„Der Vorname“ – eine frische, sommerliche Gesellschaftskomödie

Das Salzburger Straßentheater unterhält heuer mit dem bitterbösen Konversationsstück des französischen Autorenduos Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patelliére das Publikum in Stadt und Land Salzburg. Am 28. Juli 2017 sorgte die groß aufspielende Komödiantentruppe in Hallwang für beste Stimmung.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Nicht nur um einen der begehrten Sitzplätze zu ergattern, sondern auch um die Truppe beim Aufbau der doch recht aufwendigen Bühne zu beobachten, sollte man nach Möglichkeit eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung eintreffen. Dann kann man miterleben, wie aus einem relativ schlichten Gefährt mit ein paar Handgriffen ein französisches Landhaus mit Dachterrasse und einer mit Lichterketten geschmückten Gartenlaube wird. Für das passende Flair sorgt währenddessen Eric Lebeau mit französischen Chansons.

Hier also soll eine kleine Gartenparty im Familienkreis stattfinden. Elisabeth, die Gastgeberin, werkelt fleißig in der Küche am marokkanischen Buffet. Ihr Gatte Pierre, Professor für französische Literatur, ist dabei eher hinderlich als Hilfe. Claude, der Posaunist, den man schon aus Kindertagen kennt, erscheint im Frack, kommt er doch direkt von einem Konzert. Elisabeths Bruder Vincent prahlt mit seinem neuen SUV ebenso wie mit dem Ultraschallbild seines zu erwartenden Sohnes.

Die Enthüllung des geplanten Vornamens lässt die bisher friedliche Stimmung allerdings kippen, denn Vincent behauptet provokant: „Adolph“, nach einem großen Helden der romantischen Literatur. Ob nun Adolph oder Adolf, die Runde ist fassungslos, der Name löst grenzenlose Entrüstung aus. Wie kann man sein Kind nur nach einem der größten Verbrecher der Geschichte nennen? Man wirft sich gegenseitig Beleidigungen an den Kopf, bis die Situation gänzlich eskaliert. Kaum zu glauben, dass gerade der zurückhaltende Claude mit der Bekanntgabe eines wohlbehüteten Geheimnisses die Streithähne endlich zum Schweigen bringt.

Regisseur Georg Clementi nimmt als Spielleiter das Publikum mit auf eine Reise in menschliche Abgründe und schlüpft gleichzeitig in die Rolle des arroganten, überheblichen Pierres, der durch einen dummen Scherz den verbalen Schlagabtausch auslöst. Ob das seine zickige Freundin Anna (Susanne Seimel) auf Dauer aushalten wird? Detlef Trippel gibt den knausrigen, besserwisserischen Literaturprofessor, dem seine Gattin (Anja Clementi) in einer großartigen Szene ordentlich die Leviten liest. Alex Linse darf lange durch Zurückhaltung glänzen. So rechnet keiner damit, dass er nach einer untergriffigen Beleidigung ordentlich zurückschlägt.

Die typisch französische Gesellschaftskomödie (Nein, sie ist nicht von Yasmina Reza, wie man vermuten könnte!) besticht durch witzige Dialoge und hohes Tempo. Immer wieder vergnüglich zuzusehen, wenn auf der Bühne schmutzige Wäsche gewaschen wird und Dinge gesagt werden, die man sich vielleicht zwar denkt, doch nicht auszusprechen wagt.

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„Der Vorname“ – Eine Gesellschaftskomödie von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patelliére. Fassung für das Salzburger Straßentheater von Georg Clementi. Inszenierung: Georg Clementi. Ausstattung: Andreas Lungenschmid. Musik: Eric Lebeau. Schauspieler: Anja Clementi, Detlef Trippel, Susanne Seimel, Georg Clementi, Alex Linse und Eric Lebeau. Fotos: Karl Traintinger, dorfbild.com

Info:
Straßentheater 2016 | Bezahlt wird nicht
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