„Hotel Europa“ – ein szenischer Liederabend

Hotel Europa, Salzburger Landestheater

Passend zum Spielzeitmotto „Alle Menschen werden Brüder“ zündet Marco Dott ein musikalisches Feuerwerk aus bekannten Songs, Liedern und Chansons im Salzburger Landestheater. Das Publikum zeigte sich bei der Premiere am 7. Oktober 2017 begeistert von der humorvollen, schmissigen Musik-Revue.

Elisabeth Pichler

Die holzvertäfelte Hotellobby besticht durch den diskreten Charme der 50er Jahre, auch wenn die Drehtüre klemmt und die Elektrik manchmal den Geist aufgibt. Der neue Page, ein temperamentvoller Italiener (Gregor Schleuning), ist von seinem neuen Arbeitsplatz so begeistert, dass er die Treppe rauf und runter steppt. Das gefällt dem grantigen Concierge, einem waschechten Wiener (Walter Sachers), gar nicht. Er singt wehmütig von den alten Zeiten: „Those Were the Days…“

„Hotel Europa“ – ein szenischer LiederabendAuch die aus Deutschland stammende Hoteldirektorin (Anja Clementi im Merkel-Outfit) schüttelt über den steppenden Herrn „Penso Positivo“ nur den Kopf. Sie hat es auch wirklich nicht leicht. Der griechische Koch (Marcus Bluhm) ist ständig pleite, lebt von der Hand in den Mund und fordert lautstark: „Hey Boss, ich brauch mehr Geld.“ Nicht nur das Personal ist unzufrieden, auch die internationalen Gäste beschweren sich ständig. Frau Direktor versichert ihnen zwar: „You can get it if you really want. Aber wird das wirklich zu schaffen sein?  Der stocksteife Brite (Gregor Schulz) verkündet „I Am Special“ und verlangt schalldichte Fenster gegen den unerträglichen Baulärm. Der deutsche Gast (Axel Meinhard in kurzen Hosen und weißen Socken) ist sauer, dass es hier keine Curry-Wurst gibt und will daher sein mitgebrachtes Essen aufwärmen lassen. Die Stimmung ändert sich schlagartig, als eine hübsche Französin (Julienne Pfeil) auftaucht und laszive Chansons haucht. Da wird sogar der britische Tourist zur „Sexbomb“.  Einem türkischen Gast (Gürkan Gider) wird wegen schlechten Benehmens der Zutritt zum Hotel verwehrt, da kann er noch so schön „Istanbul (Not Constantinople)“ trällern.

Wie schlimm es um das Hotel wirklich steht, deckt eine Amtssachverständige (Genia Maria Karasek) bei einer Inspektion auf. Da dürfte nicht nur das illegale Dienstmädchen (Elisa Afie Agbaglah) Probleme bekommen. Kein Wunder also, dass sich die verbliebenen Gäste gemeinsam mit den Angestellten über die Hotelbar hermachen.

Marco Dott sieht diesen Liederabend als Plädoyer für einen humorvollen Umgang mit unseren europäischen Nachbarn: „Es ist ein Unterhaltungsabend, der leicht sein, der Spaß machen soll. Aber die Botschaft, wenn man das denn so nennen will, ist eindeutig: Lasst uns bitte die Dinge gemeinsam anpacken, und nicht wieder jeder für sich.“

Ein Tipp: Besuchen Sie das „Hotel Europa“, solange es noch steht, solange es noch geht, beste Unterhaltung ist garantiert.

„Hotel Europa“ – Ein Liederabend von Marco Dott. Uraufführung. Musikalische Leitung: Tom Reif. Inszenierung: Marco Dott. Bühne und Kostüme: Eva Musil. Lichtdesign: Günter Schöllbauer. Mit: Gregor Schleuning, Walter Sachers, Elisa Afie Agbaglah, Anja Clementi, Marcus Bluhm, Gregor Schulz, Julienne Pfeil, Genia Maria Karasek, Axel Meinhard, Gürkan Gider. Gitarre: Tom Reif. Piano: Bruno Juen. Fotos: © Anna-Maria Löffelberger

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