Rochus Gratzfeld:
Sexarbeiterinnen
GELD.HEIMAT

HEIMAT.
Oder. Was hat Schuld mit Heimat zu tun?
HEIMAT Oder Unschuld?
Und kann Heimat schuldig sein?
Oder unschuldig?
Und was ist überhaupt Heimat?
Und warum haben diese Nutten ihre Heimat verlassen?
Wollen doch nur ans große Geld!
Spreizen die Beine für Kohle. Scheißen auf Heimat!

Heimat. Ruhrpottheimat.
Meine Gedanken schweifen 40 Jahre zurück.
Die Polen waren schon lange da.

Grabowski. Podulski. Namen meiner Schulkameraden.
Schimanski wurde dann ein Held. Als Kunstfigur.

Dann kamen die Spaghettifresser, wie wir sie in jugendbandlichen Heimatkämpfen nannten.

Und die Türken.
Alles Männer, die die Scheißjobs machten, die meine Elterngeneration nicht mehr machen wollte.
Und die Kohle zusammenhielten, um sie am Monatsende in wahreHEIMAT zu schicken.
Später kamen die Frauen der Männer nach. Familien.
UNheimat wurde zuHEIMAT.

SCHNITT
1989 Schluss ist mit Kommunismus.
Ein ungarischer Oberarzt verdient umgerechnet 150 EURO im Monat.
Seine Tochter ist 24 und studiert. Und ist bildhübsch.
Sie bietetSEX und verdient umgerechnet 150 EURO die Nacht.

SCHNITT
2011 Noch immer ist das Gefälle zwischen Ost und West gewaltig.
Verlassen Polinnen, Russinnen, Rumäninnen, Ungarinnen temporär ihre Heimat, um als 24Stunden-Pflegerinnen zu arbeiten.
Hier bei uns.

Zurück bleiben Familien inHEIMAT, zurück bleiben Männer mit Identitätskrisen, Kinder ohne Mütter.
Fallen junge Frauen auf Versprechungen herein. Oder sind einfach nur dumm.

Am Ende wird Gegenwart zur Hölle. Und die Erinnerung an Heimat zur einzigen Hoffnung. Mamas lenken das Geschäft mit afrikanischen Sexarbeiterinnen. Woodoo stellt sicher, dass sich die Mädchen und Frauen fügen. Denn wenn sie sich nicht hier ficken lassen, dann sollen die in derHEIMAT dafür bitter büßen.

Und der Messebesucher im Trachtenoutfit freut sich auf braunes Vergnügen ohne Gummi. Heimat. Schuld?

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1 Kommentar zu "Rochus Gratzfeld:
Sexarbeiterinnen
GELD.HEIMAT"

  1. Rochus Gratzfeld | 25. November 2011 um 19:44 |

    liebe raphaela, herzlichen dank für den kommentar.
    ich denke, das thema sexarbeit ist und bleibt unendlich schwierig.
    aus vielen facetten heraus.
    eine, sehr wesentliche, ist, dass sexarbeit immer noch an den gesellschaftlichen rand gedrängt wird.
    nicht als arbeit verstanden wird.
    sozialversicherung? arbeitslosenversicherung? krankenversicherung? pensionsversicherung?
    und: ausstiegsberatung!
    meine frau hat es gegen den heftigen widerstand in ihrer zeit als gemeinderätin geschafft, die erste(!) beratungsstelle für sexarbeiterinnen in salzburg zu etablieren. ich wiederhole: gegen heftigste widerstände!
    und: die abseitspositionierung macht verbrecherische machenschaften erst möglich.
    fürchterliche machenschaften.
    ich war am dienstag in einem der ältesten bordelle österreichs. ich möchte dort ein kunstprojekt realisieren.
    aber ich weiss, dieser „puff mit herz“ ist alles andere als repräsentativ.
    wird aussterben.
    zu gut erinnere ich, dass sich vor nicht alzu langer zeit eine schwangere sexarbeiterin aus dem fenster eines bekannten salzburger nobelhotels – in verzweiflung – gestürzt hat. nur ein beispiel realer verzweiflung.
    trotzdem möchte ich dieses kunstprojekt realisieren.
    mit hilfe meiner frau.
    unter einbeziehung kompetenter kreise.
    schaun wir mal, wie es mir im rotlichtmillieu so noch ergeht.

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