Erdogan – oder wir sollten jetzt denken.

.
Istanbul.
In den 90er Jahren.
Taxi.
Hupen.
Stau.
Taxi.
Hupen.
Stau.
Zwei Männer steigen aus ihren Autos.
Prügeln aufeinander ein.
Setzen sich wieder in den Stau.
Weiter.
Samstag.
Partytime.
Wenn ich jetzt mit dir gehe, musst du mich heiraten.
Sagt sie im durchsichtigen Rock.
Meine Gedanken erigieren.
Geschäftstermin.
Europa.
Wir wollen nach Europa.
Raki unter Männern. Noch eine Flasche.
Geteilt mit dem Deutschen.
Wir wollen nach Europa.
Yararina.
Polizeikontrolle.
Beine breit.
Hände aufs Dach.
Auch die Frauen.
Wir wollen nach Europa.
Fisch.
Salat.
Salz des Meeres.
Die Armutsquartiere im Moloch.
Interessieren keinen.
Bis auf.
Die.
Sind heute an der Macht.
Der.
Damals.
Party. Hupen. Fisch. Früchte des Meeres. Wein. Raki.
Europa hat auf sie geschissen.
Fakt.
Gastarbeiter. Gäste. Nicht bestimmt zum Bleiben.
Salzburg.
Türkische Community.
Schreibe ein Buch.
Bin gern gesehen.
Hier.
Tee.
Raki.
Wein.
Dann Schluss.
Kopftücher.
Zwangsehen.
Ehrenmorde.
Erdogan.
Palast. Revolte. Reichtum.
Sultanat.
5 Kinder.
Zukunft Europas.
Unterdrückung. Inhaftierung. Folter.
Todesstrafe.
Nazi.
Merkel.
Was ist passiert.
Europa ist schuld. Auch.
Dass ein Erdogan.
Kommen konnte.
Nein. Nicht Hände waschen in Unschuld.
Denken.
Gedanken.
Handeln.
Alle.
Miteinander.
Radikalisierung beenden.
Zuhören.
Geschichte. Lernen.
Sie ist jung. Und schön. Sehr schön.
Und Türkin.
Sie spreizt vor mir die Beine.
Sagt: We hall whipe them out. Damals 9/11.
In Antalya.
Zitiert Bush.
Als mir nach Anderem war.
Whipe out ist keine Lösung.
Trump ist der schlimmste Erdogan.
Aber eben nicht Türke.
Nein die.
Dürfen jetzt nicht. Recht bekommen rechts von ganz undenkbar.

Epilog
Ich habe keine Lösung, aber ich hasse nicht, sondern denke.
Allah büyüktür.




Einmal Hund, immer Hund. Sonja Schiff.

FRAUmitHUND
Die Geschichten

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Einmal Hund, immer Hund. Sonja Schiff.

„Meinen ersten Hund habe ich mit 15 angeschleppt. Er hieß Pablo, war kohlrabenschwarz und der Hund des Knaben, in den ich grad verliebt war. Er suchte einen neuen Besitzer für seinen Hund. Und ich wollte diese große Aufgabe unbedingt übernehmen. Meine Mutter sah das dann leider ganz anders. Also musste ich den Hund, begleitet von tausenden Tränen, wieder zurückgeben. Aber ich schwor mir damals: Wenn ich erwachsen bin, habe ich einen Hund. An diesen Eid erinnerte ich mich im Alter von 33 Jahren. Ich hatte gerade eine Scheidung hinter mich gebracht und erfahren, dass ich nie Kinder haben werde. Es war eine Lebensphase mit viel Traurigkeit. Im Nachhinein denke ich mir damals bin ich stetig an der Grenze zur Depression dahingewandelt. Alle Energie ging in die Arbeit, danach war ich leer und verkroch mich zu Hause in meiner Höhle. Monatelang. Irgendwann in dieser Zeit kam mir der Gedanke, dass ich etwas brauchte um meinen “Kümmertrieb” auszuleben, etwas was ich umsorgen konnte. Da erinnerte ich mich an den Eid. Ein Hund!

Othello hat mir die Welt da draußen ganz neu gezeigt, er hat mich auf meinen vielen Reisen als Single begleitet und er hat mir beigebracht, dass Spaziergänge bei Sturm, Regen und Schneesturm einfach wunderbar sein können. Okay, er hat auch mein beiges, sauteures Ledersofa zerstört, und zwar noch am Tag der Lieferung. Außerdem hat er jede Rückbank meiner Autos zerfetzt und so manche Lieblingsschuhe. Er hasste es alleine gelassen zu werden! Abgrundtief und zerstörerisch.

Seit Othellos Tod im Jahr 2013 begleiten mich zwei wilde Hundemädels. Nutella und Girly, Dobermannmix und Schäfermix, beide aus dem Tierschutz. Beides keine einfachen Hunde, die eine ursprünglich ein sehr ängstlicher Hund—heute eine liebevolle und jederzeit verlässliche Wächterin, die andere ein ehemaliger Straßenhund mit viel Misstrauen und noch mehr Kampfgeist. Aber wir haben uns zusammengerauft und werden Tag für Tag zu einem besseren Team. Ich denke an die alte Dame, etwa 85 Jahre alt, der ich jeden Morgen beim ersten Gassigang begegne. Sie hat mir erst kürzlich erklärt, wie schwer es ihr aufgrund von Schmerzen fällt, morgens aufzustehen. Aber ihr kleiner Hund braucht sie und so rafft sie sich auf und bleibt dadurch mobil. Oder eine andere alte Dame, sie ist etwa 80, die gerade wieder zwei alte Hunde aus dem Tierheim geholt hat. Auch sie leicht gehbeeinträchtigt. Und trotzdem, dreimal täglich zieht sie mit den Hunden los. Ich werde daher wohl auch irgendwann so eine alte Frau sein. Werde kaum mehr laufen können, aber mich zwingen, rauszugehen, für meinen Hund oder meine Hunde. Sollte ich einmal in einem Seniorenheim wohnen müssen, dann bitte in einem, in dem auch Hunde einen fixen Platz haben! Da fällt mir ein, vielleicht sollte ich ja irgendwann so einen richtig hundefreundlichen Alterslebensplatz für mich und andere gründen?

Die Bilder sind noch bis Ende April 2017 während der Sprechstunden in der Tierarztpraxis Lamprechtshausen zu sehen.




Liebe stirbt nicht.

FRAUmitHUND
Die Geschichten

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Liebe stirbt nicht.

Ich lernte Bettina und Coco in Salzburg kennen. Irgendwie waren wir uns sehr schnell sympathisch. Daraus ist eine Freundschaft geworden. Coco lebt nicht mehr. Sie starb hochbetagt. Aber aus Bettinas Herzen ist sie nicht verschwunden.

Als ich Coco zum ersten und einzigen Mal traf, war sie bereits sehr krank. Dennoch strahlte sie einen schier unendlichen Lebensmut aus. Und es war klar: Bettina und Coco waren eine Einheit. Ein Herz und eine Seele.

Heute lebt Bettina nicht mehr in Salzburg. Cocos Tod änderte ihr Leben vollständig. Wenn ich heute von ihr höre, dann von irgendwo auf dieser Welt. Ab und an besucht sie mich. Wird dann ganz herzlich von meinen beiden Hündinnen begrüßt. Na ja. Die haben Geschmack. Wie Bettina. Schließlich bringt die Nutella und Girly immer das Feinste vom Feinen aus einer Hunde-Hof-Bäckerei mit. Echt adelig. Ja. Coco. Sie ist bei unseren Gesprächen dabei. Ich bin ja sicher, dass Coco längst eine Liebschaft mit meinem verstorbenen Othello—ein distinguierter alter Herr—jenseits des Regenbogens hat.
Sicher lächeln die beiden auf uns herunter und sagen: Liebe stirbt nicht!

Die Bilder sind noch bis Ende April 2017 während der Sprechstunden in der Tierarztpraxis Lamprechtshausen zu sehen.




FRAUmitHUND
BILDER & GESCHICHTEN

In 2014 habe ich damit begonnen, Frauen und ihren Hund, ihre Hunde, zu fotografieren. Irgendwie ist das eine besondere Beziehung, die ich versuchte, zu dokumentieren. Ich hatte eine Reihe wunderbarer Begegnungen. Oft berührende Geschichten durfte ich festhalten. 2016 habe ich das Projekt beendet. Mein Dank gilt den Modellen.

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Als Soziologe beschäftigen mich immer wieder Themen rund um das Sozialverhalten von Menschen. Darüber schreibe ich, darüber erstelle ich Fotoreportagen. Als eingefleischter „HundeMann“ hat mich die Rolle interessiert, die Hunden über die vergangenen Jahre im Zusammenleben mit Menschen zukam und gegenwärtig zukommt.

Ich unterscheide dabei folgende Phasen, die sich teilweise bis heute überschneiden:
Phase I: Hund als reines Nutztier (Schutz, Jagd, Hüten)
Noch heute ist dies in den meisten Ländern Osteuropas, in Ländern mit überwiegend ruralen Strukturen (z.B. Mongolei, Türkei) die zentrale Funktion, welche Hunde zu erfüllen haben.

Phase II: Hund als Statussymbol des Mannes
Galt insbesondere in der Zeit 1950-1980 und gewann auch bei jungen Männern mit der Verbreitung sogenannter Kampfhunde in unserem Jahrtausend wieder an Bedeutung.

Phase III: Hund als Familienmitglied
Ab den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Phase IV: Hund als Partner von Frauen, teilweise auch als „modisches Accessoire“
Kam auf um die Jahrtausendwende.

Jeder der oben angeführten Phasen können bestimmte Hunderassen zugeordnet werden.

Das Projekt FRAUmitHUND basiert auf der Phase IV. Ich habe versucht, mit Bildern und Worten dieses Phänomen zu beschreiben und zu visualisieren. Hunde als Partner, Freunde, Seelentröster, Begleiter, Sportkameraden.

Ganz besonders freut mich, dass die Bilder bis April dieses Jahres in der Tierarztpraxis Lamprechtshausen von Dr. Karl Traintinger und Magistra Heidi Hirscher dem Publikum zu den Praxiszeiten zugänglich sind. Die Geschichten liegen zur Lektüre ebenfalls dort aus.

Die Vernissage fand am 10. Februar statt. Sie wurde eröffnet vom LAbg. Hofrat Landesveterinärdirektor Dr. Josef Schöchl in Anwesenheit von Bürgermeister Ing. Johann Grießner unter grosser Beteiligung von Besucherinnen und Besuchern. Dr. Karl Traintinger stellte mich und das Projekt vor. Im Übrigen fand das Ereignis große Resonanz in der gedruckten Presse.
Gitarre und Saxophon sorgten für klangvolle Unterhaltung.

ngg_shortcode_0_placeholderZu den Geschichten hier ein Beispiel, welches wohl niemanden „kalt lassen“ kann:

DURCH DICK UND DÜNN
 „Eigentlich sollte es ein schöner Neustart werden. Nachdem ich die Starre, die der Tod meines Vaters über mich gebracht hatte, jeden Tag schmerzhafter zu spüren begann und endlich die Kraft aufwenden konnte, etwas dagegen zu unternehmen, beschloss ich in Bildungskarenz zu gehen.

Gerade als die notwendigen bürokratischen Wege erledigt waren, bekam ich das Ergebnis einer Biopsie, die ich im guten Gewissen, dass es sich lediglich um eine Absicherung einer harmlosen Kalkablagerung in meiner rechten Brust handelte, durchführen hatte lassen.

Während der Arzt mit mir am Telefon spricht und mir die nächsten Schritte erklärt, breche ich unter der Nachricht zusammen. Ich kann nur noch meine Mutter und meinen Freund anrufen und die Diagnose ins Handy schreien, hysterisch schreien, wieder ganz weit weg aus meinem Körper.

Die nächsten Tage und Wochen bin ich sehr aufgekratzt, ich geh alles ganz professionell an, schreib mir Fragen zusammen, entgleite immer mehr meinen Gefühlen und schaffe es, zu existieren, ohne zu sein. Abläufe werden Routine, ich geh zur Chemo und denk nur daran, dass das alles vorübergehen muss und ertrage.

Ich bin nicht mehr mit mir verbunden, ich erlebe alles als Beobachter, der nichts lieber würde, als davon zu laufen, um das alles nicht mehr mitansehen zu müssen. Es sind keine schönen Geschichten, die das Leben in den Chemo-Zentren schreibt. Mir wird das Brustgewebe fast vollständig entfernt und der Verlust mit Silikon wieder gut gemacht, ein Gefühl von Plastik in mir, ich denk nicht weiter darüber nach.

Im Gebäude, in dem ich im Krankenbett liege, ist auch die Geburtenstation untergebracht. In den Nächten, in denen mir das Schlafen zu schwer fällt und ich vermeintlich ziellos durch die Gänge spaziere, lande ich immer wieder vor dem Kreissaal, und freu mich, wenn eine Frau mit ihrem Neugeborenen an mir vorbeigeschoben wird. Ich stehe und lausche, um die ersten Schreie der neuen Menschen zu hören, die es gerade auf unsere Welt schaffen. Ich versuche nicht darüber nachzudenken, ob ich jemals die Liebe einer Mutter für ihr Kind empfinden werde können. Hauptsache leben, denk ich, alles andere kann man schon ertragen, denk ich. Fünf Jahre lang noch eine Antihormontherapie, die mich vorübergehend in den Wechsel bringt. Selbst ein Kind zu bekommen wird immer unwahrscheinlicher, aber um mich herum, bei meinem Freund, meinen Freunden, meiner Mutter und meiner Familie herrscht der liebevolle Konsens, dass ich mit Sicherheit, wenn alle Behandlungen abgeschlossen sind, selber Mama werde. Ich will nur einfach nicht sterben, denk ich und lächle zuversichtlich in die Runde, natürlich, es wird alles gut werden.

Man wird verrückt, wenn man so viel nachdenkt, daher ins Tun kommen. Ich wollte immer schon einen Hund und hab immer auf den richtigen Moment gewartet, wenn das Haus mit Garten in mein Leben getreten ist, wenn, wenn, wenn. Der einzige richtige Moment, der für mich noch existiert ist JETZT.

Ich will einen Welpen, ich will ein Baby. Meine Familie meint, dass der Hund mein Ersatzkind wird, ich bin mir nicht sicher, ich glaub, ich will einen Welpen, weil ich Welpen süß find, ganz profan, ohne tieferen Grund dahinter, falls es sowas überhaupt gibt.
„Das ist Lotte. Wär die was für Euch?“

Braune, zerzauste Haare stehen wild von ihrem Kopf weg, die Ohren wuscheln um ihr kleines Gesicht, sie sieht direkt in die Kamera, sie schaut mich an. Eine halbe Stunde später an diesem Samstag sitzen wir im Auto und fahren zwei Stunden, um Lotte kennen zu lernen.  Das Gartentor geht auf, ein Welpe stürzt heraus, auf uns zu und zerrt an unseren Beinen, ein anderer bleibt im Hintergrund, trottet langsam heraus und schnüffelt ein wenig an uns herum.

Heute sitze ich, knapp ein Jahr nach dem schlimmsten Moment in meinem Leben, in der Sonne vor dem Haus im Garten. Mein Hund vergräbt sich im Schnee, kommt zu mir gerannt und legt die Schnauze auf meine Knie. Sie ist mein Glückshund. Ich weiß, ich werde gesund bleiben. Ich weiß, ich werde viele meiner Träume und Leidenschaften noch ausleben. Ich schau Momo an, und weiß, dass Leben ist einfach schön.

Rochus Gratzfeld
in der Dorfzeitung >
Gedanken aus Bleistift >




2017

MEINE ERSTEN GEDANKEN AUS BLEISTIFT IM NEUEN JAHR

Sie beziehen sich auf die Weltpolitik.
Sie beziehen sich auf Trump.
Sie beziehen sich auf Putin….
Vielleicht sollte ich noch Erdogan hinzufügen.

Die genannten Personen haben viele – unangenehme – Gemeinsamkeiten:
– Unstillbarer Hunger nach Macht
– Egozentrik
– Nationalismus
– Ausgrenzung
– Geldgier
– Sexismus
– Diskriminierung

Gerne einreihen würden sich noch eine ganze Reihe europäischer Rechtsextremer. Die sind aber alle bedeutungslos im großen Zirkus. Geeignet vielleicht als Pausenclowns. Gerade die aus Österreich hätten da eine Qualifikation. Das muss ich zugestehen.
Also. Trump und Putin.

Stellen wir uns einmal das fast Unvorstellbare vor. Sie schmieden einen Deal, der die Welt nach 1945 grundlegend verändern würde. Zeitlich näher, die nach 1989.
Trump gibt Osteuropa für Putin frei.
Putin öffnet Russland wirtschaftlich uneingeschränkt für Trump.
Erdogan darf in Asien nach Lust & Laune.
Alle 3 verbünden sich gegen Westeuropa und China.

Es wäre voreilig, mein Szenario jetzt weiter auszuführen.
Meine Gedanken aus Bleistift warten ab.
Aber Europa sei gewarnt.




DER BLEISTIFT ZUR WEIHNACHT

Darf der Bleistift feiern? Seine Weihnacht.
Sein Glück.
Das Glück derer, die er liebt?
In diesen Zeiten.
In denen nicht mehr verrecken, als.
Früher.
Darf der Bleistift feiern? Seine Weihnacht.
Sein Glück.
Das Glück derer, die er liebt?
In diesen Zeiten.
Wo die Menschheit beweist, dass.
Es keine ethisch-moralische Evolution gibt.
Das alles so geblieben ist, wie.
The Winner Takes it all.
Troja.
Aleppo.
Wo Unterschied?
Darf der Bleistift feiern? Seine Weihnacht.
Sein Glück.
Das Glück derer, die er liebt?
In diesen Zeiten.
Männer, Frauen, Kinder werden geschlachtet.
Nicht nur Aleppo.
Gehängt an modernen Galgen. Kräne des Todes.
Iran.
Irak.
Gesteinigt.
Wer ohne Schuld ist, werfe.

Darf der Bleistift feiern? Seine Weihnacht.
Sein Glück.
Das Glück derer, die er liebt?
In diesen Zeiten.
Sklavinnen in.
Wohin wir.
Waffen liefern gegen gutesbösesGeld.
Fick.Fuck.Luck.
Darf der Bleistift feiern? Seine Weihnacht.
Sein Glück.
Das Glück derer, die er liebt?
In diesen Zeiten.
Nero machte Christen zu brennenden Fackeln.
IS macht Kinder zu Feuerzündern.
Darf der Bleistift feiern? Seine Weihnacht.
Sein Glück.
Das Glück derer, die er liebt?
In diesen Zeiten.
Der Bleistift darf!
Denn hört er auf.
Geht die Welt unter.
Noch früher, als.
Oder wenn.
Überhaupt.

Weil.
Es gibt.
Die andere Welt.
Die der Liebe.
Die des Mitgefühls.
Die des Helfens.
Die, die sich den Despoten entgegenstellt.
Mit alten und neuen MittelnWWWnet.
Ja. Die hat es auch unter HEILundNERO schon gegeben. Mit den Mitteln der Zeiten.
Darf der Bleistift feiern? Seine Weihnacht.
Sein Glück.
Das Glück derer, die er liebt?
In diesen Zeiten.
Ja.
Frohe Weihnachten.




SICHERHEITSBÜRGER … jetzt auch in Salzburg.

ueberwachungSICHERHEITSBÜRGER
…jetzt auch in Salzburg.

Also. Das Wort bedingt das Gegenwort.
Unsicherheitsbürger….
Besser: UnsicherheitsbürgerInnen.
So dann auch SicherheitsbürgerInnen.
SicherheitsbürgerInnen sollen dafür sorgen, dass sich UnsicherheitsbürgerInnen sicher fühlen.
Denk ich mal.
Dafür lungern die SicherheitsbürgerInnen überall herum, wo sich UnsicherheitsbürgerInnen aufhalten. Auch dort, wo die bevorzugten Orte der KinderundJugendlichenUnsicherheitsbürgerInnen sind. Oder eben dort, wo UnsicherheitsbürgerInnen leben.

Habe heute schon einen Sicherheitsbürger in unserem Stiegenhaus gesichtet. Wurde aufmerksam, weil meine Hündin, eine SicherheitHündin (Dobermann-Rottweiler-Mix), ihn als unsicheres Subjekt identifizierte. Ich war sehr geneigt, ihren Neigungen durch ein Lösen des Karabinerhakens der Leine nachzugeben. Der unsichersichereBürger suchte das Weite. Ich hielt ihm zu diesem Zweck noch höflich die Haustür auf, nicht ohne noch das Wort Besitzstörungsklage fallen zu lassen.

Na, da werden also bald Psychopathen in Salzburg für Unsicherheit sorgen, damit alles sicher wird. Unsicher. Bin verwirrt. Bin ja Migrant mit Hang zum Sicherheitsrisiko. Pflege auch Umgang mit anderen offensichtlichen UnsicherheitsbürgerInnen, die meine Hündin als sicher einstuft.

Denke zurück an die DDR. Verdammt. Erzählt mir Idioten nichts über die DDR. Ich weiß, wovon ich rede. Wer´s nicht weiß, sollte das DDR-Museum im Osten Berlins besuchen. Da sind die Dokumente fleißigen SicherheitsbürgerInnentuns einsehbar. Zum Kotzen. Dass die Nazis sich auch dieser menchlichunmenschlichen Instrumente bedient haben sei fast nur nebenbei bemerkt. Aber bemerkt.

Auf geht’s. In eine neue alte Zeit. Hurra. Und HeildemUnheil.
Ich hätte nie gedacht….

Salzburg 2016. Österreich 2016.




Die neuen Märchenerzähler

DIE NEUEN MÄRCHENERZÄHLER

Ich begegne ihnen an vielen Orten.
In Bussen und Bahnen.
In Wirtshäusern und Cafés….
Am Bosnastand.
Sie erzählen.
Alte Geschichten in neuen Gewändern.
Remakes.

Heute bin ich wieder einem Erzähler begegnet.
Bin sicher, ein braver Bürger.
Hilfsbereich.
Gut zu Menschen und Tieren.
Bin sicher, kein Nazi.
Einer von. Vielen.
Ein guter Österreicher.

Ist beruflich viel unterwegs.
Die Grenzkontrollen nerven.
Sind aber nötig. Weil.
Müssen die doch.
Vor allem schnell zurück.

Weil.
Die stehlen.
Ist alles egal.
Werden nicht bestraft.
Und wenn, können nicht zahlen.
Also stehlen wieder.

Die Märchen nehmen Fahrt auf.
Drogen.
H.
Waffen.
Weiß von der Polizei.
Die hat einen Schwarzen schon dreimal erwischt.
Mit Waffe.
Zuletzt mit einem Kilo Kokain.
Mussten ihm jedes Mal alles zurückgeben.
Auch die Waffe.

Geschichten aus Absurdistan.

Wieso werden die zur empfundenen Realität.
Trotz aller Absurdidät.
Wieso werden die weitererzählt.
Was macht deren Faszination aus.

Ich kenne dies in anderen Ländern.
Roma und Sinti.
Sie sagen Zigeuner.
Die gleichen Geschichten.
Absurditäten.

Wieso funktioniert das.

Und wieso funktionieren schöne Märchen nicht.
Und wieso funktioniert vor allem die Wahrheit nicht.
Und welche Mechanismen müssten wie funktionieren, das.

Die neuen Märchenerzähler sind gefährlich.
Sie werden unreflektiert zu Multiplikatoren des bösen Gedanken(un)gutes.
Sie bilden Meinung.
Lassen erschauern.
Schüren Aggressionen.
Malen Feindbilder.

Die neuen Märchen sind die alten.

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(Bild, Quelle: Yadvashem.org)




Rochus Gratzfeld:
Barock kocht

Im August ziehen Rauchschwaden durch den Park des Schlosses Esterhazy in Fertöd/ Westungarn.
Es duftet und bruzelt.
Schon um 6 in der Früh beginnen Köchinnen und Köche aus dem ganzen Land mit den Vorbereitungen.
Da werden Feuer unter Kesseln entfacht, Öfen eingeheizt.
Fleischeslust ist angesagt.
Von archaisch bis „adelig“ ist alles dabei.
Gegen Mittag der Moment der Momente.
Fein werden ausgewählte Gerichte aufgetragen und den hohen Herren der Jury präsentiert.
Die probieren löffelweise – manchmal hochnäsig, wie mir scheint. Seis drum.
Am späten Nachmittag erhalten die Sieger die begehrten Pokale und Urkunden.
Das Volk darf zwischenzeitlich kosten. Kostenfrei.
Welch ein Vergnügen.




„Arbeit für unsere Leut“

 

PROLOG

Schreit die FPÖ.
Schreien deren AnhängerInnen.
Ja. Arbeit für unsere Leut.
Steht auf den Plakaten im Burgenland.
Im Auftrag der FPÖ von ungarischen ArbeiterInnen geklebt.
Und Hofer. Der wird hier hofiert.

BURGENLANDzugehört
Da, wo die Bauern hier eben einkaufen.
Kleiner Dicker so alt wie ich.
Glatze.
Bauer mit Glatze.
Schlanker Bauer mit Strohhut.
Älter als DickerundIch.
„Warum trägst du deinen Strohhut nicht?“
„Ich trage meinen Hut nicht mehr.“
„Warum?“
„Weißt eh.“
„Neulich haben MEINEUngarn gesagt „Boss, siehst aus mit deinem Strohhut, wie der Zigeunerkönig…““

 

EPILOG I

Schreit die FPÖ.
Schreien deren AnhängerInnen.
Ja. Arbeit für unsere Leut.
Steht auf den Plakaten im Burgenland.
Im Auftrag der FPÖ von ungarischen ArbeiterInnen geklebt.
Und Hofer. Der wird hier hofiert.
Nur.
Unsere Leut scheißen auf unsere Leut.
Aber warum wählen die die FPÖ?
Warum hofieren die Hofer?

 

EPILOG II

Ich finds gut, dass UngarInnen im Burgenland Arbeit finden.
Und ich scheiße auf die FPÖ und auf Hofer.
Aber die Unehrlichkeit der „Zigeunerkönige“, der ArbeitgeberInnen jeder Art…die kotzt mich auch an.




Rochus Gratzfeld: Bratislava

Hier damals. Als ich.
War meine Reiseroute.
Frankfurt (Flug)…Budapest…
Budapest (Zug)…Prag…
Prag (Flug)…Frankfurt.
Einmal monatlich.
In Bratislava übernachtete ich in einem Hotelschiff.
Fast direkt unter der Brücke, die in der Altstadt das historisch jüdische Viertel zerschneidet.
Eine große Wunde.
Bis heute.
Plattenbausiedlungen und moderne Hochhäuser kreisen um Barock.
Burg thront.
Spannung.
Der Fluss. Donau.
Mein Hotelschiff von damals auch heute noch.
Karpaten und tiefe Ebene.
Viel Jungvolk. Schön.

Spannungsstadt

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BREXIT. ICH FÜHLE GRENZEN.
DIE GRENZEN DER DEMOKRATIE.

„Ein Volksentscheid ist ein Instrument der direkten Demokratie….Er ist … eine üblicherweise verbindliche, direktdemokratische Sachabstimmung des Wahlvolkes über eine politische Angelegenheit. …. Bei einem Volksentscheid entscheiden die stimmberechtigten Bürger unmittelbar über die Annahme oder Ablehnung einer Vorlage (z. B. ein Gesetz). Während bei einer Wahl über die Vergabe von Mandaten an Personen entschieden wird, steht bei einem Volksentscheid die Abstimmung über eine konkrete Sachfrage im Vordergrund.“
(Quelle WIKIPEDIA)

„Die Einschaltquote einer Radio- oder Fernsehsendung ist im eigentlichen Wortsinn der prozentuale Anteil – je nach Messverfahren der Empfangshaushalte oder Personen – die zu einem gegebenen Zeitpunkt eine Sendung hören oder sehen, gemessen an der Gesamtmenge aller Empfangshaushalte bzw. Personen. Empfangshaushalte sind dabei alle Haushalte, die einen Fernseher besitzen, unabhängig davon ob dieser eingeschaltet ist oder nicht. Umgangssprachlich und in der öffentlichen Wahrnehmung wird unter der Einschaltquote oftmals auch die absolute Zuschaueranzahl verstanden.“
(Quelle WIKIPEDIA)

Betrachte man also einmal die Einschaltquote als einen Volksentscheid über Gefallen oder Nichtgefallen einer Radio- oder Fernsehsendung. Welchen Einfluss hat dies auf die Qualität von Sendungen? Schauen wir uns die „Best Ranking Formats“ an. Widmen wir unsere Aufmerksamkeit dabei vor allem den privaten SendungsanbieterInnen. Richtig. Das Banale siegt! Das, wo nicht viel gedacht werden muss. Darunter vieles, was als primitiv zu bezeichnen ist. Sex & Crime, oder einfach nur „rein und raus“. Blasi Musi in jeder denkbaren Variante. Talk Shows ohne Talk aber mit viel billiger Show. Die Helden heißen Gabalier und rocken Kacke.

Foto: Rochus Gratzfeld mit 58 Jahren

Von Rochus Gratzfeld

So scheint also die Quote kein Instrument zu sein, mit der sich Qualität sichern lässt. Im Gegenteil. Sie vernichtet Qualität.
Droht der Volksentscheid in diesen Zeiten zur Quote zu mutieren?

Droht der Volksentscheid zu einem Instrument der Banalisierung von Politik in den Händen rückwärtsgerichteter Demagogen sich zu entwickeln?

Der BREXIT sagt ja.
Und auch Volksentscheidungen fordernder STRACHISMUS sagt ja.

Rede dem Volk nach dem Maul, reduziere Komplexität auf ein Minimum und lasse darüber „demokratisch“ entscheiden.

So wird der Volksentscheid zum Sargnagel der Demokratie und nicht zu ihrer Krönung.