„Heidi“ – Holladrio

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Markus Steinwenders Adaption des weltberühmten Romans von Johanna Spyri ist 2014 mit dem „STELLA-Darstellender.Kunst.Preis für junges Publikum“ als „Herausragende Produktion für Kinder“ ausgezeichnet worden. Nun ist die Produktion, in der drei Schauspielerinnen mit viel Humor und Situationskomik die Geschichte des munteren, kleinen Waisenmädchens erzählen, im Kleinen Theater zu bewundern.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Obwohl kaum eines der Kinder das über 125 Jahre alte Original gelesen hat, kennen die meisten von ihnen die Geschichte von Heidi, ihrem Großvater (dem Alm-Öhi), dem Geißenpeter und ihrer gelähmten Freundin Klara aus der Zeichentrickserie oder aus den Kurzversionen in den zahlreich erschienenen Bilderbüchern. Die Erwartungen sind daher groß. Auf Heidis Freund Joseph, einen treuen Bernhardiner, müssen sie jedoch verzichten, denn der ist eine Erfindung der japanischen Animationsserie. Ansonsten gibt es keine Enttäuschungen, nur freudiges Wiedererkennen. Anna Paumgartner springt als muntere, kleine Heidi auf der Alm herum, geht aber einem Streit mit dem obercoolen „Geißengeneral“ Peter (Elisabeth Nelhiebel) nicht aus dem Weg. Mit Bart und Hut grantelt Bina Blumencron als Alm-Öhi vor sich hin, bevor sie es sich als arme Klara auf ihrem Rollstuhl (ein Drehsessel tut es auch) bequem macht und plötzlich wie ein kleines, wohlerzogenes Mädchen dreinschaut. Köstlich die Szenen, in denen die bösen Klatschweiber aus dem Dörfli über den Alm-Öhi herziehen und kein gutes Haar an dem alten Einsiedler lassen.

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Markus Steinwender hat das Kunststück zuwege gebracht, in nur 70 Minuten die ganze Geschichte inklusive Heidis Heimkehr und Klaras wundersamer Genesung zu erzählen. Damit nur ja keine Langeweile aufkommt, dürfen Kinder aus dem Publikum mitspielen, denn leider kann die Darstellerin der Heidi nicht mit den Fingern pfeifen. Als „das Heidi“, eine Abkürzung für das Mädchen Heidi, in heller Vorfreude über die bevorstehende Heimkehr quer über alle Reihen klettert, ist die Begeisterung bei den Kindern groß.

Dank dem durch Videoanimationen bewegten Bühnenbild reichen ein Tisch und eine Bank aus, um die Illusion sowohl einer Almlandschaft mit Tannen als auch einer Großstadt mit hohen Häusern zu erwecken. Ein kleiner Kunstrasen mit aufsteckbaren Blümchen ersetzt die Almwiese, auf der Heidi und Peter so gerne die Seele baumeln lassen.

Die Begeisterung, mit der die drei Damen auf der Bühne die Geschichte erzählen und in die unterschiedlichsten Rollen schlüpfen, schwappt auf das Publikum über, besonders die vorgetäuschten Hoppalas sorgen für Heiterkeit. Die humorvolle, spritzige Version des Klassikers kommt völlig ohne Kitsch aus und begeistert Jung und Alt.

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„Heidi“ nach Johanna Spyri von Markus Steinwender. Eine Produktion der theaterachse. spielraum der sinne. Regie/Musik: Matthias Schuh. Ausstattung: Rafaela Wenzel. Animation: Hannes Schaidreiter. Mit: Anna Paumgartner, Bina Blumencron, Elisabeth Nelhiebel. Fotos: Kleines Theater/ theaterachse

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1 Kommentar zu "„Heidi“ – Holladrio"

  1. Kleine Anmerkung:
    Es ist zwar meine Adaption (=Stückfassung) des weltberühmten Romans, aber nicht die 2014 mit dem „STELLA-Darstellender.Kunst.Preis für junges Publikum“ als „Herausragende Produktion für Kinder“ ausgezeichnete Produktion des Theater des Kindes in Linz. Die hier besprochene Version ist die ebenso gelungene Neuinszenierung 2015 durch Mathias Schuh und die theaterachse.
    Vielen Dank aber für das Lob zur Fassung und auch zur Inszenierung von Mathias Schuh,
    Markus Steinwender

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