Annabell Brand: Die Niederlande

Pressefoto: Franz Neumayr - www.neumayr.cc

 

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Käse, Tulpen, Holzschuhe, Windmühlen, Kanäle, flach, offen, liberal, Marihuana, Große Menschen, Fahrräder, Gemüse.

 

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Das alles sind Begriffe, die einem im Zusammenhang mit Holland einfallen. Das alles ging auch mir durch den Kopf, als ich mich entschied, mein Auslandssemester in Groningen, den Niederlanden, zu absolvieren. Wie sieht es nun letztendlich aus mit all diesen Klischees und Vorurteilen? Sehen wir uns das mal näher an:

Käse: hm ja naj, da Käse nicht so meines ist, kann ich dazu eigentlich nicht viel sagen. Natürlich gibt es diese Käsegeschäfte, in denen sich die gelben Laibe nur so stapeln, aber im Grossen und Ganzen besitzt der Käse nicht die kulinarische Macht im Land.

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Mit den Tulpen sieht es da schon wieder ganz anders aus. Auf den Blumenständen am Markt bietet sich das prächtigste Bild, in allen Farben schillern sie und lachen einen an. Wie wird das erst, wenn die Felder zu blühen beginnen?

Holzschuhe: Sie sind die Mozartkugeln der Holländer. In jedem Touristengeschäft in allen Grössen, Formen und Farben erhältlich. Praktischer Wert: sehr gering. Leute auf der Strasse mit Holzschuhen: Null

 

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Windmühlen: Derer gibt es tatsächlich viele im ganzen Land. Die alten, romantischen, wunderschön anzuschauen, verschönern hier und da die Ebenen. Man sieht aber auch sehr viele der modernen weißen Türme mit schlanken Flügeln, oft ganze Felder. Nicht so schön wie die alten, aber effizient und wenn man an so einem Feld vorbeikommt, ganz schön beeindruckend.

Kanäle: Auch etwas, wovon in diesem Land mehr als genug vorhanden ist. Manchmal romantisch, mit alten Hausbooten in allen Farben, die sich auf dem Wasser wiegen, aber bei einem genaueren Blick auf das Wasser möchte man gerne auf ein Bad, freiwillig oder nicht, verzichten.

 

Amsterdam. Pressefoto: Franz Neumayr - www.neumayr.cc

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Flach: Flach ist gar kein Ausdruck für die endlosen Weiten, denen man hier gegenübersteht! Nicht der kleinste Hügel ist bis in den Horizont hinein auszumachen – hier im Norden, im Süden liegt die höchste Erhebung der Niederlande mit stolzen 300m Höhe.

Fahrräder: Sind ein spezielles Thema hier. Es gibt überall Fahrradwege, denn der durchschnittliche Holländer bewegt sich hauptsächlich auf dem Fahrrad fort, begünstigt durch das flache Land. An einer Ampel warten oft bis zu 30, 40 Fahrräder auf das Überqueren der Strasse. Man muss höllisch aufpassen, wenn man mit dem Auto unterwegs ist, denn die Radfahrer geben überhaupt keine Acht auf Pkws. Es gibt sie zu Tausenden und Abertausenden, meist in einem Alter, von dem Methusalem träumte und auch der Zustand lässt einen vermuten, dass die meisten kein langes Leben vor sich haben. Der Grund dafür ist die außerordentlich hohe Diebstahlsrate von Fahrrädern in den Niederlanden. Das ist der Grund, das bei den meisten Fahrrädern das Schloss bzw. die Schlösser, man sollte mindestens zwei haben, besser drei, oft viel mehr wert sind, als das Vehikel an sich. Eine Methode, hierbei nicht allzu sehr draufzuzahlen, sind die Junkies. Wenn sie in Holland nachts zu Fuß auf der Strasse unterwegs sind, wird es ihnen mit großer Wahrscheinlichkeit passieren, dass ihnen jemand zuruft „Fiets, Fiets?“, was das holländische Wort für Fahrrad ist. In so einem Fall sind sie einem Junkie begegnet der Ihnen ein, im Zweifel soeben gestohlene Fahrrad, für meist 5 Euro verkaufen will. Wenn man so will, kann man das ganze als eine Art Mietgesellschaft sehen. Sie mieten das Fahrrad für 5 Euro nach einer gewissen Zeit wird es Ihnen gestohlen und sie „mieten“ sich ein neues. Ich hatt Bekannte, denen in 5 Monaten 5 oder mehr Fahrräder gestohlen wurden, andere allerdings hatten andere Glück mit einem Fahrrad durch die ganze Zeit zu kommen. Natürlich kann man gebrauchte Fahrräder auch relativ günstig, ab ca 40-50 Euro in einem Fahrradgeschäft kaufen, aber nach dem ersten Diebstahl überlegt man sich das zweimal.

Mariuhana: Eine interessante Frage. Wie läuft das ab da unten mit der „legalen“ Droge? Coffee Shops gibt es nicht nur in Amsterdam auch in den anderen größeren Städten der Niederlande. Meist kann man im Vorbeigehen bereits de süßlichen Geruch wahrnehmen. Man sieht des Öfteren auch Leute auf der Strasse oder in Parks, manchmal sogar in Pubs einen Joint rauchen. Mein Eindruck war, dass es keinen großen Einfluss hat, außer vielleicht, dass die Leute etwas entspannter und ruhiger sind und weniger aggressiv oder aufdringlich wenn man fortgeht – ;). Es funktioniert ziemlich einwandfrei und zumindest mir ist in den fünf Monaten nichts nachteiliges aufgefallen.

Körpergröße: Das ist ein spezielles Thema, wenn man unter 1m60 ist und sich im Land der größten Menschen der Welt befindet. Diese Tatsache war mir nicht bewusst, bevor ich mich dorthin begab, war aber unausweichlich, als ich ankam. Menschen über 2 Meter sind dort keine Seltenheit und des Öfteren kann man auch ein Prachtexemplar von 2m20 bis 2m30 beobachten. Ich, ja schon in Österreich nicht die größte, kam mir vor wie ein Kleinkind. Man sieht unglaublich viele grosse Menschen, sowohl Frauen, als auch Männer und befindet man sich als kleinerer Mensch in einer Menschenmasse, kann einem das leicht das Gefühl vermitteln, wieder 8 Jahre alt zu sein.

Tomaten und sonstiges holländisches Gemüse: Schon von klein auf habe ich gelernt, holländisches Gemüse ist nicht sehr empfehlenswert, die Fleischtomaten sind zwar riesig, schmecken aber nach nichts, weil genmanipuliert und bei den anderen Sachen, nun da kann man sich auch nicht so sicher sein. Nun, die Fleischtomaten gibt es dort gar nicht mehr und was den Rest angeht, ich habe sehr viel holländisches Gemüse gekauft, gekocht und gegessen und es war ganz genauso, wie überall. Also hier mehr Vorurteil als alles andere.

Holland und die Holländer: Die Holländer sind ein großteils (Ausnahmen gibt es überall) ein angenehmes Volk. Sie sind freundlich, hilfsbereit, liberal und offen (das ist kein Klischee) und sehr groß. Das Leben dort hat mir ausgesprochen gut gefallen, es ist weniger hektisch, wesentlich freier und lockerer als bei uns in Österreich. Die Leute kleiden sich mehr leger, man sieht nicht so viele aufgetakelte und extrem gestylte Menschen und man wird meist akzeptiert, wie man ist. Die Holländer geben nicht so enorm viel auf Äußerlichkeiten und gehen offen auf andere zu. Im großen und ganzen hat mir der Lebensstil, speziell der jüngsten Stadt der Nd derland – Groningen – sehr zugesagt und auch wenn es schön war, wieder nach Hause zu kommen, zu Freunden und Bergen (fehlt enorm in Holland), ein bißchen Wehmut hängt immer noch bei dem Gedanken zurück an das Land, das Leben und ganz speziell, die guten Freunde, die ich dort gefunden habe!

Anja, Frode, Bjorn, Laura und all die anderen – ich vermisse Euch!!

 

 

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