Michaela Gründler:
Apropos wird 15

Michaela Gründler
Michaela Gründler

Michaela Gründler

 Im Dezember 2012 wird die Salzburger Straßenzeitung Apropos 15 Jahre alt. Anlässlich ihres Jubiläums bringt sie ihr drittes Buch mit dem Titel „So viele Wege“ heraus. Mitgewirkt haben 32 von 70 Verkäuferinnen und Verkäufern in Wort und Bild. Herausgekommen sind berührende, in ihrer Ehrlichkeit oft schonungslose Reflexionen des bisherigen Lebensweges, aber auch spielerische und optimistische Betrachtungen und Ausblicke auf Gegenwart und Zukunft.

„SO VIELE WEGE“

„Es geht immer weiter. Das habe ich im Leben gelernt. Ein Schritt nach dem anderen. Nur keinen Stress, sonst brichst du dir die Haxn! Ich spreche da aus Erfahrung“, schreibt Sonja in ihrem Text „Im Galopp“. Es geht immer weiter. Diese Erfahrung haben alle der 32 Autorinnen und Autoren gemacht, die bei diesem Buch mitgeschrieben haben. Hinfallen, aufstehen, weitergehen. Nur nicht liegen bleiben. So wie Andrea, die einige Jahre in einer kleinen Höhle auf dem Kapuzinerberg wohnte, und sich im Winter mit teuren Pelzmänteln aus der Kleiderkammer einer Sozialeinrichtung zudeckte, um nicht zu erfrieren. Oder Christoph, der oft genug am eigenen Leib erfahren hat, wie wenig genügt, um uns komplett aus der Fassung zu bringen und aus der Bahn zu werfen. Oder Jürgen, dessen Leben seit er denken kann „wie ein aufgerolltes Wollknäuel läuft“. Sie alle sind Stehaufmännchen, schmeißen sich immer wieder mit Kampfgeist, Mut und manchmal auch einer ordentlichen Portion Zorn zurück ins Leben. Leise und melancholisch hingegen die Töne der migrantischen Schreiberinnen und Schreiber: von der Suche nach einem besseren Leben ist da oft die Rede, von der Zerrissenheit zwischen alter und neuer Heimat, der Dankbarkeit, der Hoffnung und der Erkenntnis: „Jede Wegstrecke hat einen Anfang – aber auch ein Ende.“

Unsere inländischen VerkäuferInnen haben unter Anleitung von drei Salzburger Schriftstellern (Christoph Janacs, Fritz Popp, Christina Repolust) fiktive sowie biographische Texte zum Thema „So viele Wege“ geschrieben. Der Apropos-Sprachkurs, den es seit November 2011 gibt, verfasste kurze Texte zu Schlüsselwörtern wie „Irrweg, Lebensweg, Weggefährten, Weggabelung“ und hielt unter Anleitung des Profifotografen Bernhard Müller mit Wegwerfkameras für sie spannende Wege fest. Das grafische Konzept übernahm wie beim erfolgreichen Vorgängerbuch „Denk ich an Heimat“ Grafikdesignerin Annette Rollny von fokus design.

Ab 3.12.2012 gibt es „So viele Wege“ um 14 Euro bei den Apropos-Verkäuferinnen und –Verkäuferin. Wie immer bleibt die Hälfte des Verkaufserlöses dem/der Verkäufer/in.

SO TICKT APROPOS.  Kostet wenig. Bringt viel

Apropos bietet seit Dezember 1999 Hilfe zur Selbsthilfe. Menschen in Not kaufen die Zeitung um (mittlerweile) 1,25 Euro ein und verkaufen sie um 2,50 Euro. Sie sind quasi selbständige Unternehmerinnen und Unternehmer.

Mit Apropos haben sie ein professionelles Medium, das von JournalistInnen gemacht wird und in dem sie sich in der Rubrik „Schreibwerkstatt“ auch selbst ausdrücken können. Diese Sprachrohrfunktion ist in der Medienwelt einzigartig und die Apropos-Leserschaft schätzt dieses Eintauchen in fremde Lebenswelten. Apropos möchte mit seinen Themen für die Anliegen von Menschen in Not sensibilisieren

Zitat von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller: „Zum einen ist Apropos ein sehr sinnvolles Projekt, um Menschen nach einer schwierigen Lebenssituation wieder eine Aufgabe und ein strukturiertes Leben zu geben. Die Zeitung ist aber auch für jene Menschen, die Apropos lesen und kaufen, die Chance, ein Gefühl dafür zu bekommen, dass es im Leben nicht immer nur bergauf geht, und dass jede und jeder sehr schnell vom Absturz in die Armut betroffen sein kann. In diesem Sinn erweitert Apropos das soziale Gespür und Gewissen.“

VerkäuferInnen

Derzeit verkaufen 70 VerkäuferInnen. Die wenigsten sind dabei obdachlos, viele waren es in der Vergangenheit und haben sich im Laufe der Jahre stabilisiert. Not kennt keine Ländergrenzen, daher haben wir sowohl inländische wie auch migrantische VerkäuferInnen, viele davon aus Osteuropa. Bislang hat Apropos 600 Menschen in Not geholfen. Die Menschen stabilisieren sich in ihrer Lebenssituation durch den Verkauf, sie treten in Kontakt zu anderen Menschen, sie haben eine Tagesstruktur, sind in eine Gemeinschaft eingebunden und verdienen ein Zubrot zur Mindestsicherung, IV-Pension, Pensionsvorschuss oder auch ihren Lebensunterhalt. Apropos-VerkäuferInnen haben ein gutes Image in der Bevölkerung und tragen einen Apropos-Ausweis. Apropos ist eine würdevolle Alternative zum Betteln: Menschen in Not sind quasi selbständige Unternehmer.

Verkäufer Georg Aigner, Schreibwerkstatt-Autorin Hanna S. und Verkäufer Rolf haben auch beim Buch mitgewirkt. Fotos: : Anna Schmitzberger/ Apropos

Verkäufer Georg Aigner, Schreibwerkstatt-Autorin Hanna S. und Verkäufer Rolf haben auch beim Buch mitgewirkt. Fotos (2): : Anna Schmitzberger/ Apropos

Partizipation

Uns ist es wichtig, die Menschen hinter der Armut sichtbar zu machen und eine Brücke in die Mitte der Gesellschaft zu schlagen. Daher laden wir unsere VerkäuferInnen regelmäßig ein, sich neben dem Zeitungsverkauf auch in anderen Apropos-Projekten zu engagieren: bei unseren beiden Kochbüchern haben sie ihre Lieblingsrezepte vorgestellt, bei unseren zwei Lesebüchern haben sie unter Anleitung von Salzburger Schriftstellern Texte verfasst („Denk ich an Heimat“ (2010) hat sogar zwei Preise gewonnen: den Salzburger Volkskulturpreis und die Sozialmarie 2012) und bei unserem neuesten Buchprojekt  „So viele Wege“ arbeiten so viele VerkäuferInnen wie noch nie zuvor mit: 32 von 70!

Beziehungsaufbau

Unsere VerkäuferInnen haben einen Stammplatz mit Stammkundschaft. So wichtig die KäuferInnen für unsere VerkäuferInnen sind, so wichtig ist es auch umgekehrt. Viele ältere, einsame Menschen finden in ihrem/ihrer Verkäufer/in jemanden, der sich nach ihrem Befinden erkundigt, ihnen zuhört – einfach Anteil nimmt. So entstehen vielfach enge Beziehungen, manchmal sogar Freundschaften.

Größte Erfolge

  • wenn sich die VerkäuferInnen stabilisieren
  • wenn jemand besser aufgelegt aus dem Apropos-Büro geht wie er hereingekommen ist
  • dass Apropos mittlerweile ein gutes Image hat und wir Verständnis für Menschen in Not schaffen konnten
  • dass wir vielfach ausgezeichnet wurden (René Marcic Preis, Volkskulturpreis, Sozialmarie)

Größte Misserfolge

  • wenn jemand schlechter aufgelegt aus dem Apropos-Büro geht wie er hereingekommen ist
  • dass sich manche Menschen in Not (vor allem inländische) nicht trauen, die Zeitung zu verkaufen, weil sie befürchten, von Nachbarn oder Bekannten auf ihre Not angesprochen zu werden – Straßenzeitungsverkauf erfordert den Mut, sich als „bedürftig“ zu outen

Was bringt die Zukunft?

  • wir wollen Apropos verstärkt ins Salzburger Land tragen
  • die Apropos-Verkäuferschaft ist bunter geworden: nicht nur inländische VerkäuferInnen wie zu Beginn, sondern auch migrantische VerkäuferInnen verkaufen Apropos. Wir werden sie auch weiterhin mit Sprachkursen und Mitwirkung an Schreibwerkstätten neben dem Verkauf einbinden und sichtbar machen.
  • wir werden weiterhin Projekte machen, die eine Brücke in die Gesellschaft schlagen (Kooperation mit den Festspielen, Wirtschaftstreibenden, Gastronomen, Kulturschaffenden etc).
So viele Menschen haben bei so viele Wege mitgewirkt.

So viele Menschen haben bei so viele Wege mitgewirkt.

Historische Fakten

  • Am 1. Dezember 1997 erscheint die erste Ausgabe der Salzburger Straßenzeitung unter dem Namen „Asfalter“ in einer Auflage von 5.000 Stück.
  • Sie ist ein soziales Zeitungsprojekt der Sozialen Arbeit GmbH.
  • Das Land Salzburg fördert Apropos seit dem Beginn. Zwei Drittel erwirtschaftet Apropos selbst.
  • Aufgrund eines Rechtsstreits mit zwei ehemaligen Redakteuren heißt die Salzburger Straßenzeitung ab Oktober 2003 „Apropos“.
  • Im November 2003 erlaubt Joanne K. Rowling den deutschsprachigen Straßenzeitungen, das erste Kapitel exklusiv von „Harry Potter und der Orden des Phönix“ vorab zu drucken, um „ihre Auflage zu steigern und damit verstärkt auf die sozialen Anliegen der Zeitungsprojekte aufmerksam zu machen“, so der Carlsen Verlag. Insgesamt nehmen 21 Straßenzeitungen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz an dieser Aktion teil.
  • Am 17. November 2003 erscheint Salzburgs erstes Straßenbuch „Alles bei Leopoldine.“ 15 Apropos-AutorInnen aus der Schreibwerkstatt veröffentlichen darin ihre Texte. Fotograf Luigi Caputo stellt kostenlos Fotos zur Verfügung. Die erste Auflage von 1.720 Stück war binnen eines Monats verkauft. Auch die zweite Auflage mit 1.500 ist vergriffen.
  • Zur 100. Ausgabe (Juni 2006) der Salzburger Straßenzeitung schenken uns die Kommunikationsagentur ikp und der Grafikdesigner Tom Grundnigg die Kampagne „Kostet wenig. Bringt viel.“
  • Salzburgs erster Straßenkalender „Auf den zweiten Blick“ kommt im Dezember 2006 in einer Auflage von 1.500 Stück auf den Markt, wieder mit Fotos von Luigi Caputo. Ausverkauft.
  • Apropos erscheint im September 2007 zum letzten Mal im alten „Outfit.“ Die Kommunikationsagentur ikp und Tom Grundnigg von der Idealfabrik schenken Apropos zum 10. Geburtstag im Oktober 2007 ein neues Zeitungsdesign. Mittlerweile erscheint die Zeitung in einer Auflage von 10.000-12.000 Stück. 60 Männer und Frauen verkaufen Apropos.
  • Salzburgs erstes Straßen-Kochbuch erscheint Anfang Dezember 2007. Mit kulinarischen VerkäuferInnenporträts und guten, günstigen und gesunden Rezepten.
  • Zum 10-jährigen Jubiläum im Dezember 2007 bekommt unser Verkaufsteam eine eigene Straßenuniform,  unentgeltlich entworfen vom Salzburger Modedesigner Christian Anton J. Wenger.
  • Aufgrund des großen Erfolges erscheint Anfang Dezember 2008 das zweite Straßenkochbuch. Statt sechs VerkäuferInnen präsentieren dieses Mal 12 Apropos-Frauen und -Männer ihre Lieblingsrezepte und was Genuss für sie bedeutet.
  • Im Juli 2008 wurde Chefredakteurin Michaela Gründler als erste Österreicherin und einzige Europäerin in den fünfköpfigen Vorstand des internationalen Straßenzeitungsnetzwerkes (INSP) gewählt, in dem sie sich bis Juni 2011 engagierte.
  • Im Dezember 2008 besucht Bundespräsident Heinz Fischer die Apropos-Redaktion.
  • Im März 2009 erhalten Chefredakteurin Michaela Gründler und Redakteurin Anja Keglevic (nun Eichinger) de René-Marcic-Preis für herausragende publizistische Leistungen und glaubwürdigen Journalismus.
  • Apropos wird salonfähig: 2010 geben Buhlschaft Birgit Minichmayr und Jedermann Nicholas Ofczarek Apropos vor allen anderen deutschsprachigen Medien ein Exklusiv-Interview.
  • Apropos kostet seit August 2010 statt 2 Euro nun 2,50. Die Hälfte bleibt wie immer dem Verkäufer/der Verkäuferin.
  • Im November 2010 erscheint das Apropos-Lese-Buch „Denk ich an Heimat“. 15 Straßenzeitungs-AutorInnen haben unter der Leitung des Salzburger Schriftstellers Walter Müller mitgewirkt. Das stimmige und schöne Buch mit Fotos von Bernhard Müller und gestaltet von Grafikerin Annette Rollny (beide fokus-design) durchbricht soziale Schranken. Wir sind mit dem Buch beim Salzburger Adventsingen 2010 eingeladen, bei den Rauriser Literaturtagen, wir werden für Lesungen gebucht und veranstalten selbst „Prominente Heimatduette“. Am 1. April 2011 lesen die Autoren Dimitré Dinev, Hera Lind, Walter Müller, der Kabarettist Fritz Egger und Schauspieler Karl Merkatz gemeinsam mit Apropos-AutorInnen im Theater Odeion mit musikalischer Umrahmung von „die.hammerling.“
  • Im Mai 2011 starten die Verkäufer Evelyne & Georg Aigner und Luise Slamanig sowie Schreibwerkstatt-Autorin Hanna S. auf der Frequenz der Radiofabrik (107,5 & 97,3 MHz) ihr selbständig gestaltetes Apropos-Radio. Sie sprechen jeden Monat über soziale Themen und würzen diese mit ihrer Lieblingsmusik und interessanten Studiogästen.
  • Michael Crepaz (Zahntechniker) und seine Frau Anita Crepaz (Psychotherapeutin) engagieren sich seit Juni 2011 im Apropos-Gesundheitsprojekt.
  • Im Herbst 2011 bekommen wir für „Denk ich an Heimat“ den ersten Platz beim Salzburger Volkskulturpreis verliehen.
  • Seit November 2011 bietet Apropos für seine migrantischen VerkäuferInnen einen wöchentlichen Sprachkurs unter der Leitung von Deutsch-als-Fremdsprache-Lehrerin und Journalistin Christina Repolust an. Bald stößt Dolmetscherin Doris Welther zu uns.
  • Im Mai 2012 erhält „Denk ich an Heimat“ einen der 15 Preise der „SozialMarie“, einem Preis für soziale Innovation – aus über 240 Einreichungen.
  • Im Juli 2012 erscheint Apropos im neuen Zeitungsdesign von Grafikdesignerin Annette Rollny (fokus-design), das wir uns als verfrühtes Geburtstagsgeschenk anlässlich unseres 15jährigen Jubiläums im Dezember 2012 schenken – nunmehr in Farbe. Dem vorangegangen sind zwei Fokus-Gruppen: in der Medienrunde im Oktober 2011 gaben uns Alexandra Föderl-Schmid (Der Standard), Andreas Koller (Salzburger Nachrichten), Gerhard Rettenegger (ORF), Elisabeth Klaus (Universität Salzburg), Katharina Krawagna-Pfeifer (Journalistin & Kommunikationsstrategin), Andreas Windischbauer (PR-Agentur ikp) sowie Alf Altendorf (Radiofabrik) wertvolles Feedback in den Apropos-Räumlichkeiten ebenso wie im November 2011 die „Quer-durch-die-Gesellschaft-Runde“ mit Nicole Berkmann (Konzernsprecherin Spar), Klaus-Peter-Lovcik (Marketingleiter Volksbank Salzburg), Brigitte Promberger (Literaturhaus), Tomas Friedmann (Leiter Literaturhaus Salzburg), Michael König (Geschäftsführer Diakonie-Zentrum Salzburg), Ingemarie Jungbauer (Werbeagentur Platzl zwei). Wir danken allen ExpertInnen für ihre Anregungen.
  • Seit Frühling 2012 arbeiten 32 Straßenzeitungs-VerkäuferInnen am Buch „So viele Wege“ unter der Anleitung der drei Salzburger Schriftsteller Christoph Janacs, Fritz Popp und Christina Repolust und dem Fotografen Bernhard Müller, das im November 2012 anlässlich 15 Jahre Apropos im Rahmen einer Feier präsentiert wird.
  • Im Dezember 2012 feiert Apropos das 15-jähriges Bestehen mit der Präsentation des dritten Buches „So viele Wege“

 

Presseaussendung
Mag. Michaela Gründler
Chefredakteurin Apropos

Apropos in der Dorfzeitung:

APROPOS: 1. Salzburger Strassenkochbuch
APROPOS: 2. Salzburger Strassenkochbuch
Michaela Gründler: Straßenzeitung APROPOS.
„Denk ich an Heimat“ – Buch und CD Präsentation
Bernhard Müller: Denk ich an Heimat
„Heimatduette“ – G´sundlesen im Odeїon

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