TOIHAUS „Kirschblüte auf Apfelbaum“

Elisabeth Pichler. Die Besucher erwartet im Foyer wie immer eine liebevoll gestaltete Installation, die auf den Abend einstimmen soll: ein wunderschön blühender, japanischer Kirschbaum, rosarote Blütenblätter malerisch am Boden verstreut, dazwischen schwarze Sitzkissen. Mit Feder und Tinte darf man seine geheimen Wünsche niederschreiben und den kleinen Zettel dann an diesen „Wunschbaum“ hängen.

Auch die Bühne verströmt japanisches Flair, Tatami-Matten bedecken den Boden, ein Chor, in dezente, dunkelblaue Alltagskimonos gekleidet, nimmt im Hintergrund Platz. Wir befinden uns in einer U-Bahn-Station in Tokio. Ein gut gelaunter, junger Tiroler Tourist versucht, sich zu orientieren und einen der überfüllten Waggons zu besteigen. Immer wieder wird er an einer falschen Station hinausgedrängt, doch nimmt er es mit Humor, denn er findet es faszinierend, dass hier jeder Bahnhof seine eigene Kennmelodie hat. Schließlich landet er in einem Park und trifft dort auf eine wunderschöne Dame in einem prachtvollen Kimono mit Maske. Der Chor stimmt einen äußerst fremdartig anmutenden Gesang an und die Dame beginnt ganz langsam mit sparsamer Gestik zu tanzen. Doch nach und nach geht der monotone Gesang in ein alpenländisches Volkslied über, zu dem sich wunderbar „schuhplatteln“ lässt. Unser junger Tourist erlebt noch so einiges auf seiner Reise durch Japan und landet schließlich statt im berühmten Nō-Theater in einer Karaoke-Bar.

Der Abend bietet Kurioses und Überraschendes, denn die Kombination aus japanischem Nō-Theater, einem Gesamtkunstwerk aus Wort, Musik und Tanz mit einer sechshundertjährigen Geschichte, und Volksmusik und Volkstanz aus Österreich ist doch etwas ungewöhnlich. Acht Schülerinnen und Schüler des Musischen Realgymnasiums singen begeistert die uralten, japanischen Lieder, doch ebenso einige bekannte Volkslieder. Herbert Pascher sorgt für die musikalische Untermalung auf dem Cello und Yoko Yagihara für typisch japanische Klänge. Katharina Schrott wirkt mit ihrer Maske und ihren langsamen Bewegungen sehr elegant, doch hat sie auch eine hochdramatische Szene, denn wenn sie ihr Kind vermisst, erinnern ihre spitzen Schreie, ihr wildes Gebrüll und ihre ekstatischen Bewegungen an asiatische Kampfsportarten.

Eine sehr abwechslungsreiche, heitere Performance, die japanische Poesie mit urigem, österreichischem Brauchtum verbindet. Diese knappe Stunde weckt das Interesse an japanischer Lebensart und an den fremdartigen Elementen des  Nō-Theaters, einer zeitlosen Kunstform, die in Japan nach wie vor lebendig ist.

„Kirschblüte auf Apfelbaum“ – Performance mit Musik und Tanz / Idee und Konzept: Yoko Yagihara / Mit: Yoko Yagihara, Kathrina Schrott, Markus Rupert, Herbert Pascher / Bühne und Kostüme: Sigrid Wurzinger / Choreographische Begleitung: Pascale Staudenbauer / Produktionsleitung: Myrto Dimitradou / Schülerinnen und Schüler der Klasse 7m des Musischen Realgymnasiums Salzburg (Chor) / Alle Fotos: Toihaus Theater – Michaela Grieshaber


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1 Kommentar zu "TOIHAUS „Kirschblüte auf Apfelbaum“"

  1. Das TOIHAUS kann immer wieder begeistern!

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