„Warteraum Zukunft“ von Oliver Kluck im Schauspielhaus Salzburg

2010 wurde das Stück des jungen Autors (Jahrgang 1980) mit dem „Kleist-Förderpreis für junge Dramatik“ ausgezeichnet. Die österreichische Erstaufführung fand am 25. Mai 2011 im Studio des Schauspielhauses Salzburg statt. Eine kluge, ironische und sehr vergnügliche Performance über die Tragik der heutigen Arbeitswelt.

Von Elisabeth Pichler

Daniel, ein junger promovierter Ingenieur, befindet sich auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz. 140 km muss er täglich zurücklegen und da bleibt ihm genügend Zeit, sich über den morgendlichen Verkehr zu ärgern, besonders über die vielen LKW aus dem Osten, die „lahmen Russenärsche“. Im Büro angekommen, wird er zum Chef vorgeladen, das kann wohl nur den sehnlichst erhofften Karrieresprung bedeuten. In dieser euphorischen Stimmung beginnt er über seine Kollegen zu lästern, die sich mit dem zermürbenden beruflichen Alltag abgefunden haben. „Die Zeit ist halt so, da kann man nichts machen.“ Die Unterredung mit dem Chef läuft nicht wie geplant. Daniel soll nach Rumänien versetzt werden, eine echte Katastrophe. Wäre es jetzt nicht Zeit für eine Revolte?

„Leben im Warteraum Zukunft, am Ort der nicht erfolgten Revolte, hier im Vertrauen auf die Generationen davor, die Platz machen werden, die schon im Boot sitzend die Hand reichen. Um es vorwegzunehmen: das Warten ist vergebens, keine Hilfe in Sicht, es rette sich ein jeder selbst.“ (Oliver Kluck)

Oliver Hildebrandt spielt Daniel, den ewigen Nörgler, das große Lästermaul. Ihm zur Seite stehen Christiane Warnecke und Thomas Pfertner, die sowohl die Kollegen als auch die Freunde verkörpern. Axel Müller sorgt in einem beweglichen Kiosk für die musikalische Untermalung, darf aber auch als Radiomoderator, Imbissverkäufer und Grillmeister auftreten. Seine lautmalerischen Improvisationen sorgen für große Heiterkeit, da gluckst der Tee, da scheppert der Löffel und der Zucker plumpst lautstark in den Becher.

Caroline Richards hat in dieser flotten Inszenierung den inneren Monolog des Protagonisten geschickt auf mehrere Schauspieler verteilt, das sorgt für zynische Momente voll Boshaftigkeit und entlarvt die scheinheilige Freundlichkeit von Kollegen und Freunden. Das Stück zeigt die Wut des jungen Autors über das bestehende System und über die Untätigkeit und Trägheit der Massen. Ein – trotz des ernsten Themas – sehr unterhaltsamer, viel bejubelter Abend.

„Warteraum Zukunft“ von Oliver Kluck, österreichische Erstaufführung / Regie: Caroline Richards / Visuelle Gestaltung: Sarah Haas / Komposition & Livemusik: Axel Müller / Mit: Oliver Hildebrandt, Thomas Pfertner, Christiane Warnecke / Fotos: Eva-Maria Griese

 

 

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