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Bernadette, die eher bürgerliche Blondine im maßgeschneiderten Kostüm,verheiratet mit einem langweiligen, auf die Pension wartenden „Landesregierungsfuzi“ besucht ihre Freundin Jeanine. Diese wohnt im Sozialbau, hat drei uneheliche Kinder , natürlich von drei verschiedenen Vätern und lebt von Kindergeld und Sozialhilfe, trägt rosa Trainingsanzug und kocht nie – außer Dosenravioli.

Von Heide-Maria Müller.

So weit -so schlecht. Schon in den ersten Minuten werden alle gängigen Klischees bedient. Vom Balkon aus werden die Nachbarn verspottet („der da putzt dauernd seinen Audi -der Audiot“), es wird über den Ehemann hergezogen („stell dir vor, mein Mann hat eine Affäre mit einer Schwarzen“). Natürlich bekommen auch die Lehrer ihr Fett weg ( „die stieren den Schülerinnen heutzutage ja nur auf den Busen“) usw.

Halbseidene Witze und schlechte Gedichte sollen die werten Zuseher unterhalten. Doch auch diese werden von den peinlichen Sprüchen der beiden Damen nicht verschont. Ein bemitleidenswerter Zuschauer aus der ersten Reihe wird mehrmals dazu aufgefordert, die frisch lackierten Zehennägel von Jeanine zu „blasen“. In ähnlicher Weise geht es leider das ganze Stück lang weiter. Die beiden Schauspielerinnen Gaby Schall und Judith Brandstätter bemühen sich redlich, aber leider vergebens. Nach der Pause gibt es eine Szene mit einem Schnellkochtopf, die relativ amüsant ist, doch man sehnt sich nach dem Ende. Trotz allem freundlicher Applaus, auch für Herrn Blaikner, der noch einen kurzen Auftritt als Schauspieler hat.  Wer seichte, halblustige und halbseidene Unterhaltung gerne mag – bitte die „Busenfreundinnen“ besuchen !

„Busenfreundinnen“, Komödie von Peter Blaikner (Uraufführung). Kleines Theater Salzburg. Mit Gaby Schall und Judith Brandstätter. Fotos: Mutz


Buchtitel: Out of Innergebirg
Autor: Peter Blaikner
Verlag: Edition Eizenbergerhof
Erschienen: 2010
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Klapptext:
Mit seinen Geschichten „Aus dem Innergebirg“ hat Peter Blaikner dem Pinzgau literarische Aufmerksamkeit geschenkt. Der anhaltende Erfolg dieses Buchs verlangte nach einer Fortsetzung, die nun vorliegt.
„Out of Innergebirg“ richtet in einunddreißig Geschichten den Blick auf die Gegenden des Pinzgaus und geht dabei weit darüber hinaus, zieht Bögen, Kreise und Schleifen über die USA bis ins mystische Samarkand, um doch immer wieder zurückzukehren. Die Menschen und Landschaften seiner Herkunft betrachtet Peter Blaikner mit kritischer Zuneigung und hintergründigen Humor, mit Augenzwinkern und Lust an der unerwarteten Pointe, die zeigt, dass sich auch im scheinbar Alltäglichen manche Überraschung auftun kann. Und dass auch im kleinsten Detail einer kaum beachteten Welt das Große und Geheimnisvolle der menschlichen Existenz zu entdecken ist.

Rezension:
Out of Innergebirg war für mich ein sehr amüsantes und vor allem kurzweiliges Lesevergnügen. Lag wohl auch daran, weil ich selber eine gebürtige „Innergebirglerin“ (aus dem Unterpinzgau) bin und deshalb die Gepflogenheiten selber gut kenne und wohl auch noch immer habe…

Auf jeden Fall sehr empfehlenswert für alle, die beim Lesen gerne schmunzeln, oder ein „kleines Mitbringsel“ suchen und nicht genau wissen was gerne gelesen wird; bei „Out of Innergebirg“ liegt man sicher nicht falsch!

Auch für alle Innergebirgler fast ein MUST HAVE, denn so einiges kann man bei dieser Lektüre dazulernen und manches wird einem bei der Lektüre erst klar….
Deswegen ist es für die Nicht-Innergebirgler fast noch ein größeres MUST HAVE, denn so manches Missverständnis könnte vielleicht ausgeräumt werden und so manche Eigenart ruft vielleicht ein größeres Verständnis hervor, mit diesem neuen Blickwinkel.

Ich lege „Out of Innergebirg“ wirklich JEDER Leserschicht ans Herzen, denn Entspannung und Humor im Alltag sind, glaube ich für keinen verkehrt! (Annelore Achatz)


Kabarettabend mit Peter Blaikner in Lamprechtshausen ein Riesenerfolg!

Bereits Tage vor der Veranstaltung am 27. Feber 1999, war der kleine Stadlersaal ausverkauft! Karl Traintinger, Obmann des Kulturvereines “sKys” konnte knapp 140 begeisterte Besucher begrüssen.

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Hautnah und größtenteils unplugged überzeugte Blaikner seine Zuhörer mit seinem abwechslungsreichen Programm, das auch zahlreiche Seitenhiebe auf die lokale Politik bot.  Erst nach 5 Zugaben war gegen 23 Uhr das Konzert  zu Ende!

Es war wieder einmal eine interessante sKys Veranstaltung in Lamprechtshausen.

 

 

 


ZweiFrauenUndEineLeiche

Bisher unterhielten Judith Brandstätter und Gaby Schall gerne als „Busenfreundinnen“ in einer Komödie von Peter Blaikner das Publikum. Nun stehen sie in Patrícia Melos schwarzer Komödie als Rivalinnen auf der Bühne und beschuldigen sich gegenseitig des Mordes. Die Premiere fand am 11. April 2018 im Kleinen Theater statt und sorgte für beste Stimmung.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

So richtig traurig scheinen die beiden Damen über den Tod des Psychiaters Ralph, den sie auf einem Rollstuhl durch die Praxis schieben, ja nicht zu sein. Seine Witwe Ana telefoniert ständig mit säumigen Handwerkern, die dabei sind ihr Bad zu renovieren, während seine Geliebte Beatriz kurz vor einem Nervenzusammenbruch steht, hat sie doch ihre Pillen im Auto vergessen und wird von lästigem Hustenreiz gequält. Wer aber ist nun die Mörderin?

Grund hätten sie ja beide gehabt. Beatriz ist wütend und hat eindeutig ein Motiv, denn Ralph hat vor kurzem mit ihr Schluss gemacht und ihr sogar einen neuen Psychiater empfohlen. Die beiden Damen waren aber nicht immer Rivalinnen, denn nachdem sie sich in einem Fitnessstudio kennengelernt hatten, wurden sie Freundinnen. Bald jedoch stellte Ana fest, dass sie von der listigen Beatriz regelrecht gestalkt worden war und ihr Zusammentreffen daher alles andere als zufällig gewesen war. Die gegenseitigen Anfeindungen und Beschuldigungen werden daher immer härter. Als Anas Handy in einer Blumenvase versenkt wird und die tablettensüchtige Beatriz immer mehr unter Entzugserscheinungen leidet, kommt es schließlich zum Eklat.

Gerda Gratzer hat die „irrwitzige Komödie“ der brasilianischen Literaturpreisträgerin Patrícia Melo mit zwei großartigen Schauspielerinnen als schräge Theaterfarce in Szene gesetzt. Judith Brandstätter brilliert als Beatriz, eine „Sonnenfrau“ mit kleinen Mängeln, die ihre diverse Panikattacken, Neurosen und Psychosen mit Unmengen von Pillen bekämpft. Als gestresste, kurz vor dem Burnout stehende Ana dreht Gaby Schall im Fitnessstudio groß auf. Gegen diese geballte Energie hat ihre Konkurrentin keine Chance. Die beiden grundverschiedenen Frauen sind sich jedoch einig in ihrer Meinung über das nun tote Objekt ihrer Begierde. „Der Idiot hatte keine Ahnung von der Liebe.“

Die Mischung aus Krimi, Charakterstudie und verrückter Komödie erweist sich als Garant für einen bis zum überraschenden Ende spannenden und sehr vergnüglichen Theaterabend.

„Zwei Frauen und eine Leiche“ – irrwitzige Komödie von Patrícia Melo. Regie und Konzept: Gerda Gratzer. Mit: Judith Brandstätter und Gaby Schall. Fotos: Michael Herzog (Titelbild) und Kilian Kovacs


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Unter dem Motto „Lieben, leben, Geld ausgeben“ hat sich Virginia Hill (1916-1966) in die höchsten Mafiakreise der USA hochgearbeitet und ist schließlich der Liebe wegen in Salzburg gestrandet. Die unglaubliche Geschichte dieser schillernden Persönlichkeit serviert Peter Blaikner mit viel Musik als heiteren Krimi. Die Uraufführung fand am 25. Jänner 2018 im restlos ausverkauften Kleinen Theater statt.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Für den jungen Amtsarzt handelt es sich eindeutig um Mord, als man 1974 Hans Hauser erhängt in seiner eigenen Bar auffindet. Der erfahrene Polizist plädiert jedoch für Selbstmord, denn er weiß genau, dass man gegen die amerikanische Mafia keine Chance hat. Nun dürfte mit Hauser auch der Ehegatte der berühmt-berüchtigten Virginia mundtot gemacht worden sein, nachdem diese acht Jahre zuvor ebenfalls auf ominöse Weise Selbstmord verübt hatte.

Die Prohibition (1920-1933) war ideal für die amerikanische Mafia und ihre mächtigen Bosse. Der Handel mit Alkohol machte die Cosa Nostra reich und ihre brutalen Methoden führten dazu, dass Chicago zur gesetzlosen Stadt wurde. Hier nun beginnt die Geschichte der aus ärmsten Verhältnissen stammenden Virginia Hill. Sie wird die Geliebte und Vertraute diverser Gangsterbosse. Der Buchmacherkönig Nat Coine nimmt sie unter seine Fittiche, für ihn schmuggelt sie Drogen von Mexiko in die USA und hilft ihm bei der Geldwäsche. Das ermöglicht ihr ein luxuriöses Leben, denn eines steht für sie fest: „Ich will nie wieder arm sein!“ Schließlich wird sie die Geliebte von Bugsy Siegel, dem Gründer der Stadt Las Vegas. Dass Bugsy zwar ein guter Gangster, aber kein guter Geschäftsmann ist, kostet ihn 1947 das Leben. In Sun Valley lernt Virginia den feschen Salzburger Skilehrer Hans Hauser kennen und lieben. Als die Steuerbehörde und die Mafia hinter ihr her sind, setzen sich die beiden mit dem gemeinsamen Sohn nach Salzburg ab und suchen Zuflucht auf der Zistelalm bei der Mutter von Hans Hauser. Als Nat seine Zahlungen einstellt, weil er jegliches Interesse an der verheirateten Frau mit Kind verloren hat, droht Virginia mit der Veröffentlichung ihrer Memoiren. Kein kluger Schachzug, denn eigentlich sollte sie wissen: „Man kann alle Gesetze brechen, nur nicht das Gesetz des Schweigens.“

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In der Regie von Cornelius Gohlke wird die faszinierende Geschichte der Gangsterbraut in vielen kleinen Szenen erzählt. Auf zwei weiße, verschiebbare Wände werden die jeweils passenden Requisiten montiert, geht es doch von Chicago nach New York, Mexiko, Las Vegas und schließlich auf die Zistelalm und ins Heutal bei Unken. Kerstin Raunig überzeugt als laszive Sexgöttin, die vor dem amerikanischen Untersuchungsausschuss ungeniert zu Protokoll gibt: „I’m the goddam best lay in the country.“ („Ich bin die gottverdammt beste Matratze im Land.“) Gaby Schall, Peter Blaikner und Torsten Hermentin schlüpfen in die unterschiedlichsten Rollen und beweisen enorme Wandlungsfähigkeit. Der stimmige Mix der musikalischen Einlagen, vom berührenden Liebeslied bis zur Skihüttengaudi, stammt von Peter Blaikner und Konstantin Wecker.

Das Publikum des Kleinen Theaters liebt die humorvollen, heiteren Stücke von Peter Blaikner und wird auch diesmal nicht enttäuscht. Die locker servierte Gangsterkomödie lässt den Mythos der sagenumwobenen Virginia Hill weiterleben.

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„Virginia Hill“ – Schauspiel mit Musik. Von Peter Blaikner. Regie: Cornelius Gohlke. Musik: Peter Blaikner & Konstantin Wecker. Mit: Kerstin Raunig, Gaby Schall, Peter Blaikner und Torsten Hermentin. Fotos: Christian Streili/ Kleines Theater


Im Rahmen des Theaterfestivals VolXommer Saalfelden Leogang wurden fünf von Peter Blaikner bearbeitete französische Farcen anonymer Autoren aus dem 15. Jahrhundert, uraufgeführt. Eine Aufführungsserie im Heckentheater im Mirabellgarten bietet dem Salzburger Publikum bis 3. September nun die Möglichkeit, „vor Lachen in die Knie zu gehen“.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Regisseur Reinhold Tritscher begrüßt als Prinzipal einer fahrenden Truppe das Publikum und verspricht trotz der „bescheidenen Eintrittspreise“ einen hinreißend komödiantischen Abend. Das Gejammere der Schauspieler um die ausstehenden Gagen scheint er schon gewohnt zu sein, das bringt ihn nicht mehr aus der Ruhe. Der Vorhang der kleinen Bühne hebt sich und ein gequälter Ehemann (bedauernswert Jurij Diez), der die Ehe als eine lebenslange Folter sieht, betritt die Bühne, dicht gefolgt von seiner gestrengen Schwiegermutter (grandios bösartig Gerard Es), die ihn mit vorgehaltenem Nudelwalker dazu zwingt, all seine Pflichten genauestens zu notieren.

Kochen, Kehren, Waschen, Bügeln und natürlich seine liebe Frau täglich „Beglücken“, das alles gehört ihrer Ansicht nach zu den Pflichten eines guten Ehemannes. An alles hat die Alte dann aber doch nicht gedacht und so muss sie einige Zeit in einem Waschtrog schmachten. In der nächsten Szene erwacht Jurij Diez als weinseliger Musikant, der all sein Geld verspielt, vertrunken und mit Frauen durchgebracht hat, in der Hölle. Der vielbeschäftigte Luzifer höchstpersönlich heißt ihn willkommen (teuflisch Bina Blumencron) und zeigt ihm genussvoll die zu erwartenden Qualen. Der listige Petrus nutzt die Spielleidenschaft des Musikanten und bald sieht sich der Teufel um etliche Seelen betrogen.

Peter Blaikner hat fünf kleine Theaterszenen, historische Farcen, wie sie früher auf Festen und Jahrmärkten zur Belustigung des Publikums aufgeführt wurden, neu übersetzt und mit viel Witz und Humor bearbeitet. Betrogene Betrüger sind eben auch heute noch ein Garant für Schadenfreude und heiteres Amüsement. Die zweidimensionalen Kostüme, die an papierene Anziehpuppen aus früherer Zeit erinnern, tragen zum ganz speziellen Charme dieses Theaterabends bei (Kostüme: Norbert Gruber). Am 27. August 2017 wurde die entzückende kleine Bühne (Alois Ellmauer) wegen angekündigter Regenschauer in der Wolf-Dietrich-Halle im Schloss Mirabell aufgebaut. Als Entschädigung gab es weiche Stühle und dank der extremen Nähe zu der groß aufspielenden Truppe eine besonders intime Atmosphäre.

„Betrogene Betrüger“ – Komödienspiele von Peter Blaikner. Inszenierung: Reinhold Tritscher. Bühne: Alois Ellmauer. Kostüme: Norbert Gruber. Produktionsassistenz: Benjamin Blaikner. Mit: Bina Blumencron, Jurij Diez, Gerard Es, Reinhold Tritscher.

 

 

 


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Vor 20 Jahren wurde das Kindermusical von Peter Blaikner und Cosi M. Goehlert an der Elisabethbühne (seit 2004 Schauspielhaus Salzburg) uraufgeführt. Zur Vorpremiere der neuen Inszenierung von Daniela Meschtscherjakov am 23. November 2014 füllte sich der Zuschauerraum mit großen und kleinen Gespenstern, Geistern und Hexen und feierte die Hausgeister auf der Bühne stürmisch, bevor es zur anschließenden Gespensterjause ging.

elipi_aVon Elisabeth Pichler.

Mit Hilfe einer Blümchentapete, ein paar alten Möbeln, Teppichen und Topfpflanzen zaubert Vincent Mesnaritsch aus dem spartanischen, grauen Interieur der aktuellen Inszenierung von Molières „Der Geizige“ ein altes, aber gemütliches Wohnzimmer, in dem sich die betagte Frau Berger sichtlich wohlfühlt. Leider steht das baufällige Haus kurz vor dem Abriss, denn die Frau Bürgermeisterin ist der Ansicht, „die Zukunft heißt Beton“, und plant einen riesigen Supermarkt. Das gefällt den drei Hausgeistern, Lady Hämmerling, Lord Kielkropf und dem Flaschengeist Dschinn, die schon seit über 100 Jahren hier leben, überhaupt nicht. Zum Glück taucht Brownie, Geheimagent und Spezialist für alle Fälle, auf. Er ist auf der Suche nach einer neuen Bleibe, da sein altes Haus den Flammen zum Opfer gefallen war. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg in den Dschungel zu seiner Tante Voodoo, die sich auf Zauberei versteht. Wird es mit ihrer Hilfe den liebenswürdigen Hausgeistern, die niemanden erschrecken, dafür aber gerne necken, gelingen, das alte Haus zu retten?

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Zu Beginn der Vorstellung verzaubert Tante Voodoo (Larissa Enzi) die großen und kleinen Zuseher. Nur so ist es diesen möglich, die Hausgeister auf der Bühne überhaupt zu sehen: die feine Lady Hämmerling aus altem schottischen Geschlecht (Kristina Kahlert), den urigen Naturgeist Lord Kielkropf (Magnus Pflüger) und den antialkoholischen Flaschengeist Dschinn (Alexandra Sagurna), der sich in seiner stinkenden Schnapsflasche gar nicht wohlfühlt. Der flotte Brownie (Nenad Subat), der Macher mit dem coolen Lacher, verströmt Optimismus, dank seiner Trickkiste fühlt er sich jedem Problem gewachsen. Die korpulente Bürgermeisterin (Betty Bauer) und ihr Gemeindesekretär mit dem peinlichen Sprachfehler (Lukas Möschl) haben gegen die gewitzten Hausgeister keine Chance.

Staunend beobachten die Kinder, wie sich während der Pause die Bühne in ein buntes Dschungelparadies verwandelt, in dem wenig später zwei diebische Papageien ihr Unwesen treiben. Daniela Meschtscherjakov begeistert mit dieser farbenfrohen, herzerfrischenden Geburtstagsinszenierung Jung und Alt. Auch musikalisch überzeugt das spielfreudige Ensemble, das sich aus jungen Nachwuchstalenten aus der Schule des Schauspielhauses und Ensemblemitgliedern zusammensetzt. Kein Wunder, dass viele der Vorstellungen schon seit langem ausverkauft sind.

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„Das Hausgeisterhaus“ – von Peter Blaikner & Cosi M. Goehlert. Ein musikalisches Kinderstück für alle ab 5 Jahren. Regie: Daniela Meschtscherjakov. Bühne: Vincent Mesnaritsch. Kostüme: Elke Gattinger. Mit: Marena Weller, Betty Bauer, Lukas Möschl, Nenad Subat, Kristina Kahlert, Magnus Pflüger, Alexandra Sagurna, Larissa Enzi. Fotos: Marco Riebler


Der Salzburger Autor und Schauspieler Peter Blaikner hat Jaroslav Hašeks antimilitaristisch-satirischen Schelmenroman als Basis für seine neueste Produktion im Kleinen Theater verwendet.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

In der Titelrolle glänzt der gebürtige Pole Jurek Milewski, eine Idealbesetzung für den treuherzigen, mit natürlicher Einfalt gesegneten Hundehändler aus Prag.

Auf die Mitteilung, dass der Thronfolger Franz Ferdinand einem Attentat zum Opfer gefallen ist, reagiert der von der militärärztlichen Kommission offiziell für blöd erklärte Josef Schwejk ziemlich gelassen. Doch seine unbedachten Äußerungen werden von einem Spitzel als Majestätsbeleidigung, Hochverrat und Aufwiegelung ausgelegt und so wandert er fürs Erste ins Gefängnis.

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Da er jedoch wegen seines kranken Hirns kein Fall für die Justiz ist, schiebt man ihn in ein Irrenhaus ab. Schließlich landet er beim versoffenen Feldkuraten Katz als Messdiener. Dieser spielt gerne Karten und kümmert sich rührend um die armen Damen im Maxim, weil ihn die am meisten brauchen.

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Fast ebenso wohl fühlt sich Schwejk als Putzfleck beim Oberleutnant Lukasch, denn hier gehen die hübschesten Damen ein und aus. Laut Befehl hat er ihnen alle Wünsche von den Augen abzulesen und Gehorsamkeit gehört zu seinen größten Tugenden. Ein Missgeschick mit einem „Hunderl“ hat zur Folge, dass der Herr Oberleutnant an die Front geschickt wird, und Schwejk muss ihn natürlich begleiten. Doch auch hier schlägt er sich mit entwaffnender Naivität durch. Er freundet sich sogar mit einem Russen an, den er – wie alle übrigen, die er auf seiner abenteuerlichen Reise trifft – einlädt, sich doch „nach dem Krieg, so um halb sieben“ im Gasthof Kelch in Prag zu treffen.

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Peter Blaikner hat die Geschichte mit aktuellen Bezügen und etwas Lokalkolorit versehen. So taucht etwa ein Herr Krupp auf, der am Blühnbachtal großen Gefallen findet. In den Couplets geht es, sehr zur Freude des Publikums, um Politikverdrossenheit und sonstige aktuelle Ärgernisse, und das alles passt hervorragend zu der doch schon fast 100 Jahre alten Militärsatire.

Torsten Hermentin darf als volltrunkener Feldkurat über die Bühne taumeln und als großer Verführer Lukasch die Damenwelt beglücken. Als besonders wandlungsfähig erweist sich Judith Brandstätter, sie verkörpert mit viel Charme sämtliche Damenrollen. Eine Klasse für sich ist Jurek Milewski in der Titelrolle, er strahlt unbedarfte Gutmütigkeit sowie treuherzige, stoische Gelassenheit aus, denn wahre Blödheit scheint wirklich etwas sehr Intelligentes zu sein.

Cornelius Gohlke hat diese unterhaltsame, überaus gelungene Komödie in einem einfachen, doch äußerst effektvollen Bühnenbild in Szene gesetzt und damit ganz den Geschmack des Publikums getroffen, denn es gab viel Applaus bei der Premiere am 22. Februar 2014.

„Der brave Soldat Schwejk“ von Peter Blaikner nach Jaroslav Hašek. Inszenierung: Cornelius Gohlke. Mit: Judith Brandstätter, Jurek Milewski, Torsten Hermentin, Peter Blaikner. Fotos: Kleines Theater/ Mutz, Heinz Bayer


Das Odeïon Kulturforum Salzburg war bei der Premiere des Kindermusicals von Peter Blaikner und Konstantin Wecker am 18. 12. 2012 bis auf den letzten Platz, ja bis auf den letzten Polster direkt an der Bühne, mit erwartungsvollen Kindern, Eltern und Großeltern gefüllt. Als endlich das Licht ausgeht, sind die Musiker leider bereits eingeschlafen. Unsanft weckt sie Till, jetzt ist es mit Ruhe und Ordnung vorbei, das Spiel kann beginnen.

Von Elisabeth Pichler.

Polizeikommissar Gustav Höllriegl kann einem fast leidtun, denn Till Eulenspiegel, für ihn ein arbeitsscheuer Landstreicher und Aufwiegler, hält ihn ständig zum Narren. Jetzt weigert sich auch noch sein Töchterlein, die liebliche Nele, den zwar sehr wohlhabenden, aber auch sehr sparsamen, stotternden Willibald zu heiraten. Seine Liebeserklärung „Ich kann es kaum erwarten, mit dir gemeinsam sparsam zu sein“ kann sie nicht überzeugen, da läuft sie lieber dem Spaßmacher hinterher und hilft ihm nur zu gerne bei seinen Streichen. Gemeinsam legen sie eine Wirtin hinein und auch ein echter Gesundheitsminister geht ihnen auf den Leim. Till ist der Meinung, dass die Herzen der Menschen von Geiz und Habgier bestimmt sind, und das nützt er weidlich aus. Spannend wird die Geschichte, als der gefährliche Elektro-Ede aus dem Gefängnis ausbricht und sich auf die Suche nach seinem Erzfeind, dem Polizeikommissar Höllriegl, macht, um ihn zu „verglühbirnen“.

Mit Jurek Milewski (Polizeikommissar Gustav Höllriegl) und Jurij Diez (Gesundheitsminister, Pfarrer, Bürgerin und Willibald Schäfele) stehen zwei Erzkomödianten auf der Bühne, die sich nichts schenken. Ihre Slapstick-Szenen und Rangeleien kommen bei den Kindern so gut an, dass diese oft ganz vergessen, wer hier der Sympathieträger sein sollte. Völlig aufgeregt versuchen sie, in die Handlung einzugreifen und Tills Verstecke zu verraten. Herwig Ofner hat es in der Titelrolle nicht immer leicht, sich gegen diese beiden Spaßvögel durchzusetzen. Anna Paumgartner überzeugt als eigenwilliges Töchterlein, das sich gegen ihren Vater zu behaupten versteht. Zwischen den einzelnen Szenen unterhalten flott choreografierte Tanzeinlagen und schwungvolle Lieder mit witzig-frechen Texten. Vier Profi-Musiker (Rupert Bopp, Philipp Nykrin, Gernot Haslauer, Robert Kainar) sorgen für die musikalische Untermalung mit Live-Musik vom Feinsten.

Die Streiche des mittelalterlichen Schelms sind vielleicht nach heutigen Maßstäben moralisch nicht ganz einwandfrei und pädagogisch nicht gerade wertvoll, doch unterhaltsam sind sie nach wie vor, denn „ Lachen ist die beste Medizin, es holt den Ärger aus dem Herzen raus und bringt Fröhlichkeit hinein. Lachen ist das beste Vitamin.“ Reinhold Tritscher hat das Kinder- bzw. Familienmusical so schwungvoll in Szene gesetzt, dass selbst bei den kleineren Kindern keine Langeweile aufkommt. Empfohlen: ab 6 Jahren, selbstverständlich ohne Altersbegrenzung nach oben.

„Till Eulenspiegel“ – Das Kindermusical von Peter Blaikner & Konstantin Wecker. Theater ecce. Regie: Reinhold Tritscher. Bühne: Alois Ellmauer. Kostüme: Elisabeth Strauss. Live-Musik: Rupert Bopp, Philipp Nykrin, Gernot Haslauer, Robert Kainar. mit: Herwig Ofner, Jurek Milewski, Anna Paumgartner, Jurij Diez, Rupert Bopp, Bina Blumencron. Fotos: Odeion


Vor 20 Jahren, am 28. November 1991 wurde Peter Blaikners Kindermusical „Ritter Kamenbert“ (Musik: Cosi M. Goehlert und Ernst Wolfsgruber) zum ersten Mal aufgeführt.

Die Uraufführung fand in Salzburg an der alten Elisabethbühne unter der Elisabethkirche statt. Seither hatte das Stück im deutschen Sprachraum ungefähr eine Million Besucher.

In der Spielzeit 1995/96 landete „Ritter Kamenbert“ auf Platz 19 der Theaterstücke mit den höchsten Aufführungszahlen im deutschen Sprachraum (zwischen Goethes „Faust 1“ und Brechts „Dreigroschenoper“).

Die deutsche Erstaufführung fand 1993 am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken statt, die Schweizer Erstaufführung 1993 am Schauspielhaus Zürich.

Auch Peter Blaikners andere Kindermusicals (u. a. „Das Hausgeisterhaus“, „Alex, die Piratenratte“, „Till Eulenspiegel“, „König Badeschwamm“) sind sehr beliebt. Peter Blaikners Theaterstücke zählen zu den am häufigsten gespielten Theaterstücken eines österreichischen Autors der Gegenwart.

(Quelle: Medieninfo Blaikner, Fotos: Joachim Bergauer, Herbert Huber)

 

 


Elisabeth Pichler. Da die deutschen Klassiker vom Aussterben bedroht sind, will Herr Ministerialrat Mausz eine Bildungsoffensive starten und die bekanntesten Werke der beiden großen Dichter „gerafft und leicht konsumierbar“ dem Publikum nahe bringen. Da kurz vor der Premiere der Hauptdarsteller ausfällt, springt er selbst ein, um die Aufführung zu retten. Das Publikum darf einer Probe mit Frau Brettwolf beiwohnen, die das Stück am liebsten abgesagt hätte.

KlaDeWe (Klassisch Deutsches Welttheater) steht am Programm und man beginnt mit einer Kurzversion von Schillers „Räubern“, in der alles drin ist: der böse, intrigante Franz, der alte, senile Vater, die unschuldige Amalie und natürlich Karl, der Räuber. So klar und verständlich und vor allem so komisch hat man dieses Stück sicherlich noch nie erlebt. Doch Herr Mausz nimmt die Sache sehr ernst, denn um die ganze Tragik des Dramas wirken zu lassen, muss nach jedem Stück eine Schweigeminute eingelegt werden.

Da nur zwei Schauspieler zur Verfügung stehen, wird auch das Publikum zum Mitspielen „eingeladen“, denn schließlich benötigt der „Götz von Berlichingen“ 100 handelnde Personen auf 50 verschiedenen Schauplätzen. „Kabale und Liebe“, „Faust“, „Maria Stuart“, „Die Jungfrau von Orleans“ – sie alle werden ruck, zuck abgespult und zwischendurch gibt es passende Moritaten und Bänkellieder. Bei „Wilhelm Tell“ scheiden sich die Geister, Frau Brettwolf findet das Stück altmodisch – oder will sie sich nur vor dem „Apfelschuss“ drücken?

Die Kurzversionen der großen deutschen Dramen sind ein einziges Vergnügen. Peter Blaikner brilliert nicht nur als Bösewicht und Intrigant, er überzeugt auch als emanzipierte Maria Stuart, die statt eines schottischen Akzents reinstes Pinzgauerisch spricht und immer wieder fordert: „Lisl, los mi ham geh.“ Auch Judith Brandstätter zeigt sich überaus wandlungsfähig, die beiden sind ein großartiges Team.

Ein überaus unterhaltsamer Abend, der auf amüsante Weise eingefrorenes Schulwissen wieder auftaut und einen ganz neuen komödiantischen Blick auf die leicht verstaubten, großen Klassiker wirft. Vergnügen pur!

„Goethe & Schiller – best of“, Komödie von Peter Blaikner / Regie: Wolfgang Schröter / Musik: Cosi M.Goehlert, Peter Blaikner / Ausstattung: Susanne Thanhofer / Mit: Judith Brandstätter und Peter Blaikner / Fotos: Kleines Theater



Elisabeth Pichler. Herr Mag. Liebling ist Inhaber des Heiratsvermittlungsbüros „Herz ohne Schmerz“. Besonders gut dürften die Geschäfte nicht laufen, denn auf die heiratswilligen Damen wartet nur ein männlicher Kandidat. So ist es nicht verwunderlich, dass sich der Chef, da er „ledig, nicht hässlich und vor allem sehr intelligent“ ist, selbst zur Verfügung stellt. Seine stets gut gelaunte, polnische Angestellte Frau Basia hat ein Auge auf ihren gutmütigen Vorgesetzten geworfen und versucht, ihn mit Liedern für sich zu gewinnen, wobei sie jedoch die dunklen Seiten einer Beziehung nicht verschweigt. Madame Larissa, eine russische Pianistin von imposanter Erscheinung, sucht einen Partner für gemeinsames Musizieren, am liebsten einen Trompeter, „denn Bläser haben besonders sinnliche Lippen“. Da im Moment kein geeigneter Mann für sie zu finden ist, nimmt sie am Klavier Platz, begleitet die Chansons, mischt sich immer wieder mit bösartigen Bemerkungen ein und hat stets Wodka, den „altrussischen Trostbalsam“, zur Hand.

In diese Rahmenhandlung sind die polnischen Lieder eingebettet, die so geschickt präsentiert und mit witzigen Kommentaren versehen werden, dass es keinerlei Verständigungsprobleme gibt. Beata Milewska agiert mit mitreißender Intensität und überzeugt mit Temperament und Wandlungsfähigkeit. Ob als Putzfrau, als Vamp, als wütende Geliebte oder als romantisch Liebende, sie versteht es, uns die Lieder ihrer Heimat Polen nahezubringen, die einen ganz eigentümlichen, oftmals etwas rauen Charme versprühen.

Im Programmheft ist die deutsche Übersetzung der Lieder zu finden und eine sehr persönliche Bemerkung von Beata Milewska, wie es zu diesem Abend kam:

„Die Idee des Vaudeville mit polnischen Liedern habe ich in mir seit Jahren getragen. Je weniger Grenzen in Europa waren, desto größer war mein Wunsch, dem deutschsprechenden Publikum das Genre des polnischen Liedes bekannt zu machen. Mein Wunsch hat sich verwirklicht. Die Künstler: Halina Kochan, Jurek Milewski und ich, Beata Milewska, fühlen sich in diesem Gebiet sehr wohl, da wir alle in Polen geboren und aufgewachsen sind. Seit 20 Jahren aber sind wir eng mit Salzburg verbunden und möchten mit diesem Stück etwas von der polnischen Seele zeigen. Sie werden vielleicht fragen, warum wir die Lieder auf Polnisch singen…Es ist verdammt schwierig, die polnische Seele zu übersetzen.“

„ Komödie in Herz-Moll“ – Vaudeville mit polnischen Liedern / Theater Miluna in Zusammenarbeit mit der Chopin Gesellschaft Salzburg / Regie: Cezary Domagala / Mit: Halina Kochan, Beata Milewska, Jurek Milewski / Übersetzer: Beata Milewska und Jurek Milewski / Fotos: Theater Miluna / Weitere Vorstellungen: 29.1., 5.2., 23.2., 26.2.und 5.3.2011.