„Der Theatermacher“ – Shakespeare, Voltaire und ich…

Robert Pienz inszeniert im Schauspielhaus Salzburg Thomas Bernhards viel gespieltes Künstlerdrama, welches 1985 am Salzburger Landestheater in der Regie von Claus Peymann uraufgeführt wurde. Kräftigen Applaus gab es bei der Premiere am 3. Mai 2017 vor allem für Harald Fröhlich als monologisierenden Staatsschauspieler Bruscon.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

„Was, hier in dieser muffigen Atmosphäre?“, beklagt sich Bruscon beim Wirt in Utzbach. Der Tanzsaal sei vermodert und verstaubt, wie auch die übrigen beklagenswerten 280 Einwohner. Hier also soll die von ihm verfasste Menschheitskomödie „Das Rad der Geschichte“ zur Aufführung gelangen. Der Geruch der Schweinemastanlage ist widerlich und macht dem größten Schauspieler aller Zeiten, der einst in Berlin den Faust und in Zürich den Mephisto gegeben hat, schwer zu schaffen. Ein Problem aber ist noch immer nicht gelöst. Wird der örtliche Feuerwehrhauptmann die Ausschaltung des Notlichtes für die letzten fünf Minuten der Vorstellung genehmigen? Die Regieanweisungen für seine unfähigen, untalentierten Kindern, den „debilen“ Sohn und die „dumme“ Tochter, erweisen sich als vergeblich. Seine Frau hat sich ins Bett zurückgezogen, wendet sie doch ihre ganze Kunst dafür auf, Krankheiten vorzutäuschen. Der ihn umgebende Dilettantismus setzt Bruscon gehörig zu. „Wir gehen auf eine Tournee, gehen doch nur in eine Falle, sozusagen in eine Theaterfalle.“ Und nun ausgerechnet Utzbach, wenn es doch wenigstens Gaspoltshofen wäre, aber nein: Utzbach – und das ausgerechnet am Blutwursttag.

Bewundernswert, wie Harald Fröhlich den monströsen Text des an Selbstüberschätzung, Hochmut und maßloser Arroganz leidenden Bruscon stemmt, ein faszinierender Machtkampf zwischen ihm und der fast stummen Opposition, die mit Gestik und Mimik zu punkten versucht. Mit stumpfem Blick lässt Marcus Marotte als Wirt die Beleidigungen über sich ergehen, während Ute Hamm als seine beim Blutwurstmachen gestörte Ehefrau mit blutigen Gummistiefeln unwillig die georderte Frittatensuppe serviert. Bruscons ungeschickter, ständig verletzter Sohn Feruccio (Matthias Hinz) und seine Tochter Sarah (Kristina Kahlert) unterwerfen sich nur widerwillig, doch gegen die Erniedrigungsrituale und Demütigungen kommen sie nicht an. Seine Ehefrau (Daniela Enzi) hat sich in die Hypochondrie geflüchtet, dagegen ist Bruscon wiederum machtlos.

Der angestaubte Tanzsaal (Ausstattung: Ragna Heiny) erinnert an das Bühnenbild der Uraufführung. In dem von Robert Pienz in Szene gesetzten Stück, zelebriert Thomas Bernhard seine Hassliebe zu Österreich, im Speziellen zu Salzburg. Außerdem lässt er Bruscon über Künstlertum, Krankheiten und die Absurditäten der menschlichen Existenz schwadronieren:

„Wenn wir ehrlich sind
ist das Theater an sich eine Absurdität
aber wenn wir ehrlich sind
können wir kein Theater machen
weder können wir wenn wir ehrlich sind
ein Theaterstück schreiben
noch ein Theaterstück spielen
wenn wir ehrlich sind
können wir überhaupt nichts mehr tun
außer uns umzubringen…“

Ein zwar langer, doch intensiver Theaterabend, ein Genuss für jeden Thomas-Bernhard-Liebhaber.

„Der Theatermacher“ von Thomas Bernhard. Regie: Robert Pienz. Ausstattung: Ragna Heiny. Dramaturgie: Theresa Taudes. Mit: Harald Fröhlich, Daniela Enzi, Matthias Hinz, Kristina Kahlert, Marcus Marotte, Ute Hamm, Sophia Fischbacher. Fotos: Jan Friese

image_pdfimage_print

Kommentar hinterlassen zu "„Der Theatermacher“ – Shakespeare, Voltaire und ich…"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.