„Gretchen 89ff“ –Variationen der Kästchen-Szene

Lutz Hübner beleuchtet in der 1997 uraufgeführten Komödie die Konflikte zwischen Regisseur und Schauspieler, zwei natürlichen Angstgegnern. Im Kleinen Theater lassen Bina Blumencron und Gerhard Greiner in kurzweiligen Probenszenen die unterschiedlichsten Charaktere aufeinanderprallen. Ein köstlicher, ironisch-selbstkritischer Blick hinter die Kulissen des Theaterbetriebes.

Von Elisabeth Pichler

Ein beflissener Hospitant (Gerhard Greiner), eigentlich ein Germanistikstudent, der das Theater einfach toll findet, begegnet einer gefeierten Schauspielerin (Bina Blumencron), die er über alles bewundert. Anfangs wagt er kaum, sie anzusprechen, doch dann ist er nicht mehr zu bremsen. Ihr totales Desinteresse scheint er nicht zu bemerken. Kaum wiederzuerkennen ist Gerhard Greiner, als er kurz darauf als arroganter Regisseur mit einer sehr bemühten Schauspielerin die Kästchen-Szene aus Goethes Faust, im Textheft auf Seite 89ff, probt. Die Arme kann es ihm trotz aller Bemühungen einfach nicht recht machen. Bina Blumencron wiederum mutiert in der folgenden Szene zur übermotivierten Anfängerin. Frisch von der Schauspielschule nervt sie den Provinz-Regisseur mit Lockerungsübungen und eigenwilligen Improvisationen.

Foto: Kleines Theater | Martin Brunnemann

Grandios die Szene mit „dem Streicher“, der es schafft, die Kästchen-Szene auf wenige Sätze zu verknappen: „Schwül ist es irgendwie – Mutter ist nicht zu Hause – toller Mann – ich Arme“. Für ihn ist da alles drin. Ganz anders gepolt ist der Wiener Charmeur, der sein Gretchen Walzer tanzen lässt. Einmal darf sich auch Bina Blumencron als Regisseurin versuchen. Sie schickt Gerhard Greiner als geschlechtsneutrales Gretchen auf die Bühne. Dieser ist zwar völlig überfordert, doch als arbeitsloser Schauspieler kann er auf die in Aussicht gestellte Probenpauschale einfach nicht verzichten. Es folgen „ein alter Haudegen“, ein „Freudianer“ und schließlich ein totaler Anfänger, der gegen eine Diva keine Chance hat.

Nach diesem Abend stellt sich die Frage, was von einem Original-Text eigentlich noch übrig bleibt, wenn sich ein „begnadeter“ Regisseur darüber hermacht. Das kleine Wörtchen „nach“ wird da heute gerne bemüht. Wenn dieses im Programmheft nach dem Autor steht, ist daher Vorsicht geboten. Bina Blumencron und Gerhard Greiner führen in der Regie von Daniela Meschtscherjakov die unterschiedlichsten, oftmals äußerst schrägen Künstlertypen vor. Mit spürbarer Freude wird der amüsante Text von Lutz Hübner zelebriert, der zwar überspitzt, doch stets nahe der Realität den Theaterbetrieb persifliert. Auch wenn Gretchen immer wieder beteuert: „Mir ist so schwül, so dumpfig hie…“, unterhält sich das Publikum bestens. Ein vergnüglicher Theaterabend, ein absolutes Muss für jeden Theaterliebhaber.

„Gretchen 89ff“ von Lutz Hübner. Theater Transversale. Regie: Daniela Meschtscherjakov. Mit: Bina Blumencron & Gerhard Greiner.




Nun ist es endgültig vorbei …

Heute war der letzte Tag. Badeschluß war schon am 30. Novenber 2016 gewesen und am heutigen Tag konnte man auf einem „alles muß raus“ Flohmarkt ein letztes Souvenir erwerben. Ich nutzte die Gelegenheit, um zum allerletzten Mal im Hallenbad meiner Jugend vorbeizuschauen.

Von Karl Traintinger

Es sind schöne Erinnerungen, die da beim Fotografieren im leeren Hallenbad durch den Kopf plätschern. In meiner Mittelschulzeit 1967 – 1975 war es fast ein Fixpunkt, mit unserem Turmprofessor Georg Aschauer im Winter einmal wöchentlich ins Hallenbad zu gehen. Freischwimmer, Fahrtenschwimmer und Allroundschwimmer sind die noch immer gültigen Beweise dafür. Die Köpfler vom 3 m Brett waren lange Zeit eine Herausforderung. Es war auch für das Ego extrem wichtig, eine Länge zu durchtauchen.  Die Gummiringe von der tierffvsten Stelle zu holen, konnte auch nicht jeder.

Rechts, gleich neben dem Eingang gab es einen Jausenstand mit den vorzüglichen Salzstangerln mit Schinken, Essiggurkerl, einem Ei und etwas Mayonaise. Es gab nicht Besseres als diesen kleinen Snack nach dem Baden und vor den Nachmittagsunterricht.

Das Hallenbad wurde 1956 errichtet und vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Körner eröffnet. Der Architekt war Josef Havranek, die künstlerische Ausgestaltung übernahmen nach einem Wettbewerb Toni Schneider-Manzell und Josef und Rosita Magnus. In den 60 Jahren des Bestehens wurde das Paracelsus Hallenbad von über 11 Millionen Gästen besucht.  (Weitere Info>)

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Prosit 2017

Wir bedanken uns ganz herzlich für Ihr Interesse an der Dorfzeitung und freuen uns auf ein Wieder“lesen“ im neuen Jahr!

KTraintinger für das Team




Frohe Weihnachten!

Die Stille Nacht Kapelle in Oberndorf an der Salzach. Hier stand die Pfarrkirche, in der das weltberühmte Lied uraufgeführt wurde.




Weihnachten 2016

Geseënde Kersfees (afrikaans) – Gezur Krislinjden (albanisch) – Etho Bricho (aramäisch) – Честита Коледа – Tchestita Koleda (bulgarisch) – Glædelig Jul (dänisch) – Frohe Weihnachten (deutsch) – Merry Christmas (englisch) – Hyvää Joulua (finnisch) – Joyeux Noël (französisch) – Καλά Χριστούγεννα – Kalá Christoúgenna (griechisch) – Mele Kalikimaka (hawaiianisch) – Nollaig Shona Dhuit (irisch) – Buon Natale (italienisch) – メリークリスマス – Merii Kurisumasu (japanisch) – 聖誕節同新年快樂 – Gun Tso Sun Tan’Gung Haw Sun (kantonesisch) – 크리스마스를 축하합니다 – keuriseimaseureul chukahamnida (koreansich) –
Sretan Božić (kroatisch) – 聖誕快樂 新年快樂 – Kung His Hsin Nien bing Chu Shen Tan (mandarin) – Zalig Kerstfeest (niederländisch) – God Jul (norwegisch) – Maligayan Pasko (phillipinisch)  – Wesołych Świąt Bożego Narodzenia (polnisch) – Feliz Natal (portugiesisch) – Crăciun fericit (rumänisch) – Поздравляю с Новым годом и Рождеством – Pozdrevlyayu s prazddnikom Rozhdestva is Novim Godom (russisch) – Feliz Navidad (spanisch) – God Jul (schwedisch) – Prejeme Vam Vesele Vanoce a stastny Novy Rok (tschechisch) – Noeliniz kutlu olsun (türkisch) – Kellemes karácsonyi ünnepeket kívánok nektek (ungarisch)




Lisa. Jugendtheaterstück von Dominik Nießl

Der Salzburger Jungautor befasste sich 2014 in seinem Debütstück „After Sunset“ mit der Problematik von Videospielen. In „Lisa“ stehen Mobbing, jugendliche Gewalt und die Gefahren der sozialen Netzwerke im Zentrum. Die Uraufführung fand am 7. Dezember 2016 in der ARGEkultur statt.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Am Beginn der Vorstellung muss das Publikum mitansehen, wie ein junges Mädchen von drei Gleichaltrigen wüst beschimpft und misshandelt wird. Schnell wird klar, dass man sich mit Kathie, der Anführerin der Clique, besser nicht anlegen sollte, denn „die zuckt ständig aus“. Ein Foto von der blutenden Babsi wird geschossen, hochgeladen und schon befindet sich das kompromittierende Bild im Netz. Unter schallendem Gelächter werden nun die „Likes“ auf Facebook gezählt. Während Clara Kathie in nichts nachsteht und hemmungslos über ihre Mitschüler lästert, fühlt sich Lisa nicht so richtig wohl in dieser Clique. Sie hat ein schlechtes Gewissen und gibt sich die Schuld an Babsis Misere. Diese musste die Schule wechseln, kommt mit dem Leben kaum mehr zurecht und hat sogar schon einen Selbstmordversuch hinter sich. Lisas Freund Tomas, mit dem sie nach der Schule gerne abhängt, kennt auch ihre weiche Seite, denn bei ihm gibt sie sich nachdenklich, ja sogar romantisch. Da er ihren Umgang absolut nicht in Ordnung findet, zieht er sich nach und nach von ihr zurück. Videospiele machen eben weniger Probleme als Mädchen. Als Lisa jede Nacht von Albträumen gequält aufschreckt, kommt es endlich zu einer Aussprache mit ihren bisher ahnungslosen Eltern.

Gerard Es hat das Jugendstück mit zwei professionellen Schauspielern (Elisabeth Breckner und Wolfgang Kandler als überfordertes Elternpaar) und gecasteten Jungschauspielern in Szene gesetzt. Ein kluges Stück, eine kluge Inszenierung, denn neben den coolen Clique-Treffen, in denen in Jugendslang jede und jeder heruntergemacht wird, überzeugen vor allem die ruhigen Szenen, in denen die Jugendlichen erzählen, was sie wirklich bedrückt und wonach sie sich sehnen. Ein Theaterstück, das Jugendliche für die Gefahren der sozialen Netzwerke sensibilisieren soll und die Eltern dazu auffordert, ihren Kindern wirklich zuzuhören, auch wenn es sich scheinbar nur um „alberne Teenagersorgen“ handelt.

„Lisa“ von Dominik Nießl. Mobbing und jugendliche Gewalt. Uraufführung. Eine Koveranstaltung von Es Theater und ARGEkultur. Regie: Gerard Es. Mit: Elisabeth Breckner, Wolfgang Kandler, Johanna Lindner, Clara Kammeringer, Lucia Schöndorfer, Eva Schwaiger, Ludwig Weißenberger, Simon Nagl. Fotos: ARGEkultur/ Sigrid Riepl




„Timber!“ – Die Holzfäller sind los!

Der Cirque Alfonse, eine Zirkusfamilie aus dem Dorf Saint-Alphonse-Rodriguez im kanadischen Quebec, eröffnete mit einer kraftvollen, rasanten und witzigen Show am 30. November im Volksgarten Salzburg das Winterfest 2016, das Festival für zeitgenössische Zirkuskunst.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Die bärtigen, muskulösen Männer haben nach einem anstrengenden Arbeitstag in den kanadischen Wäldern großen Hunger und so beginnen sie lustvoll und energiegeladen zu kochen. Die Kartoffeln werden in der Luft mit scharfen Messern halbiert, mit Knoblauch und Zwiebeln wird jongliert und das Kraut auf ziemlich brutale Art gehobelt. Kein Wunder, dass die Bühne nach dieser Kochorgie entsprechend ausschaut, doch Opa Alain ist sich nicht zu schade, den Müll zusammenzukehren. Währenddessen beweisen die jungen Männer, alle gestandene Kraftlackel, dass man auf Baumstämmen hervorragend zu rollen, zu balancieren und zu tanzen vermag. Seiltanz hingegen wäre wohl nicht das Richtige für die kernigen Männer und so behilft man sich mit einem dicken Holzstamm und präsentiert einen sehenswerten „Holztanz“. Alains Tochter Julie begeistert nicht nur als Sängerin der Liveband, die mit traditioneller, schwungvoller Musik aus Quebec für Stimmung sorgt. Sie überzeugt auch als grandiose Artistin und sorgt am Seil und an der Schaukel für ruhigere Töne, während die Männer ständig mit Äxten und Beilen um sich werfen und durch scharfe, gezackte Sägeblätter springen. Wenn es dem Opa zu viel wird, zieht er sich in sein hölzernes Toilettenhäuschen zurück, bevor er sich zu einem Nickerchen im Lehnstuhl niederlässt. Aber warum nur baumelt der agile alte Herr kurze Zeit später zappelnd unter der Zirkuskuppel?

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Die fünf hochprofessionellen Artisten und drei Musiker des Cirque Alfonse entführen das Publikum mit ihrer ansteckenden Fröhlichkeit und Lebensfreude ins Holzfällermilieu. Sie nutzen vor allem Holz und Farmequipment für ihr phantasievolles und kreatives Timber-Projekt. Drei Generationen stehen nach der 80-minütigen Vorstellung auf der Bühne und genießen die Standing Ovations des Premierenpublikums. Bis 8. Jänner 2017 gastiert der kraftvolle Holzfäller-Zirkus, der Akrobatik, Live-Musik, Theater und Tanz auf originelle Art verbindet, im Theaterzelt im Volksgarten Salzburg.

ngg_shortcode_1_placeholder„Timber!“ – Cirque Alfonse. Konzeption: Cirque Alfonse. Regie: Alain Francouer. Lichtkonzept & Produktionsleitung: Nicolas Descoteaux. Auf der Bühne: Antoine & Julie Carabinier-Lépine, Jonathan Casaubon, Francis Roberge, Jean-Philippe Cuerrier, Alain Carabinier, Josianne Laporte, David Simard, André Gagné. Mit Unterstützung vom „Conseil des Arts et des Lettres du Québec“ und dem „Canada Council for the Arts“. Fotos: © Winterfest / Eva trifft




„Hedda Gabler“ – ein Spiel mit der Macht

Charlotte Koppenhöfer hat Henrik Ibsens Drama über eine herzlose, intrigante junge Frau, die aus lauter Langeweile Menschenleben vernichtet, in einer stark reduzierten Fassung im Schauspielhaus Salzburg in Szene gesetzt. Das Ensemble zeigt sich schauspielerisch und körperlich in Höchstform und wurde bei der Premiere am 24.11.2016 gebührend gefeiert.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Die verwöhnte Generalstochter Hedda hat aus purer Berechnung den aufstrebenden Wissenschaftler Tesman geheiratet. Doch so langweilig hat sie sich das Eheleben nicht vorgestellt. Schon die ausgedehnte Hochzeitsreise war eine herbe Enttäuschung, denn mit einem „unerträglichen Fachmann“ zu verreisen, macht wenig Vergnügen. Auch im neuen Haus fühlt sie sich nicht wohl. Die dürftigen Verhältnisse nerven, auf Diener in Livree und ein eigenes Reitpferd wird sie wohl noch lange verzichten müssen. Als Heddas ehemaliger Liebhaber Ejlert mit einem bemerkenswerten Manuskript auftaucht, um sich wie ihr Mann um eine ausgeschriebene Professorenstelle an der Universität zu bewerben, beschließt sie, etwas dagegen zu unternehmen. Ihr Wunsch, „ein einziges Mal im Leben die Herrschaft zu haben über ein Menschenschicksal“, geht zwar in Erfüllung, doch ihre Intrigen bescheren ihr weder das erhoffte Vergnügen noch die ersehnte Zufriedenheit.

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Julie Weideli (Ausstattung) hat ein schwarzes Stahlgerüst auf die Bühne gestellt. In diesem ungemütlichen, kalten Heim turnt, klettert, hängt und liegt nicht nur Familie Tesman herum. Auch deren Besucher müssen ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen, wobei diese akrobatischen Übungen immer wieder ins Groteske kippen. Zu Beginn sitzt Hedda (Alexandra Sagurna) gelangweilt und in sich versunken hoch oben auf einem Balken, während Tante Jule (Ute Hamm) über die verwöhnte junge Dame lästert, die so gar nicht zu ihrem geliebten Neffen, für den sie sogar ihre Rente verpfändet hat, passt. Eine Videowand macht deutlich, wie es hinter der lieblichen Fassade der jungen Frau wirklich ausschaut, da lodern die Flammen und wütet der Hass. Ihrem Gatten (Magnus Pflüger) hingegen reichen seine Bücher und die Aussicht auf eine Professorenstelle. Die Beziehung zwischen Frau Elvsted (Christiane Warnecke) und Ejlert (Matthias Hinz) weckt Heddas Eifersucht und lässt sie ein tödliches Spiel inszenieren. Olaf Salzer komplettiert als Richter Brack das engagiert aufspielende Ensemble.

Erstaunlich, welch eindrucksvolle, starke Bilder Regisseurin Charlotte Koppenhöfer in diesem minimalistischen Bühnenbild mit nur wenigen Requisiten gelingen. Faszinierend, wie Herzenskälte und Durchblutungsstörungen, an denen alle Beteiligten dieses beklemmenden Kammerspiels leiden, durch lila Einfärbungen zum Ausdruck gebracht werden. Eine kluge Inszenierung, die unter die Haut geht.

ngg_shortcode_2_placeholder„Hedda Gabler“ von Henrik Ibsen. Deutsch von Marie von Borch. Für die Bühne eingerichtet von Charlotte Koppenhöfer. Regie: Charlotte Koppenhöfer. Ausstattung: Julie Weideli, Video: Michael Winiecke. Mit: Magnus Pflüger, Alexandra Sagurna, Ute Hamm, Christiane Warnecke, Olaf Salzer, Matthias Hinz. Fotonachweis: Jan Friese




„Die Ilias“ – ein kraftvolles Antikriegsstück

Fast 3000 Jahre alt ist Homers gewaltiger Text, der von den blutigen Schlachten zwischen den Helden Griechenlands und Trojas berichtet. Intendant Carl Philip von Maldeghem hat die 16.000 Verse des antiken Epos auf bühnentaugliche Länge gekürzt und mit Schauspielern, Sängern und Tänzern in Szene gesetzt. Die kräftig entstaubte Fassung feierte am 17. November 2016 im Salzburger Landestheater Premiere.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Der Raub der schönen Helena durch Paris, den Sohn des trojanischen Königs Priamos, entfesselt den Zorn ihres Gatten Menelaos. Dessen Bruder Agamemnon, militärischer Oberbefehlshaber einer riesigen Flotte, segelt daher mit vielen griechischen Stämmen nach Troja. Sie belagern die Stadt und liefern sich vor der Befestigungsmauer jahrelang blutige Gefechte. Die Ilias schildert die Situation in den verfeindeten Lagern nach zehn Jahren Belagerung. Wiederum kommt es durch den Raub einer Frau zu einem Konflikt, diesmal zwischen Agamemnon und Achilles, dem besten Kämpfer der Griechen. Achilles fühlt sich entehrt, sein Zorn ist so übermächtig, dass er sich mit seinen Truppen zurückzieht. Schließlich zieht sein Freund Patroklos an seiner statt in die Schlacht und wird von Hektor, dem Hoffnungsträger der Trojaner, getötet. Das versetzt Achilles abermals in Raserei. Leicht belustigt beobachten die Götter auf dem Olymp, wie sich die Menschen gegenseitig niedermetzeln. Auf ihren zahlreichen Götterversammlungen herrscht keine Einigkeit. Niemand kann sich daher der Hilfe der Götter sicher sein.

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Dass Christoph Wieschke gleich zu Beginn als Homer einen Eimer Blut auf eine weiße Leinwand schüttet, verheißt nichts Gutes. In seiner Rolle als Göttervater Zeus hingegen versucht er, sich gegen seine Gattin Hera (Frances Pappas), sein munteres Töchterchen Athene (Anastasia Bertinshaw), die Liebesgöttin Aphrodite (Sabrina Amali) und den per Videobotschaft zugeschalteten Apollon (Yevheniy Kapitula) durchzusetzen. Nicht das babylonische Sprachengewirr macht ihm zu schaffen, sondern dass auch hier jede und jeder nur die eigenen Interessen verfolgt. Vor Troja liefern sich von Kampflust getriebene muskulöse junge Männer zwischen bedrohlich wirkenden riesigen Gummireifen blutige Gemetzel. Nur das Weichei Paris (Yascha Finn Nolting) vergnügt sich lieber mit seiner schönen Helena (Julienne Pfeil).

Um das Publikum nicht mit endlosen Schlachten und den Grausamkeiten des Krieges zu überfordern, kommen in Carl Philip von Maldeghems Inszenierung auch Tänzer und Sänger zum Einsatz. Der Mensch hat in den letzten 3000 Jahren leider nichts dazugelernt, der Krieg scheint unausrottbar zu sein, ob aus religiösen Gründen oder aus Gier nach Macht, Einfluss und Reichtum. Wohl ein Grund dafür, dass Homers Ilias auch heute noch auf vielen Spielplänen zu finden ist. Ein Tipp: Vorinformieren oder der Einführung vor Vorstellungsbeginn lauschen, sonst kann es passieren, dass man vergeblich auf das Trojanische Pferd wartet.

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„Die Ilias“ – Homer – In der Übertragung von Johann Heinrich Voß. Eingerichtet von Carl Philip von Maldeghem. Inszenierung und Bühne: Carl Philip von Maldeghem. Kostüme: Alois Dollhäubl. Mit: Christoph Wieschke, Anastasia Bertinshaw, Sabrina Amali, Frances Pappas, Yevheniy Kapitula, Gregor Schulz, Gregor Schleuning, Marco Dott, Nikola Rudle, Steffen Lehmitz, Hanno Waldner, Yascha Finn Nolting, Julienne Pfeil. Fotos: SLT/ © Anna-Maria Löffelberger




Die Neigung des Peter Rosegger

Eine österreichische Kleinstadt erwartet voll Spannung eine Delegation der UNESCO, soll doch der alte Stadtkern zum Weltkulturerbe werden. Doch zu allem Überfluss beginnt sich in diesem Moment die Statue des unvergessenen Heimatdichters Peter Rosegger nach rechts zu neigen.

Karl TraintingerVon Karl Traintinger

Zuerst will das keiner sehen, Musterbürger Wiesinger, dessen Familie einst die Statue spendete, versucht zu beruhigen. Doch das Unglück nimmt seinen Lauf, nach kurzer Zeit gibt es keine Zweifel mehr: Rosegger hat sich für alle sichtbar nach rechts geneigt, da kann auch der aus Wien zu Hilfe gerufene Seismologe nicht mehr helfen. Die heile Welt ist in Gefahr.

Peter Rosegger, er wurde 3 mal für den Literaturnobelpreis nominiert, hat ihn aber nie erhalten, hat mit seinen Werken einen Begriff von Heimat geprägt, an dem auch die Nationalsozialisten Gefallen fanden. Thomas Arzt hat auf dieser Basis das Stück aufgebaut und aktuelle Themen wie Flüchtlinge und Fremdenhass eingeflochten. Entstanden ist ein komplexes, zeitgenössisches Werk, in dem auf zum Teil bizarre Weise ein Heimatbegriff definiert wird.

Die bunt-schräge Inzenierung von Nina Gühlstoff kann begeistern. Wiesinger, ein vielschichtiger Charakter, überzeugte mich ebenso wie die Archivarin Trost, um nur 2 Namen stellvertretend für das ganze Ensemble zu nennen. Der Schlußapplaus war mehr als verdient.

„Die Neigung des Peter Rosegger“ von Thomas Arzt | URAUFFÜHRUNG am 15. September 2016 im Grazer Schauspielhaus | Regie: Nina Gühlstorff | Bühne und Kostüme: Marouscha Levy | Musik: Marcus Christoph Weberhofer, Johannes Frühwirt, Lea Geisberger | Licht: Viktor Fellegi | Dramaturgie: Elisabeth Geyer | Besetzung: Henriette Blumenau (Trost, Archivarin), Florian Köhler (Wiesinger, Unternehmensleiter), Nico Link (Matthias, Arbeiter), Evamaria Salcher (Bachlerin, Bürgermeisterin), Susanne Konstanze Weber (Elfriede, Angestellte), Franz Xaver Zach (Heim, Seismologe) | Fotos: Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz | Videotrailer: Schauspielhaus Graz




„Wir sind keine Barbaren!“ – Die Angst vor dem Fremden

In den Kammerspielen des Salzburger Landestheaters spielt das 2014 am Theater Bern uraufgeführte Stück des deutschen Dramatikers Philipp Löhle gekonnt mit den Ängsten vor dem Fremden. In kurzen Szenen voll bissigen Humors wird dem Publikum vor Augen geführt, wie rasch die heile Welt von zwei etablierten Paaren durch das Auftauchen eines Flüchtlings durcheinandergebracht werden kann. Die Premiere fand am 24. September 2016 statt.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Barbara und Mario sind ein eingespieltes, etwas in die Jahre gekommenes Ehepaar, das sich mit dem Alltagstrott abgefunden hat. Marios Geburtstagspäckchen für seine liebe Gattin ist zwar riesengroß, enthält aber nicht das ersehnte Klapprad, sondern ein Ultra-HD-Fernsehgerät von enormen Ausmaßen. Während Barbara frustriert ihren Prosecco schlürft, stürzt sich Mario voll Begeisterung auf die Bedienungsanleitung. Die Besuche der aufdringlichen, leicht durgeknallten neuen Nachbarn verlaufen auch nicht gerade harmonisch. Als eines Nachts ein völlig durchnässter Fremder an die Wohnungstüren klopft, prallen die unterschiedlichen Auffassungen der beiden Paare hart aufeinander. Linda und Paul können einfach nicht verstehen, dass Barbara den „Obdachlosen“ eingelassen hat. Die eigene Wohnung sei doch „eine sensible Zone“, in der ein Fremder einfach kein Platz habe. Barbara hingegen steigert sich in ihre Hilfsbereitschaft hinein. Den Vorschlag, den jungen Mann, von dem man weder Name noch Herkunft kennt, im Haushalt helfen zu lassen, lehnt sie kategorisch ab, denn Empathie sei ihr einziger Beweggrund. Während das Unbekannte auf die Damenwelt doch einen gewissen Reiz auszuüben beginnt, schreitet Paul zur Tat und bastelt schon man an einem Schutzraum, einem Panic Room.

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Britta Bayer überzeugt als frustrierte Ehefrau, die sich voller Hingabe auf ihre neue Aufgabe stürzt. Ob der Fremde nun Bobo oder Clint heißt, spielt dabei keine Rolle. Axel Meinhardt als ihr überforderter Ehemann schaut dem Treiben seiner Frau als Gutmensch lange Zeit gelassen zu, doch so ganz einverstanden ist er offensichtlich nicht. Das junge Pärchen, die quirlige Linda (Hanna Kastner) und ihr durchgeknallter Freund Paul (Gregor Weisgerber), nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Sie sehen einfach nicht ein, warum sie für all das Elend der Welt verantwortlich sein sollten. Schlechtes Gewissen, weil es ihnen gut geht, kennen sie nicht. Hinter einem Vorhang verbirgt sich ein österreichischer Heimatchor, der ihre ablehnende Haltung gegenüber allem Neuen und Fremden teilt. „WIR sind glücklich, WIR sind viele, WIR sind anders als die Andern.“ Eva Musils minimalistisches Bühnenbild ermöglicht einen schnellen Wechsel zwischen den benachbarten Wohnungen, wobei eine Grünpflanze gute Dienste leistet.

Claus Tröger hat den beklemmenden, doch auch humorvollen Text des preisgekrönten deutschen Dramatikers Philipp Löhle temporeich in Szene gesetzt. Ein gelungener Abend, der die Frage aufwirft: Zu wie viel Hilfsbereitschaft wären wir bereit, sollte das Unglück an unsere Tür klopfen? Würden wir auf das Fremde zuzugehen oder dem Neuen, dem Gefährlichen, dem Bedrohlichen die Türe vor der Nase zuschlagen?

„Wir sind keine Barbaren!“ von Philipp Löhle. Inszenierung: Claus Tröger. Ausstattung: Eva Musil. Mit: Britta Bayer, Axel Meinhardt, Hanna Kastner, Gregor Weisgerber sowie einem achtköpfigen Heimatchor. Fotos: © Anna-Maria Löffelberger




„Vier linke Hände“ – Boulevard vom Feinsten

Das Theater Miluna hat bei der Auswahl seiner Herbstpremiere ein äußerst geschicktes und keineswegs linkes Händchen bewiesen, denn Pierre Chesnot gehört zu den international erfolgreichsten französischen Lustspiel-Autoren. Judith Brandstätter und Jurek Milewski liefern sich in einer hinreißend komischen Beziehungskomödie einen amüsanten Schlagabtausch, der am Premierenabend (22. September 2016) weibliche und männliche Besucher begeisterte.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Sophie muss ihren 40. Geburtstag völlig alleine feiern, kein Mann weit und breit. Es gibt für sie also keinen Grund, weiterzuleben. Ein letztes Telefonat mit einer Freundin hält sie jedoch von ihrem sorgfältig geplanten Selbstmordversuch ab. Diese rät ihr, den erstbesten Mann, der ihr über den Weg läuft, zu verführen und diesmal zu geben statt zu nehmen. Da erscheint stocksauer und tropfnass ihr Nachbar, dessen einen Stock tiefer gelegene Wohnung dank Sophies übergelaufener Badewanne unter Wasser steht. Der verschrobene Junggeselle erweist sich als völlig blind gegenüber den Reizen der liebeshungrigen Dame und fordert gnadenlos einen Schadensbericht ein. Als er von der Todessehnsucht seines Gegenübers erfährt, besitzt er sogar die Frechheit, sich als Nachmieter für die sicherlich bald leerstehende Wohnung anzumelden, und präsentiert auch gleich noch die Umbaupläne. Sophie ist zwar sprachlos ob dieser Unverfrorenheit, doch sie gibt nicht auf. Nach dem Motto „auch an unsympathische Männer kann man sich gewöhnen“ lädt sie ihren staubtrockenen, eigenbrötlerischen Nachbarn zu einem aphrodisierenden Abendessen ein.

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Jurek Milewski grantelt sich überzeugend als verschrobener, in Liebesangelegenheiten unerfahrener Geschichtsprofessor durch den Abend. Seine ständigen Nörgeleien und seine Kratzbürstigkeit führen zu vergnüglichen Wortduellen mit der nie um eine Antwort verlegenen Sophie. In dieser Rolle brilliert Judith Brandstätter, die sich mächtig ins Zeug legt, um diesen schrulligen Typen zu verführen. Fast drei Stunden lang darf man den beiden Streithähnen zuhören und zuschauen und schließt sie dabei, trotz ihrer Macken, richtig ins Herz.

Alois Ellmauer hat ein kuscheliges Wohnzimmer auf die Bühne gestellt. Zwischen den einzelnen Szenen wechseln die Schauspieler blitzschnell die Tapeten und schon befinden wir uns mal im Ober- und mal im Untergeschoss. Marco Otoya hat das turbulente Lustspiel, das ganz nach dem Geschmack des Publikums im Kleinen Theater sein dürfte, mit hohem Tempo in Szene gesetzt. Ein Theaterabend, der mit zündenden Pointen und trockenem Humor beste Unterhaltung garantiert.

„Vier linke Hände“ – Komödie von Pierre Chesnot. Regie: Marco Otoya. Kostüme: Nora Frankhauser. Bühne: Alois Ellmauer. Mit Judith Brandstätter und Jurek Milewski. Fotos: Kleines Theater/ Elias Kenyeres

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