Leopold Kohr – Aufstand gegen die Masse

„Die Revolution ist nicht rot gegen grün, oder Sozialismus gegen Kapitalismus, Schwarz gegen weiß, Jugend gegen Alter, die Revolution heute ist der Einzelne gegen den Staat, der zu groß geworden ist, das Individuum gegen die Masse, die uns unterdrückt, das Kleine gegen das Große, David gegen Goliath, alles andere ist reaktionär.“ (Leopold Kohr)

Salzburg feiert 100 Jahre Leopold Kohr. Der Oberndorfer Philosoph und Nationalökonom suchte in jungen Jahren das Weite, um erst später die Qualität der Nähe zu entdecken. Schließlich fand er in den kleinräumigen Strukturen seiner Heimat das Gegenmodell zur Gigantomanie des 20. Jahrhunderts. „Das menschliche Maß“ wird zum Kernanliegen seines Lebenswerkes.

Seine Botschaft „Zurück zum menschlichen Maß“ scheint nur auf den ersten Blick banal. In Wahrheit aber stellt sie dem „beschleunigten“ Menschen des 21. Jahrhunderts eine anspruchsvolle Frage: Wo stehe ich und was ist für mich erreichbar? Ganz ehrlich, halten wir nicht auch manchmal Geschirrspüler & Co oder den 5-sitzigen, 250 PS Boliden für menschlich maßgerecht, obwohl sie uns neben Spaß und Komfort auch faul und abhängig machen? Ist doch, so glauben wir fest, das Werk vernunftbegabter, genialer Ingenieure. Nur, wie viel menschliches Maß steckt wirklich noch in den Berechnungen und Simulationen von Maschinen, die Tempo-, Komfort-, Status- und Sicherheitsbedarf eines Produktes errechnen um es dann für die Roboter des Fertigungsprozesses zu optimieren?

In seinen Büchern und Schriften definiert Kohr seine Vorstellungen vom „menschlichen Maß“ sehr konkret und macht dazu das verantwortungsbereite, selbstbewusste Einzelwesen zum Träger einer zukunftsfähigen Form des Zusammenlebens in kleinräumigen Gemeinschaften.

Bald wäre er uns verloren gegangen

1979 begegnete der Salzburger Kulturmanager Alfred Winter dem international bereits sehr bekannten Kohr anlässlich der großen Keltenausstellung in Hallein. Winter war fasziniert und alarmiert. Drohte doch ein bedeutender Denker und sein Werk in der Beiläufigkeit wissenschaftlicher Nebenschauplatz-Berichterstattung und Vereinnahmung durch diverse Institutionen für Österreich verloren zu gehen. Es begann eine beispiellose Heimholung.
Beispiellos, weil nicht nur die Persönlichkeit Kohr, sondern auch sein Gesamtwerk wieder mit seiner Heimat verwurzelt werden sollte.

Freunde, Fleiß, Begeisterung und Nachhaltigkeit

Alfred Winter, der Vernetzer, Christian Vötter und Susanna Dankl-Vötter, die kreativen Verwalter, Gerhard Lehner, der grenzüberschreitende Biograf, Günther Witzany, der Sammler und behutsame Ordner und die auf außergewöhnliche Literaturprojekte spezialisierten Menschen des Salzburger Verlag Otto Müller sollten die schützende Sphäre um Kohrs Person und Werk bilden.
In Neukirchen am Großvenediger entstand im ehemaligen Kammerlanderstall die Leopold Kohr Akademie und Tauriska, ein Langzeitprojekt zur regionalen kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung der Tauernregion. Zwei Pinzgauer, Susanna Dankl-Vötter und Christian Vötter formten langsam, beharrlich und ganz im Sinne Kohrs ein lebendiges Denkzentrum. Unkonventionell, mit der allen Stürmen der Zeit trotzenden Sturheit und dem Stolz der
Pinzgauer samt ihrem kantigen Charme, halten die beiden bis heute das Erbe Kohrs zusammen.

Taxham, im März 2009
Karl G. Mayr, Dorfzeitung

Kohr-Sphäre-Salzburg:

Prof. Alfred Winter entdeckte Leopold Kohr neu für Österreich und begleitet seither alle Kohr-Projekte mit seiner Inspiration und Unterstützung >

Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter bewahren das Vermächtnis Kohrs in der nach ihm benannten Leopold Kohr Akademie >

Dr. Günther Witzany, Herausgeber und Verfasser vieler Kohrschriften. Manchen erzählt er seine Bücher und gewinnt damit neue Mitdenker >

Leopold Kohr Hauptschule Oberndorf >

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