„Schlag sie tot“ – bitterböses Puppentheater

ARGEkultur

In der ARGEkultur wurde am 28. Jänner 2017 das 35. MotzArt Kabarett Festival eröffnet. Nikolaus Habjan und Manuela Linshalm nehmen das Publikum mit ins Altersheim Immergrün, wo Herr Berni seinen Mitbewohnern das Leben schwermacht, denn er hasst sie alle.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Der zweifache Nestroy-Theaterpreis-Träger (2012 Beste Off-Produktion, 2016 Publikumspreis) Nikolaus Habjan war mit seinen lebensgroßen, selbstgefertigten Klappmaulpuppen schon drei Mal in der ARGEkultur zu Gast. Nach „Der Herr Karl“, „Don Quijote“ und „6 Österreicher unter den ersten 5“ serviert er diesmal ein bitterböses, sozialkritisches Stück, benannt nach dem Chanson-Klassiker von Georg Kreisler.

Die Verwandten und ein Schlaganfall haben dafür gesorgt, dass Herr Berni, eigentlich Herr Diplomingenieur Bernhard Schwingenschläger, im Heim gelandet ist. Der cholerische Heimleiter Dr. Gerd Oberwetz-Schnittke aus Detmold legt sich mit dem aus Polen stammenden Musiker an und wirft ihn kurzerhand hinaus. Wer soll nun die ehemals in Bayreuth gefeierte Operndiva Gisela Hering am Klavier begleiten? Der liebenswürdige, etwas vergessliche Eisverkäufer Hermann Dilette plagt sich vergeblich mit einem Sudoku. Er kann es einfach nicht fassen, dass er das Wort „Affe“ nicht unterbringen kann. Berni jedoch kennt sich aus, er weiß, was da schiefläuft: „Das ist ja der Zahlenschas aus Japan.“ Die adipöse Bettina Bunzl dämmert auf der Couch vor sich hin und gibt außer unangenehmen Geräuschen nichts von sich. Als im Heim die Fliegengrippe ausbricht, kommt auch das Publikum nicht ungeschoren davon. Diesmal sind nicht nur die vorderen Reihen dran, der Heimleiter schafft es mit seinem Giftspray bis in die obersten Ränge. Als die kokette Schwester Sylvie herausfindet, dass bei Herrn Dilette Geld zu holen ist, greift sie zum Giftfläschchen und ein mörderisches Spiel beginnt.

Nikolaus Habjan hat in Graz Musiktheaterregie studiert und mit seinem großen Vorbild, dem berühmten australischen Puppenspieler Neville Trantner, gearbeitet. Virtuos haucht er seinen Figuren Leben ein. Er agiert nicht nur als Bauchredner, der den Puppen die Stimme leiht und sie in Bewegung setzt, sondern führt mit ihnen auch Streitgespräche, denn nicht immer sind die Puppen mit den ihnen zugedachten Texten einverstanden. Manuela Linshalm erweist sich ihm als ebenbürtige Partnerin.

Die zynische Altenheimsatire ist eine Produktion des von Simon Meusburger und Nikolaus Habjan geleiteten Schubert Theaters Wien. Die kleine, versteckte Bühne im 9. Wiener Gemeindebezirk hat sich auf Figurentheater für Erwachsene spezialisiert und ist für seine morbid-humorvollen Produktionen bekannt. Das Programm für die kommenden Monate ist unter http://schuberttheater.at/ zu finden.

Foto: ARGEkultur

 

image_pdfimage_print

Kommentar hinterlassen zu "„Schlag sie tot“ – bitterböses Puppentheater"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Newsletter abonnieren (Jederzeit wieder abbestellbar)