„Mr. Pilks Irrenhaus“ – Schwachsinn aus Überzeugung

Das OFF Theater feierte am 10.2.2017 mit einer Reihe von schwarzhumorigen, aberwitzigen Szenen aus der Feder des britischen Schauspielers Ken Campbell die erste Premiere in seinen neuen, schmucken Räumen in der Eichstraße 5 in Salzburg-Gnigl. Das Publikum durfte sich mit der Frage „Was ist Wirklichkeit in diesem Spiegelkabinett?“ auseinandersetzen und hatte jede Menge Spaß dabei.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Ken Campbell stellt Henry Pilk in den Vorbemerkungen zu seinem Stück so vor: „Zuallererst muss gesagt werden, dass Henry Pilk ein Wahnsinniger ist. Er unterhält Kontakte zu Dieben und Mördern. Mal befindet er sich innerhalb, mal außerhalb von Irrenanstalten. Ist abwechselnd freundlich und gewalttätig.“ Mit diesen Worten wird das Publikum bereits im Foyer vorgewarnt, bevor sich die Türen zum Theatersaal öffnen. Nun befindet man sich mittendrin im Spiegelkabinett des Wahnsinns und darf auf einem der kreuz und quer im Raum verteilten Stühle Platz nehmen.

„Und die Menschen! Die rennen geschäftig hin und her, tun etwas scheinbar Sinnvolles, was aber in Wahrheit etwas total Sinnloses ist“, sinniert ein Penner auf dem Hochhausdach. Als ein Lebensmüder neben ihm auftaucht, versucht er erst gar nicht, diesen von seinem Vorhaben abzubringen, er ist vielmehr scharf auf dessen Kleidung inklusive Brieftasche. Eine verzweifelte Mutter, deren Sohn sich für ein Huhn hält und echte Eier legt, landet ihrerseits im Irrenhaus. Mögen die einzelnen Szenen anfangs auch befremdlich wirken, so hat dieser Wahnsinn doch Methode und ist eigentlich hochintelligent und einfach genial. Grandios etwa die Szene, in der sich zwei Spionageanwärter am Einüben eines Sprachcodes versuchen. Amüsant auch zu beobachten, was passiert, wenn ein völlig durchgeknallter Cowboy bei einem biederen Ehepaar auftaucht. Mit abstrusen Lügengeschichten schafft er es, die Dame des Hauses so zu beeindrucken, dass sie sofort bereit ist, ihren gutmütigen Ehemann zu verlassen. Kein Wunder, dass dieser ausrastet. Henry Pilks Stimme aus dem Off warnt das Publikum ständig davor, diese Miniaturszenen und Dramolette als Sketche zu bezeichnen, da würde er völlig ausrasten und das wolle wohl niemand.

Das gesamte Ensemble wirft sich mit enormer Spiellust in die absurden Szenen. Maximilian Pfnür darf nicht nur als forscher Cowboy brillieren, er punktet auch als hinreißende, verführerische Lady und als eierlegendes Bübchen. Alex Linse spielt den abgebrühten Penner ebenso überzeugend wie die verzweifelte Mutter und scheut auch nicht davor zurück, seinem „Bierbauch“ ein Gesicht zu verpassen. Anja Clementi wirbelt temperamentvoll von Szene zu Szene und glänzt als männermordende Nymphomanin ebenso wie als hoffnungslos überforderte Spionin. Ein Musiker (Jonas Zacharias), der sich ständig einmischt, und ein gut gelauntes Eichhörnchen (Silke Stein), das immer wieder auftaucht, unterstützen das groß aufspielende Trio des „OFF Theater“-Ensembles.

An dieser schrillen Komödie dürften nicht nur Liebhaber des schwarzen englischen Humors ihre Freude haben. Ein Theaterabend, den man sich fast ein zweites Mal anschauen möchte, denn die vielen Minidramen und skurrilen Szenen verdienen es durchaus, ernst genommen zu werden, und das ist bei dem irrwitzigen Tempo der Vorstellung gar nicht so einfach.

„Mr. Pilks Irrenhaus“ von Ken Campbell. Besetzung: Anja Clementi, Alex Linse, Max Pfnür, Jonas Zacharias, Silke Stein.

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1 Kommentar zu "„Mr. Pilks Irrenhaus“ – Schwachsinn aus Überzeugung"

  1. Fotos wären halt wünschenswert!

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