Mit der Sonne kommen die Zecken

Foto: KTraintinger

Mit der wärmer werden Sonne sind sie wieder da, verlässlich wie eh und je, die Zecken, die Mitbewohner, die eigentlich niemand so richtig mag und bei denen sich viele fragen, wofür die gut sind.

Vor Karl Traintinger.

Bezeichnete man früher Zecken als lästige Schmarotzer, so weiß man heute, dass sie oft Überträger von gefährlichen Krankheiten (Anaplasmose, Babesiose, Borreliose, Ehrlichiose, FSME, Hepatozoonose, Zeckenparalyse) von Hunden und Katzen, aber auch des Menschen sind. Die Krankheiten werden beim Blutsaugen übertragen.

Diese nicht ganz harmlosen Parasiten findet man auf allen möglichen und unmöglichen Stellen. Es gibt verschiedene Vorbeugestrategien gegen die oft gefährlichen Bisse , die zur Anwendung kommen.

Es gibt Menschen und Tiere, auf die verirrt sich fast nie eine Zecke, da ist auch die Vorbeugung ganz einfach, da hilft alles sehr gut. Wesentlich ist auch das man, wie groß der Infektionsdruck ist. Gibt es in der Gegend gefährliche Zecken, führen die Spaziergänge in Zeckengegenden, und so weiter. Die nächste Frage muss sein, wie innig ist der Kontakt der Haustiere zum Menschen? Können Menschen in direkten Kontakt mit den Zeckenschutzmittel kommen?

Zecke im Maul neben dem Zahn

Angepasst an die Gegebenheiten gibt es mehrere Möglichkeiten der Vorbeugung, ich werde einige davon mit ihren Vor- und Nachteilen vorstellen. Grundsätzlich sollte unterschieden werden, ob es sich um geprüfte Medikamente (in erster Linie vom Tierarzt erhältlich) oder um frei verkäufliche Präparate handelt. Lassen sie sich auf jeden Fall vom Verkäufer genau über deren Giftigkeit aufklären, manche sind wirklich nicht harmlos!

Spot ON
Tropfen auf den Hals gibt es mit den verschiedensten Inhaltsstoffen. Der einzige geprüfte pflanzliche Wirkstoff ist Neemsamenextrakt, speziell in Haushalten mit Kindern sind diese Tropfen auf jeden Fall einen Versuch wert. Man muss aber auch bei pflanzlichen Produkten bedenken, dass sie nicht harmlos sind und korrekt eingesetzt werden müssen. Ätherische Öle wie Teebaumöl, Lavendelöl, Citronella, Minzöl, etc. werden speziell von Katzen oft sehr schlecht vertragen. Die geprüften Arzneiprodukte haben meist eine ganz gute Wirkung, die in der Regel etwa einen Monat anhält. Die Präparate wirken systemisch, das heißt überall. Wichtig ist, dass die aufgetragene Flüssigkeit, bis sie von der Haut aufgenommen wurde, nicht weg geleckt bzw. vom Tierbesitzer berührt werden darf. Man muss die Produkte auch in die Haut nicht einreiben.

Halsband mit Sollbruchstelle

Halsbänder
Diese wirken meist deutlich länger haben aber den Nachteil, dass sie nicht berührt werden sollten. Sie sind für Tiere, die keinen engen Kontakt zum Menschen pflegen, eine gute Alternative, für Haushalte mit kleinen Kindern aber eher nicht zu empfehlen . Biologische Bänder konnten bis jetzt noch nicht wirklich überzeugen, wenn der Zeckendruck groß genug ist.

Wesentlich ist bei Katzen auch die Sollbruchstelle, damit es zu keinen Verletzungen oder Strangulationen kommen kann. Für Reisen in gefährdete Gebiete (fragen Sie Ihren Tierarzt danach) können Bänder zusätzlich zu vielen Spot-ON Präparaten verwendet werden . Beachten Sie aber, dass die Bänder mindestens 14 Tage vor der Reise angelegt werden müssen, damit sie auch eine sofortige Wirkung Vorort haben!

Puder und Sprays
Diese Produkte gibt es mit verschiedenen Inhaltsstoffen und sie wirken meist ganz gut. Das größte Problem ist oft die Applikation, speziell bei Katzen, die Angst vor zischenden Geräuschen haben. Bei Katzen kann man sich auf einen angezogenen Gummihandschuh sprühen und dann die Katze einreiben; hin und wieder geht das ganz gut.

Eine Zeckenzange aus Plastik

Zeckenzange
Für Tier mit sehr geringem Befall gut geeignet. Die Zecken lassen sich problemlos damit entfernen, ohne dass der Kopf in der Haut stecken bleibt. Es gibt Zeckenzangen von verschiedenen Herstellern. Wichtig ist noch, dass sie die Zecken im vorderen Bereich einzwicken, damit nicht all zuviel Flüssigkeit durch das Drücken in die Haut gepresst wird. Der Vorteil der Zeckenzange gegenüber einer Pinzette ist der, dass die Zange selbst festklemmt und dadurch schön gedreht werden kann; die Drehrichtung ist dabei nicht so wichtig.

Benutzen sie keine Hilfsmittel wie Öl, Nagellackentferner, etc. Die Auswahl an Zeckenzangen ist vielfältig, wichtig ist, dass der Kopf mit entfernt wird, andernfalls kommt es häufig zu Entzündungen.

Gesundheitstipp:
Kontrollieren Sie nach jedem Spaziergang das Fell ihres Haustieres auf Zecken und andere unliebsame Mitbewohner! Geben sie die abgesammelten Zecken zum Antöten in ein Glas Alkohol.

HOMÖOPATHIE

Mit der Homöopathie kann man keine Flöhe und Zecken töten. Man kann aber versuchen, das Tier in seiner Abwehr dieser Parasiten zu unterstützen. Es ist immer wieder interessant, dass es Tiere gibt, die nie einen Zecken haben und solche, die sie quasi aufsammeln. Homöopathisch kann man versuchen, den Tieren so zu helfen, dass sie nicht zur Gruppe der “Aufsammler” gehören.

Orthomolekulare Arzneien
Seit einiger zeit sind orthomolekulare Futterzusätze erhältlich, die einen ganz guten biologischen und ungefährlichen Wirkungseffekt haben. Diese Arzneien sind auf jeden fall einen Versuch wert.

Die Zecken
Zecken sind Spinnentiere, wie man an ihren 8 Beinen erkennen kann. Es gibt viele verschiedene Gruppen Arten, am wichtigsten sind bei uns die Schildzecken: Gemeiner Holzbock (Ixodes rizinus), Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) und Braune Hundezecke.

Kurzinfos zu den Krankheiten:

Babesiose (Hundemalaria):
Der Überträger ist Babesia canis, es ist dies ein Blutparasit, der in den roten Blutkörperchen lebt und durch Zecken übertragen wird. Der Parasit kommt in Ungarn, Österreich, autochton in der Schweiz /Tessin und um Genf), fokal in Deutschland und im ganzen Mittelmeerraum vor. Präpatenz: 5-20 Tage. Es zeigt sich das Bild einer normozytären, normochromen, hämolytischen Anämie. Sehr gefährlich können für Hunde Infektionen mit dem hochpathogenen ungarischen Stamm von Babesia canis sein, die unbehandelt meist zum Tod des Tieres führen! Wichtigste Therapie ist eine erfolgreiche Zeckenprophylaxe. Die Babesiose trifft nicht nur die Hunde sondern auch die Katzen! Babesia canis wird durch die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus), die zu den Buntzecken gehört, übertragen.

Ehrilchiose
Die Ehrlichien nehmen eine Zwischenstellung zwischen Parasiten und Bakterien ein. Die Erreger der caninen Ehrlichiose werden durch Zecken übertragen. Ehrilichia canis, Ehrlichia ewingii, E. chaffeensis, Neorickettsia risticci, Anaplasma platys, Anaplasma phagozytophilum sind die klingenden Namen der Krankheitserreger, die zum Teil in useren Breiten heimisch sind. Die Ehrlichiose ist eine Multisystemerkrankung. Die Tiere zeigen hohes Fieber, das bis zu 5 Tage anhalten kann. Dazu kommt Erbrechen, Augenausfluß, Durchfall, Zahnfleischbluten, Anämie, etc. Die Therapie ist speziell bei jungen Tieren nicht ganz unproblematisch.

Hepatozoonose
Der Parasit Hepatozoon canis ist im Mittelmeerraum verbreitet. Über die Biologie ist wenig bekannt. Man nimmt an, daß eine Infektion durch den Verzehr von infizierten Igelzecken stattfindet. Die Krankheit zeigt sich mit Fieber, Durchfall, Erbrechen, Muskelschmerzen, muskuläre Nacken- und Rumpfversteifung. Die Therapie ist schwierig, eine vollständige Erregerelimination wurde noch nicht erreicht.

Borreliose
Die Borreliose wird durch den Holzbock übertragen und äußert sich meist in Gelenksentzündungen, die wechselnde Lahmheiten verursachen. Die Impfung wird kontroversiell diskutiert dürfte aber bei besonders für Zecken “attraktiven” Hunden, bei Jagdgebrauchshunden und bei Reisen in zeckenreiche Gebiete empfehlenswert sein.

FSME
Die FSME (Frühsommermeningoencephalitis) wird durch ein Arbovirus/ Genus Flavivirus verursacht. Überträger ist in Europa Ixodes ricinus, der Holzbock. Der Holzbock ist dreiwirtig, das heisst, jedes Stadium (Larve, Nymphe, Adult) benötigt einen neuen Wirt für die Weiterentwicklung und kann das Flavivirus übertragen. Als Wirte kommen fast alle Haus- und Wildsäugetiere und der Mensch in Frage. Das Virus wird unmittelbar nach dem Biß übertragen! Eine Blutmahlzeit dauert 2-10 Tage., der Entwicklungsprozeß einer Zecke zwischen etwa 6 Monaten und mehreren Jahren. In Mitteleuropa haben wir einen biphasischen Verlauf mit Höhepunkten von Mai bis Juni und von September bis Oktober.

Hunde scheinen gegen FSME verhältnismäßig resistent zu sein, wenn sie aber erkranken, ist der Verlauf oft schwerwiegend. Symptomatisch sind häufig neurologische Probleme zu beobachten, die mit stark erhöhter Körpertemperatur einhergehen. Typisch ist eine übermäßige Schmerzempfindlichkeit besonders im Kopf- und Nackenbereich. In letzter Zeit werden in der Literatur auch chronische Fälle beschrieben, es gibt auch vollständige Heilungen.

Dieser Artikel wurde uns von der Tierarztpraxis Lamprechtshausen zur verfügung gestellt.

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