jederfrau erfreute.

Und dann kamen sie, die Schiachperchten und Tauerngeister, und schimpften und waren empört darüber, dass so etwas nicht geht. Wo kämen wir dahin, wenn plötzlich jeder seine Strommasten beleuchten dürfte, hieß es. Womöglich würde sogar jemand auf die Idee kommen und eine eigene 380-kV-Leitung  quer durch das Land bauen, um möglichst viele Leuchtchristbaummasten zu haben, das geht doch auf keine Kuhhaut, das kann doch nicht wahr sein!

Und so kam, was kommen musste, der schöne Christbaum wurde finster, entleuchtet, ganz einfach abgedreht. Brennende Kerzen waren sowieso nicht im Spiel. Umgeschnitten wurde er nicht, er wird wahrscheinlich auch nicht entsorgt werden.

Aber geleuchtet hat er schon schön, meint der Spaziergänger, der sich auch heuer wieder eine kleine Salzburger Fichte aufstellen wird.  Auf diesen heimatlichen Bäumen braucht man auch nicht so viel aufhängen, weil sie eher weniger Äster haben. So dicht wie die Nordmanntannen sind sie Gottseiddank nicht. So ist es halt.


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2 Kommentare zu "Nachruf auf einen entleuchteten Pinzgauer Christbaum"

  1. Bei mir zu Hause steht ein kleiner Plastikbaum mit vielen bunten LEDs. Hält ewig, brennt nicht und ist schön kitschig.

    Die Brucker Geschichte um den „Christbaum“ ist kaum zu glauben und in Wirklichkeit ein schon ein starkes Stück. Sollte dort nicht die heiß umkämpfte Stromautobahn vorbeigehen?

  2. Unglaublich wie frech die Verbund Firma AGP agiert.
    Menschenferachtent gegenüber allen Betroffenen in Salzburg die im Umfeld der 380 KV Leitung leben müssten.
    Das Erdkabel ist die einzige Lösung für Salzburg.

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