„Die Präsidentinnen“- eine radikale Komödie

Am 22. und 23. April 2015 war das Projekttheater Vorarlberg mit Werner Schwabs bitterbösem Fäkaldrama aus dem Jahr 1990 zu Gast im Kleinen Theater. Maria Hofstätter, Martina Spitzer und Dietmar Nigsch verkörpern die drei „Präsidentinnen ihres Unglücks“ mit grotesker Komik und beweisen Mut zur Hässlichkeit. Ein Abend der Superlative.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Die fromme, sparsame Erna hat sich nach all den Jahren der Entbehrungen endlich etwas geleistet: einen Farbfernseher. Gemeinsam mit ihren Freundinnen, der feschen Grete und der einfältigen Klofrau Mariedl, genießt sie die Übertragung einer Papstmesse. Erna und Grete schütten sich gegenseitig ihr Herz aus, denn beide haben, wenn auch sehr unterschiedliche, Probleme mit dem „Geschlechtlichen“. Die zwei Mal verheiratete Grete lebt nun mit ihrem heißgeliebten Dackel Lydia zusammen. Die verbitterte Erna hingegen versteht ihren großen, starken Sohn Hermann nicht, der keine Anstalten macht, Verkehr zu haben und Enkelkinder zu zeugen.

Lange Zeit lauscht die gutmütige Mariedl den beiden Giftspritzen, die ihre interessanten Klogeschichten nicht hören wollen. Dabei ist sie wirklich erfolgreich und beliebt, weiß doch jeder, dass sie es schafft, verstopfte Klos mit bloßen Händen auszuräumen. Ihr graust vor gar nichts, ist doch alles gottgewollt. Die drei vom Glück vergessenen Frauen beschließen, sich auch einmal „eine Hetz“ zu gönnen. Berauscht vom Alkohol versteigen sie sich in Wunschfantasien. Grete träumt von den Avancen eines knackigen Tubabläsers, Erna von einem Heiratsantrag des katholischen Metzgers Wottila. Mariedl überrascht mit einer sadistischen Vision, die zur Eskalation führt.

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Ein schräges Trio sitzt da rund um den Küchentisch. Dietmar Nigsch, grell geschminkt und in ein rotes Glitzerkleid gepresst, verzehrt als lüsterne Grete genussvoll Weintrauben. Als geizige und prüde Erna hat Martina Spitzer für diesen Luxus zwar nur Verachtung über, doch in ihre verbitterten Züge mischt sich unverkennbar Neid. Zwischen diesen dominanten Frauen hat es Maria Hofstätter als einfältige Klofrau Mariedl nicht leicht, sich durchzusetzen. Gnadenlos hässlich gekleidet wirkt sie zwar verwirrt, doch in ihren frommen Augen blitzt die Bosheit durch, als sie die Lebenslügen der beiden Damen aufblättert. Sensationell wie verächtlich Martina Spitzer das Wort „geschlechtlich“ geradezu ausspuckt und wie Dietmar Nigsch, trotz in Stützstrümpfe gepresster geschwollener Füße, von sexuellen Abenteuern träumt.

Schon im Vorjahr begeisterten Maria Brandstätter und Martina Spitzer als Schreckschrauben in Dea Lohers bitterbösem Kammerspiel „Anna und Martha“ das Publikum im Kleinen Theater. Bleibt nur zu hoffen, dass das Projekttheater Vorarlberg, bald wieder zu Gast in Salzburg bzw. im Kleinen Theater sein wird.

„Die Präsidentinnen“ von Werner Schwab. Projekttheater Vorarlberg. Mit: Maria Hofstätter, Martina Spitzer, Dietmar Nigsch. Fotografin: Marie Luise Lichtenthal

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