„Im Ausnahmezustand“ – Schauspielhaus Salzburg

Foto: Eva Maria Griese/ Schauspielhaus Salzburg

Ein Mann und eine Frau sitzen entspannt in einem Whirlpool bis sie beginnt, Fragen zu stellen: „Ist alles in Ordnung, ist wirklich alles in Ordnung?“ Völlig emotionslos antwortet er: „Alles ist gut, alles ist so, wie es sein sollte.“ Doch sie gibt nicht auf, denn sie macht sich Sorgen. Sie glaubt, hier nicht mehr sicher zu sein, sie hat von Schüssen gehört, von Unfällen: „Irgend etwas ist verloren gegangen, irgend etwas ist anders.“ Der Mann, eine Jammergestalt Mitte 40, wirkt abwesend und kraftlos. Die Vorwürfe der Frau hingegen werden immer deutlicher, immer persönlicher und immer verletzender. Sie zweifelt an seiner Leistung, die in letzter Zeit so nachgelassen hat, dass „Sie“ schon angerufen haben. Sie hat zwar Angst davor, das Haus räumen zu müssen, wenn „Sie“ den Vertrag aussetzen, doch so ganz glücklich scheint sie mit dem System auch nicht zu sein. Es ist zwar alles organisiert, es gibt Malkurse, Yogakurse, Literaturkreise, aber keiner interessiert sich für den anderen, man kennt sich kaum. Auch der gemeinsame Sohn funktioniert nicht richtig, macht nur Probleme, benimmt sich merkwürdig und interessiert sich für Dinge, die außerhalb der Tore der „Gated Community“ liegen.

Foto: Eva Maria Griese/ Schauspielhaus Salzburg

Foto: Eva Maria Griese/ Schauspielhaus Salzburg

Foto: Eva Maria Griese/ Schauspielhaus Salzburg

Elke Hartmann hat es in diesem Stück nicht leicht, denn es ist fast wie in Monolog, denn Mann und Kind sind meist nur Stichwortgeber. Sie beginnt mit verhaltener Ruhe, wird zunehmend nervöser, ihre Attacken immer liebloser und unnachgiebiger. Zerfressen von Misstrauen und Verlustängsten seziert sie die eigene Privatsphäre. Volker Wahl hat sich scheinbar schon selbst aufgegeben, er kann sich nur einmal zu einem Wutausbruch aufraffen, bevor er wieder in Lethargie versinkt. Der Sohn (Maximilian Pfnür) hat es besonders leicht, er darf fast den ganzen Abend im Hintergrund auf einem alten Sofa herumlümmeln, man sieht ihn kaum. Doch anders als sein Vater, weiß er genau, was er will. Als er gegen Ende des Stückes zu seinen Eltern in den Pool steigt, lässt er sich auf keine Diskussionen ein, sein Standardsatz lautet: „Kann ich jetzt gehen?“

Foto: Eva Maria Griese/ Schauspielhaus Salzburg

Foto: Eva Maria Griese/ Schauspielhaus Salzburg

Der Whirlpool (Bühne: Stephan Bruckmeier) deutet zwar Entspannung und Wohlbefinden an, doch der Rest der Bühne ist Chaos pur. Welcher Recyclinghof wurde da geplündert und dann malerisch verteilt? Falk Richters Stück hat etwas Beängstigendes. Sind wir nicht alle einem Anpassungs- und Leistungsdruck ausgesetzt, versuchen wir nicht alle zu funktionieren, um ja nichts zu verlieren. Die angespannte Wirtschaftslage trägt wohl einen Teil zur derzeitigen Unsicherheit bei. Sollten diese Ängste überhand nehmen, so könnte man es ja mit einem der vielen Bücher über positives Denken versuchen.

Foto: Eva Maria Griese/ Schauspielhaus Salzburg

Foto: Eva Maria Griese/ Schauspielhaus Salzburg

„Im Ausnahmezustand“ von Falk Richter / Österreichische Erstaufführung, Koproduktion mit dem „Theater Rampe“, Stuttgart / Regie: Eva Hosemann /  Ausstattung: Stephan Bruckmeier / Dramaturgie: Angela Maria Pichler /  Licht: Florian Haß / Regieassistenz: Mia Odermatt / Mit: Elke Hartmann, Volker Wahl, Maximilian Pfnür