Sommerszene Salzburg 2017

Von 20. Juni bis 1. Juli 2017 präsentiert das Festival der performativen Künste zehn Produktionen, davon fünf österreichische Erstaufführungen, drei extra für dieses Festival kreierte Performances  sowie zwei Gastspiele. 

Elisabeth PichlerVon Elisbeth Pichler

Die ehemalige Frontfrau von La La La Human Steps, Louise Lecavalier, eröffnet am 20. Juni mit „Battleground“ das Festival im republic. Gemeinsam mit dem Tänzer Robert Abubo erkundet sie in diesem pointierten, vibrierenden  Stück das Phänomen einer Kunstfigur.Der Katalane Pere Faura zollt in der ARGEkultur seinen persönlichen Ikonen Gene Kelly, Anne Teresa De Keersmaeker, Anna Pavlova und John Travolta mit  „No Dance, No Paradise“ Anerkennung und Bewunderung, eine humorvollen Auseinandersetzung mit der Welt des Tanzes.

Was haben David Bowie und Rainer Maria Rilkes Duineser Elegien gemeinsam? Mit dieser Frage beschäftigt sich Claire Croizé in ihrer aktuellen Produktion „EVOL“. Ein überaus komplexer Abend, an dem vier junge Tänzer ihre eigene Bewegungssprache und Musikalität als Resonanzraum erkunden (Österreich-Premiere am 24. Juni im republic).

Die von der Choreografie kommende Tänzerin Meg Stuart hat sich in letzter Zeit immer mehr dem Theater zugewandt. So spielen in ihrem gefeierten Meisterwerk  „Built to Last“ Bühnenbild, Kostüme und Requisiten eine große Rolle. Die Erfolgsproduktion, die 2012 in Kooperation mit den Münchner Kammerspielen entstanden und seitdem durch halb Europa und auch nach Mexiko getourt ist, wird am 28. und  29. Juni im republic zu erleben sein.

Das Salzburger Kollektiv ohnetitel wird das Publikum in „Gärten von Gestern. Techniken des Erinnerns.“ durch den Kommunalfriedhof  führen und versuchen, mit einer Musikkapelle, zehn Grammophonen, fünfzehn lebenden Bildern und 213 Fotos  kollektive und individuelle Erinnerungen wachzurufen. Im Schauspielhaus Salzburg werden am 26. und 27. Juni fünf Reinigungsfrauen aus Athen, weibliche Migrantinnen verschiedener Generationen, aus ihrem Leben erzählen und über ihre Sehnsüchte und Wünsche sprechen. Der europaweit gefeierte Abend „Clean City“ verspricht dichtes, politisches Theater.

Zum Abschluss des Festivals am 1. Juli 2017 wird es der gebürtige Oberösterreicher Simon Mayer im republic so richten krachen lassen, indem er Tradition und Moderne aufeinanderprallen lässt. In „Sons of Sissy“ werden sich die Tänzer zwischen den archaischen und körperlichen Wurzeln der Volkskultur und dem zeitgenössischen Tanz bewegen, wobei Schuhplatteln, Jodeln, Goaßlschnalzen und alpine Livemusik nicht fehlen dürfen,

Das gesamte Programm und weitere Informationen finden Sie unter szene-salzburg.net

 




„Der Theatermacher“ – Shakespeare, Voltaire und ich…

Robert Pienz inszeniert im Schauspielhaus Salzburg Thomas Bernhards viel gespieltes Künstlerdrama, welches 1985 am Salzburger Landestheater in der Regie von Claus Peymann uraufgeführt wurde. Kräftigen Applaus gab es bei der Premiere am 3. Mai 2017 vor allem für Harald Fröhlich als monologisierenden Staatsschauspieler Bruscon.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

„Was, hier in dieser muffigen Atmosphäre?“, beklagt sich Bruscon beim Wirt in Utzbach. Der Tanzsaal sei vermodert und verstaubt, wie auch die übrigen beklagenswerten 280 Einwohner. Hier also soll die von ihm verfasste Menschheitskomödie „Das Rad der Geschichte“ zur Aufführung gelangen. Der Geruch der Schweinemastanlage ist widerlich und macht dem größten Schauspieler aller Zeiten, der einst in Berlin den Faust und in Zürich den Mephisto gegeben hat, schwer zu schaffen. Ein Problem aber ist noch immer nicht gelöst. Wird der örtliche Feuerwehrhauptmann die Ausschaltung des Notlichtes für die letzten fünf Minuten der Vorstellung genehmigen? Die Regieanweisungen für seine unfähigen, untalentierten Kindern, den „debilen“ Sohn und die „dumme“ Tochter, erweisen sich als vergeblich. Seine Frau hat sich ins Bett zurückgezogen, wendet sie doch ihre ganze Kunst dafür auf, Krankheiten vorzutäuschen. Der ihn umgebende Dilettantismus setzt Bruscon gehörig zu. „Wir gehen auf eine Tournee, gehen doch nur in eine Falle, sozusagen in eine Theaterfalle.“ Und nun ausgerechnet Utzbach, wenn es doch wenigstens Gaspoltshofen wäre, aber nein: Utzbach – und das ausgerechnet am Blutwursttag.

Bewundernswert, wie Harald Fröhlich den monströsen Text des an Selbstüberschätzung, Hochmut und maßloser Arroganz leidenden Bruscon stemmt, ein faszinierender Machtkampf zwischen ihm und der fast stummen Opposition, die mit Gestik und Mimik zu punkten versucht. Mit stumpfem Blick lässt Marcus Marotte als Wirt die Beleidigungen über sich ergehen, während Ute Hamm als seine beim Blutwurstmachen gestörte Ehefrau mit blutigen Gummistiefeln unwillig die georderte Frittatensuppe serviert. Bruscons ungeschickter, ständig verletzter Sohn Feruccio (Matthias Hinz) und seine Tochter Sarah (Kristina Kahlert) unterwerfen sich nur widerwillig, doch gegen die Erniedrigungsrituale und Demütigungen kommen sie nicht an. Seine Ehefrau (Daniela Enzi) hat sich in die Hypochondrie geflüchtet, dagegen ist Bruscon wiederum machtlos.

Der angestaubte Tanzsaal (Ausstattung: Ragna Heiny) erinnert an das Bühnenbild der Uraufführung. In dem von Robert Pienz in Szene gesetzten Stück, zelebriert Thomas Bernhard seine Hassliebe zu Österreich, im Speziellen zu Salzburg. Außerdem lässt er Bruscon über Künstlertum, Krankheiten und die Absurditäten der menschlichen Existenz schwadronieren:

„Wenn wir ehrlich sind
ist das Theater an sich eine Absurdität
aber wenn wir ehrlich sind
können wir kein Theater machen
weder können wir wenn wir ehrlich sind
ein Theaterstück schreiben
noch ein Theaterstück spielen
wenn wir ehrlich sind
können wir überhaupt nichts mehr tun
außer uns umzubringen…“

Ein zwar langer, doch intensiver Theaterabend, ein Genuss für jeden Thomas-Bernhard-Liebhaber.

ngg_shortcode_0_placeholder„Der Theatermacher“ von Thomas Bernhard. Regie: Robert Pienz. Ausstattung: Ragna Heiny. Dramaturgie: Theresa Taudes. Mit: Harald Fröhlich, Daniela Enzi, Matthias Hinz, Kristina Kahlert, Marcus Marotte, Ute Hamm, Sophia Fischbacher. Fotos: Jan Friese




„Kudlich – eine anachronistische Puppenschlacht“

Der von der Theaterallianz, einer bundesweiten Plattform für das zeitgenössische Theater in Österreich, 2016 erstmals vergebene Autorenpreis ging an den oberösterreichischen Dramatiker Thomas Köck. Sein am Schauspielhaus Wien uraufgeführtes Stück über den Bauernbefreier Hans Kudlich (1823-1917) war am 27. und 28. April 2017 im Schauspielhaus Salzburg zu Gast.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Das Publikum wird aufgefordert, sich im Stehen den Prolog einer Marionette und eines „krumm gebuckelten“ Zwerges anzuhören. Wer von den beiden die Fäden in der Hand hält, bleibt unklar. Wo es Macht gibt, regt sich der Widerstand. So rief der österreichische Bauernbefreier Hans Kudlich im Oktoberaufstand 1848 die Bauern zum Landsturm auf. Als Unruhestifter wurde er von Kaisertreuen verfolgt und gejagt. Während sein Bruder Hermann im Zuge der Aufstände ums Leben kam, gelang Hans die Flucht nach Amerika. Doch wie erging es den befreiten Bauern? Konnten sie der Attacke der Raiffeisenrösser entkommen, oder schlitterten sie direkt in die Abhängigkeit der neu gegründeten Raiffeisenbank? Die Ausbeutung geht also weiter. Kein Wunder, dass der ständig Kreide fressende Bürgermeisteranwärter und Rechtspopulist Wenzel Bumsti Hofer, der mit sanfter Stimme um Wählerstimmen wirbt, so gut ankommt. Gekonnt spannt der Autor diesen Bogen zwischen 1848 und der Jetztzeit.

Fünf hochmotivierte junge Schauspieler bewältigen den anspruchsvollen, schwer mit Ideologiekritik beladenen Text des Autors mit Bravour, während sie energiegeladen auf einem riesigen Stahlgerüst herumturnen und klettern. Hans Kudlich, ein androgyner Visionär in rosa Rüschenhemdchen, fordert die Bauern dazu auf, den Protest nicht den Idioten zu überlassen.

Die Bühne dominiert ein riesiger, in Scheiben geschnittener, hölzerner Stier, der an Marionettenketten hängt (Bühne und Kostüme: Jil Bertermann). Marco Štorman hat das anspruchsvolle Stück präzise in Szene gesetzt, wobei auch der Humor nicht zu kurz kommt. Eine gelungene, frische Inszenierung, die durch Österreich tourt und auf den Bühnen der sechs Mitglieder der „Theaterallianz“ gastiert. Zu den Gründungsmitgliedern (Kosmos Theater Bregenz, Theater Phönix Linz, Klagenfurter Ensemble sowie den Schauspielhäusern Salzburg und Wien) gesellte sich 2016 das Grazer Theater am Lend. Dieses Gastspiel ist der beste Beweis dafür, was ein „Miteinander“ zu schaffen vermag.

„Kudlich – eine anachronistische Puppenschlacht“ von Thomas Köck. Regie: Marco Štorman. Bühne und Kostüme: Jil Bertermann. Musik: Gordian Gleiss. Dramaturgie: Tobias Schuster. Mit: Nicolaas van Diepen, Max Gindorff, Lisa Maria Sexl, Peter Elter, Katharina Haudum. Foto: Schauspielhaus Salzburg




„Töchter des Jihad“ – eine szenisch-dokumentarische Collage

Autorin und Regisseurin Barbara Herold versucht in diesem Theaterprojekt, das Phänomen Jihadismus zu ergründen. Welche Motive bewegen junge Mädchen, die Sicherheit und Freiheit Europas gegen eine Utopie einzutauschen und als Frau eines IS-Kriegers ein gottesfürchtiges Leben in Gefangenschaft zu führen? Der Theaterverein dieheroldfliri.at aus Vorarlberg gastierte am 10. März 2017 im Kleinen Theater in Schallmoos.

Von Elisabeth Pichler

In Stücke gerissene Gebetsteppiche kleiden die Bühne aus und verströmen orientalisches Flair. Auf facebook postet Muhajirah: „Es ist so schön, in einem rein islamischen Land zu leben. Manchmal vergisst man fast, dass man im Jahr 2000 lebt. Man fühlt sich wie in einem Kapitel des Alten Testaments.“  Dokumentarisches Material, Auszüge aus Blogs und Ratgebern dienen ebenso als Grundlage für diese Produktion wie Erläuterungen zur islamischen Religion. Jihad bedeutet nicht nur Kampf, sondern auch jegliche Anstrengung und Mühe. „Gott ist groß und der Jihad unser Weg“ behaupten Maria Fliri, Diana Kashlan und Peter Bocek und drohen dabei mit ihren Kalaschnikows. Auch wenn es sich dabei nur um Staubsauger handelt, verfehlen diese ihre Wirkung nicht, denn sie vernichten mühelos jeglichen Müll.

„Keine Steuern, keine Mieten, der Staat zahlt alles“ klingt durchaus verlockend. Auf Rauchen in der Öffentlichkeit kann man ja verzichten, denn dafür gäbe es 30 Peitschenhiebe. Ein jihadistischer Brautwerber verspricht der jungen Melanie das Paradies. Er selbst sei kein Mörder, denn er töte nur Ungläubige und Verräter. Geschichte sei schon immer mit Tinte und Blut geschrieben worden. „Wir müssen uns opfern, um die Welt zu retten.“

Eine Mischung aus Protest und Provokation gegenüber Familie und Gesellschaft bewegt junge Frauen und Mädchen zur Hijra (Flucht) aus dem Gebiet der Ungläubigen. Wie aber sieht der Alltag von Frauen im IS tatsächlich aus? Das Manifest „Frauen im islamischen Staat“,  herausgegeben von der Al-Khansaa-Frauenbrigade, gibt Aufschluss.

Es sei die natürliche Bestimmung der Frau, dem Ehemann zu dienen. Bildung sei nur hinderlich und für die vom Schöpfer vorgesehene Aufgabe überflüssig. Es wird mit der Abkehr vom westlichen Rollenverständnis geworben. Versprochen wird die Erfüllung durch Sittsamkeit und die Tugenden als Hausfrau und Mutter. Nur dort, so heißt es, erhalte die Frau ihre wahren, vom Islam verbrieften Rechte, werde sie geachtet, wie es ihr gebührt, und habe keine Unterdrückung zu befürchten, sofern sie ihren Pflichten nachkommt.

Barbara Herold betrachtet das komplexe Thema in vielen kleinen Szenen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. Sie animiert das Publikum, selbst Stellung zu beziehen. Ein spannender Theaterabend, der aufklären, sensibilisieren und warnen will.

„Töchter des Jihad“ – Eine szenisch-dokumentarische Collage. Text und Regie: Barbara Herold. Ausstattung und Video: Caro Stark. Choreographie: Anne Thaeter. Mit: Maria Fliri, Diana Kashlan, Peter Bocek. Fotos: Mark Mosman

 

 




„Eugen Onegin“ – Universität Mozarteum

Pjotr Iljitsch Tschaikowskis Oper basiert auf dem gleichnamigen Versroman des russischen Dichters Alexander Puschkin. Studenten der Universität Mozarteum begeisterten in einer auf Russisch gesungenen, von Alexander von Pfeil eindrucksvoll in Szene gesetzten Produktion im Großen Studio das Publikum.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Auf dem Landgut der Larins lebt man nach alter russischer Art. Es wird viel gesungen, alte Bräuche werden gepflegt. Anders als ihre beiden Töchter, die verträumte Tatjana und die lebenslustige Olga, hat sich Larina mit diesem Leben, weitab von den Metropolen St. Petersburg und Moskau, abgefunden. Als der junge, eloquente und weltgewandte Eugen Onegin, ein Nachbar, der bisher das Leben in vollen Zügen genossen hat, auftaucht, verdreht er den beiden jungen Damen den Kopf. Während Olga ungeniert mit ihm flirtet, gesteht Tatjana ihm in einem leidenschaftlichen Brief ihre Liebe. Mit großer Kälte weist er sie zurück und tut ihre Liebe als mädchenhafte Schwärmerei ab. Er demütigt sie, indem er sich auf einem Fest Olga zuwendet, ohne auf ihren Verlobten, den Dichter Lenski, Rücksicht zu nehmen. Ein Duell zwischen den ehemaligen Freunden hat fatale Folgen. Jahre später trifft Eugen Onegin Tatjana als Gattin des Fürsten Gremin in St. Petersburg wieder. Jetzt ist er es, der zurückgewiesen wird.

Alexander von Pfeil hat in seiner Inszenierung auf jegliche Folklore verzichtet. Die fast leere Bühne (Eric Droin) mit ihren vier schrägen Holzpodesten und den im Hintergrund bedrohlich vorbeiziehenden Nebelfetzen macht die Weite Russlands deutlich und kündet von bevorstehenden Unruhen. Die mitreißende Choreografie von Ruth Burmann lässt die Chorszenen aggressiv wirken, der Frust der ausgebeuteten Arbeiter ist groß. Darian Worrell überzeugt in der Titelrolle nicht nur gesanglich, sondern auch optisch. Sowohl Tatjana (Anna Samokhina) als auch Olga (Melissa Zgouridi) erliegen den Schmeicheleien des Frauenverführers und zynischen Lebemanns. Kein Wunder, dass sich der etwas tollpatschige, gutmütige Lenski (Santiago Sánchez) der Liebe Olgas nicht mehr sicher ist. Alexander von Pfeil ist voll Bewunderung für die Ausstatter Eric Droin und Anna Brandstätter: „Eine Chor-Oper wie ‚Carmen‘ oder ‚Onegin‘ auszustatten, bedeutet, dass über hundert Kostüme entworfen, geliehen oder genäht, angepasst, gefärbt, patiniert, anprobiert und sogar zwischendurch noch gewaschen werden müssen, und das schaffen dann zwei Studierende quasi im Alleingang!“ Die Bühne wirkt dank raffinierter Lichtregie (Alexander Lährm) in der Duell-Szene wie mit Schnee bedeckt, in St. Petersburg glänzt sie golden. Hier residiert Fürst Gremin (Slavis Besedin), wegen einer Kriegsverletzung an den Rollstuhl gefesselt, von finster blickenden Leibwächtern umgeben.

Die Zusammenarbeit der Departments für Musiktheater und für Bühnen- und Kostümgestaltung, Film- und Ausstellungsarchitektur mit dem Orff-Institut für Elementare Musik- und Tanzpädagogik garantiert stets ein überragendes Opernerlebnis. Das dürfte sich herumgesprochen haben, denn diesmal waren alle vier Vorstellungen restlos ausverkauft.

„Eugen Onegin“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowskis. Lyrische Szenen in drei Akten (sieben Bildern). In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Mit Unterstützung des Vereins der Freunde der Universität Mozarteum. Eine Veranstaltung des Departments für Musiktheater in Kooperation mit dem Department für Bühnen- und Kostümgestaltung, Film- und Ausstellungsarchitektur. In Zusammenarbeit mit dem Orff-Institut für Elementare Musik- und Tanzpädagogik. Sinfonieorchester der Universität Mozarteum. Chor der Universität Mozarteum. Regie: Alexander Pfeil. Musikalische Leitung: Gernot Sahler.




„Das OFF ist ON“ – ein neues Theater in Salzburg

Die TheaterOFFensive, ein in Salzburg einzigartiges Profi-Ensemble, produziert seit Sommer 2009 hochwertiges und unterhaltsames Theater abseits des Mainstreams, welches bisher an ständig wechselnden Orten in Salzburg zu bewundern war. Anlässlich  einer Pressekonferenz präsentierte der künstlerische Leiter Alex Linse die neue Spielstätte und den abwechslungsreichen Spielplan für die kommenden Monate.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Eine alte Industriehalle in Salzburg Gnigl, Eichstraße 5, wurde mit viel Engagement und Eigeninitiative in ein entzückendes kleines Theater mit 88 Sitzplätzen und eine großzügige 200 Quadratmeter große Lounge mit Barbereich umgewandelt. Mit finanzieller Unterstützung von Stadt und Land ist so eine neue Spielstätte entstanden, die nicht nur der TheaterOFFensive, sondern auch anderen freien Theaterensembles und Kunstschaffenden Platz bietet. Alex Linse will mit dem neuen „OFF“ weder dem Kleinen Theater noch einer anderen Bühne in der Stadt Salzburg Konkurrenz machen, sondern der eigenen Linie treu bleiben: „Pro Spielzeit realisieren wir vier Eigenproduktionen, wobei besonderes Augenmerk auf Uraufführungen, Erstaufführungen und Eigenentwicklungen gelegt wird. Zudem mischen wir unseren Spielplan mit großartigen Komödien und mitreißend musikalischen Produktionen.“

Endlich ist auch genügend Platz vorhanden für das ständig wachsende Workshop-Angebot, das sich an alle Altersklassen von 3 bis 103 Jahren wendet, denn die „OFFensivler“ spielen nicht nur selbst, sie wollen auch ihr Wissen in Workshops weitergeben.

Die gemütliche Lounge bietet Platz für Feiern aller Art und kann angemietet werden. Hier finden auch diverse Specials statt. Einmal im Monat wird an einem Sonntag ein OFF-Brunch mit Live-Musik und Frühstücks-Buffet serviert. Am 5. Februar 2017 begleitet die Band „The SilkyWay“ mit einer Mischung aus eigens arrangierten  Pop-, Latin- und Jazzsongs durch einen schmackhaften Vormittag. Das Montags-Special startet im Februar mit einer „Quiz-Night“. Hier wird in Teams gegeneinander gespielt und es winken tolle Preise. Im März wird die Serie mit einem speziellen Weinevent fortgesetzt, bei dem Georg Clementi mit seinem Programm „Solo Vino“ für Stimmung sorgt.

Der Theaterbetrieb startet am 10. Februar 2017 mit Ken Campbells Komödie „Mr. Pilks Irrenhaus“. Es folgen Gastspiele der Carambolage Bozen und von armes theater wien, sowie „Das Produkt“, ein Thriller des Theatervereins Janus.

Der genaue Spielplan ist unter www.off.theater zu finden.




Das Phänomen Stalking
Was können Betroffene tun?

Man könnte meinen, in einem Nest wie Pollykarpsing geht es in jedem Fall gemütlich zu. Doch scheinbar sind gewisse Angleichungen an unsere scheinbar normale Welt nicht von der Hand zu weisen. Dies belegen jüngste Fälle des Stalkings, welche für die Opfer ganz unterschiedliche Konsequenzen haben. In erster Linie ist es der psychische Druck, der hierbei eine große Rolle spielt und gegen den sich jegliche Form der Hilfestellung im besten Fall wenden sollte.

Erste Konsequenzen ziehen

Zunächst haben Betroffene natürlich die Chance, sich an eine offizielle Beratungsstelle zu wenden. Doch gerade der Druck, den der Täter ausübt, sorgt häufig dafür, dass diese Chance nicht ergriffen wird. Sogar nächste Angehörige werden in vielen Fällen nur spärlich eingeweiht. Somit sind die Betroffenen mit ihrem Problem alleine, was nicht förderlich ist, um Abhilfe zu schaffen. Ziel sollte es zu einem späteren Zeitpunkt sein, stichhaltige Beweise gegen den Täter zu sammeln, die selbst vor Gericht Bestand haben. Firmen wie die Lentz Detektei machen es möglich, effektive Ermittlungen privat einzuleiten, um dieses Ziel zu erreichen. Denn nur Beweise, die unter bestimmten Bedingungen gesammelt wurden, können später auch vor Gericht Verwendung finden.

Die eingeschränkten Möglichkeiten der Polizei

Tatsächlich mehren sich die Fälle, in denen es zum belastenden Stalking kommt, auch in Deutschland immer mehr. Vor allem die Großstädte sind immer mehr von diesem Problem betroffen, für das es eigentlich erst seit etwa 25 Jahren einen professionellen Begriff gibt. Das Opfer kann allerdings selbst einige Schritte tun, um es erst gar nicht zu einer solch verfahrenen Situation kommen zu lassen. Wichtig ist zunächst die klare Abweisung des Stalkers, sollte sich dieser noch so sehr bemühen. Häufig gelingt es nur auf einem solch radikalen Wege, das eigene Desinteresse in geeigneter Form zum Ausdruck zu bringen. Dies bleiben also wichtige und klare Wege, die dabei zu beachten sind. Weiterhin ist es natürlich wichtig, Anzeige gegen den Täter zu erstatten. Solange keine klaren Beweise geliefert werden, zeigt sich jedoch das Problem, dass auch die Beamten nicht mehr tun können, als dem Täter eine Verwarnung auszusprechen.

Fazit

Am Ende der Geschichte zeigt sich, wie strittig dieses sensible Thema weiterhin ist. Die Rechtslage lässt häufig keine konsequenten Schritte von polizeilicher Seite zu, da sich die Täter oft nur am Rande einer oder mehrerer Straftaten bewegen. Aufgrund der Häufigkeit des Problems wird es aber notwendig sein, nach fast zehn Jahren wieder rechtliche Änderungen vorzunehmen, die zu mehr Sicherheit beitragen; dies wäre ausgezeichnet.

-pr-




Sale – Wasserausverkauf

Nach dem Badeschluß im November 2016 wurde im Salzburger Hallenbad das ganze vorrätige Wasser verkauft. Restportionen sind noch für einige Zeit im Kurhaus erhältlich. Typisch für das Hallenbadwasser war der ganz typische Chlorgeschmack. Interessenten melden sich bitte in der Direktion. (kat)




Freilassinger Lokwelt Weihnacht

Am Abend des 4. Adventsonntags ist die heurige Lokwelt Weihnacht mit einem Konzert von Nane Frühstückl & Antonio Brazalez zu Ende gegangen. Bei beginnendem Schneefall waren jazzig verspielte Weihnachtslieder und im 2. Set weltberühmte Jazzstandards zu hören. Bei Glühwein und Weihnachtspunsch konnte man den Sonntag bei guter Musik ausklingen lassen.

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35. MotzArt Kabarett Festival 2017

Bei der Programmpräsentation am 6. 12. 2016 betonte Festival-Leiter Markus Grüner-Musil, dass Ironie auf der Kabarettbühne auch in schwierigen Zeiten durchaus ihre Berechtigung besitze, da sie Distanzen zu überbrücken vermag. „Satire ist also kein Luxus, den man sich nur in fröhlichen Zeiten leisten kann; sie ist eine Waffe, die man braucht, wenn es erst wird.“

Von Elisabeth Pichler

Das von 28. Jänner bis 4. Februar 2017 stattfindende Festival wird vom zweifachen Nestroy-Theaterpreis-Träger Nikolaus Habjan und seinen grotesken Klappmaulpuppen eröffnet. Das nach dem Chanson-Klassiker von Georg Kreisler „Schlag sie tot“ benannte bitterböse Puppentheater spielt in einem Altersheim, in dem vor kurzen Herr Berni eingezogen ist und der alle Bewohner abgrundtief hasst. Am 30. Jänner ist Michael Altinger, ehemaliges Ensemblemitglied der Münchner Lach-und Schießgesellschaft und Moderator der BR-Kabarett-Sendung Schlachthof, mit seinem Programm „Hell“ zu Gast in der ARGE. Er geht der Frage nach, ob mit Mitte Vierzig der Ausstieg aus der Monotonie des Alltags nicht doch noch zu schaffen wäre.

Was ist übrig geblieben von der großen Revolution? Wurden auf Grund des Wohlstands die eigenen Ideale schon vergessen und verraten? Heilbutt & Rosen-Gründer Helmuth Vavra, der sich dem satirischen Lied verschrieben hat, präsentiert mit „Che GueVavra“ einen Kabarettabend voll herrlicher Selbstironie. Am Klavier wird er von seinem Co-Autor Berthold Foeger begleitet.

Der bayerische Kabarettist Christian Springer, ein kritischer Beobachter des Zeitgeistes, präsentiert sein Programm „Trotzdem“, in dem es um Integration und deutsche und bayerische Kultur geht. Privat engagiert sich Springer für syrische Flüchtlinge, er spricht Arabisch, unterhält eine Wohnung in Damaskus und organisiert Hilfe vor Ort.

Andreas Rebers gehört zu den Größen des bundesdeutschen Kabaretts. Sein Programm „Amen“ feiert beim MotzArt Kabarett Festival Österreichpremiere. „Reverend“ Rebers sieht sich als Betroffenheitskomiker und Kabarettist der „extremen Mitte“, der Dinge zur Sprache bringt, die eigentlich niemand hören will. Michael Quast & Sabine Fischmann begeisterten bereits vor 10 Jahren das Publikum in Salzburg mit „Don Giovanni à trois“, einer satirischen Interpretation der großen Mozartoper. Diesmal darf man sich auf ihre Bearbeitung von George Bizets Carmen freuen. „Carmen à trois“ verspricht einen musikalischen und kabarettistischen Leckerbissen nicht nur für Opernfreunde. Die beiden österreichischen Kabarettisten Robert Blöchl und Roland Penzing, ausgezeichnet mit dem Österreichischen Kabarettpreis 2013, haben sich als CliniClowns kennengelernt. Als BlöZinger servieren sie zum Abschluss des Festivals am 4. Februar ihr neues Programm „Bis morgen“, das auf humoristische Weise die Träume, Sehnsüchte und Ängste, die mit dem Altwerden aufkommen, beleuchten.

Nähere Details sind unter https://www.argekultur.at/projekte/2017/motzart/ zu finden.

 

 




Eine Regenfront ist im Kommen

Schlechtwetterwolken kündigen den Wetterumschwung an, da und dort hat es schon heftig geregnet. Nach den paar heißen Tagen der Vorwoche ist diese, hoffentlich kurze Abkühlung willkommen. (Fotos: KTraintinger)




Sommerszene Salzburg 2016

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Von 21. Juni bis 2. Juli 2016 präsentiert das Festival 14 Tanz- und Theaterproduktionen, davon neun österreichische Premieren. Gespielt wird an sieben verschiedenen Schauplätzen, wobei die künstlerische Auseinandersetzung mit Salzburg als Lebensraum im Zentrum steht.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Das Festival startet mit „Gala“, einem weltweit umjubelten Stück von Jérôme Bel. Zwanzig in Salzburg gecastete Personen (Amateure, Kinder und ältere Menschen sowie professionelle Tänzer) präsentieren ein unverwechselbares Bewegungsrepertoire, ohne Anspruch auf künstlerische Virtuosität. Der Mangel an technischen Möglichkeiten erweist sich dabei oftmals als Stärke, jeder kann und soll tanzen. Eine bildgewaltige, atemberaubende Performance verspricht „Black Marrow“ von Islands Star-Choreographin Erna Ómarsdóttir. Der italienische Regisseur und Choreograph Alessandro Sciarroni verwandelt für „Aurora“ die Bühne in ein großes, leeres Spielfeld für die paralympische Disziplin Goalball, eine Mischung aus Hand- und Fußball für blinde und seebehinderte Sportler. Sechs Athleten mit schwarzen Augenbinden werden versuchen, einen mit Glocken gefüllten Ball ins gegnerische Tor zu versenken. Doris Uhlich hat bereits bei der Sommerszene 2014 mit „more than naked“ das Publikum begeistert. Nun setzt sie ihre „Philosophie des Fleisches“ mit „Boom Bodies“ fort. Diese vier Produktionen gehen im republic über die Bühne.

Auch die ARGEkultur bietet ein abwechslungsreiches Programm. Neben einem SEAD-Doppelabend und einer Performance der kultigen Rabtaldirndln präsentiert die belgische Künstlerin Sarah Vanhee in ihrem Solo „Oblivion“ den von ihr während eines ganzen Jahres penibel gesammelten Müll, um zu einer neuen Bewertung des Überflusses anzuregen. Zwei Veranstaltungen im Museum der Moderne am Mönchsberg verbinden Kunst, Musik und Tanz. Im Toihaus Theater erzählt die kanadische Gruppe PME-ART Privates und Recherchiertes, passend zu den mitgebrachten LPs. Zum Mitmachen wird dann bei der „Bring Your Own Record / Listening Party“ geladen.

In einem „Antirassismus-Vergnügungspark“, der in einem Container im Unipark Nonntal steht, wendet sich der Performer, Filmemacher, Autor und bildende Künstler Julius Deutschbauer von 22. Juni bis 2. Juli (jeweils um 19 Uhr) in 20-minütigen Live-Performances aktuellen tagespolitischen Fragen zu.

Mitten in Lehen zeigt der Wiener Choreograph Willi Dorner mit acht Tänzern Kurzchoreographien. „Mit every-one möchte ich eine Parallele zwischen den 20er Jahren und unserer heutigen Zeit, die ebenfalls von rasanten Entwicklungen und Umwälzungen bestimmt ist, ziehen.“ Spaß für die ganze Familie verspricht „Home Sweet Home“ in den Kavernen 1595. Das britische Künstlerkollektiv „Subject to_change“ lädt dabei Kinder und Erwachsene ein, ein fiktives Salzburg zu errichten. Fünf Tage lang darf an dieser Stadt der Zukunft mitgebaut werden. Das Ergebnis wird bei einem Straßenfest präsentiert. Zum Festival-Finale „Die letzte Nacht“ freut sich am 2. Juli DJane Doris Uhlich auf ein tanzwütiges Publikum.

Programmdetails unter: www.szene-salzburg.net/