Der Löwenzahn wächst am Wegesrand, auf Wiesen, in Gärten und zwischen Pflastersteinen. Gerade diese Unscheinbarkeit macht ihn zum Ausgangspunkt für eine Ausstellung, die sich mit großen Fragen unserer Zeit beschäftigt. Im Kunsthaus Graz wird die vertraute gelbe Blume zum Träger von Gedanken über Natur, Zusammenleben, Verletzlichkeit und Widerstand.

Von Karl Traintinger
Unter dem Titel „30 % Löwenzahn“ versammelt die Schau mehr als 35 Arbeiten sowie Leihgaben aus den Sammlungen des Universalmuseums Joanneum. Der Titel verweist auf eine überraschende Nähe: Mensch und Blume teilen rund 30 Prozent ihres genetischen Materials. Daraus entwickelt die Ausstellung eine poetische und zugleich politische Erzählung über Verbundenheit, Koexistenz und Verantwortung.
Der Löwenzahn erscheint dabei nicht nur als botanisches Gewächs, sondern auch als kulturelles Symbol. Er steht für Beharrlichkeit, Anpassungsfähigkeit und eine stille Form des Widerstands. Die gezeigten Arbeiten greifen ökologische, soziale und ästhetische Fragen auf, ohne schwer zu wirken. Vielmehr gelingt es der Ausstellung, Nachdenklichkeit und sinnliche Erfahrung angenehm zu verbinden.
Besonders schön ist die Offenheit, mit der sich die Schau ihrem Thema nähert. Sie belehrt nicht, sondern lädt dazu ein, genauer hinzusehen: auf das Kleine, das Gewöhnliche und das oft Übersehene. Gerade darin liegt ihre Stärke. Der Löwenzahn wird hier zu einem stillen Zeichen der Aufmerksamkeit.






Kuratiert wurde die Ausstellung von Katrin Bucher Trantow und Andreja Hribernik. Zu sehen sind Arbeiten unter anderem von Suzanne Anker, Regula Dettwiler, Claudia Larcher, Joiri Minaya, Martha Rosler, Ugo Rondinone und Anna Jermolaewa.
„30 % Löwenzahn“ ist Teil des Kooperationsprojekts „BLOOM“, das 2026 an mehreren Standorten des Universalmuseums Joanneum die Bedeutung der Blume in Kunst, Kultur und Wissenschaft beleuchtet.
BLOOM bis 8. 11. 2026
Siehe auch:
Monumentaler Löwenzahn begrüßt Reisende in Graz >

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