Uraufführung von „Romys Pool“ auf der Bühne 24 im Marionettentheater

3_Julia Gschnitzer und Georg Clementi

Komödienautor und Kabarettist Stefan Vögel hat Kammerschauspielerin Julia Gschnitzer, der Grande Dame des österreichischen Theaters, die Rolle der Anna Schneider, einer energischen älteren Dame, die sich nicht ins Pflegeheim abschieben lassen will, mit viel Liebe auf den Leib geschrieben.

Von Elisabeth Pichler.

Gottlieb ist außer sich. Eine brennende Kerze, die seine Mutter am Abend zu löschen vergaß, hätte fast zu einer Katastrophe geführt, wäre nicht die Feuerwehr rechtzeitig zur Stelle gewesen. Während die Krankenschwester der leicht verwirrten, älteren Dame den Blutdruck misst, telefoniert ihr Sohn ungeniert mit seiner Schwester Marlene. Es geht dabei nicht nur um die Aufteilung der Kosten für den Feuerwehreinsatz, er nutzt gleich die Gelegenheit, um die zu erwartende Erbschaft zu regeln. Eines steht für ihn jedenfalls fest: Anna Schneider muss in ein Pflegeheim. Seine Mutter hat jedoch ganz andere Pläne. Nachdem sie ein Leben lang in ihrer Frühstückspension geschuftet hat, während sich ihr Mann mit seiner Geliebten vergnügte, will sie sich nun einen Traum erfüllen, denn im Garten ist Platz genug für einen mediterranen Pool mit Pavillon und Zypressen. Als Gottlieb von dem Plan erfährt – die Bagger im Garten sind nicht zu übersehen – beschließt er, seine Mutter entmündigen zu lassen.

Julia Gschnitzer ist in der Rolle der verschmitzten alten Dame, die den Erbschleichern ein Schnippchen schlägt, ganz in ihrem Element und flirtet zum Entsetzen ihres Sohnes sogar ganz ungeniert mit ihrem Schwimmlehrer. Mit gleichem Elan versteht sie es aber auch, ihre Umgebung hinters Licht zu führen, wenn sie sich verwirrt gibt. Georg Clementi verliert in der Rolle des „fürsorglichen“ Sohnes nur allzu leicht die Nerven, muss er doch ansehen, wie sein Erbe in einem Pool versenkt wird. Britta Bayer brilliert als hinterhältige, bösartige Krankenschwester, die mit dem Schwimmlehrer (Florian Eisner) finstere Pläne schmiedet. Einen Lichtblick in all der Scheinheiligkeit verkörpert Jasmin Barbara Mairhofer als Enkelin Michelle. Sie ist von Omis neugewonnener Energie begeistert und findet auch das modernisierte Wohnzimmer einfach cool. Klaus Gasperi lässt die Bühne vor den Augen des Publikums umbauen. In Windeseile werden sowohl Möbel als auch die altmodischen Tapeten ausgetauscht. Eine Fensterfront gibt den Blick in den Garten frei, hier fahren die Bagger auf.

In Film und Fernsehen werden die Themen Alter, Krankheit und Demenz meist mit tragischem Unterton abgehandelt. Stefan Vögel hingegen nähert sich dem Thema auf komödiantische Art, denn er ist der Meinung, dass das normale Leben zum Totlachen sei. In „Romys Pool“ bedient er sämtliche Klischees von Erbschleichern und unterhält damit das Publikum bestens. Claus Tröger hat die locker-leichte Komödie, eine Koproduktion des Salzburger Landestheaters mit den Vereinigten Bühnen Bozen und dem Stadttheater Bruneck, äußerst flott in Szene gesetzt. Viel Applaus für Julia Gschnitzer sowie das gesamte Team bei der Premiere am 16. Oktober 2013.

„Romys Pool“ von Stefan Vögel. Uraufführung. Inszenierung: Claus Tröger. Bühne: Klaus Gasperi. Kostüme: Alexia Engl. Mit: Julia Gschnitzer, Georg Clementi, Britta Bayer, Florian Eisner, Jasmin Barbara Mairhofer. Fotos: Christina Canaval

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