Wer wird 2010 Fußball Weltmeister in Südafrika?

Reinhard Lackinger

Reinhard Lackinger. Ich bin sicher nicht der einzige Fußballfan, der den afrikanischen Nationalmannschaften und besonders den Südafrikanern mehr Erfolg bei der WM gegönnt hätte. Jetzt, da ich diese Zeilen niederschreibe, ist auch Ghana, früher und in meiner Kindheit Goldküste genannt, nicht mehr im Rennen. 4 Südamerikaner gelangten bis ins Viertelfinale. Brasilien und Argentinien schieden früher aus als erwartet.

Wie schwach ist der Trost, dass die Mannschaften der ehemaligen Kolonialherren Frankreich, England, Italien und Portugal auch nicht gut abgeschnitten haben und schon nach Hause flogen? Kolonialherren, die wieder einmal und gemeinsam auf Besuch waren. Da, wo sie vom Ende des neunzehnten bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts … also unlängst noch … raubten und wüteten, tiefere Wunden in den Schwarzen Erdteil schlugen als das Loch von Kimberley. Verletzungen, von denen viele bis heute nicht vernarbt sind.

Genau da liegt der Punkt, warum ich den Afrikanern die Daumen hielt.

Wenn ich jetzt die Mannschaften ansehe, merke ich, wie veraltet und anachronistisch mein Denken ist. Wie viele Afroabstämmige liefen und laufen da im Dress europäischer Mannschaften auf dem Rasen herum? Wie viele sind es alleine in der Seleção, in der Brasilianischen Elf? Sobald die WM zu Ende ist, wird man sagen können, dass es zuvor noch kein Internationales Fußballfest gegeben hat, an dem so viele Farbige, so viele Afroabstämmige teilgenommen und brilliert haben.

Leider ist es mit dem Brillieren nicht immer getan. Es hätte auch gesiegt werden sollen. Das sage ich meinen Brasilianern, in deren Hirn ein Dribbling, eine raffinierte Finte nach wie vor wichtiger ist als ein Tor. Ein Treffer ist für Brasilianer Nebensache. Es kommt ihnen darauf an, den gegnerischen Spieler zu überwinden, auszuwurzeln, zu demütigen, ihm die Überlegenheit – an Ort und Stelle, wenn auch weit weg vom Tor – zu zeigen. All das wird natürlich von den brasilianischen Medien unterstützt. Die brasilianischen Kommentatoren, ohne Ausnahme, träumen von der individuellen Qualität der Spieler, die ein Match aus dem Gleichgewicht bringen und im Nu für sich entscheiden und gewinnen können.

Derweil müssen wir Zuschauer 90 Minuten zuschauen und warten, ob dies nun wirklich eintrifft, oder ob alle Versuche an Dutzenden Beinen der gegnerischen Verteidiger zerschellen. Es traf nicht ein und die Südamerikaner trafen nicht, wie sie hätten treffen sollen. Objektivität und Schnelligkeit anonymer Spieler überragten die technisch perfekten Cracks. Kaká, Robinho, Messi und Cristiano Ronaldo sind um diese Zeit schon wieder zu Hause.

Jetzt und eine Woche vor dem Endspiel zweifle ich nicht mehr am Sieg der Deutschen. Lieber die Deutschen als die Holländer. Viel lieber! Nein, die Holländer dürfen in Südafrika nicht gewinnen … Jedenfalls nicht auf dem Fußballplatz und die WM. Ihnen ist seit Jahrzehnten ohnehin der Löwenanteil aller in Afrika und Umgebung gefundenen Diamanten sicher. De Beers ist, so weit ich informiert bin, kein von Zulus oder Bantus gegründetes Unternehmen … und das Wort „Apartheid“ kommt auch aus dem Niederländischen. Ich gönne den Oranjes einen WM-Titel… Irgendwann einmal, nur nicht diesen in Südafrika.

Währenddessen kicken in den reichen Teams Europas unzählige Afrikaner und Südamerikaner, Asiaten und sonstige Exoten. Sie begnügen sich seit einiger Zeit aber nicht mehr mit dem Dress der Internationale de Milano. Sie wollen nicht mehr nur das „Leiberl“ von Barca, von Real Madrid und Manchester United tragen … Viele von ihnen stecken bereits in der Uniform der Nationalmannschaften. Ich bin sicher nicht der einzige Fußballfan, dem diese ethnische Konfusion ein Dorn im Auge ist. Da würde ich die Einführung einer Art Ahnenpass begrüßen. Es dürften in den Nationalmannschaften nur Spieler agieren, die nachweisen können, dass die Großeltern sowohl väterlicher -, als auch mütterlicherseits in jenem Land geboren wurden. Es könnte eine Art DNA-Prüfung durchgeführt werden. Dieser Unfug rutscht mir nur so in die Tasten, denke mir nicht viel dabei… nur das eine: viel Verrückteres als das ist schon erdacht und auch schon erwirkt und durchgeführt worden. Aber schauen wir uns z.B. die heutige französische Elf an. Da ist ja kaum noch ein Weißer unter den „Bleus“. Und würden die Deutschen plötzlich auf alle „Nichtdeutschen“ und naturalisierten Kicker verzichten müssen, könnten sie vielleicht noch ein Salonfußballteam aufstellen … mehr nicht. Zeichen des Neokolonialismus.

Theoretisch stehen noch die Resultate der letzten vier Spiele aus. Der Ball soll angeblich rund sein und dieser Sportart jede Logik fehlen … je mehr die Medien weltweit davon berichten. Vergessen wir Eines bitte nicht. Das Turnier gehört der FIFA … und von dieser Verbrecherbande dürfen wir das Schlimmste erwarten. Ja, das Turnier, die WM gehört der FIFA und allen Sponsoren wie NIKE, CocaCola und Mastercard, wenn ich richtig informiert bin. Auch dürfen wir mit mehr oder wenig schwerwiegenden Fehlern der Schieds -, und Linienrichter rechnen. Vielleicht reicht es doch noch für ein Endspiel zwischen Uruguay und Spanien. Im Disput um den dritten Platz werde ich der deutschen „Fremdenlegion“ die Daumen halten. Ehrenwort!

Brasilien, Salvador, 4. Juli 2010

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