Ehemänner, die letzten Helden

Unverstanden, ungebrochen, ungezähmt,
un….un……un….

Mein Ehemann, vernüftigster Ehemann von allen, hat gerade eine Losung ausgegeben: Wer als Letztes ein Zimmer verlässt, hat das Licht auszumachen. Angesichts der momentanen Energielage muss das so sein. Als ich mir daraufhin die Stirnlampe umschnalle, um damit im Keller die Wäsche aufzuhängen, hörte ich ihn seufzen und jammern über sein schweres Los, dass er mit seinem Eheweib aufgebürdet bekam. Nie nie nie, könne ich ihn ernst nehmen….ich gestehe, ich liebe solche Scherze.

Anstrengend ist es auch, wenn mein Ehemann, kränkster Ehemann von allen, mit 37,2 C Fieber im Bett liegt. Er leidet und stöhnt, dass ich überlege, den Notarzt anzurufen. Medizin? NEIN, nur Weicheier, Beckenrandschwimmer und Bergaufbremser nehmen Mittelchen, richtige Männer kämpfen! Mit Jammern und lautem Seufzen geht’s den Viren an den Kragen. Als ich mit einem Topf Kamillentee anrücke, damit er über Wasserdampf seine Stirnhöhlen ausräuchert, reagierte er, als hätte ich ihm angetragen, seinen Blinddarm ohne Narkose rauszuschneiden. Und sein Blick, dieser Blick! So bedauernswert, als ob er gleich aus den Latschen kippen würde.

Apropos Latschen! Warum haben Männer beim Kauf von Schuhen nicht den gleichen Lustgewinn wie Frauen? Diese Glücksgefühle sind ihnen fremd. Männerschuhe brauchen ausschließlich eine Sohle, damit ist jeglicher Qualitätsanspruch erfüllt. Mein Ehemann, antikommerziellster Ehemann von allen, findet Schuhekaufen überflüssig. Und mehr als ein Paar auf einmal kaufen, ist seiner Ansicht nach, Blasphemie!!

Dem Ehezusammenleben besonders zuträglich ist ein gemeinsamer Fernsehabend. Mein Ehemann, interessiertester Ehemann von allen, will genau wissen, welcher Film auf welchem Kanal läuft. Und durch Zappen im 3-Sekunden-Takt, ist er immer genau involviert in sämtliche 14 Filme/Dokumentationen/Actionschießereien, Aufdeckergeschichten, Nachbarschaftsstreitigkeiten, usw. Ich liege auf der Couch und sehe aus dem Augenwinkel seine Hand mit der Fernbedienung. Und immer wenn er mit der Hand leicht nach unten wippt, wird der Kanal gewechselt. Ich hasse das. Ich hasse es, wenn er umschaltet, bevor der Sprecher im Fernsehen den Satz beenden konnte. Hab ich ausnahmsweise mal die Fernbedienung ergattert, räche ich mich und zappe im 2-Sekunden-Takt. Auge um Auge, Kanal um Kanal.

Wenn mein Ehemann, antialkoholischter Ehemann von allen, 2x im Jahr überdurchschnittlich viel Bier trinkt, geht es ihm ja so schlecht. Er wankt und schüttelt den Kopf, schwört, nie mehr Alkohol zu trinken und versucht, die Anzahl der konsumierten Biere mit seinen Fingern nachzuzählen. Hat die Biermenge die Anzahl der Finger überschritten, erübrigt sich das Zählen, dann hat er eine Alkoholvergiftung. Kann er noch halbwegs gehen und sitzen, wird er bald liegen, und zwar auf der Sofa, der Fernseher wird noch eingeschaltet und dann wird friedlich dahingesägt. Das ganze Wohnzimmer stinkt dann erbärmlich nach seiner Alkfahne, sein Mund ist offen, die Hand baumelt so an ihm herunter. Tsja, da kann selbst der aufregendste Traummann viel von seinem Sexappeal einbüßen!

Ich gebs ja zu, vielleicht hab ich ja auch die eine oder andere Macke. Was dazu führt, dass manchmal Streit aufkommt. Natürlich nur wegen IHM!! Er fordert den Streit ja regelrecht heraus! Dabei bin ich im Recht, aber er kapiert es einfach nicht. Wen wunderts, dass ich dann etwas lauter sagen muss, was mich bewegt. Würde sich mein Ehemann, sturster Ehemann von allen, ab und zu in meine Lage versetzen, verstünde er mich doch gleich viel besser. Obwohl, wer will schon mit einem „Frauenversteher“ verheiratet sein?

Monika Wolfgruber, Dorfzeitung

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