„Hedda Gabler“ – ein Spiel mit der Macht

Charlotte Koppenhöfer hat Henrik Ibsens Drama über eine herzlose, intrigante junge Frau, die aus lauter Langeweile Menschenleben vernichtet, in einer stark reduzierten Fassung im Schauspielhaus Salzburg in Szene gesetzt. Das Ensemble zeigt sich schauspielerisch und körperlich in Höchstform und wurde bei der Premiere am 24.11.2016 gebührend gefeiert.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Die verwöhnte Generalstochter Hedda hat aus purer Berechnung den aufstrebenden Wissenschaftler Tesman geheiratet. Doch so langweilig hat sie sich das Eheleben nicht vorgestellt. Schon die ausgedehnte Hochzeitsreise war eine herbe Enttäuschung, denn mit einem „unerträglichen Fachmann“ zu verreisen, macht wenig Vergnügen. Auch im neuen Haus fühlt sie sich nicht wohl. Die dürftigen Verhältnisse nerven, auf Diener in Livree und ein eigenes Reitpferd wird sie wohl noch lange verzichten müssen. Als Heddas ehemaliger Liebhaber Ejlert mit einem bemerkenswerten Manuskript auftaucht, um sich wie ihr Mann um eine ausgeschriebene Professorenstelle an der Universität zu bewerben, beschließt sie, etwas dagegen zu unternehmen. Ihr Wunsch, „ein einziges Mal im Leben die Herrschaft zu haben über ein Menschenschicksal“, geht zwar in Erfüllung, doch ihre Intrigen bescheren ihr weder das erhoffte Vergnügen noch die ersehnte Zufriedenheit.

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Julie Weideli (Ausstattung) hat ein schwarzes Stahlgerüst auf die Bühne gestellt. In diesem ungemütlichen, kalten Heim turnt, klettert, hängt und liegt nicht nur Familie Tesman herum. Auch deren Besucher müssen ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen, wobei diese akrobatischen Übungen immer wieder ins Groteske kippen. Zu Beginn sitzt Hedda (Alexandra Sagurna) gelangweilt und in sich versunken hoch oben auf einem Balken, während Tante Jule (Ute Hamm) über die verwöhnte junge Dame lästert, die so gar nicht zu ihrem geliebten Neffen, für den sie sogar ihre Rente verpfändet hat, passt. Eine Videowand macht deutlich, wie es hinter der lieblichen Fassade der jungen Frau wirklich ausschaut, da lodern die Flammen und wütet der Hass. Ihrem Gatten (Magnus Pflüger) hingegen reichen seine Bücher und die Aussicht auf eine Professorenstelle. Die Beziehung zwischen Frau Elvsted (Christiane Warnecke) und Ejlert (Matthias Hinz) weckt Heddas Eifersucht und lässt sie ein tödliches Spiel inszenieren. Olaf Salzer komplettiert als Richter Brack das engagiert aufspielende Ensemble.

Erstaunlich, welch eindrucksvolle, starke Bilder Regisseurin Charlotte Koppenhöfer in diesem minimalistischen Bühnenbild mit nur wenigen Requisiten gelingen. Faszinierend, wie Herzenskälte und Durchblutungsstörungen, an denen alle Beteiligten dieses beklemmenden Kammerspiels leiden, durch lila Einfärbungen zum Ausdruck gebracht werden. Eine kluge Inszenierung, die unter die Haut geht.

„Hedda Gabler“ von Henrik Ibsen. Deutsch von Marie von Borch. Für die Bühne eingerichtet von Charlotte Koppenhöfer. Regie: Charlotte Koppenhöfer. Ausstattung: Julie Weideli, Video: Michael Winiecke. Mit: Magnus Pflüger, Alexandra Sagurna, Ute Hamm, Christiane Warnecke, Olaf Salzer, Matthias Hinz. Fotonachweis: Jan Friese

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