Monika Wolfgruber:
Alle Jahre wieder …

Dabei hab ich mir so fest vorgenommen, mich diesen Advent nicht stressen zu lassen. Aber erstens kommt es anders, zweitens als du denkst.

Geruhsam fing er auch an, mit einer Woche Urlaub und ich hätte in Ruhe mein Haus dekorieren können, hätte ich meine Weihnachtsdeko gefunden. Sie war wie vom Erdboden verschwunden, dafür waren die buntbemalten Ostereier sofort greifbar. Dann musste ich plötzlich im Büro soviel arbeiten und schon wieder war eine Woche rum. Kekse hab ich ein Blech voll gebacken. Die haben genau 15 Stunden überlebt.

Was schenk ich eigentlich meinem Mann? Eine Woche wird mir geschenkt, der heilige Abend ist an einem Freitag, also keine Panik. 4 Weihnachtsfeiern, 3 Christkindlmärkte und 2 Schneewanderungen später hab ich noch immer keine Geschenke. OK, jetzt ist es Zeit für Panik.

Einen Vormittag lang hab ich fast alle Geschenke gekauft, für die Kinder, Nichten, Neffen, Geschwister und für alle, die mich notgedrungen das ganze Jahr ertragen…aber was schenk` ich verflixt nochmal meinem Mann?

Heute war ich den ganzen Tag unterwegs und hab noch die allerletzten Einkäufe gemacht. Aber für mein Ehegespons habe ich immer noch nichts. Ich denke, ich werde ihm einfach 100 Euro geben, nett verpackt in einem Riesenkarton und er soll sich im ebay eine Jeepfelge oder ähnlich Lebenswichtiges ersteigern oder im Werkzeugladen bummeln gehen. Lieblos, aber fällt Euch was Besseres ein?
Zuhause angekommen, steht ein etwas zerknirschtes Ehemännlein vor mir und meint, er gibt mir 100 Euro, ich soll mir doch im ebay ein Pferdehalfter oder ähnlich Lebenswichtiges ersteigern oder im Schuhladen bummeln gehen. „Du Schuft“ sag ich sofort, „kannst du dir nicht mal 10 min Zeit nehmen und nachdenken, was mir Freude machen könnte“?

Vor 5 Minuten ist ihm eingefallen, dass er letztes Jahr den Christbaum mitsamt dem Kreuz weggeschmissen hat. Jetzt ist er hinterm Haus und sucht verzweifelt nach Brettern, die er zu einem Christbaumständer verarbeiten kann. Ich habe nur großherzig geschwiegen.

Für morgen bin ich guter Dinge, außer dass mir meine Tochter gesagt hat, sie wünscht sich doch nicht den singenden Pandabären, der sei blöd (den hab ich schon vor Wochen besorgt). Dann meinte sie noch, sie werde jetzt dem Jesuskindlein ein Geschenk basteln, denn sie findet das ungerecht, schließlich hat das Jesuskindlein Geburtstag und alle anderen kriegen Geschenke. Das sei doch unfair, warum ist das so Mama?

Und mein Sohn meinte, im Kindergarten gehe das Gerücht um, Gott sei der Vater vom Christkind, aber was hat dann Josef mit der Sache zu tun? Von Erklärungsnotstand geplagt murmle ich erst etwas von Patchworkfamilie, verweise dann auf Religionslehrer und Kindergärtnerinnen. Die haben ihnen diese Tatsachen erzählt, also müssen sie auch die passenden Erklärungen liefern. 2 fröhliche und aufgekratzte Kinder, voller echter und herzlicher Vorfreude auf das Weihnachtsfest habe ich vorhin mit vier (pro Kind) Gutenachtgeschichten niedergebügelt.

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich ein Kind war. Wie ewig lang hat dieser 24. Dezembertag doch gedauert, bis es endlich Abend war. Wie schön war es, ans Christkind zu glauben. Wie herrlich war der Geruch der Wunderkerzen und das gemeinsame Essen der traditionellen Würstlsuppe. Der Wirbel beim Auspacken, da ein Lachen, dort eine Anekdote, lauter fröhliche Gesichter und wohliges Zusammensein.

Möge auch bei Euch die Weihnachtsfreude einkehren, das wünsche ich Euch von ganzem Herzen!
Frohe Weihnachten!

Monika Wolfgruber

image_pdfimage_print

Kommentar hinterlassen zu "Monika Wolfgruber:
Alle Jahre wieder …"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Newsletter abonnieren (Jederzeit wieder abbestellbar)