„Nicht so wild, Effi“ – Jugendstück nach einem Klassiker

Regisseurin Marion Hackl unterrichtet am Musischen Gymnasium Darstellendes Spiel und weiß daher genau, wie man junge Menschen fürs Theater begeistern kann. Mit dieser temporeichen, unkonventionellen und kurzweiligen Inszenierung gelingt es ihr, Theodor Fontanes Roman über gesellschaftliche Zwänge und Normen in der Wilhelminischen Ära jungem Publikum nahezubringen. Bei der Premiere am 15. März 2017 zeigten sich auch ältere Semester begeistert.

Von Elisabeth Pichler

Drei junge Menschen in weißen Pumphosen zücken gelbe Reclam-Hefte und beginnen, abwechselnd die ersten Zeilen des Romans vorzulesen. Lange halten sie das nicht durch und schon schlüpfen sie in die verschiedensten Charaktere, ob weiblich oder männlich spielt dabei keine Rolle. Voll „Übermut und Grazie“ ist die 17-jährige Effi Briest, wenn sie sich mit ihren Freundinnen im Park des Elternhauses ihren Zukünftigen ausmalt. Es steht für sie fest, dass es ein Mann von Adel mit einer guten Stellung und einem vornehmen Haus sein sollte. Ob ihr das ein ehemaliger Verehrer ihrer Mutter, der 38-jährige Baron von Innstetten, der um ihre Hand anhält, wohl bieten kann? Die Erwartung ist groß, die Enttäuschung ebenso.

In Kessin in Hinterpommern langweilt Effi sich neben ihrem ernsten Mann grenzenlos und ist daher ein leichtes Opfer für den spontanen, leichtlebigen Abenteurer und „Damenmann“ Major Crampas. Da sie ihr schlechtes Gewissen plagt, ist die Erleichterung groß, als ihr Gatte nach Berlin versetzt wird. „Effi sagte kein Wort, und nur ihre Augen wurden immer größer; um ihre Mundwinkel war ein nervöses Zucken, und ihr ganzer zarter Körper zitterte. Mit einem Male aber glitt sie von ihrem Sitz vor Innstetten nieder, umklammerte seine Knie und sagte in einem Tone, wie wenn sie betete: ‚Gott sei Dank!‘“ Als ihr Gatte sechs Jahre später durch Zufall von der Affäre seiner Frau erfährt, sind die Folgen fatal, sowohl für Effi als auch für ihren ehemaligen Liebhaber.

Jonas Breitstadt und Cora Mainz aus dem 3. Jahrgang der hauseigenen Schauspielschule und Magdalena Oettl, die erst Ende 2016 ihre Abschlussprüfung absolviert hat, sind schon im Musical „Der Lebkuchenmann“ gemeinsam auf der Bühne gestanden. In „Nicht so wild, Effi“ legen sie sich mächtig ins Zeug, um den etwas angestaubten Klassiker über verlogene Moralvorstellungen und einen überholten Ehrenkodex aus der Sicht junger Leute zu darzustellen. Mit enormem körperlichen Einsatz schaffen sie es, in nur 80 Minuten das Schicksal der Effie Briest in vielen kleinen Szenen zu präsentieren.

Baumelnde braune Bambusstangen und ein Wintergarten mit abblätternder Tapete, auf die Videos projiziert werden, sorgen für ausdrucksstarke Bilder. Nicht nur für die Bühne zeichnet Johannes Stockinger verantwortlich, er hat auch die Kostüme der jeweiligen Situation angepasst. Auf unschuldiges Weiß und elegante, doch etwas desolate Ballkleider in der Trostlosigkeit von Kessin folgt Rot für die kurze Phase der Leidenschaft, bevor Depressionen und Krankheit alles schwarz umhüllt.

Der ständige blitzschnelle Rollenwechsel erfordert volle Konzentration. Marion Hackl hat die szenische Umsetzung des Romans gemeinsam mit den Schauspielern erarbeitet und so sind manche Zwischenszenen erst während der Probenarbeit entstanden. Ein Theaterabend, der spontan, frech und jung wirkt, gerade richtig für die Zielgruppe ab 14 Jahren.

„Nicht so wild, Effi“ nach Theodor Fontanes „Effi Briest“. Regie und Konzept: Marion Hackl. Ausstattung: Johannes Stockinger. Video: Michael Winiecki. Mit: Jonas Breitstadt, Cora Mainz, Magdalena Oettl. Fotos: Jan Friese




„Der Zauberlehrling“ – ein schwungvolles Tanzmärchen

Spätestens seit dem Film „Kevin – Allein zu Haus“ wissen Eltern, dass man aufgeweckte Kinder besser nicht unbeaufsichtigt lässt. Was aber passiert, wenn ein Zaubermeister seinen experimentierfreudigen Lehrling samt bestem Freund und einer Elfe für eine Stunde alleine lässt, kann man in den Kammerspielen des Salzburger Landestheaters miterleben. Ein großer Spaß für Groß und Klein.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Süß schaut er aus, der kleine Zauberlehrling, der mit seiner runden, schwarzen Brille an seinen Zauberkollegen Harry Potter erinnert. Er hat nur Unsinn im Sinn, will des Meisters Zauberstab ausprobieren und in dessen geheimnisvollen Büchern stöbern. Vielleicht nützt es ja, ihm einen Besen in die Hand zu drücken und ihn saubermachen zu lassen. Als der Meister das Haus verlässt, stürzen sich die zwei Freunde auf die kleine Hauselfe, die hingebungsvoll mit ihrer Puppe spielt. Schwupps, schon fliegt die Puppe in den Zauberkessel.

Die Begeisterung ist groß, als sie als wunderschöne Prinzessin wiedererscheint. Als diese jedoch ihre Maske abnimmt und ihr wahres Gesicht zeigt, versuchen die Knaben verzweifelt, sie wieder loszuwerden. Die kleine Elfe will auch etwas ausprobieren und so wandert ein Schrumpfkopf des Zauberers in den Kessel. Mit wilden Tänzen begeistern nun vier muntere Kannibalen die Elfe. Während sich die Knaben zitternd in eine Ecke verziehen, setzt sie sich eine Krone auf und tanzt begeistert mit. Ob die herbeizitierten Techniker wohl Ordnung in das Chaos bringen können?

Karl-Heinz Steck zeichnet für das heimelige Labor des Magiers, das mit seinen vielen Büchern und Zaubertrankflaschen an Fausts Studierstube erinnert, sowie die phantasievollen Kostüme verantwortlich. Aus dem riesigen Zauberkessel purzeln neben den Kannibalen noch Frösche, rätselhafte Feuerwesen und jede Menge quicklebendiger Besen. Das Wasser, das in Goethes Ballade vom Zauberlehrling nicht zu bändigen ist, darf natürlich auch nicht fehlen und lädt zum Tauchen und Angeln ein. Nur gut, dass der Hexenmeister noch rechtzeitig heimkommt.

Pedro Pires als übermütiger Zauberlehrling und Karine de Matos als entzückende, muntere Elfe Pixie genießen das Privileg, sich als einzige nie umziehen zu müssen. Was sich hinter der Bühne abspielt, grenzt auch an Zauberei, denn hier werden die Kostüme in Windeseile gewechselt. Das 12-köpfige Ensemble begeistert mit schwungvollen, fast akrobatischen Tänzen zu Disco- und Hillbilly-Sound ebenso wie zu einem alpenländischen Schuhplattler.

Die Choreographen Alexander Korobko, Josef Vesely und Kate Watson begeistern mit diesem mitreißenden, turbulenten Tanzmärchen nicht nur die Kinder. Ein wahrlich „zauberhaftes“ Tanzmärchen.

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Der Zauberlehrling“ Tanzmärchen frei nach Johann Wolfgang von Goethe. Choreographie: Alexander Korobko, Josef Vesely, Kate Watson. Bühne und Kostüme: Karl-Heinz Steck. Mit: Edward Nunes, Pedro Pires, José Flaviano de Mesquita Junior, Karine de Matos, Mikino Karube,  Anna Yanchuk, Diego da Cunha, Iure de Castro, Marian Meszaros, Naila Fiol, Otto Wotroba, Arianna Rene Spitz. Fotos: © Anna-Maria Löffelberger




Nun ist es endgültig vorbei …

Heute war der letzte Tag. Badeschluß war schon am 30. Novenber 2016 gewesen und am heutigen Tag konnte man auf einem „alles muß raus“ Flohmarkt ein letztes Souvenir erwerben. Ich nutzte die Gelegenheit, um zum allerletzten Mal im Hallenbad meiner Jugend vorbeizuschauen.

Von Karl Traintinger

Es sind schöne Erinnerungen, die da beim Fotografieren im leeren Hallenbad durch den Kopf plätschern. In meiner Mittelschulzeit 1967 – 1975 war es fast ein Fixpunkt, mit unserem Turmprofessor Georg Aschauer im Winter einmal wöchentlich ins Hallenbad zu gehen. Freischwimmer, Fahrtenschwimmer und Allroundschwimmer sind die noch immer gültigen Beweise dafür. Die Köpfler vom 3 m Brett waren lange Zeit eine Herausforderung. Es war auch für das Ego extrem wichtig, eine Länge zu durchtauchen.  Die Gummiringe von der tierffvsten Stelle zu holen, konnte auch nicht jeder.

Rechts, gleich neben dem Eingang gab es einen Jausenstand mit den vorzüglichen Salzstangerln mit Schinken, Essiggurkerl, einem Ei und etwas Mayonaise. Es gab nicht Besseres als diesen kleinen Snack nach dem Baden und vor den Nachmittagsunterricht.

Das Hallenbad wurde 1956 errichtet und vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Körner eröffnet. Der Architekt war Josef Havranek, die künstlerische Ausgestaltung übernahmen nach einem Wettbewerb Toni Schneider-Manzell und Josef und Rosita Magnus. In den 60 Jahren des Bestehens wurde das Paracelsus Hallenbad von über 11 Millionen Gästen besucht.  (Weitere Info>)

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Prosit 2017

Wir bedanken uns ganz herzlich für Ihr Interesse an der Dorfzeitung und freuen uns auf ein Wieder“lesen“ im neuen Jahr!

KTraintinger für das Team




Frohe Weihnachten!

Die Stille Nacht Kapelle in Oberndorf an der Salzach. Hier stand die Pfarrkirche, in der das weltberühmte Lied uraufgeführt wurde.




Weihnachten 2016

Geseënde Kersfees (afrikaans) – Gezur Krislinjden (albanisch) – Etho Bricho (aramäisch) – Честита Коледа – Tchestita Koleda (bulgarisch) – Glædelig Jul (dänisch) – Frohe Weihnachten (deutsch) – Merry Christmas (englisch) – Hyvää Joulua (finnisch) – Joyeux Noël (französisch) – Καλά Χριστούγεννα – Kalá Christoúgenna (griechisch) – Mele Kalikimaka (hawaiianisch) – Nollaig Shona Dhuit (irisch) – Buon Natale (italienisch) – メリークリスマス – Merii Kurisumasu (japanisch) – 聖誕節同新年快樂 – Gun Tso Sun Tan’Gung Haw Sun (kantonesisch) – 크리스마스를 축하합니다 – keuriseimaseureul chukahamnida (koreansich) –
Sretan Božić (kroatisch) – 聖誕快樂 新年快樂 – Kung His Hsin Nien bing Chu Shen Tan (mandarin) – Zalig Kerstfeest (niederländisch) – God Jul (norwegisch) – Maligayan Pasko (phillipinisch)  – Wesołych Świąt Bożego Narodzenia (polnisch) – Feliz Natal (portugiesisch) – Crăciun fericit (rumänisch) – Поздравляю с Новым годом и Рождеством – Pozdrevlyayu s prazddnikom Rozhdestva is Novim Godom (russisch) – Feliz Navidad (spanisch) – God Jul (schwedisch) – Prejeme Vam Vesele Vanoce a stastny Novy Rok (tschechisch) – Noeliniz kutlu olsun (türkisch) – Kellemes karácsonyi ünnepeket kívánok nektek (ungarisch)




Lisa. Jugendtheaterstück von Dominik Nießl

Der Salzburger Jungautor befasste sich 2014 in seinem Debütstück „After Sunset“ mit der Problematik von Videospielen. In „Lisa“ stehen Mobbing, jugendliche Gewalt und die Gefahren der sozialen Netzwerke im Zentrum. Die Uraufführung fand am 7. Dezember 2016 in der ARGEkultur statt.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Am Beginn der Vorstellung muss das Publikum mitansehen, wie ein junges Mädchen von drei Gleichaltrigen wüst beschimpft und misshandelt wird. Schnell wird klar, dass man sich mit Kathie, der Anführerin der Clique, besser nicht anlegen sollte, denn „die zuckt ständig aus“. Ein Foto von der blutenden Babsi wird geschossen, hochgeladen und schon befindet sich das kompromittierende Bild im Netz. Unter schallendem Gelächter werden nun die „Likes“ auf Facebook gezählt. Während Clara Kathie in nichts nachsteht und hemmungslos über ihre Mitschüler lästert, fühlt sich Lisa nicht so richtig wohl in dieser Clique. Sie hat ein schlechtes Gewissen und gibt sich die Schuld an Babsis Misere. Diese musste die Schule wechseln, kommt mit dem Leben kaum mehr zurecht und hat sogar schon einen Selbstmordversuch hinter sich. Lisas Freund Tomas, mit dem sie nach der Schule gerne abhängt, kennt auch ihre weiche Seite, denn bei ihm gibt sie sich nachdenklich, ja sogar romantisch. Da er ihren Umgang absolut nicht in Ordnung findet, zieht er sich nach und nach von ihr zurück. Videospiele machen eben weniger Probleme als Mädchen. Als Lisa jede Nacht von Albträumen gequält aufschreckt, kommt es endlich zu einer Aussprache mit ihren bisher ahnungslosen Eltern.

Gerard Es hat das Jugendstück mit zwei professionellen Schauspielern (Elisabeth Breckner und Wolfgang Kandler als überfordertes Elternpaar) und gecasteten Jungschauspielern in Szene gesetzt. Ein kluges Stück, eine kluge Inszenierung, denn neben den coolen Clique-Treffen, in denen in Jugendslang jede und jeder heruntergemacht wird, überzeugen vor allem die ruhigen Szenen, in denen die Jugendlichen erzählen, was sie wirklich bedrückt und wonach sie sich sehnen. Ein Theaterstück, das Jugendliche für die Gefahren der sozialen Netzwerke sensibilisieren soll und die Eltern dazu auffordert, ihren Kindern wirklich zuzuhören, auch wenn es sich scheinbar nur um „alberne Teenagersorgen“ handelt.

„Lisa“ von Dominik Nießl. Mobbing und jugendliche Gewalt. Uraufführung. Eine Koveranstaltung von Es Theater und ARGEkultur. Regie: Gerard Es. Mit: Elisabeth Breckner, Wolfgang Kandler, Johanna Lindner, Clara Kammeringer, Lucia Schöndorfer, Eva Schwaiger, Ludwig Weißenberger, Simon Nagl. Fotos: ARGEkultur/ Sigrid Riepl




„Timber!“ – Die Holzfäller sind los!

Der Cirque Alfonse, eine Zirkusfamilie aus dem Dorf Saint-Alphonse-Rodriguez im kanadischen Quebec, eröffnete mit einer kraftvollen, rasanten und witzigen Show am 30. November im Volksgarten Salzburg das Winterfest 2016, das Festival für zeitgenössische Zirkuskunst.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Die bärtigen, muskulösen Männer haben nach einem anstrengenden Arbeitstag in den kanadischen Wäldern großen Hunger und so beginnen sie lustvoll und energiegeladen zu kochen. Die Kartoffeln werden in der Luft mit scharfen Messern halbiert, mit Knoblauch und Zwiebeln wird jongliert und das Kraut auf ziemlich brutale Art gehobelt. Kein Wunder, dass die Bühne nach dieser Kochorgie entsprechend ausschaut, doch Opa Alain ist sich nicht zu schade, den Müll zusammenzukehren. Währenddessen beweisen die jungen Männer, alle gestandene Kraftlackel, dass man auf Baumstämmen hervorragend zu rollen, zu balancieren und zu tanzen vermag. Seiltanz hingegen wäre wohl nicht das Richtige für die kernigen Männer und so behilft man sich mit einem dicken Holzstamm und präsentiert einen sehenswerten „Holztanz“. Alains Tochter Julie begeistert nicht nur als Sängerin der Liveband, die mit traditioneller, schwungvoller Musik aus Quebec für Stimmung sorgt. Sie überzeugt auch als grandiose Artistin und sorgt am Seil und an der Schaukel für ruhigere Töne, während die Männer ständig mit Äxten und Beilen um sich werfen und durch scharfe, gezackte Sägeblätter springen. Wenn es dem Opa zu viel wird, zieht er sich in sein hölzernes Toilettenhäuschen zurück, bevor er sich zu einem Nickerchen im Lehnstuhl niederlässt. Aber warum nur baumelt der agile alte Herr kurze Zeit später zappelnd unter der Zirkuskuppel?

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Die fünf hochprofessionellen Artisten und drei Musiker des Cirque Alfonse entführen das Publikum mit ihrer ansteckenden Fröhlichkeit und Lebensfreude ins Holzfällermilieu. Sie nutzen vor allem Holz und Farmequipment für ihr phantasievolles und kreatives Timber-Projekt. Drei Generationen stehen nach der 80-minütigen Vorstellung auf der Bühne und genießen die Standing Ovations des Premierenpublikums. Bis 8. Jänner 2017 gastiert der kraftvolle Holzfäller-Zirkus, der Akrobatik, Live-Musik, Theater und Tanz auf originelle Art verbindet, im Theaterzelt im Volksgarten Salzburg.

ngg_shortcode_2_placeholder„Timber!“ – Cirque Alfonse. Konzeption: Cirque Alfonse. Regie: Alain Francouer. Lichtkonzept & Produktionsleitung: Nicolas Descoteaux. Auf der Bühne: Antoine & Julie Carabinier-Lépine, Jonathan Casaubon, Francis Roberge, Jean-Philippe Cuerrier, Alain Carabinier, Josianne Laporte, David Simard, André Gagné. Mit Unterstützung vom „Conseil des Arts et des Lettres du Québec“ und dem „Canada Council for the Arts“. Fotos: © Winterfest / Eva trifft




„Hedda Gabler“ – ein Spiel mit der Macht

Charlotte Koppenhöfer hat Henrik Ibsens Drama über eine herzlose, intrigante junge Frau, die aus lauter Langeweile Menschenleben vernichtet, in einer stark reduzierten Fassung im Schauspielhaus Salzburg in Szene gesetzt. Das Ensemble zeigt sich schauspielerisch und körperlich in Höchstform und wurde bei der Premiere am 24.11.2016 gebührend gefeiert.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Die verwöhnte Generalstochter Hedda hat aus purer Berechnung den aufstrebenden Wissenschaftler Tesman geheiratet. Doch so langweilig hat sie sich das Eheleben nicht vorgestellt. Schon die ausgedehnte Hochzeitsreise war eine herbe Enttäuschung, denn mit einem „unerträglichen Fachmann“ zu verreisen, macht wenig Vergnügen. Auch im neuen Haus fühlt sie sich nicht wohl. Die dürftigen Verhältnisse nerven, auf Diener in Livree und ein eigenes Reitpferd wird sie wohl noch lange verzichten müssen. Als Heddas ehemaliger Liebhaber Ejlert mit einem bemerkenswerten Manuskript auftaucht, um sich wie ihr Mann um eine ausgeschriebene Professorenstelle an der Universität zu bewerben, beschließt sie, etwas dagegen zu unternehmen. Ihr Wunsch, „ein einziges Mal im Leben die Herrschaft zu haben über ein Menschenschicksal“, geht zwar in Erfüllung, doch ihre Intrigen bescheren ihr weder das erhoffte Vergnügen noch die ersehnte Zufriedenheit.

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Julie Weideli (Ausstattung) hat ein schwarzes Stahlgerüst auf die Bühne gestellt. In diesem ungemütlichen, kalten Heim turnt, klettert, hängt und liegt nicht nur Familie Tesman herum. Auch deren Besucher müssen ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen, wobei diese akrobatischen Übungen immer wieder ins Groteske kippen. Zu Beginn sitzt Hedda (Alexandra Sagurna) gelangweilt und in sich versunken hoch oben auf einem Balken, während Tante Jule (Ute Hamm) über die verwöhnte junge Dame lästert, die so gar nicht zu ihrem geliebten Neffen, für den sie sogar ihre Rente verpfändet hat, passt. Eine Videowand macht deutlich, wie es hinter der lieblichen Fassade der jungen Frau wirklich ausschaut, da lodern die Flammen und wütet der Hass. Ihrem Gatten (Magnus Pflüger) hingegen reichen seine Bücher und die Aussicht auf eine Professorenstelle. Die Beziehung zwischen Frau Elvsted (Christiane Warnecke) und Ejlert (Matthias Hinz) weckt Heddas Eifersucht und lässt sie ein tödliches Spiel inszenieren. Olaf Salzer komplettiert als Richter Brack das engagiert aufspielende Ensemble.

Erstaunlich, welch eindrucksvolle, starke Bilder Regisseurin Charlotte Koppenhöfer in diesem minimalistischen Bühnenbild mit nur wenigen Requisiten gelingen. Faszinierend, wie Herzenskälte und Durchblutungsstörungen, an denen alle Beteiligten dieses beklemmenden Kammerspiels leiden, durch lila Einfärbungen zum Ausdruck gebracht werden. Eine kluge Inszenierung, die unter die Haut geht.

ngg_shortcode_3_placeholder„Hedda Gabler“ von Henrik Ibsen. Deutsch von Marie von Borch. Für die Bühne eingerichtet von Charlotte Koppenhöfer. Regie: Charlotte Koppenhöfer. Ausstattung: Julie Weideli, Video: Michael Winiecke. Mit: Magnus Pflüger, Alexandra Sagurna, Ute Hamm, Christiane Warnecke, Olaf Salzer, Matthias Hinz. Fotonachweis: Jan Friese




„Die Ilias“ – ein kraftvolles Antikriegsstück

Fast 3000 Jahre alt ist Homers gewaltiger Text, der von den blutigen Schlachten zwischen den Helden Griechenlands und Trojas berichtet. Intendant Carl Philip von Maldeghem hat die 16.000 Verse des antiken Epos auf bühnentaugliche Länge gekürzt und mit Schauspielern, Sängern und Tänzern in Szene gesetzt. Die kräftig entstaubte Fassung feierte am 17. November 2016 im Salzburger Landestheater Premiere.

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Der Raub der schönen Helena durch Paris, den Sohn des trojanischen Königs Priamos, entfesselt den Zorn ihres Gatten Menelaos. Dessen Bruder Agamemnon, militärischer Oberbefehlshaber einer riesigen Flotte, segelt daher mit vielen griechischen Stämmen nach Troja. Sie belagern die Stadt und liefern sich vor der Befestigungsmauer jahrelang blutige Gefechte. Die Ilias schildert die Situation in den verfeindeten Lagern nach zehn Jahren Belagerung. Wiederum kommt es durch den Raub einer Frau zu einem Konflikt, diesmal zwischen Agamemnon und Achilles, dem besten Kämpfer der Griechen. Achilles fühlt sich entehrt, sein Zorn ist so übermächtig, dass er sich mit seinen Truppen zurückzieht. Schließlich zieht sein Freund Patroklos an seiner statt in die Schlacht und wird von Hektor, dem Hoffnungsträger der Trojaner, getötet. Das versetzt Achilles abermals in Raserei. Leicht belustigt beobachten die Götter auf dem Olymp, wie sich die Menschen gegenseitig niedermetzeln. Auf ihren zahlreichen Götterversammlungen herrscht keine Einigkeit. Niemand kann sich daher der Hilfe der Götter sicher sein.

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Dass Christoph Wieschke gleich zu Beginn als Homer einen Eimer Blut auf eine weiße Leinwand schüttet, verheißt nichts Gutes. In seiner Rolle als Göttervater Zeus hingegen versucht er, sich gegen seine Gattin Hera (Frances Pappas), sein munteres Töchterchen Athene (Anastasia Bertinshaw), die Liebesgöttin Aphrodite (Sabrina Amali) und den per Videobotschaft zugeschalteten Apollon (Yevheniy Kapitula) durchzusetzen. Nicht das babylonische Sprachengewirr macht ihm zu schaffen, sondern dass auch hier jede und jeder nur die eigenen Interessen verfolgt. Vor Troja liefern sich von Kampflust getriebene muskulöse junge Männer zwischen bedrohlich wirkenden riesigen Gummireifen blutige Gemetzel. Nur das Weichei Paris (Yascha Finn Nolting) vergnügt sich lieber mit seiner schönen Helena (Julienne Pfeil).

Um das Publikum nicht mit endlosen Schlachten und den Grausamkeiten des Krieges zu überfordern, kommen in Carl Philip von Maldeghems Inszenierung auch Tänzer und Sänger zum Einsatz. Der Mensch hat in den letzten 3000 Jahren leider nichts dazugelernt, der Krieg scheint unausrottbar zu sein, ob aus religiösen Gründen oder aus Gier nach Macht, Einfluss und Reichtum. Wohl ein Grund dafür, dass Homers Ilias auch heute noch auf vielen Spielplänen zu finden ist. Ein Tipp: Vorinformieren oder der Einführung vor Vorstellungsbeginn lauschen, sonst kann es passieren, dass man vergeblich auf das Trojanische Pferd wartet.

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„Die Ilias“ – Homer – In der Übertragung von Johann Heinrich Voß. Eingerichtet von Carl Philip von Maldeghem. Inszenierung und Bühne: Carl Philip von Maldeghem. Kostüme: Alois Dollhäubl. Mit: Christoph Wieschke, Anastasia Bertinshaw, Sabrina Amali, Frances Pappas, Yevheniy Kapitula, Gregor Schulz, Gregor Schleuning, Marco Dott, Nikola Rudle, Steffen Lehmitz, Hanno Waldner, Yascha Finn Nolting, Julienne Pfeil. Fotos: SLT/ © Anna-Maria Löffelberger




Die Neigung des Peter Rosegger

Eine österreichische Kleinstadt erwartet voll Spannung eine Delegation der UNESCO, soll doch der alte Stadtkern zum Weltkulturerbe werden. Doch zu allem Überfluss beginnt sich in diesem Moment die Statue des unvergessenen Heimatdichters Peter Rosegger nach rechts zu neigen.

Karl TraintingerVon Karl Traintinger

Zuerst will das keiner sehen, Musterbürger Wiesinger, dessen Familie einst die Statue spendete, versucht zu beruhigen. Doch das Unglück nimmt seinen Lauf, nach kurzer Zeit gibt es keine Zweifel mehr: Rosegger hat sich für alle sichtbar nach rechts geneigt, da kann auch der aus Wien zu Hilfe gerufene Seismologe nicht mehr helfen. Die heile Welt ist in Gefahr.

Peter Rosegger, er wurde 3 mal für den Literaturnobelpreis nominiert, hat ihn aber nie erhalten, hat mit seinen Werken einen Begriff von Heimat geprägt, an dem auch die Nationalsozialisten Gefallen fanden. Thomas Arzt hat auf dieser Basis das Stück aufgebaut und aktuelle Themen wie Flüchtlinge und Fremdenhass eingeflochten. Entstanden ist ein komplexes, zeitgenössisches Werk, in dem auf zum Teil bizarre Weise ein Heimatbegriff definiert wird.

Die bunt-schräge Inzenierung von Nina Gühlstoff kann begeistern. Wiesinger, ein vielschichtiger Charakter, überzeugte mich ebenso wie die Archivarin Trost, um nur 2 Namen stellvertretend für das ganze Ensemble zu nennen. Der Schlußapplaus war mehr als verdient.

„Die Neigung des Peter Rosegger“ von Thomas Arzt | URAUFFÜHRUNG am 15. September 2016 im Grazer Schauspielhaus | Regie: Nina Gühlstorff | Bühne und Kostüme: Marouscha Levy | Musik: Marcus Christoph Weberhofer, Johannes Frühwirt, Lea Geisberger | Licht: Viktor Fellegi | Dramaturgie: Elisabeth Geyer | Besetzung: Henriette Blumenau (Trost, Archivarin), Florian Köhler (Wiesinger, Unternehmensleiter), Nico Link (Matthias, Arbeiter), Evamaria Salcher (Bachlerin, Bürgermeisterin), Susanne Konstanze Weber (Elfriede, Angestellte), Franz Xaver Zach (Heim, Seismologe) | Fotos: Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz | Videotrailer: Schauspielhaus Graz




„Wir sind keine Barbaren!“ – Die Angst vor dem Fremden

In den Kammerspielen des Salzburger Landestheaters spielt das 2014 am Theater Bern uraufgeführte Stück des deutschen Dramatikers Philipp Löhle gekonnt mit den Ängsten vor dem Fremden. In kurzen Szenen voll bissigen Humors wird dem Publikum vor Augen geführt, wie rasch die heile Welt von zwei etablierten Paaren durch das Auftauchen eines Flüchtlings durcheinandergebracht werden kann. Die Premiere fand am 24. September 2016 statt.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Barbara und Mario sind ein eingespieltes, etwas in die Jahre gekommenes Ehepaar, das sich mit dem Alltagstrott abgefunden hat. Marios Geburtstagspäckchen für seine liebe Gattin ist zwar riesengroß, enthält aber nicht das ersehnte Klapprad, sondern ein Ultra-HD-Fernsehgerät von enormen Ausmaßen. Während Barbara frustriert ihren Prosecco schlürft, stürzt sich Mario voll Begeisterung auf die Bedienungsanleitung. Die Besuche der aufdringlichen, leicht durgeknallten neuen Nachbarn verlaufen auch nicht gerade harmonisch. Als eines Nachts ein völlig durchnässter Fremder an die Wohnungstüren klopft, prallen die unterschiedlichen Auffassungen der beiden Paare hart aufeinander. Linda und Paul können einfach nicht verstehen, dass Barbara den „Obdachlosen“ eingelassen hat. Die eigene Wohnung sei doch „eine sensible Zone“, in der ein Fremder einfach kein Platz habe. Barbara hingegen steigert sich in ihre Hilfsbereitschaft hinein. Den Vorschlag, den jungen Mann, von dem man weder Name noch Herkunft kennt, im Haushalt helfen zu lassen, lehnt sie kategorisch ab, denn Empathie sei ihr einziger Beweggrund. Während das Unbekannte auf die Damenwelt doch einen gewissen Reiz auszuüben beginnt, schreitet Paul zur Tat und bastelt schon man an einem Schutzraum, einem Panic Room.

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Britta Bayer überzeugt als frustrierte Ehefrau, die sich voller Hingabe auf ihre neue Aufgabe stürzt. Ob der Fremde nun Bobo oder Clint heißt, spielt dabei keine Rolle. Axel Meinhardt als ihr überforderter Ehemann schaut dem Treiben seiner Frau als Gutmensch lange Zeit gelassen zu, doch so ganz einverstanden ist er offensichtlich nicht. Das junge Pärchen, die quirlige Linda (Hanna Kastner) und ihr durchgeknallter Freund Paul (Gregor Weisgerber), nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Sie sehen einfach nicht ein, warum sie für all das Elend der Welt verantwortlich sein sollten. Schlechtes Gewissen, weil es ihnen gut geht, kennen sie nicht. Hinter einem Vorhang verbirgt sich ein österreichischer Heimatchor, der ihre ablehnende Haltung gegenüber allem Neuen und Fremden teilt. „WIR sind glücklich, WIR sind viele, WIR sind anders als die Andern.“ Eva Musils minimalistisches Bühnenbild ermöglicht einen schnellen Wechsel zwischen den benachbarten Wohnungen, wobei eine Grünpflanze gute Dienste leistet.

Claus Tröger hat den beklemmenden, doch auch humorvollen Text des preisgekrönten deutschen Dramatikers Philipp Löhle temporeich in Szene gesetzt. Ein gelungener Abend, der die Frage aufwirft: Zu wie viel Hilfsbereitschaft wären wir bereit, sollte das Unglück an unsere Tür klopfen? Würden wir auf das Fremde zuzugehen oder dem Neuen, dem Gefährlichen, dem Bedrohlichen die Türe vor der Nase zuschlagen?

„Wir sind keine Barbaren!“ von Philipp Löhle. Inszenierung: Claus Tröger. Ausstattung: Eva Musil. Mit: Britta Bayer, Axel Meinhardt, Hanna Kastner, Gregor Weisgerber sowie einem achtköpfigen Heimatchor. Fotos: © Anna-Maria Löffelberger