„Kudlich – eine anachronistische Puppenschlacht“

Der von der Theaterallianz, einer bundesweiten Plattform für das zeitgenössische Theater in Österreich, 2016 erstmals vergebene Autorenpreis ging an den oberösterreichischen Dramatiker Thomas Köck. Sein am Schauspielhaus Wien uraufgeführtes Stück über den Bauernbefreier Hans Kudlich (1823-1917) war am 27. und 28. April 2017 im Schauspielhaus Salzburg zu Gast.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Das Publikum wird aufgefordert, sich im Stehen den Prolog einer Marionette und eines „krumm gebuckelten“ Zwerges anzuhören. Wer von den beiden die Fäden in der Hand hält, bleibt unklar. Wo es Macht gibt, regt sich der Widerstand. So rief der österreichische Bauernbefreier Hans Kudlich im Oktoberaufstand 1848 die Bauern zum Landsturm auf. Als Unruhestifter wurde er von Kaisertreuen verfolgt und gejagt. Während sein Bruder Hermann im Zuge der Aufstände ums Leben kam, gelang Hans die Flucht nach Amerika. Doch wie erging es den befreiten Bauern? Konnten sie der Attacke der Raiffeisenrösser entkommen, oder schlitterten sie direkt in die Abhängigkeit der neu gegründeten Raiffeisenbank? Die Ausbeutung geht also weiter. Kein Wunder, dass der ständig Kreide fressende Bürgermeisteranwärter und Rechtspopulist Wenzel Bumsti Hofer, der mit sanfter Stimme um Wählerstimmen wirbt, so gut ankommt. Gekonnt spannt der Autor diesen Bogen zwischen 1848 und der Jetztzeit.

Fünf hochmotivierte junge Schauspieler bewältigen den anspruchsvollen, schwer mit Ideologiekritik beladenen Text des Autors mit Bravour, während sie energiegeladen auf einem riesigen Stahlgerüst herumturnen und klettern. Hans Kudlich, ein androgyner Visionär in rosa Rüschenhemdchen, fordert die Bauern dazu auf, den Protest nicht den Idioten zu überlassen.

Die Bühne dominiert ein riesiger, in Scheiben geschnittener, hölzerner Stier, der an Marionettenketten hängt (Bühne und Kostüme: Jil Bertermann). Marco Štorman hat das anspruchsvolle Stück präzise in Szene gesetzt, wobei auch der Humor nicht zu kurz kommt. Eine gelungene, frische Inszenierung, die durch Österreich tourt und auf den Bühnen der sechs Mitglieder der „Theaterallianz“ gastiert. Zu den Gründungsmitgliedern (Kosmos Theater Bregenz, Theater Phönix Linz, Klagenfurter Ensemble sowie den Schauspielhäusern Salzburg und Wien) gesellte sich 2016 das Grazer Theater am Lend. Dieses Gastspiel ist der beste Beweis dafür, was ein „Miteinander“ zu schaffen vermag.

„Kudlich – eine anachronistische Puppenschlacht“ von Thomas Köck. Regie: Marco Štorman. Bühne und Kostüme: Jil Bertermann. Musik: Gordian Gleiss. Dramaturgie: Tobias Schuster. Mit: Nicolaas van Diepen, Max Gindorff, Lisa Maria Sexl, Peter Elter, Katharina Haudum. Foto: Schauspielhaus Salzburg

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