Risikostudie:
EU-Kids online

Über die Nutzung des Internets durch Jugendliche wurde eine europaweite Studie durchgeführt. Die Kommunikationswissenschaftlerin Ingrid Paus-Hasebrink von der Universität Salzburg leitet das österreichische Team, das zu folgendem Ergebnis kam: Jugendliche in Österreich haben ein relativ hohes Einstiegsalter bei geringerer Intensität der Internetnutzung. Trotzdem sind die Risiken groß und werden von österreichischen Eltern unterschätzt.

Univ. Prof. Dr. Ingrid Paus-Hasebrink. Foto: Andreas Kolarik, 21.10.10

Die Ergebnisse der europaweiten Studie „EU Kids Online“ liegen vor und wurden auch an die Europäische Kommission in Luxemburg übermittelt. In dieser bisher einmaligen Untersuchung wurden in 25 europäischen Ländern, darunter auch Österreich, 23.420 repräsentativ ausgewählte Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 16 Jahren und jeweils ein Elternteil zu den Themen Internetnutzung und Online-Risiken befragt.

Insgesamt 39% sind bereits mit einem oder mehreren Online-Risiken (z.B. Pornographie, Bullying, sexuelle Nachrichten und Bilder, Kontakt mit nicht persönlich bekannten Personen, Offline-Treffen mit Online-Bekanntschaften, Missbrauch persönlicher Daten etc.) konfrontiert gewesen. Im europäischen Vergleich zeigt sich, dass insbesondere Kinder in Estland, Litauen, der Tschechischen Republik und in Schweden (jeweils zwei Drittel) bereits Erfahrungen mit einem oder mehreren Online-Risiken gemacht haben. Am seltensten war dies bei Kindern in der Türkei, in Portugal und in Italien der Fall.

Die Untersuchung zeigte auch, dass tendenziell das Einstiegsalter für die Internetnutzung auf unter 10 Jahre gesunken ist und dass 12% der Kinder und Jugendlichen bereits mit risikoreichen Inhalten Kontakt hatten. Interessanterweise empfindet die Mehrheit der Kinder Online-Risiken oft nicht als unangenehm und spricht daher nicht von negativen Erfahrungen. Objektive Risiken und subjektive negative Erfahrungen gehen somit nicht zwangsläufig Hand in Hand. Faktoren wie Alter und Geschlecht beeinflussen dieses Empfinden. Insbesondere jüngere Kinder können oft nur schwer mit risikohaltigen Inhalten umgehen.

Univ.-Prof. Dr. Ingrid Paus-Hasebrink, Leiterin des Forschungsteams in Österreich, spricht von einer Sonderstellung österreichischer Kinder in der Untersuchung. „Nicht nur, dass hier das Einstiegsalter für die Internetnutzung mit 10 Jahren im europäischen Durchschnitt recht hoch ist, österreichische Kinder nutzen das Internet auch weniger häufig – nur 50% nutzen es täglich – dennoch wurden auch sie vergleichsweise häufig mit Risiken konfrontiert. Auffällig ist, dass österreichische Eltern Online-Risiken im Vergleich stark unterschätzen, nur 4% sind der Meinung, ihre Kinder hätten schon Nachrichten mit sexuellen Inhalten bekommen, tatsächlich gaben aber 17% der Kinder Gegenteiliges an.“ Damit liegt Österreich noch über dem Trend, der sich generell in Europa abzeichnet, nämlich dass Eltern die Gefahren und Risiken der Online-Nutzung, vor allem bei jüngeren Kindern, unterschätzen.

Die häufige Konfrontation mit Risiken bei geringer Nutzung und die allgemeine Unterschätzung der Risiken von Seiten der Eltern lässt den Ruf nach politischen Konsequenzen laut werden; es bedarf in Zukunft spezieller Maßnahmen, um das Bewusstsein der Eltern zu stärken und gezielt vor allem jüngeren Kindern einen sicheren Umgang mit dem Internet zu ermöglichen.

Der gesamte EU Kids Online-Bericht „Risks and Safety on the Internet“ ist einsehbar unter www.eukidsonline.net.

Eine erweiterte Version, inklusive politischer Empfehlungen und Befunden zur den Umgangsweisen der Eltern, wird im November vorliegen. Die vorgestellten Ergebnisse beruhen auf einer Studie des Forschungsnetzwerkes EU Kids Online. Das österreichische Forschungsteam leitet Univ.-Prof. Dr. Ingrid Paus-Hasebrink von der Universität Salzburg, (Fachbereich Kommunikationswissenschaft). Als wissenschaftliche Mitarbeiterin unterstützt MMag. Andrea Dürager das Team.

Das Forschungsnetzwerk, das unter der Leitung von Prof. Dr. Sonia Livingstone (London School of Economics and Political Science ; LSE) koordiniert wird und an dem Forschungsteams und Beiratsmitglieder aus 25 Ländern sowie ein internationaler Beirat beteiligt sind, wird vom EC Safer Internet Programme gefördert. Die Ergebnisse werden im Rahmen des Safer Internet Forums in Luxemburg erstmals vorgestellt.

Mag. Gabriele Pfeifer
Leitung Public Relations und Kommunikation

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