66 NS-Namen

Festung Hohensalzburg

Vergangenes Jahr tat sich was auf den Straßenschildern Salzburgs: Eine Straße in Parsch wurde in die Helene-Thimig-Straße umbenannt, jetzt im So. Wochenkommentar.

So Wochenkommentar

Von Lukas Oberauer!

Nun geschieht endlich das, was bereits viel früher hätte passieren müssen, 66 NS-Biografien wurden bis vor der ersten Umbenennung mit einem Straßen- oder Platznamen geehrt, seien es bekannte Plätze wie jener neben der Shoppingarena oder der nahe dem Festspielhaus, oder unbekannte Seitengassen. Eine dieser kleinen Gässchen wurde heuer umbenannt und wurde zur Helene-Thimig-Straße. Bleiben noch 65 Straßen und Orte übrig, ein Jahr ist vergangen und es gab bis dato keine erneute Umbenennung. Sollte sich bis Ende dieses Jahres keine neue Namensänderung ankündigen unterschreitend die Stadt ihr ohnehin schon niedriges Ziel von erstmal nur 13 Orten und lediglich 1-2 Umbenennungen pro Jahr.

Straßennamen dienen nicht nur zur Orientierung, oft erinnern und ehren sie Persönlichkeiten aus der Vergangenheit. Sie zeigen die Geschichte eines Ortes. In Salzburg ist diese Geschichte nicht nur Männerdominiert, insgesamt gibt es mehr Straßen und Orte die nach Nazis als nach Frauen benannt sind. Die Widerstandskämpferin und Künstlerin Helene Thimig ist nur eine der vielen Frauen, die es verdient hat, geehrt zu werden. Wenn also die nächsten Nazischilder fallen, wie wäre es mit einer Helene von Taussig Gasse? – eine Malerin aus Salzburg die 1942 in einem KZ ermordet wurde. Die Opernsängerin Lilli Lehman, wie die Weltreisende Marie Andeßner und die Frauenrechtlerin Irma von Troll-Borostyani zeigen beispielhaft, dass es nicht an erinnerungswürdigen Persönlichkeiten fehlt.

Bürokratie könnte den langen Umbenennungsprozess natürlich begründen, würde man nicht mit Bewohner: innen der Helene-Thimig-Straße sprechen und herausfinden, dass zu Beginn jegliche Kosten der Umbenennung und dem Aufwand der Amtsummeldungen an ihnen festklebte. Die Kosten hat die Stadt Salzburg zwar mittlerweile erstattet, das wurde auch im Vorhinein so kommuniziert. Trotzdem kann es nicht sein, dass überhaupt Kosten für die Bürger:innen entstehen immerhin sind diese bereits mit den auch nicht übernommen Amtsummeldung beschäftigt.

Die Helene-Thimig-Straße ist ein wichtiger Schritt, nur ist die Zahl 65 nach wie vor eine viel zu große, die Umbenennungen müssen schneller vorangehen.

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Siehe auch:
Bleibende Spuren >

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