28. Jänner | Karl der Große

28. Jänner | Karl der Große

Morgen ist in der römisch-katholischen und den evangelischen Kirchen der Gedenktag des Kaisers des Frankenreiches, der 747/748 (?) geboren wurde und am 28. Jänner 814 in Aachen starb. Karl übernahm nach dem Tod seines Vaters Pippin des Kleinen im Jahr 768 Titel und Regierung als König der Franken gemeinsam mit seinem Bruder Karlmann und nach dessen Tod 771 die Alleinherrschaft.

Michael Neureiter

Von Michael Neureiter

Sein Reich vergrößerte er durch die Besetzung von Pavia und die Machtübernahme in der Lombardei 774, im selben Jahr zog er mit Einverständnis des Papstes in Rom ein, wo Hadrian I. ihn im Petersdom empfing. Dann wandte er sich nach Bayern, wo er 781 Herzog Tassilo III. zwingen konnte, sich ihm zu unterwerfen, und nach Sachsen, wo er 782 beim Blutgericht von Verden im Sachsenhain bei Verden an der Aller angeblich 4500 Sachsen niedermetzeln ließ, nachdem diese sich geweigert hatten, das Christentum anzunehmen.

Ab 786 ließ er in Aachen eine neue Pfalz – an der Stelle des heutigen Rathauses – und eine Kapelle – an der Stelle des heutigen Domes – errichten. 795/796 gelang ihm die Unterwerfung des Gebietes der Awaren, deren Führer Karl selbst in Aachen taufte. Den aus seiner Residenz im damaligen Lateranpalast – dessen Reste heute im Sanktuarium Scala Santa in Rom erhalten sind – geflohenen Papst Leo III., der nach seiner Wahl die Schlüssel vom Grab des Petrus und das Banner der Stadt Rom an Karl gesandt und damit dessen Schutzherrschaft über Rom anerkannt hatte, nahm Karl 799 in seiner Pfalz in Paderborn auf, bestätigte dem Papst die Herrschaft über den Kirchenstaat und wurde am 25. Dezember 800 im Petersdom in Rom durch Papst Leo zum Kaiser gekrönt.

In Salzburger Kirchen sind keine Darstellungen von ihm bekannt. Deshalb hier eine Münze mit dem Bild und der Inschrift „KAROLUS IMP(erator) AUG(ustus)“ aus seiner Spätzeit. Münzen sind die einzigen zeitgenössischen Bildzeugnisse. (© Wikimedia Commons) 

In Salzburger Kirchen sind keine Darstellungen von ihm bekannt. Deshalb hier eine Münze mit dem Bild und der Inschrift „KAROLUS IMP(erator) AUG(ustus)“ aus seiner Spätzeit. Münzen sind die einzigen zeitgenössischen Bildzeugnisse. (© Wikimedia Commons) 

Karls Bedeutung liegt weniger in seinem frommen Leben als in seiner politischen und geschichtlichen Wirksamkeit. Sein Eheleben entsprach den lockeren Gepflogenheiten des fränkischen Adels mehr als den Normen christlicher Lehre; er war fünfmal verheiratet Karls brutaler, 30 Jahre währender Feldzug gegen die Sachsen verdient nur mit Mühe den Titel Missionierung oder Christianisierung. Aber seine Bemühungen um Ordnung und Frieden im Reich begründeten das Staatskirchentum. Die Bildung förderte er mit Hilfe der von ihm gegründeten kirchlichen Schulen, das Verhalten der Menschen wollte er durch Intensivierung der Seelsorge bessern. Damit der Klerus in den Pfarreien seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte, wurde der Pfarrzehnte eingeführt. Mit seiner Politik legte Karl die Fundamente des christlichen Abendlandes, auf denen noch heute aufgebaut werden kann. Seine Politik hat der Kirche und damit auch dem Glauben in Europa bleibenden Raum verschafft.

Karl und die an seinem Hof versammelten Gelehrten – darunter Alkuin – betrieben die Kultivierung der rückständigen Landesteile im Norden und Osten des Reiches, ließen Kirchen und Klöster bauen und holten Reliquien ins Land. Karl wandelte den eher lockeren Lebensstil seiner jungen Jahre und kümmerte sich persönlich um die Ausbreitung des Glaubens, um Fragen der Liturgie, verfügte die Einführung von Glocken. Karls Strenge und Sanftmütigkeit standen in eigenartigem Zusammenhang, seine Sinnenfreudigkeit wird oft beschrieben. Auf Karls Initiative geht die Einführung der nach ihm benannten karolingischen Minuskel zurück, einer vereinfachten Schreibweise der lateinischen Buchstaben, die Grundlage unserer heutigen Schrift ist.

Die geschichtliche Bedeutung seiner überragenden Persönlichkeit spiegelt sich in Legenden und späteren Darstellungen, die Karl als Mann von riesigem Wuchs und mit übernatürlichen Kräften darstellen.

Karl beendete sein tatenreiches Leben in Aachen, wo er 814 in seiner Pfalzkapelle – dem heutigen Dom -, in einem römischen Marmorsarkophag beigesetzt wurde. Verehrung zollte ihm schon Kaiser Otto III. mit der legendären Gruftöffnung. 1215 wurden seine Gebeine durch Kaiser Friedrich II. in den von Aachener Goldschmieden gefertigten prachtvollen Karlsschrein umgebettet. Reliquien kamen auch in den Dom nach Osnabrück.

Auf Kaiser Friedrich Barbarossas Veranlassung erfolgte 1165 in Aachen die Heiligsprechung Karls durch Rainald von Dassel, den Erzbischof von Köln, im Auftrag von Gegenpapst Paschalis III., aber gegen den Willen von Papst Alexander III. Seit 1176 wird die Verehrung als Seliger geduldet: Sie ist offiziell gestattet, nicht anerkannt, er ist deshalb nicht im Martyrologium Romanum verzeichnet.

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