Claudia Braunstein: „Des mach ma ned“

Saibling mit KartoffelnFoto: KTraintinger

Claudia BraunsteinBehinderung und unerfreuliche Erlebnisse im Traditionswirtshaus

Behinderung kann sehr vielseitig sein. In unserem Bewusstsein sind vor allem nach außen sichtbare Einschränkungen verankert. Als klassischer Behinderter gilt ein Rollstuhlfahrer. Für diese Menschen wird nun Land auf, Land ab vollkommen berechtigt Barrierefreiheit hergestellt.

Von Claudia Braunstein

Auch für blinde Menschen müssen in Zukunft Hilfestellungen im öffentlichen Raum zur Verfügung stehen. Das gilt ebenso für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen. Auch auf Menschen mit Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten wird per Gesetz nun endlich Acht gegeben.

Für Menschen mit einer gestörten Nahrungsaufnahme, in meinem speziellen Fall Dysphagie, das bedeutet massive Kau- und Schluckprobleme, gibt es jedoch gerade in der Gastronomie keinerlei Angebote. Das bedeutet im Normalfall, dass ich die Auswahl habe eine Beilage in Form von Püree zu bestellen, oder dicke Suppen, Tatar und so manche weiche Nachspeise. Ich bin da sehr geübt und bis gestern noch nie in die Verlegenheit gekommen tatsächlich einen Extrawunsch zu äußern, weil es auf der Karte nichts für mich Essbares gab.

Ich bin durch meinen Blog sehr stark in der Salzburger Blogger-Szene verankert, bin im Organisationsteam eines großen Blogger-Events und nebenbei kümmere ich mich um die Abwicklung unseres monatlichen Stammtisches, der meist von ca. 15 bis 20 Menschen besucht wird. Wir waren im letzten Jahr auf Wanderschaft und auf der Suche nach einem fixen Stammtischort und somit fiel die Wahl auf ein sehr bekanntes Salzburger Traditions-Wirtshaus am Müllnerhügel. Ich richte dort auch einmal jährlich ein Treffen mit meiner Selbsthilfegruppe für Mundhöhlenkrebspatienten aus. Bislang kann ich über keine Beschwerden berichten. Doch was am gestrigen Abend geschah hat die Realität in manchen Gastbetrieben bestens wiedergespiegelt.

Wie bereits erwähnt gab es für mich auf der Karte außer einem Liptaueraufstrich, einer Schottsuppe (Sauerrahmsuppe) und Topfenknödel nichts zu essen. Diese drei Angebote entsprachen auch nicht ganz meinem persönlichen Geschmack. Auf der Speisekarte fand ich jedoch unter den Vorspeisen ein Forellenfilet mit Oberskren und somit bat ich den Kellner, die Küche zu ersuchen Filet samt Obers in den Mixer zu werfen und zu pürieren. In meinen Augen eigentlich kein wirklich großartiger Sonderwunsch. Der Kellner kam wenig später mit den Worten „Des mach ma ned“. Meine Frage, was ich dann essen könnte, wurde mit dem Vorschlag „ Fritattensuppe“ beantwortet. Leider steht auch Fritattensuppe nicht auf meinem Speisezettel, weil dünne Suppen und Frittaten einen Hustenanfall und Verschluckungsgefahr auslösen. Ich setze keinesfalls voraus, dass ein Kellner oder Koch meine persönlichen Möglichkeiten erkennen muss. Ich bin nämlich selbstständig fähig im Notfällen wie diesen meine bescheidenen Wünsche zu äußern.

Am gestrigen Tag erschien zufälliger Weise in einem Salzburger Lokalblatt ein zweiseitiger Artikel zu meinen barrierefreien Esskonzepten, die ich auf meinem Blog propagiere. Und zufälligerweise war genau dieser Artikel in unserer Runde gerade Gesprächsthema. Einer der Stammtischteilnehmer, ein Abteilungsleiter des Salzburger Magistrates wandte sich mit der Zeitung in der Hand an den Kellner mit der Bitte meinen Sonderwunsch doch nochmals der Küche darzulegen. Man entschied sich seitens der Küche trotzdem gegen die Erfüllung meiner Sonderbestellung. Letztlich wurde mir, lange nachdem alle anderen mit dem Essen bereits fertig waren, eine Portion Liptauer, für die ich mich in meiner Not entschieden hatte, serviert.

Warum erzähle ich das? Weil es ein wunderbares Negativbeispiel ist, wie man mit Gästen in der Gastronomie teilweise umgeht. Ich fordere keinesfalls, dass fortan verpflichtend auf jeder Speisekarte Speisen für jegliche Einschränkungen vorhanden sein müssen. Ich möchte nur zu denken geben, dass so mancher Gastronom ein wenig flexibler im Umgang mit den Wünschen seiner Gäste sein sollte. Menschen mit derartigen Einschränkungen sind immer häufiger anzutreffen. Das sind Patienten nach Schlaganfällen, mit Parkinson und Alzheimer. Menschen mit schlechtsitzendem Zahnersatz, nach operativen Eingriffen im Kieferbereich. Menschen die auf Grund ihres Alters einfach nicht mehr kraftvoll beißen und kauen können. Dies ist eine Bevölkerungsgruppe die immer stärker anwächst. Die Gastronomie wird gut beraten sein auch auf solche Gäste mehr Rücksicht zu nehmen und nicht mit einem lapidaren „Des mach ma ned“ abzufertigen. Denn in dieser Gruppe liegt ein großes Potential.

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1 Kommentar zu "Claudia Braunstein: „Des mach ma ned“"

  1. Rochus Gratzfeld Rochus Gratzfeld | 24. Januar 2015 um 20:15 |

    Wenn Überheblichkeit und Dummheit sich paaren, kommt so etwas heraus. Und wie ich schon an anderer Stelle sagte, Traditionshäuser sterben langsam, aber sie sterben. Wenn sie nicht lernen, sich den Bedürfnissen der Menschen anzupassen.

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