Karl Traintinger: Das Hitlerhaus in Braunau

Hitlerhaus, BraunauFoto: dorfbild.com

Samstagmittag in der Salzburger Vorstadt in Braunau. Mehrere Arbeiter sitzen vor einem Fastfoodlokal, essen einen Dönerkebap und trinken eine Cola dazu. Einige Häuser weiter genießen einige Gäste ihren Prosecco und Kinder stehen beim ital. Eisgeschäft und freuen sich auf eine Kugel Eis. Diskutiert wird über Fußball und das Wetter.

Karl TraintingerVon Karl Traintinger

Einge leere Stadthäuser fallen im Straßenbild ins Auge, das  Hitlerhaus ist eines davon. Es ist etwas heruntergekommen, verwaschen gelb und offensichtlich leerstehend. Vor dem Haus steht ein Gedenkstein, der nicht wirklich informativ ist. Das „Adolf-Hitler-Geburtshaus“, er verbrachte hier seine ersten Lebensjahre, also die Zeit, in der er noch Windeln benötigte, sorgt immer wieder für heftige Diskussionen, die eigentlich niemand haben möchte. Hört man den Namen Braunau, wird damit für viele Menschen der Name Hitler verbunden, obwohl es nur seine Geburtsstadt ist und er damit weiter nichts zu tun hatte. Niemand macht der schönen Stadt am Inn den Ruf als Hitlerstadt streitig, wie man es sonst so häufig bei bekannten Persönlichkeiten beobachten kann. Es ist kaum zu glauben, wie viele „Stille Nacht“ Gemeinden es gibt!

Hitlerhaus, Braunau

Braunaun ist eine beschauliche Kleinstadt mit knapp 17.000 Einwohnern im oberösterreichischen Innviertel, liegt am Inn und ist die Nachbarstadt vom bayrischen Simbach. Es verfügt über ein Krankenhaus, eine aufstrebende Wirtschaft und ein buntes kulturelles Leben. Man hat, wenn man durch die Straßen geht nicht den Eindruck, dass das Gedenken an die NS-Zeit allgegenwärtig ist. Braunau ist eine nette Kleinstadt wie viele andere auch.

Hitlerhaus, Braunau

Der Innsbrucker Politikwissenschaftler Dr. Andreas Maislinger möchte das Hitlerhaus in ein „Haus der Verantwortung“ umwandeln. Das ist eine interessante Idee und müsste beispielsweise wohl ähnlich dem Kehlsteinhaus am Obersalzberg organisiert werden, damit es zu keiner Pilgerstätte für irgendwelche rostigen Gesinnungsträger von gestern oder heute wird. Der Unterschied ist aber auch der, dass am Obersalzberg NS Politik gemacht wurde und in Braunau war Adolf Hitler ein neugeborenes Kleinkind. Daher stellt sich schon die Frage der Verhältnismäßigkeit bei der historischen Bedeutung der Innstadt.

Hitlerhaus, Braunau

Ich glaube auch, dass das Hitlerhaus kein Problem der Stadt Braunau ist und wenn die Huthändlerin nebenan meint, Wohnungen wären nicht schlecht, kann ich das auch verstehen. Sollte es ein „Haus der Verantwortung“ oder etwas änliches werden, muß das in der Verantwortung der Republik Österreich geschehen. Einer möglichen Enteignung der jetzigen Besitzerin durch die Republik stehe ich äußerst kritisch gegenüber, ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich mit „öffentlichem Interesse“ zu rechtfertigen ist. Eigentumsrechte sollten auch von der Republik Österreich akzeptiert werden. Eine informative Gedenktafel könnte meines Erachtens nach ein erster Schritt in der Aufarbeitung der Geschichte sein.

In den etwa 2 Stunden, die ich in der Salzburger Vorstadt verbrachte, hat sich, soweit ich es gesehen habe, nur eine Gruppe von 3 vornehm gekleideten Indern für das Hitlerhaus interessiert und Erinnerungsfotos gemacht. Ob das die typische Frequenz für Interessenten ist, weiß ich nicht.

Infos zum Hitlerhaus in der Dorfzeitung:
Andreas Maislinger: Was würden Sie mit dem Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau am Inn machen?
Norbert Mappes-Niediek: Entnervt – Debatte um Hitlers Geburtshaus will nicht enden
Cathrin Kalweit: Sein Haus
Andreas Maislinger: Franz Jägerstätter und die Juden (in der Bibel und während des Nationalsozialismus)
Andreas Maislinger: Arbeitserziehungslager und Zigeuneranhaltelager Weyer (Innviertel)
Theater Holzhausen: Heinz R. Unger – Zwölfeläuten
Theater Holzhausen: Jägerstätter – kritisches Theater in Holzhausen
Buchtipp: Ludwig Laher – Herzfleischentartung
Fotos: Karl Traintinger dorfbild.com

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4 Kommentare zu "Karl Traintinger: Das Hitlerhaus in Braunau"

  1. Früher einmal beherbergte das Hitlerhaus die Lebenshilfe, das war sicher die beste Nutzung!

  2. Wolfgang Ecker Wolfgang Ecker | 23. Juni 2016 um 08:35 |

    Mir gefällt die Idee eines Hauses des Verantwortung sehr gut. Zur Nutzung wäre eine Ausstellung über die Verbrechen der Hitlerzeit sinnvoll. Franz Jägerstätter, der nicht weit entfernt gelebt hat, wäre ein gutes Thema, stellvertretend für alle Opfer des Nationalsozialismus. Auch Ernst Josef Winter, ein geflüchteter Östereicher, der als erster Soldat der US Armee bei Burghausen österreichischen Boden betreten hat, würde sich gut eignen, um auf die Befreiung vom Terror hinzuweisen.

  3. gratzfeld | 23. Juni 2016 um 20:00 |

    Geburtshäusern grosser Persönlichkeiten wird ja in ganz Österreich, ganz Europa, Bedeutung zugemessen, die meist touristischen Interessen zuzuordnen ist. Insofern ist es ja schon was, dass klein Adolf hier in die Windeln geschissen hat. Aber stopp. Sagte ich „große Persönlichkeiten“? Eine solche war Hitler nie. Er war ein menschlich verarmter erbärmlicher Massenmörder. Dass heute wieder vermehrt Verwirrte den Arm zum Gruß heben – Jack the Ripper hätte sich solch posthume Verehrung sicher sehr gewünscht. Aber er war ja nur ein Winzling unter den menschlichen Bestien – verglichen mit Hitler. So gibt es eigentlich zum Abriss dieser Brutstätte – wurde er hier auch gezeugt, oder hinter einem Busch weiter unten am Fluss? – nur eine vernünftige Alternative. Eben das HAUS DER VERANTWORTUNG. Angefüllt mit Themen, die den Gestrigen von heute den Geschmack am Unseligen von damals vergehen lässt.

  4. Gerti Franz | 17. Juli 2016 um 11:52 |

    Herr Gratzfeld hat Recht, am Hitler Adolf war nichts groß und bedeutend. Irgendwo habe ich von einer Entpolitisierung des Hauses gelesen, dies Idee finde ich gut. Die Lebenshilfe, die schon einmal drinnen war, sollte wieder hineinkommen. Wegreissen würde ich das Haus nicht, auch glaube ich nicht, dass ein Supermarkt da drinnen gut wäre. Eine Werkstatt der Lebenshilfe wäre perfekt, die suchen doch sowieso immer passende Gebäude und mit etwas Geld müsste sich das Haus doch adaptieren lassen. Eine Infotafel zur Geschichte ist dann menr als genug

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