Jahre später, gleiche Zeit

Fotograf: Andreas Hechenberger

Fotograf: Andreas Hechenberger

Doris und George, beide verheiratet, treffen sich bereits seit 25 Jahren immer im selben Hotelzimmer zu einem alljährlichen Liebeswochenende. Die Fortsetzung von Bernard Slades Klassiker „Nächstes Jahr, gleiche Zeit“ hatte am 4.3.2010 im Kleinen Theater Premiere.

Inzwischen sind Doris und George in die Jahre gekommen, sie feiern so etwas wie ihre „Silberhochzeit“, also das 25-jährige Jubiläum ihrer Affäre, und genau da beginnt das Stück. Liebevoll trifft Doris, ganz auf jugendlich gestylt, Vorbereitungen für das große Fest: Der Champagner ist kaltgestellt und eine Torte mit 25 Kerzen steht auf dem Tisch. George hingegen – wie könnte es anders sein – hat das Jubiläum schlichtweg vergessen und schrammt mit einem spontan intonierten Ständchen scharf am großen Krach vorbei. Bald kehrt die gewohnte Routine wieder ein. Man berichtet vom jeweiligen Partner, erst das Gute, dann das Schlechte und geht dann zu Erfreulicherem über: Stolz werden Fotos der Kinder und nun auch der Enkelkinder hergezeigt.

Fotograf: Andreas Hechenberger

Diese ruhige Vertrautheit gerät ins Wanken, als George, der nun Witwer ist, sich in eine sehr viel jüngere Frau verliebt und sie heiraten will, weil sie ein Kind von ihm erwartet. Ein Jahr später ist ihm das „durchgedrehte Hippiekind“ längst mit dem Fitness-Trainer durchgebrannt, er bringt das Baby sogar mit zu einem Treffen und bietet Doris kurzerhand die Ersatzmutter-Rolle an. Das Publikum darf teilhaben an diversen, so richtig aus dem Leben gegriffenen kleinen und großen Katastrophen: Alkoholsucht und Fitnesswahn, schwulem Sohn und heroinsüchtiger Tochter, Arbeitslosigkeit und Krebserkrankung, und rätseln, ob es wohl doch noch ein Happy End geben wird.

„Jahre später, gleiche Zeit“ ist kein Klamauk, sondern ein gekonnt konstruiertes Lustspiel mit großem Wortwitz und voller Lebensweisheit. Die Pointen sind wohlgesetzt und zielen auf die Wehwehchen des Älterwerdens sowie die offenbar nicht zu tilgende Eitelkeit der Menschen. Auch das Thema Tod wird nicht ausgeklammert, aber so präsentiert, dass der heitere Grundton des Abends nicht gestört wird. Überzeugend Alfred Pfeifer als in die Jahre gekommener Hypochonder, der Angst vor dem Alter hat. Margot Maria Paar, als seine etwas neurotische, aber immer agile Partnerin, schafft es – wie viele Frauen -, dem Alter ein Schnippchen zu schlagen, perfektes Make-up und tolle Kostüme helfen dabei. Viel Applaus für zwei bravouröse Einzelleistungen.

Fotograf: Andreas Hechenberger

Das Zweipersonenstück ist wie geschaffen für die intime Atmosphäre des Kleinen Theaters. Die Bühne (Wolfgang Heidelmeyer), ein gemütliches Hotelzimmer mit einem großen Doppelbett, in dem die Probleme diesmal nicht gelöst werden können. Ein vergnüglicher Abend mit verständnisvollen Lachern und verdächtigem Gekicher im Publikum, der Wiedererkennungseffekt war wohl groß.

„Jahre später, gleiche Zeit“ Theater Laetitia / Komödie mit Musik von Bernard Slade / Regie: Alfred Pfeifer, Regieassistenz: Anna Maria Paumgartner / Gesang: Alfred Pfeifer / Bühne: Wolfgang Heidelmeyer / Mit: Margot Maria Paar und Alfred Pfeifer

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