„Der Tod und das Mädchen“ – Bühne im Shakespeare

Elisabeth Pichler. Die Terrasse eines Strandhauses in Chile, Meeresrauschen, Sonnenuntergang – doch die gemütliche Atmosphäre trügt. Der Anwalt Gerardo Escobar wurde soeben vom Präsidenten in den Untersuchungsausschuss zur Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen zur Zeit der Militärdiktatur berufen. Seine Frau Paulina steht dieser Aufgabe eher skeptisch gegenüber, sie glaubt nicht recht an eine Bestrafung der Schuldigen. Sie leidet noch heute, nach 17 Jahren, unter Angstattacken als Folge ihrer Inhaftierung. Als der Arzt Dr. Roberto Miranda ihrem Gatten bei einer nächtlichen Autopanne hilft und ihn nach Hause fährt, ist Paulina fest davon überzeugt, in Miranda ihren Peiniger zu erkennen – und das nur am Klang seiner Stimme. Sie fesselt ihn und bedroht ihn mit einer Pistole, um ihm ein Geständnis zu entlocken und die Folterszenen in Erinnerung zu rufen.  Ihr Gatte ist entsetzt und schenkt ihr keinen Glauben, doch sie ist wild entschlossen, die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Anja Clementi ist die große Überraschung des Abends. Bisher eher im leichten Fach unterwegs, überzeugt sie in dieser überaus dramatischen Rolle der Paulina und spielt die beiden Männer buchstäblich an die Wand. Ihr Gatte (Detlef Trippel) ist ihr keine große Hilfe, er kann seine Zweifel nicht ablegen, hält seine Frau für psychisch krank und unterstützt sie nur halbherzig. Nicht zu beneiden ist Oliver Baier als Dr.Miranda, sitzt er doch meist gefesselt und geknebelt auf einem Stuhl. Seine anfängliche Arroganz kann er nicht lange durchhalten, denn Paulina versteht es, ihn zu demütigen.

Ariel Dorfman zählt zu den bekanntesten lateinamerikanischen Schriftstellern. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an die Schrecken der Militärdiktatur wach zu halten.  Sein erstes Theaterstück „Der Tod und das Mädchen“, wurde nach Schuberts dramatischem Streichquartett benannte und von Roman Polanski 1994 mit Sigourney Weaver und Ben Kingsley verfilmt. Doch selbst wenn man den Film bereits gesehen hat, ist dieses emotional bewegende, hoch spannende Stück über die Frage nach dem Umgang mit dem Bösen absolut empfehlenswert. Alex Linse gelang eine Inszenierung von atmosphärischer Dichte, die zum Nachdenken anregt.

„Der Tod und das Mädchen“ von Ariel Dorfman / Salzburger Erstaufführung / Regie: Alex Linse / Ausstattung: Jan Hax Halama / Mit: Anja Clementi, Oliver Baier, Detlef Trippel / Fotos: Manfred Siebinger

Weitere Vorstellungen: Mo. 18. und Mi. 27.April, Mi. 04., Sa. 07. und Sa. 14. Mai jeweils um 19.30 Uhr  im Shakespeare (Hubert Sattler Gasse 3)


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