„Der Held aus dem Westen“ – ein Dorf spielt verrückt

Saisonauftakt feiert die Spielgemeinschaft des Theaters Holzhausen mit einer irischen Tragikomödie von John Millington Synge. Die Bearbeitung von Felix Mitterer und seine Übersetzung in österreichischen Dialekt verlegt dieses „Heldenepos“ von einer Kneipe an der Küste im Westen Irlands in eine abgelegene Hütte am Berg. Die Namen bleiben unverändert und klingen weiter durch und durch irisch.

Von Elisabeth Pichler

Margaret Flaherty, genannt Pegeen Mike, ist eine resche junge Frau und Schankwirtin. Ihr Vater Michael James Flaherty möchte sie mit dem etwas einfältigen Shawn Keogh verheiraten, denn der würde ihr loses Mundwerk am ehesten ertragen. Eines Tages erscheint ein schmächtiger junger Mann in der Hütte, er befindet sich auf der Flucht und gesteht: „Dienstag vor einer Woche hab ich meinen Vater umgebracht.“ Statt Entsetzen erfährt er hier nichts als Bewunderung. Einen echten Vatermörder hat noch niemand zu Gesicht bekommen und so nimmt man ihn gastfreundlich auf. Nicht nur Pegeen Mike findet Gefallen an dem jungen Mann, auch die Witwe Quin und die braven Dorfjungfrauen können die Geschichte des grausamen Mordes nicht oft genug hören. Christopher Mahon genießt seinen neuen Status als Held und Draufgänger. Doch als der totgeglaubte Vater auftaucht, beginnt die Stimmung im Dorf zu kippen. Der strahlende Held entpuppt sich als schurkischer Angeber.

Gunther Boennecken, der schon als Boandlkramer in „Der Brandner Kasper und das ewige Leben“ begeistern konnte, steht diesmal ohne Maske auf der Bühne und gibt den frechen jungen Helden, der zum Maulhelden wird. Waltraud Hochradl kämpft als Pegeen Mike ebenso um seine Aufmerksamkeit wie Gisela Absmanner als Witwe Quin. Matthias Hochradl führt Regie, steht als totgeglaubter Vater auf der Bühne und zeichnet für das stimmungsvolle Bühnenbild mit dem malerischen Schwemmholz verantwortlich.

Bei seiner Uraufführung 1907 im Dubliner Abbey Theater löste das Drama einen Skandal aus. Die irischen Zuseher fühlten sich in ihrer Ehre gekränkt und warfen dem Autor die Verherrlichung eines Vatermordes vor. Heute gilt das Werk als Klassiker des modernen englischsprachigen Theaters. Die Spielgemeinschaft Holzhausen hat mit diesem Stück, das so hervorragend in das kleine, heimelige Theater passt, eine ausgezeichnete Wahl getroffen. Gratulation an das gesamte Team.

„Der Held aus dem Westen“ – Schauspiel von John Millington Synge. Übersetzt und bearbeitet von Felix Mitterer. Regie und Bühne: Matthias Hochradl. Licht: Matthias Hochradl jun., Wolfgang Schweinsteiger. Kostüme: Franziska Zauner. Mit: Gunther Boennecken, Matthias Hochradl, Hermann Seidl, Waltraud Hochradl, Richard Harfmann, Gisela Absmanner, Max Ferner jun., Stefan Adamski, Johann Winkler, Nina Ferner, Verena Ehrschwendner. Fotos: Hannelore Armstorfer/ Theater Holzhausen.

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