„Vier linke Hände“ – Boulevard vom Feinsten

Das Theater Miluna hat bei der Auswahl seiner Herbstpremiere ein äußerst geschicktes und keineswegs linkes Händchen bewiesen, denn Pierre Chesnot gehört zu den international erfolgreichsten französischen Lustspiel-Autoren. Judith Brandstätter und Jurek Milewski liefern sich in einer hinreißend komischen Beziehungskomödie einen amüsanten Schlagabtausch, der am Premierenabend (22. September 2016) weibliche und männliche Besucher begeisterte.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Sophie muss ihren 40. Geburtstag völlig alleine feiern, kein Mann weit und breit. Es gibt für sie also keinen Grund, weiterzuleben. Ein letztes Telefonat mit einer Freundin hält sie jedoch von ihrem sorgfältig geplanten Selbstmordversuch ab. Diese rät ihr, den erstbesten Mann, der ihr über den Weg läuft, zu verführen und diesmal zu geben statt zu nehmen. Da erscheint stocksauer und tropfnass ihr Nachbar, dessen einen Stock tiefer gelegene Wohnung dank Sophies übergelaufener Badewanne unter Wasser steht. Der verschrobene Junggeselle erweist sich als völlig blind gegenüber den Reizen der liebeshungrigen Dame und fordert gnadenlos einen Schadensbericht ein. Als er von der Todessehnsucht seines Gegenübers erfährt, besitzt er sogar die Frechheit, sich als Nachmieter für die sicherlich bald leerstehende Wohnung anzumelden, und präsentiert auch gleich noch die Umbaupläne. Sophie ist zwar sprachlos ob dieser Unverfrorenheit, doch sie gibt nicht auf. Nach dem Motto „auch an unsympathische Männer kann man sich gewöhnen“ lädt sie ihren staubtrockenen, eigenbrötlerischen Nachbarn zu einem aphrodisierenden Abendessen ein.

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Jurek Milewski grantelt sich überzeugend als verschrobener, in Liebesangelegenheiten unerfahrener Geschichtsprofessor durch den Abend. Seine ständigen Nörgeleien und seine Kratzbürstigkeit führen zu vergnüglichen Wortduellen mit der nie um eine Antwort verlegenen Sophie. In dieser Rolle brilliert Judith Brandstätter, die sich mächtig ins Zeug legt, um diesen schrulligen Typen zu verführen. Fast drei Stunden lang darf man den beiden Streithähnen zuhören und zuschauen und schließt sie dabei, trotz ihrer Macken, richtig ins Herz.

Alois Ellmauer hat ein kuscheliges Wohnzimmer auf die Bühne gestellt. Zwischen den einzelnen Szenen wechseln die Schauspieler blitzschnell die Tapeten und schon befinden wir uns mal im Ober- und mal im Untergeschoss. Marco Otoya hat das turbulente Lustspiel, das ganz nach dem Geschmack des Publikums im Kleinen Theater sein dürfte, mit hohem Tempo in Szene gesetzt. Ein Theaterabend, der mit zündenden Pointen und trockenem Humor beste Unterhaltung garantiert.

„Vier linke Hände“ – Komödie von Pierre Chesnot. Regie: Marco Otoya. Kostüme: Nora Frankhauser. Bühne: Alois Ellmauer. Mit Judith Brandstätter und Jurek Milewski. Fotos: Kleines Theater/ Elias Kenyeres

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