„Le nozze di Figaro“
Opernklasse Uni Mozarteum

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Wolfgang Amadeus Mozarts Meisterwerk feierte im Großen Studio der Universität Mozarteum in der Regie von Eike Gramss am 29. April 2013 Premiere. Die Studierenden begeisterten musikalisch und schauspielerisch und bescherten dem Publikum eine hinreißende Aufführung voll Leidenschaft und Temperament.

Von Elisabeth Pichler.

„Große Werke lassen sehr unterschiedliche Interpretationen zu. Ein einziges, sozusagen allein gültiges Konzept gibt es ohnehin nicht. Unsere Arbeit legt ihr Hauptaugenmerk auf die, den auch komischen Konflikten zugrunde liegende, sehr ernsthafte, ja politische Grundsituation. Der Anspruch des ,ius primae noctis‘ ist ja keinesfalls ein nur erotischer. Der Zugriff des Aristokraten auf die Intimität eines Brautpaares ist auch ein gesellschaftlicher Akt von einiger Radikalität. Der Konflikt dreht sich sehr direkt um den erotischen Mittelpunkt der Welt. Es gelingt den Menschen des Stückes, sich in dieser Konfrontation (wenige Jahre später wird in Paris Revolution ausbrechen und die Guillotine erfunden werden), nach einem Tag voller Wirrnis, Intrige, Machtkampf, List und Lust, Aggression und Witz sozusagen auf den letzten Metern dieses ,tollen Tages‘, einen Frieden zu schließen, – zu verzeihen, nachzugeben.

Die große Komödie ist immer eine im letzten Moment vermiedene Tragödie. Man sollte immer in den komödischen Opern Mozarts spüren, dass es bei aller Leichtigkeit wirklich um etwas geht. Die Komik blüht umso mehr, je ernsthafter die Situation für diejenigen ist, die in ihr stecken und versuchen, ihr kleines Glück oder auch ihr großes Gelüst zu erjagen. Wenn das sogenannte Spielerische ohne deutliche, ja auch böse oder traurige Grundlage vertändelt wird, wird es absurderweise nicht spielerisch, sondern flach. Wenn andererseits der Humor der Situation, begründet durch falsches ,politisches‘ Tief-betroffensein, verhindert wird, wird es noch flacher. Hier die Balance zu suchen, ohne das Werk in die Unverbindlichkeit auszubalancieren, ist unser Ziel.“ (Einführung von Regisseur Eike Gramss im Programmheft)

So frisch und frech war die Hochzeit des Figaros in Salzburg schon lange nicht mehr zu sehen. Die wunderbaren Kostüme sind überaus geschmackvoll, leicht barock und kommen in dem hellen Raum hervorragend zur Geltung. Besonders schick Graf Almaviva, im goldenen Schlafrock, im eleganten Gehrock, im sportlichen Jagdanzug und schließlich im pelzverbrämten Mantel. Ebenfalls eine Augenweide der entzückende Cherubino sowie seine kleine Freundin Barbarina. Marcellina, Basilio und Bartolo begeistern als grandioses Komiker-Trio.

Schon die im Programmheft angeführten Auszeichnungen, CD-Aufnahmen und bereits absolvierten Engagements der Sängerinnen und Sänger deuten auf das hohe Niveau der Erst- und Zweitbesetzung hin. Josef Wallnig dirigiert das Orchester „Musicacosi“, einen 2008 gegründeten Verein, der sich die Unterstützung junger Sänger und Musiker, die nach Abschluss ihres Studiums am Beginn einer professionellen Karriere stehen, zur Aufgabe gemacht.

Dass die Inszenierungen von Eike Gramss etwas ganz Besonderes sind, dürfte sich herumgesprochen haben, denn die Vorstellungen sind meist restlos ausverkauft. Der Jubel bei der Premiere war groß, Publikum und Ausführende zeigten sich hoch zufrieden.

„Le nozze di Figaro“ – Wolfgang Amadeus Mozart. Großes Studio der Universität Mozarteum. Musikalische Leitung: Josef Wallnig. Regie: Eike Gramss. Bühnenbild/Kostüme: Anna Schöttl, Thilo Ullrich. Cembalo: Theresa McDougall. Chor und Orchester „Musicacosi“. Produktionsleitung: Eike Gramss. Mit: Matthias Winckhler/Oddur Jónsson, Athanasia Zöhrer/Kiandra Howarth, Robert Davidson/Fernando Araujo, Teresa Tièschky/Claire Craig, Karin Torbjörnsdóttir/Dara Savinova, Peter Kellner/Manuel Millonigg, Sonja Bühling/Alice Hoffmann, Alexander Hüttner, Sascha Zarrabi, Manuel Millonigg/Gunnar Andor Nieland, Maria Nazarova/Claudia Bauer. Fotos: Mozarteum

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