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Dachverband Salzburger Kulturstätten

Kunst ist keine Wurstsemmel. Offene Briefe.

Offener Brief vom 13. 11. 2009

Sehr geehrte Frau Landeshauptfrau!
Sehr geehrter Herr Floimair!
Sehr geehrte Damen und Herren!

Zuerst ging es darum, die Informationszeitung »Salzburger Monat« für 230.000 Salzburger Haushalte zu retten. Doch der Landtag beschloss den Tod des Gratismagazins. Auf Antrag der FPÖ und mit Stimmen von SPÖ und ÖVP wurde es eingestellt. Gleichzeitig wurde die Weiterführung als Internet-Zeitung versprochen – und: auf Anfrage solle nach wie vor eine Printversion verschickt werden; so war es vor, während und nach der Landtagssitzung zu hören, und so versprach es zuletzt gestern Landeshauptfrau Gabi Burgstaller bei der Eröffnung der diesjährigen Landesbüchereitagung im Bildungshaus St. Virgil. Wer das wie wann und für wen in welcher Auflage produziere, aus welchem Budget das finanziert werde, ob Stadt und Land dafür weiter zusammenarbeiten etc., dies blieb trotz Nachfrage des Dachverbands Salzburger Kulturstätten in den vergangenen Wochen und Tagen unklar.

Der Dachverband Salzburger Kulturstätten – er vertritt 77 Mitglieder mit 1 Million BesucherInnen –, der sich gegen die Einstellung des »Salzburger Monat« ausgesprochen hatte, schlug deshalb vor, kunstinteressierten Menschen als Ersatz für den Wegfall des Kultur-Info-Teils wenigstens den monatlichen KULTPLANgratis zuzusenden. Dafür hätte das Land pro Monat ca. 1.000 Euro für Produktion und Versand investieren müssen (also 12.000 Euro jährlich statt 245.000 Euro für den »Salzburger Monat«) und dafür war ein doppelseitiges Inserat in der nun letzten Ausgabe des »Salzburger Monat« im Dezember 2009 geplant. Aus zwei geplanten Seiten Information in der Dezember-Ausgabe wurde schließlich eine, wir haben das akzeptiert. Nun hat die Landeshauptfrau dem Ersatz-Plan der KULT-Information eine grundsätzlich Absage erteilt, das Geld sei für Bildung verplant, so als hätte Kultur nichts damit zu tun (zur Erinnerung: Es geht um 5 % der eingesparten Summe, 95 % = 233.000 Euro fließen ohnedies ins Landesbudget). Und: Aus der geplanten 1 Seite in der letzten Ausgabe des »Salzburger Monat« wurde plötzlich ein allgemeines Inserat (ohne die Möglichkeit den KULTPLAN gratis zu bekommen) in der Größe von 30 bis 40 Zeilen. Bevor nun im nächsten Schritt aus diesen paar Zeilen eine Fußnote wird, ziehen wir unser freundliches und engagiertes Angebot zur Information der Bevölkerung über Kunst und Kultur vor allem am Land Salzburg zurück.

Da der Dachverband aus guten Gründen annimmt, dass eine weiterführende Print-Version des »Salzburger Monat« für interessierte Bevölkerungsteile nicht geplant ist und nie geplant war, nehmen wir zur Kenntnis, dass manche Worte und Beschlüsse der Salzburger Landesregierung wohl nicht viel mehr als »Sprechblasen-Charakter« haben, und dass es zumindest derzeit wenig Interesse zu geben scheint, Salzburgs Bevölkerung für Kunst und Kultur der Gegenwart zu interessieren, ja, dass die Politik unserer Meinung nach ihrer Informationspflicht gegenüber der Bevölkerung nicht nachkommt. Wir bedauern dies sehr und fordern dazu auf, endlich ein deutliches Signal für Kunst und Kultur abzufeuern!

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Randisek (Geschäftsführer)
Tomas Friedmann (Vorsitzender)

ergeht an:

LH Mag. Gabi Burgstaller,LH-Stv. Mag. David Brenner
Landespressebüro – Dr. Roland Floimair
Parteien in Stadt und Land Salzburg
Mitglieder des Dachverbands Salzburger Kulturstätten

Medien

Salzburg: Offener Brief an die ÖVP Salzburg-Stadt vom 26. 11. 2009

Sehr geehrte Frau Gemeinderätin Dr. Werner!
Sehr geehrte Gemeinderäte der ÖVP-Salzburg!

Was ist los mit der ÖVP?

In der SN-Ausgabe vom 25. 11. 2009 versuchen Sie den Boykott der Salzburger Stadt-ÖVP, an der diesjährigen Kulturklausur teilzunehmen und deren Verweigerung dem Kulturbudget 2010 zuzustimmen, sowie das Kulturbild der Salzburger ÖVP zu rehabilitieren, indem Sie u.a. schreiben, die ÖVP hätte nie gefordert, die mittelfristigen Fördervereinbarungen (dreijährige Verträge mit Schauspielhaus, Toi-Haus, Rockhouse, ARGEkultur, Literaturhaus, jazzIT, galerie5020, Künstlerhaus etc.) aufzulösen, sondern »nur« auf 5 % ihrer Förderungen zu verzichten – was de facto klingt wie: »Wir behalten Sie in der Firma, aber verzichten Sie doch freiwillig auf einen Teil Ihres Gehalts, weil sich die neoliberale Wirtschaft verspekuliert hat«. Lautet so das ÖVP-Kulturkonzept? Wollen Sie so mit engagierten Menschen und deren Familien umgehen, um Kaufkraft und Wirtschaft zu schwächen? Werden Sie bei allen Partnern so schnell vertragsuntreu?

Weiters kritisieren Sie ein angeblich existierendes »Establishment« in der »alternativen Kulturszene« – ganz so, als wären wir noch in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts (in der angeblich »alternativen Szene« treten längst internationale Jazzgrößen, Literaturnobelpreisträger, Pop-Stars etc. ebenso auf wie junge Künstler/innen gefördert werden) und als hätte die ÖVP plötzlich etwas gegen ein Establishment. Wenn das so ist, dann sagen Sie doch bitte Ihrem Stadtpartei-Obmann, ÖVP-Vizebürgermeister Preuner, dass Kunst und Kultur mehr ist als »Profit aus Sommerfestspielen und Adventsingen«, wie er via Zeitung verkündet hat, und unterstützen Sie den Dachverband Salzburger Kulturstätten bei seinen Forderungen:

• Schaffung nachhaltiger Strukturen für Salzburgs Bevölkerung (z.B. Investitionen in das neu zu errichtende Kulturzentrum Lungau, in das städtische Kulturjugendzentrum MARK, in Stadtteilkultur, in kulturelle Integrationsprojekte).

• Abschluss und Einhaltung von mittelfristigen Verträgen mit Kulturstätten, die seit Jahren erfolgreich arbeiten, um Rechtsicherheit zu schaffen und Verwaltungskosten zu sparen.

• Bedarfsgerechte Förderungen von mittelständischen und kleinen Kultureinrichtungen in Stadt und Land (d.h. regelmäßig kritische Budget-Analysen und wenigstens jährlich automatische Anpassung an Inflationsraten sowie Erhöhungen erfolgreich arbeitender Kulturstätten, Künstler/innen etc.).

• Verstärkte Fördermaßnahmen für Kinder und Jugendliche durch Preise, Stipendien, zusätzliche Bildungs- und Projektgelder für Künstler/innen, Lehrer/innen, engagierte Kulturstätten und Vorbildfunktion durch regelmäßige Besuche von Kulturstätten aller Sparten.

• Anhebung der Kulturbudgets von derzeit 2 Prozent (Land Salzburg) bzw. 6 Prozent (Stadt Salzburg) der Gesamtbudgets auf 3,5 bzw. 7 Prozent sowie Diskussion über Neuverteilung – derzeit erhalten alle lebenden Künstler/innen, »freien« Kulturstätten, Projekte usw. gemeinsam nur einen kleinen Teil des Kulturbudgets, um den sie jährlich kämpfen müssen; der Hauptteil der Kulturbudgets geht einzementiert an wenige gesetzlich verankerte große Institutionen wie Festspiele, Museen, Landestheater etc.

• Unterstützung einer Medien-Offensive PRO KULTUR der Gegenwart (z.B. Erhaltung oder Schaffung eines Monatsmagazins mit allen Kulturterminen in Stadt und Land Salzburg zur Information von Bevölkerung wie Gästen, verstärkte Berichterstattung über Salzburger Initiativen, die – entgegensetzt mancher Vorurteile – oft internationalen Zuschnitt haben, mehr Interviews zu kulturpolitischen Themen, verstärkte Presse-Förderung für engagierte Medien, »ORF-Schilling« für freie Radios).

• Kritische Diskussion neuer Förderrichtlinien-Ansätze nach unserem Vorschlag: 50 Prozent aller öffentlicher Kulturgelder für lebende Künstler/innen, deren Werke und Vermittlung.

• Evaluierung, Einhaltung und Umsetzung des vom Gemeinderat beschlossenen Kulturleitbildes durch alle politischen Parteien und deren Vertreter.

Sie wissen, verehrte Frau Gemeinderätin, dass die Kulturbudgets 2010 in Stadt und Land stärker reduziert werden als die Gesamtbudgets. Sie wissen, dass einzelne Initiativen in der Stadt um bis zu 25 Prozent gekürzt wurden. Sie wissen, dass viele SalzburgerInnen (mehr Frauen als Männer) ehrenamtlich oder für wenig Anerkennung, geringfügig oder sonst risikoreich beschäftigt in den Bereichen Kultur, Bildung und Soziales arbeiten, um unser System eines hohen Lebensstandards für möglichst viele Menschen aufrecht zu erhalten. Und obwohl Sie das alles wissen, greifen Sie in rufschädigender, unfairer und vorverurteilender Art und Weise die gesamte Szene an mit Worten wie »Viele halten das Türl zu, sobald sie selbst im Obstgarten drin sind.«

Frau Dr. Werner, Sie sollten sich öffentlich entschuldigen bei allen ehrenamtlich-engagierten Bibliothekarinnen, bei allen Künstlerinnen und Künstlern, bei allen bemühten Kulturstätten von Volksmusik über Theater und Film bis zur Bildender Kunst, bei all jenen, die sich täglich und zum Teil selbst aufopfernd für die Förderung von Kindern und Jugendlichen einsetzen. Diese Menschen haben auch Familien und arbeiten für die Öffentlichkeit, ohne dafür Politiker- oder Festspielgagen zu erhalten! Apropos: Wenn – wie Ihr ÖVP-Landeshauptmann-Stellvertreter Haslauer meint – ein Hollywoodfilm, in dem Salzburg ein paar Minuten vorkommt, sei ein Riesengeschäft für Salzburgs Gastronomie und Hotels, wenn also Teile der Tourismus-Wirtschaft so gut daran verdienen (was wir allen vergönnen), dann sei die Frage erlaubt, warum man in Zeiten des Sparens 300.000 Euro aus Steuergeldern zuschießen muss und nicht die Wirtschaft das Geld aufbringt?! Die gleiche Frage sei auch Richtung Osterfestspiele erlaubt, die als Karajan-Festspiele vor 40 Jahren angetreten sind mit dem Anspruch, sich privatwirtschaftlich zu finanzieren, d.h. ohne Subventionen (beim Jazz-Herbst war es genauso), um dann mehr und mehr öffentliche Gelder zu fordern. Was sagt die Salzburger ÖVP, die einerseits für profit-orientierte Kultur ist und neuerdings gegen ein Establishment, zum Vorschlag, profitable Kultur-Events künftig aus der Wirtschaftsförderung zu unterstützen, um die Kulturbudgets verstärkt für Kunst und Kultur der Gegenwart und für die Förderung junger Künstler/innen frei zu machen?

Der Dachverband Salzburger Kulturstätten setzt sich seit 20 Jahren für einen Kulturbegriff abseits der Bussi-Bussi-Kultur ein, unser nachhaltiges Kulturverständnis ist nahe bei den Menschen und für alle Bürgerinnen und Bürger in Stadt und Land Salzburg. Damit vertreten wir derzeit 77 Initiativen mit insgesamt über 1 Millionen Besucher/innen. Wir laden Sie und die ÖVP gerne zu einem öffentlichen Gespräch ein, um über Kunst und Kultur zu diskutieren und um offensichtlich vorhandene Informationsdefizite und Schranken abzubauen.

Mit freundlichen Grüßen

Dachverband Salzburger Kulturstätten/Vorstand

• Tomas Friedmann (Vorsitzender Dachverband, Literaturhaus Salzburg)

• Robert Wimmer (Lungauer Kulturvereinigung)

• Christoph Batscheider (Schauspielhaus Salzburg)

• Michaela Mayer (Kunsthaus Nexus, Saalfelden)

• Helga Besl (Tennengauer Kunstkreis)

• Gerd Pardeller (MARK.freizeit.kultur)

• Markus Steinwender (kleines theater)

• Thomas Randisek (Geschäftsführer)


Stelzhamerstraße

Salzburg: Literaturhaus fordert Zusatztafel bei antisemitischem Dichter Franz Stelzhamer

Die Stadt Salzburg nennt nun den Makart-Steg in Feingold-Steg um. Hanna Feingold, Witwe des vor einem Jahr, am 19. September 2019, verstorbenen Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde in Salzburg, wollte eine Straße mit Postadresse – vorgeschlagen war die Umbenennung der Stelzhamer-Straße in Feingold-Straße – für den angesehenen Bürger, den zuletzt mit 106 Jahren ältesten Holocaust-Überlebenden Österreichs. Als Demokratin nehme sie aber die Mehrheitsentscheidung des Stadtsenats – mit den Stimmen von ÖVP, SPÖ und FPÖ; gegen die Stimme der Bürgerliste – zur Kenntnis, glücklich sei sie darüber nicht. Und Hanna Feingold fügt hinzu. „Was mich nur wundert: Max Reinhardt, Stefan Zweig und jetzt auch Marko Feingold – all das sind jetzt Plätze ohne Postadresse. Da frage ich mich, welches System das ist. Geniert man sich denn in Salzburg für seine Juden?“

Marko Feingold war unermüdlicher Mahner gegen Nazi-Verbrechen und ist – wie z.B. H.C. Artmann und Gerhard Amanshauser – Ehrenmitglied im Verein des Salzburger Literaturhauses, das er unterstützt und regelmäßig besucht hat. Wenn nun schon kein Einvernehmen mit der Witwe gefunden werden konnte, dann sollte man wenigstens bei heiklen Straßennamen eine erklärende Zusatztafel anbringen, fordert Tomas Friedmann, Intendant des Literaturhauses Salzburg. Als Beispiel nennt er den Schriftsteller Franz Stelzhamer: „Der Mundartdichter Franz Stelzhamer war Antisemit. Nach dem Autor der oberösterreichischen Landeshymne sind in Österreich zig Straßen und Gassen benannt, z.B. in Linz, Graz, Gmunden, Ried, Vöcklabruck und Wien – dort immerhin mit Zusatztafel samt Hinweis auf seine antisemitisch geprägten Texte. Eine Umbenennung der Stelzhamer-Straße in unmittelbarer Nähe der Synagoge wäre in der Stolperstein-Stadt Salzburg ein Zeichen der Zivilcourage.“ Es genüge nicht, den Bericht der Historiker-Kommission über Salzburger Straßennamen, die aus der NS-Zeit belastet sind, am Ende des Jahres abzuwarten. Antisemitimus gab es auch davor, wie z.B. in Schriften von Franz Stelzhamer (1802-1874), nachgewiesen u.a. vom Schriftsteller Ludwig Laher. Die Historikerkommission solle sich auch damit beschäftigen, Stadt und Land Salzburg hätten entsprechende Empfehlungen umzusetzen.

An Stelzhamer, der in Salzburg ein paar Jahre als Gymnasiast verbracht und später in Henndorf gewohnt hat, wo er starb (und dort eine Franz-Stelzhamer-Straße sowie eine Erinnerungstafel bekam), erinnert in der Mozartstadt, in der er mehrmals umgezogen ist, eine Gedenktafel in der Müllner Hauptstraße: In diesem Hause wohnte Franz Stelzhamer. Dort sowie beim Straßen-Schild könne eine Hinweistafel nach dem Vorbild Wiens angebracht werden: Viele seiner Texte sind geprägt von antisemitischen Stereotypen.

Ein anderes Beispiel sei der deutsche Dirigent und Komponist Hans Pfitzner (1869-1949), der in Salzburg eine Wahlheimat hatte und zeitlebens Antisemit und Verharmloser von Nazi-Verbrechen war. 1958 wurde im Salzburger Stadtteil Nonntal die „Hans-Pfitzner-Straße“ nach ihm benannt. Oder: Dem österreichischen Bildhauer, Hitler-Günstling und NSDAP-Mitglied Josef Thorak (1889-1952) schenkte die Stadt 1963 in Aigen eine Straße. Sie alle bräuchten wenigstens eine Zusatztafel – oder besser eine Umbenennung. Dabei sei verdienstvollen Künstlerinnen der Vorzug zu geben, denn nach Frauen sind in Salzburg nur rund 3 Prozent aller Straßen benannt.

Presseaussendung – Literaturhaus Salzburg
Tomas Friedmann, Leiter & Geschäftsführer

LITERATURHAUS SALZBURG
wo das Leben zur Sprache kommt

Weitere Infos:

Im Schatten der Mozartkugel >
Verschwindet der Makartsteg >


Salzburg Europas Kulturhauptstadt 2024?

Mittwoch, 10. Februar 2016 Salzburg | Nach Graz (2003) und Linz (2009) ist Österreich – gemeinsam mit Estland – im Jahr 2024 wieder an der Reihe, sich um den Titel »Europas Kulturhauptstadt« zu bewerben. Innerhalb des Landes soll es dafür mehrere Kandidaten geben, die mit ihrem jeweiligen Konzept in Konkurrenz treten (siehe Internet-Diskussionsplattform www.kulturhauptstadt2024.at, gegründet an der TU Wien von Elisabeth Leitner, die auch eine österreichweite Initiative startete).

In Salzburg wurde eine mögliche Bewerbung erstmals im März 2014 vom damaligen Vorsitzenden des Dachverband Salzburger Kulturstätten Tomas Friedman thematisiert, danach gab es an der Universität Salzburg im Kooperationsschwerpunkt Wissenschaft & Kunst eine Lehrveranstaltung und das Symposium »Alles Mozart, oder was?« sowie Artikel, Gespräche und zuletzt Ende Oktober 2015 das Kulturfrühstück »Kulturhauptstadt 2024« – stets mit Beteiligung der Vertretung der freien Salzburger Kulturszene.

Für den Salzburger Dachverband geht es nun darum, einen Prozess zu starten, aus dem – bei entsprechender Unterstützung aus Politik, Wirtschaft und Bevölkerung – eine Bewerbung der Region Salzburg (eventuell grenzüberschreitend in den südbayerischen Raum oder mit dem Salzkammergut) entstehen kann. »Wir wollen einen Diskurs in Gang bringen, wie sich Salzburg in den nächsten Jahrzehnten kulturell-zeitgenössisch positionieren soll.« sagt für den Dachverband Salzburger Kulturstätten ihr Kulturhauptstadt-Beauftragter Tomas Friedmann. »Dabei geht es uns vorrangig nicht um Hardware, also neue Bauten, sondern um die Software, wie die Bevölkerung in Zukunft zusammenleben kann: sozial, solidarisch, umweltfreundlich, leistbar usw. mit Zugang zu Bildung und Gegenwartskunst.«

Salzburg sei in erster Linie eine Kultur- und Wissensstadt; als Mozarts Geburtsort habe man einen Tourismusvorteil, von dem die Festspiele und viele Aktivitäten bis heute profitierten, als Kongress-Stadt genieße man einen Standortvorteil. Doch der Dachverband, der 75 Kulturstätten in Stadt und Land Salzburg mit rund 1 Million BesucherInnen jährlich vertritt, ist der Meinung, dass man sich nicht bequem zurücklehnen und auf dem Image Sound of Music ausruhen dürfe. »Wir wünschen uns eine breite Diskussion von Kunst über Soziales bis Verkehr und Wirtschaft, wohin sich die Region Salzburg Richtung 2050 entwickeln soll – mit Einbeziehung kritischer Stimmen aus der Zivilgesellschaft, der freien Szene, engagierter BürgerInnen aus allen Bereichen der Gesellschaft.«

Als Auftakt – im April 2016 wird im Unipark Nonntal die Wanderausstellung »Kulturhauptstadt 2024« eröffnet – lädt der Dachverband EntscheidungsträgerInnen ein, in zwei Diskussionsrunden Mitte Februar (mit VertreterInnen aus Bildung, Kultur, Soziales) und Anfang März (mit Wirtschaft, Politik, Tourismus etc.) in ein Gespräch einzutreten – am Podium mit Elisabeth Leitner (Wissenschafterin, Forschungsschwerpunkt Stadt und Event, Städtebau und Landschaftsarchitektur sowie Initiatorin von www.kulturhauptstadt2024.at), Ursula Spannberger (Architektin und Mediatorin), Gerbert Schwaighofer (Direktor des Kooperationsschwerpunkts Wissenschaft und Kunst der Universität Salzburg/Universität Mozarteum), Stefan Wally (Politikwissenschafter und Forscher, Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen) und Tomas Friedmann (Leiter des Literaturhauses Salzburg und Kulturhauptstadt-Beauftragter des Dachverbands Salzburger Kulturstätten).

Presseaussendung
Dachverband Salzburger Kulturstätten


Dachverband Salzburger Kulturstätten

Offener Brief an Bgm. Dr. Heinz Schaden

Offener Brief

Dr. Heinz Schaden
Bürgermeister der Stadt Salzburg
Schloss Mirabell

Salzburg, 11. Juni 2015

Land Salzburg: Kürzungsklausel bei mehrjährigen Kultur-Förderverträgen

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Heinz Schaden!

Der Vorstand des Dachverbands Salzburger Kulturstätten bedankt sich sehr für Ihren Brief vom 3. d. M. an den Salzburger Kulturlandesrat Dr. Heinrich Schellhorn, den Sie in Kopie an die Geschäftsführung des Dachverbands geschickt haben.

In Ihrem Brief drücken Sie – trotz Erläuterung des Kulturlandesrates, dies sei nur eine theoretische »Notfallsklausel« – Ihr Unbehagen darüber aus, dass Sie nach der Dachverband-Presseaussendung den Medien entnommen haben, dass das Land Salzburg eine neue Klausel in die mehrjährigen Förderverträge mit Kultureinrichtungen aufnehmen wird, der zufolge das Land ermächtigt wäre, im laufenden Kalenderjahr eine 20 prozentige Kürzung der Landessubvention vorzunehmen.

Völlig richtig und in Übereinstimmung mit der Argumentation des Dachverbands schreiben Sie, dass mehrjährige Förderverträge den Sinn haben, den Kultureinrichtungen mit längeren Planungsphasen und strukturellen Verpflichtungen jene Planungssicherheit zu geben, die sie zur Erfüllung ihres Kulturauftrages benötigen.

Wir hoffen, dass das Land Salzburg versteht, dass Kulturstätten und deren jeweils verantwortliche Leitung/Geschäftsführung eine 20 prozentige Kürzungsklausel – bei gleichzeitiger Verpflichtung zur vollständigen Einhaltung von mit der Kulturabteilung abgeschlossenen Zielvereinbarungen laut Fördervertrag – nicht unterschreiben dürfen, weil sie sonst ihre Institution, ihre Arbeit und sich selbst in Frage stellen und gefährden könnten. Ende Juni hat der Vorstand deshalb einen Termin beim Kulturlandesrat Schellhorn, vom hoffentlich positiven Ergebnis des Gesprächs werden wir Sie, die Öffentlichkeit und unsere 74 Mitglieder selbstverständlich informieren.

Abschließend bitten wir Sie höflich, Ihr Engagement in Sachen Förderung und mittelfristige Sicherheiten auch auf Kulturminister Dr. Josef Ostermayer auszuweiten. In Salzburgs Kulturlandschaft gibt es Befürchtungen und Anzeichen, dass sich der Bund aus seiner Verpflichtung, Kunst und Kultur auch in Gemeinden und Ländern zu fördern, zurückziehen könnte (z.B. gibt es Kürzungen bzw. sind Förderungen seit vielen Jahren eingefroren).
Dem sollten Stadt und Land Salzburg rechtzeitig entgegenwirken – am besten vielleicht gemeinsam.

Mit besten Grüßen!

Tomas Friedmann & Thomas Randisek

Vorsitzender Geschäftsführer

Dachverband Salzburger Kulturstätten
Mag. Thomas Randisek
Dreifaltigkeitsgasse 3/3
5020 Salzburg
Tel: +43 650 970 29 08
http://www.kultur.or.at
http://www.kultplan.at


Braunau am Inn, Hitlerhaus

Was würden Sie mit dem Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau am Inn machen?

Darf ich Ihnen eine sehr überraschende Frage stellen? Was würden Sie mit dem Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau am Inn machen? Bereits im Jahr 2000 hatte ich auf Einladung des Vereins für Zeitgeschichte meine Ideen für ein Haus der Verantwortung vorgestellt. Da das Haus seit fast drei Jahren leer steht und das Innenministerium weiter 4.700 Euro Monatsmiete an die Eigentümerin überweist, gäbe es jetzt eine Chance das Projekt zu realisieren.

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Von Andreas Maislinger

Grundlage ist das 1979 von Hans Jonas veröffentlichte Buch Prinzip Verantwortung mit seiner Forderung „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden“. Was diese Forderung konkret in unserem Verhältnis zu unserer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bedeutet, sollten (vor allem junge) Menschen aus aller Welt im House of Responsibility diskutieren, leben und vorzeigen dürfen.

Der aus der Nähe von Braunau am Inn stammende ehemalige Gedenkdiener und Radiojournalist Lothar Bodingbauer hat am österreichischen Nationalfeiertag einen offenen Brief Für ein „Haus der Verantwortung“ in Braunau am Inn an die BraunauerInnen gerichtet.

Efgani Dönmez ist als oberösterreichisches Mitglied des Bundesrates der Meinung, dass die Länderkammer „treibender Motor“ bei der Realisierung dieser Idee sein sollte.

Bischof Manfred Scheuer hat mir am 17. Jänner geschrieben: „Ein wichtiger Auftrag unserer Gesellschaft ist es jungen Menschen die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu ermöglichen und Raum für die Entwicklung von Verantwortung für das zukünftige Zusammenleben zu schaffen. Gerne möchte ich Ihr Projekt unterstützen und hoffe, dass das Geburtshaus von Adolf Hitler für dieses Vorhaben der geeignete Ort ist und Ihr Projekt diesen Entwicklungsraum schafft.“

Zu weiteren Unterstützern gehören u.a.

Friedrich Achleitner, Wilhelm Achleitner, Evelyn Adunka, Tobias Aigner, Rusen Timur Aksak, Amer Albayati, Frank Albrecht, Andreas Altmann, Gerhard Amendt, Nancy Amendt-Lyon, Christian Angerer, Thomas Angerer, Erna Appelt, Sabine Aschauer-Smolik, Seyran Ates, Hannes Augustin, Christian Autengruber, Ursula Baatz, Eva Maria Bachinger, Pfarrerin Ingrid Bachler, Christoph Badelt, Tarafa Baghajati, Dieter Bandhauer, Alexander F. Baratsits-Altempergen, Rainer Bartel, Wladyslaw Bartoszewski, Christoph W. Bauer, Franz C. Bauer, Kurt Bauer, David Baum, Edwin Baumgartner, Christine Baur, Peter Bause, Peter Becher, Siegfried Beer, Wolfgang Benedek, Peter H. Berczeller, Anne Betten, Josef Bichler, Maxi Blaha, Harry Blank, Uwe Bolius, Klaus Brandstätter, Peter Brandt, Andreas Braun, Thomas Brechenmacher, Andreas Breinbauer, Hannelore Brenner-Wonschick, Botschafter Emil Brix, Evamaria Brockhoff, Micha Brumlik, Camilla Brunelli, Karl Brunner, Anton A. Bucher, Erwin Buchinger, Bischof Michael Bünker, Werner Bundschuh, Rosemarie Burgstaller, Christian Burtscher, Erhard Busek, Peter Bußjäger, Gernot Candolini, Gabriele zu Castell, Thomas Chorherr, Cecily Corti, Michel Cullin, Burgl Czeitschner, Claudia Dabringer, Gisela Dachs, Peter Danich, Volkmar Deile, Roland Deiser, Gunter Demnig, Elena Denisova, Waltraud Dennhardt-Herzog, Oskar Deutsch, Doris Dialer, Wolfgang Dietrich, Johannes Dines, Susanne Dobesch, Efgani Dönmez, Christine Dollhofer, Martin Donat, Werner Doralt, Alfred Dorfer, Wolfram Dornik, Karl A. Duffek, Felix Dvorak, Beata Dzon, Christian Joseph Ebner, Hans Eder, Jacob S. Eder, Beate Eder-Jordan, Joanna Egger, Roland Ehmeir, Oberrabiner Paul Chaim Eisenberg, Klaus Eisterer, Robert Eiter, Maria Embacher, Daniel Ender, Gertrude Enderle-Burcel, Martin Engelberg, Heinz W. Engl, Rolf-Joachim Erler, Clemens Ettenauer, Andrea Euler, Valie Export, Hans Heinz Fabris, Raimund Fastenbauer, Hilde Fehr, Marko Feingold, Lisa Fischer, Pater Udo Fischer, Franz Fischler, Irmgard Forster, Werner Forster, Abraham Foxman, Thomas Frankl, Franzobel, Harald Friedl, Tomas Friedmann, Friedhelm Frischenschlager, Esther Fritsch, Wolfgang Fritz, Franz Fürndraht, Leo Furtlehner, Helmut P. Gaisbauer, Siegwald Ganglmair, Christoph Gansinger, Herbert Gantschacher, Karl Markus Gauß, Michael Gehler, Vanessa Gerritsen, Roland Girtler, Horst Göbbel, Rüdiger Görner, Christian Goeschel, Hans Göttler, Maximilian Gottschlich, Georg Grabherr, Wolfgang Maria Gran, Hans Peter Graß, Günther Greindl, Oliver Grimm, Roman Grinberg, Brigitte Groder, Franz Gruber, Primavera Gruber, Anselm Grün, Christian Gsöllradl-Samhaber, Egyd Gstättner, Peter Gstettner, Johann Gstir, Hakan Gürses, Walter Guggenberger, Bundeskanzler a.D. Alfred Gusenbauer, Gottfried Gusenbauer, Claus Guth, David Guttner, Reinhart von Gutzeit, Gernot Haas, Ulrich Habsburg-Lothringen, Walburga Habsburg Douglas, Wolfgang Hafer, Robert Hagen, Peter Haider, Armin Haiderer, Amina Handke, Iris Hanika, Reinhard Hannesschläger, Elisabeth Harasser, Gottfried Hattinger, Friedrich Hausjell, Hans Hautmann, Hannes Heer, Brigitte Heilingbrunner, Hage Hein, Cornelius Hell, Thomas Hellmuth, Clemens Hellsberg, Michael Heltau, Abt Gregor Henckel-Donnersmarck, Miguel Herz-Kestranek, Markwart Herzog, Ewald Hiebl, Adi Hirschal, Brigitte Höfert, Otto Höfl, Otmar Höll, Hans Höller, Andreas Hörtnagl, Simon Hofbauer, Christoph Hofinger, Tessa Hofmann, Lina Hofstädter, Alexander Horwath, Klaus Huber, Martin Huber, Heinrich Huemer, Hans Peter Hurka, Agnes Husslein, Michal Hvorecky, Susanne Jalka, Ernst Jani, Peter Jankowitsch, Peter Jarolin, Hans-Ulrich Jörges, Michael John, Hans Peter Jonas, Peter Stephan Jungk, Günter Kaindlstorfer, Landeshauptmann Peter Kaiser, Vea Kaiser, Gerd Kaminski, Ulrike Kammerhofer-Aggermann, Bischof Egon Kapellari, Elisabeth Kapferer, Othmar Karas MEP, Sabrina Kaselitz, Verena Kaselitz, Adelheid Kastner, Magdalena Kauz, Franz Kehrer, Martha Keil, Sven Keller, Michael Kerbler, Gert Kerschbaumer, Ian Kershaw, Manfred Kienpointner, Paul Kimberger, Josef Kirchberger, Birgit Kirchmayr, Kurt Kister, Freya Klier, Walter Klier, Reinhold Klika, Karin Klocker, Jakob Knab, Veronika Knapp, Günter Knebel, Ulrich Körtner, Walter Kohl, Werner Kopacka, Margaretha Kopeinig, Johannes Kostenzer, Helmut Korherr, Peter Kostner, Kurt Kotrschal, Ilko-Sascha Kowalczuk, Monika Krahwinkler, Daniel Krainer, Michael Kramer, Martin Krauß, Walter Krenn, Richard Kriesche, Dietmar Krug, Dudu Kücükgöl, Nikolaus Kunrath, Sabine Ladstätter, René J. Laglstorfer, Ludwig Laher, Andreas Lampl, Daniel Landau, Michael Landau, Wolfgang Langenbucher, Ernst Langthaler, Eleonore Lappin-Eppel, Margarethe Lasinger, Jörg Leichtfried MEP, Martin Leidenfrost, Kurt Leininger, Eric Leitner, Joachim Leitner, Paul Lendvai, Rudolf Leo, Michael Ley, Maximilian Liebmann, Sophie Lillie, Peter Michael Lingens, Christoph Links, Thomas Lipschütz, Traude Litzka, Ladislaus Löb, Ernst Löschner, Ulrike Lunacek, Oscarpreisträger Branko Lustig, Barbara Mader, Rektor Tilmann Märk, Birgit Mahnkopf, Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny, Anton Mair, Dominique Mair, Walter Manoschek, Bernd Marin, Dinah Marin-Surkes, Gitta Martl, Olga Martynova, Ondrej Matejka, Siegfried Mattl, Bruno Max, Karl Mayr, Andreas Meckel, Dominika Meindl, Rainer Mennicken, Tarik Mete, Markus Metz, Chin Meyer, Kurt Mitterndorfer, Abgeordnete Angelika Mlinar, Samy Molcho, Dieter Monitzer, Johannes Moser, Gudrun Mosler-Törnström, Eva Mückstein, Karl Müller, Ludwig Müller, Wolfgang Müller-Funk, Edgar Nama, Andreas Neeser, Heinrich Neisser, Rudi Nemeczek, Rudolf Nerl, Georg Neuhauser, Josef Neumayr, Alexander Neunherz, Olga Neuwirth, Jozef Niewiadomski, Gerald Kurdoglu Nitsche, Andreas Nohl, Alfred Noll, Manfred Nowak, Eva Nowotny, Heinz Nußbaumer, Salvador Oberhaus, Cornelius Obonya, Karl Öllinger, Walter Ötsch, Helmut Ortner, Wolfgang Palaver, Günther Pallaver, Kurt Palm, Michael Parak, David Pasek, Werner J. Patzelt, Franz Pauer, Willi Pechtl, Alexander Peer, Anton Pelinka, Elisabeth Penz, Erwin Peterseil, Wolfgang Petritsch, Erik Petry, Karl Pfeifer, Eva Pfisterer, Meinrad Pichler, Heide Pils, Monika Pinterits, Thomas Plankensteiner, Stefan Pleger, Susanne Plietzsch, Othmar Plöckinger, Erika Pluhar, Dieter Pohl, Martin Pollack, Alexander Pollak, Gerald Praschl, Max Preglau, Dina Prettner, Harald Preuner, Michael Prochazka, Ursula Prutsch, Josef Pumberger, Klaus Pumberger, Thomas Rabe, Doron Rabinovici, Wolfgang Radlegger, Joana Radzyner, Edith Raim, Christian Rainer, Karl Ramsmaier, Karin Rase, Milo Rau, Herbert Rauch, Bernhard Rebernik, Hermann Rechberger, Gilles Reckinger, Marcel Reif, Helmut Reinalter, Johannes Reiss, Sebastian Reißig, Jörg Reitmaier, Paul Reitter, Stephan Renner, Herbert Renz-Polster, Johannes Riedl, Eleonora Ries, Erwin Riess, Susanne Riess, Edith Riether, Christian Riml, Romana Ring, Martin Ringer, Michael Ritsch, David Röthler, Markus Rogan, Albert Rohan, Barbara Rohrhofer, Christine Roilo, Thomas Roithner, Clemens Ronnefeldt, Peter Rosei, Anna Rosmus, Eva Rossmann, Karlheinz Ruhstorfer, Gabriele Rupnik, Gerhard Ruiss, Andrä Rupprechter, Oscarpreisträger Stefan Ruzowitzky, Ulrich W. Sahm, Uwe Sailer, Paul Sailer-Wlasits, Wolfgang Salomon, Monika Salzer, Rolf Sauer, Lampros Savvadis, Adel El Sayed, Christine Schacht, Martha Schad, Richard Schadauer, Bettina Schaefer, Matthias Scharer, Georg Schärmer, Wilfried Scharf, Weihbischof Franz Scharl, Hans-Henning Scharsach, Franz Schausberger, Josef Schelling, Beatrix Scherb, Peter Schernhuber, Florian Scheuba, Bischof Manfred Scheuer, Robert Schindel, Franz Schmidjell, Martina Schmidt, Rektor Heinrich Schmiedinger, Heribert Schmitz, Walter Schmögner, August Schmölzer, Gisela Schneeberger, Tatjana Schnell, Helmut Schnitzer, Thomas Schönherr, Hans-Martin Schönherr-Mann, Heinz Schoibl, Susanne Scholl, Friedrich Schreiber, Abt Raimund Schreier OPraem, Peter Schröcksnadel, Petra Schuiki, Armin Schusterbauer, Florian Sedmak, Lu Seegers, Milli Segal, Ben Segenreich, Dieter Segert, Ulrich Seidl, Charlotte Sengthaler, Clemens Setz, Nicole Sevik, Hubert Sickinger, Roman Siebenrock, Gerhard Siegl, Renate Silberer, Caroline Sommeregger, Christian Spaemann, Roland Spendlingwimmer, Danielle Spera, Gerfried Sperl, Bernhard Spindler, Karin Spitzenberger, Pater Georg Sporschill SJ, Leopold Stadler, Peter Stamm, Michael Stavaric, Peter Steinbach, Federico Steinhaus, Rolf Steininger, Raphael Sternfeld, Peter Stiegnitz, Andrea Stift, Altbürgermeister Alfred Stingl, Heinz Stockinger, Stefan Stoev, Harri Stojka, Christopher Straberger, Franz Strasser, Johano Strasser, Michael Strasser, Matthias Strolz, Walter Sturm, Martin Sturmer, Irene Suchy, Andreas Sulzer, Sibylle Summer, Walter Suntinger, Heinrich Taitl, Emmerich Talos, Judith W. Taschler, Klaus Taschwer, Arno Tausch, Walter Thaler, Roland Teichmann, Klaus Theweleit, Feri Thierry, Karl Traintinger, Richard Trappl, Botschafter Ferdinand Trauttmansdorff, Günter Traxler, Monika Triebl, Ilja Trojanow, Georg Stefan Troller, Gunther Trübswasser, Arno Truger, Peter Truschner, Jan-Heiner Tück, Helma Türk, Lukas Uitz, Volker Ullrich, Barbara Unterkofler, Mariann Unterluggauer, Hellwig Valentin, Sabine Veits-Falk, Jens-Jürgen Ventzki, Andreas Vitasek, Oliver Vitouch, Vladimir Vlajic, Stefan Waghubinger, Anselm Wagner, Bernd Wagner, Jochen Wagner, Johannes Walderdorff, Tassilo Wallentin, Martin Wallner, Günter Wallraff, Martin Wassermair, Thomas Weber, Konstantin Wecker, Peter Weibel, Hans Weichselbaum, Werner Weidenfeld, Richard Weihs, Sidney Weill, Andreas Weinek, Hermann Weiskopf, Robert R. Weiss, Gerhard Weißgrab, Renate Welsh, Fritz Wendl, Wolfram Wette, Harald Wildfellner, Philipp Wilhelmer, Georg Willi, Adi Wimmer, Stefan Windberger, Beate Winkler, Max Winkler, Ulrich Winkler, Robert Wistrich, Ruth Wodak, Hubert Wolf, Barbara Wolf-Wicha, Werner Wüthrich, Ruth Yu-Szammer, Georg Zanger, Klaus Zeyringer, Günther Zgubic, Moshe Zimmermann, Wolfgang Zinggl und Tilman Zülch.

Bin auf Ihre Antwort sehr gespannt! Und natürlich würde ich mich über Ihre Unterstützung für das Projekt House of Responsibility freuen.
Am 23. Jänner habe ich in Innsbruck mit Georg Stefan Troller gesprochen. Als US-Soldat kam er nur bis München, aber später hat er Braunau am Inn besucht und er würde gerne mitmachen.

Im Polnischen Institut in Wien hat am 3. April 2014 um 19 Uhr ein Gespräch über Braunau am Inn, Mauthausen und Oswiecim stattgefunden:
http://www.polnisches-institut.at/4,3,771,de,Kleine_Stadte_schwere_Geschichte_Oswiecim_Auschwitz_Mauthausen_Braunau?m=2014-04

Österreichischer Auslandsdienst / Austrian Service Abroad
Gedenkdienst – Sozialdienst – Friedensdienst
Prof. Dr. Andreas Maislinger, Gründer und Vorsitzender


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Offener Brief: Salzburg 2016. Dachverband Salzburger Kulturstätten

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer!

Aus inoffiziellen Kreisen erfuhren Kultur-Fürsprecher kurz vor Weihnachten vom geplanten Projekt »Salzburg 2016« – Events zur 200-jährigen Zugehörigkeit Salzburgs zu Österreich. Einerseits irritiert dies begrifflich wie historisch (»Salzburg« kam im Frieden von Pressburg bereits 1805 an das Kaisertum, dessen westlicher Teil dann Teil des Deutschen Bundes war), andererseits verwundert die hinter verschlossenen Türen getroffene Entscheidung besonders angesichts des angekündigten Sparkurses nach dem Landesfinanzskandal, der bis heute nicht restlos geklärt ist und dessen Folgen weiter unabsehbar sind. Der Dachverband Salzburger Kulturstätten hat dies öffentlich thematisiert und kritisiert, klärende Antworten sind ausständig. In mehreren Gesprächen mit Politikern hören wir stets, es müsse gekürzt werden, kein Bereich bliebe verschont, Vorschläge wie etwa eine zweckgebundene Tourismus-Kulturtaxe (vgl. z.B. Hamburg) werden abgelehnt, man müsse jetzt sparen.

Nun ist in der Wochenend-Ausgabe der Salzburger Nachrichten (15. März 2014, Aus Stadt und Land, S. 11) überraschend zu lesen, dass der 69-jährige, ehemalige ORF-Intendant und TW1-Geschäftsführer Ing. Friedrich Urban – u.a. Vizepräsident der Stiftung Mozarteum, Präsident des Rotary Club Salzburg und Festspiel-Kuratoriumsmitglied (Tourismusfonds) – von LH Wilfried Haslauer (ÖVP) als Intendant für das »Salzburg-Jahr« 2016 bestellt wurde.

Dazu stellen sich Fragen, um deren öffentliche Beantwortung wir Sie als Salzburger Landeshauptmann dringend ersuchen:
1. Wer, welche Personen, welches Gremium hat unter welchen (gesetzlichen) Voraussetzungen, mit welchen Zielen, in wessen Auftrag »Salzburg 2016« beschlossen? Wessen Idee war dies?
2. Was genau bedeutet für Sie »Salzburg 2016«? Wie ist das Konzept und von wem stammt es?
3. Wie wollen Sie »Salzburg 2016« finanzieren? Wie hoch wird der Anteil des Landes Salzburg sein? Aus welchem Topf, von welchen Stellen kommt das Geld dafür? Oder können Sie ausschließen, dass Landesmittel für dieses Projekt ausgegeben werden?
4. Wird das Landeskulturbudget 2015/16 u.a. durch »Salzburg 2016« belastet? Werden für Kultureinrichtungen – die seit Jahren mit gekürzten Mitteln arbeiten müssen – Förderungen steigen? Werden Salzburger Künstler und Kulturschaffende beim Projekt berücksichtigt?
5. Wurde »Salzburg 2016« (Konzept, Budget, Intendanz etc.) mit dem verantwortlichen grünen Kulturlandesrat, Dr. Heinrich Schellhorn, abgesprochen? Waren bzw. sind welche Parteien, Personen und Gremien in Stadt, Land und Bund etc. darüber informiert oder eingebunden?
6. Wurde die Intendanz für »Salzburg 2016« öffentlich ausgeschrieben? Wer, welche (unabhängige) Jury hat die Entscheidung nach welchen Kriterien getroffen? Wie hoch ist die Stelle des Intendanten finanziell dotiert? Woher kommt das Geld dafür?
7. Wenn die Intendanz und das Gesamtprojekt nicht aus dem Kulturbudget bezahlt werden, aus welchem Topf kommen die Aufwendungen? Und welches Budget wird der Intendant insgesamt zur Verfügung haben? Wird der dann 71-jährige beim Land angestellt oder welche (juristische) Konstruktion wird für die Abwicklung von »Salzburg 2016« gewählt?
8. Garantieren Sie als Landeshauptmann, dass ab sofort und laufend alle Geldflüsse, Entscheidungen etc. für »Salzburg 2016« komplett transparent, demokratisch und nachvollziehbar für Salzburgs Bevölkerung und die Öffentlichkeit präsentiert werden?

Nach der Landtagswahl’13 wurde von einem neuen Stil in der Politik, von Transparenz und Offenheit gesprochen. Der Dachverband Salzburger Kulturstätten ersucht Sie nun höflich wie nachdrücklich um rasche öffentliche Beantwortung dieser u.a. Fragen zum Projekt »Salzburg 2016«.

Mit freundlichen Grüßen!
Tomas Friedmann (Vorsitzender Dachverband) e.h.
Thomas Randisek (Geschäftsführer Dachverband) e.h.

Dachverband Salzburger Kulturstätten
Mag. Thomas Randisek
Dreifaltigkeitsgasse 3/3
5020 Salzburg
Tel: 0650 – 970 29 08
Unterstützen Sie die Plattform http://www.kulturland-salzburg.at mit ihrer Unterschrift.


Tomas Friedmann

Grün ist die Hoffnung?

Gegen sinnloses Sparen, für neue Ideen!

Dachverband Salzburger Kulturstätten und Landeskulturbeirat Salzburg fordern Perspektiven

Salzburg. In den kommenden drei Jahren bis 2016 soll laut dem neuen Landesrat für Kultur Dr. Heinrich Schellhorn das Kulturbudget des Landes um rund 5 Millionen (das sind 10 Prozent des gesamten Kulturjahresbudgets) gekürzt werden – als Folge des Finanzskandals. »Nicht mit uns«, sagen Dachverband Salzburger Kulturstätten und Landeskulturbeirat.

Thomas Friedmann. Foto: DV
Tomas Friedmann (Vorsitzender Dachverband Salzburger Kulturstätten). Foto: Dachverband

Auf dem Rücken der Kultur lässt sich kein Budget sanieren, kritisieren Dachverband Salzburger Kulturstätten und Salzburger Landeskulturbeirat, die nach Gesprächen mit dem neuen grünen Kulturlandesrat, Heinrich Schellhorn, jetzt erstmals gemeinsam an die Öffentlichkeit treten. Solange keine tiefgreifenden Reformen passieren, sogar die Bundesratsförderung für Parteien erhöht wird, während in anderen Bereichen gespart wird, solange kein sinnvoller Plan und keine mutigen Perspektiven für die Zukunft öffentlich und mit Betroffenen diskutiert und Sparmaßnahmen auf dem Rücken der Menschen, von Kunst, Sozialem, Bildung etc. ausgetragen werden, kann gegen diese Kürzungspolitik nur aufs Schärfste protestiert werden!

»Sollten die Budgetmittel nicht innerhalb der nächsten Jahre wenigstens an die Inflationsrate angepasst werden, drohen Kündigungen und Produktionskürzungen – und spätestens dann wird der Ruf zur dringend nötigen Umverteilung deutlich hörbar sein«, stellen die beiden Vorsitzenden Tomas Friedmann (Dachverband) und Robert Pienz (Landeskulturbeirat) fest. »Wir brauchen gerade jetzt mutige Ideen und Taten, um aus dem Schlamassel, das die Verantwortlichen dem Land Salzburg und uns allen eingebrockt haben, gestärkt in die Zukunft zu gehen!«

Die Fakten
Der letzte Rechnungsvoranschlag (2013) des Landes Salzburg – vor Bekanntwerden des Finanzskandals – wies Kulturförderungen von 49,6 Millionen Euro aus (das sind 2,12 Prozent des Landeskulturbudgets). Für die freie Kulturszene war rund 1/10, also 4,7 Millionen Euro an Förderungen vorgesehen.

Das Niveau
Vor allem die 4,7 Millionen Euro blieben in den letzten Jahren auf diesem konstant niedrigem Niveau, seit Amtsantritt von LR David Brenner im Jahr 2009 kritisierte die Interessenvertretung der freien Salzburger Kulturszene, der Dachverband Salzburger Kulturstätten mit seinen 75 Mitgliedern, diese Entwicklung. Das politische Totschlagargument über all die Jahre: »Wir müssen sparen.«

Die Kulturagenden gingen mit der Wahl im Mai 2013 in Salzburg erstmals in die Regierungsverantwortung der Grünen.

Salzburgs Landeskulturbeirat und Dachverband Salzburger Kulturstätten haben bereits vor der Landtagswahl darauf hingewiesen, endlich und dringend den Anteil der freien Ermessensausgaben im Kulturbereich jährlich an die Inflationsrate angepasst zu erhöhen. Die Fortschreibung des Fördervolumens, das »Einfrieren«, ist eine reale Kürzung der freien Kunst und Kultur, also all jener Einrichtungen, die nicht im Eigentum des Landes sind.
Und die ersten Richtlinien, die Kultur-Landesrat Schellhorn nun ausgegeben hat, ähneln im wesentlichen der Argumentation der letzten Jahre: »Wir müssen sparen.« Neue Regierung, alte Politik – und die gesamte Salzburger Kulturszene muss wohl weitere Jahre der Kürzungen hinnehmen. Das kann und wird dann für manche das AUS bedeuten.

Die angekündigten Einsparungen im Kulturbereich sollen sich für das Jahr 2014 auf 2 Millionen, in den folgenden Jahren 2015 und 2016 auf je ca. 1,2 Millionen Euro belaufen. Die Kürzungen für 2014 können laut Angaben der Landesregierung aus ressortgebundenen Rücklagen kompensiert werden, damit könne immerhin der Stand von 2013 gehalten werden. Alamierend ist, dass es sich wohl nicht um eine vorübergehende, sondern um eine dauerhafte Maßnahme handeln soll. Landesrat Schellhorn sprach von »strukturellen Einsparungen«. Auf Rückfrage von Robert Pienz bestätigte Schellhorn, dass damit tatsächlich gemeint sei, die Kulturförderung des Landes auf längere Sicht um die weggesparten ca. 4,4 Millionen Euro zu reduzieren. Bemerkenswert dabei:

• Die großkoalitionäre Politik der Ära Haslauer/Brenner war von einer einmaligen Sparpolitik in Kunst- und Kultur geprägt, für noch in Planung befindliche Großprojekte wurden jährliche mehrere hunderttausend Euro aus dem ordentlichen

Robert Pienz. Foto: DV
Robert Pienz (Vorsitzender Salzburger Landeskulturbeirat). Foto: Dachverband

Kulturhaushalt abgezweigt. Einige dieser Großprojekte werden nun realisiert (Domrundgang), andere haben sich aufgrund mangelnder Realisierungskompetenz in Luft aufgelöst.

• Diese Rücklagen, die durch nicht realisierte Projekte vorhanden sind, wurden entgegen der eigentlichen Bestimmung genutzt: Um den Haushalt zu sanieren. Lob kann deshalb der Ankündigung des Landesrates Schellhorn nicht gezollt werden, mit dieser Maßnahme wenigstens 2014 den vorhandenen Förderungsmisstand gleich zu halten, ganz zu schweigen von den Kürzungsabsichten der Folgejahre, für die keine Rücklagen mehr aufzulösen sind.

Der Salzburger Landeskulturbeirat und der Dachverband Salzburger Kulturstätten sind sich in der Einschätzung einig: Der Faktor »Kultur« soll die Konsequenzen verfehlter Spekulationspolitik und fehlender Kontrolle voll mittragen, kann aber als verschwindend kleiner Anteil des Gesamtbudgets zum großen Einsparungsziel nicht wesentlich beitragen. Im Verhältnis ist eine erhebliche Beschädigung und Verödung der Kulturlandschaft Salzburg zu befürchten. Vermisst wird derzeit vor allem: die Formulierung von inhaltlichen und finanziellen Perspektiven.

»Wo konkret soll eingespart werden?«, fragt sich etwa der Vorsitzende des Salzburger Landeskulturbeirates Robert Pienz. »Bei Preisen oder bei der Künstlerförderung? Bei Projektförderungen? Oder gibt es eine generelle Kürzung aller Häuser um einen bestimmten Prozentsatz?«, so Pienz weiter.

Und auch Tomas Friedmann, Vorsitzender des Dachverband Salzburger Kulturstätten, argumentiert in die selbe Richtung: »Eine Kürzung laufender Förderungen unserer Mitglieder werden wir nicht akzeptieren. Ich vermisse Konzepte und Perspektiven sowie die klare politische Ansage: keine Kürzungen im freien Kulturbereich.«

Die Einladung von Landesrat Schellhorn an den Landeskulturbeirat, an einer Strategie für das »Kulturland Salzburg 2020« mitzuarbeiten, wird vor dem Hintergrund dieser Budgetpläne in den Gremien des LKB sehr kritisch gesehen. Solange keine schlüssige, konstruktive Budgetstrategie im Kulturbereich für die Gegenwart und nahe Zukunft vorhanden ist, wird es äußerst schwierig, eine gemeinsame Strategie für eine Zukunftsperspektive der Kultur im Land Salzburg zu entwickeln. Aber genau das wäre das dringende Gebot der Stunde. Die schon aufgestellte Forderung des LKB nach einem Visionsprozess wird immer wichtiger und ist ja Teil des Regierungsabkommens geworden, der Weg dorthin darf nicht durch Realpolitik verbaut werden. Und auch der Dachverband sieht wenig Sinn an einer Diskussion über ein Kulturleitbild, wenn gleichzeitig Förderungen gekürzt, Kulturstätten bedroht und Arbeitsplätze gefährdet werden.

Tomas Friedmann und Robert Pienz verweisen in diesem Zusammenhang auch auf die Wahlversprechen der Grünen – etwa: »Wir wollen, dass KünstlerInnen von ihrer Arbeit leben können« oder, weil es so schön radikal klingt: »eine Umverteilung der Fördermittel«.

Die Auflösung der genannten Rücklagen wird wohl nur einmalig – also für 2014 – ausreichen, um den bestehenden Unterfinanzierungsstand zu halten. 2015 und 2016 wird das Kulturbudget dann wohl auch nominell schrumpfen. Die freien Ermessensausgaben werden, als einziger wesentlicher realpolitischer Gestaltungsspielraum, besonders von Kürzung bedroht sein. In diesem Fall würde die bestehende und zukünftige Kulturlandschaft im Land Salzburg massiv geschädigt und in ihrer Vielfalt eingeengt werden!

Presseaussendung
Dachverband Salzburger Kulturstätten
Mag. Thomas Randisek

Dorfzeitung


Dachverband Salzburger Kulturstätten

Salzburg: Nebenrolle Kulturpolitik?!

Erste Zischenbilanz zum Salzburger Landtagswahlkampf 2013

Kulturpolitische Themen gibt es im »Feststpielland Salzburg« wohl zur genüge: z.B. der Osterfestspielskandal, die aktuellen Auseinandersetzungen bei den Salzburger Festspielen (inkl. ausgeladene Festredner), das zu niedrig dotierte Kulturbudget (Fressen die »großen Acht« die Freien?), die Neuordnung der Museumslandschaft (inklusive teurem Rundgang), fehlende Mittelfristige Förderverträge, behäbige Verwaltungsabläufe, die schlechte Bezahlung in der freien Kunst und Kultur (fehlende Valorisierungen), das nach jahrelangen Verhandlungen noch immer fehlende Kulturhaus im Lungau, die ständige Abwertung des Landeskulturbeirats und jene elf Reformpunkte zur Landeskulturpolitik, die der Dachverband Salzburger Kulturstätten – er vertritt 75 Mitglieder im Bundesland mit rund einer Million BesucherInnen – bereits vor Monaten vorgelegt hat.

Themen zuhauf, aber wer möchte diese öffentlich diskutieren? Wie in Wahlkämpfen üblich, versuchte die Interessenvertretung der freien Kulturszene eine Diskussion mit den SpitzenkandidatInnen der Landtagsparteien zu organisieren, nahm Kontakt auf, lud ein – und scheiterte schließlich. Lediglich Landeshauptfrau Burgstaller (SPÖ) und die Salzburger Grünen (mit Kultursprecher Cyriak Schwaighofer, der die zur Zeit im Untersuchungsausschuss beschäftigte Spitzenkandidatin Astrid Rössler vertritt) konnten sich mit einer öffentlichen Diskussion zum Thema »Kulturpolitik« sofort anfreunden und stimmten zu.

Wenig Bedarf an einer kulturpolitischen Auseinandersetzung ist hingegen auf der politisch rechten Seite zu finden: Von der FPÖ kam eine Absage (angeblich überbeschäftigte Mandadare) – und ÖVP-Spitzenkandidat und Kulturchef seiner Partei, Wilfried Haslauer, bleibt trotz wiederholter Nachfrage verhindert, bietet weder Ersatztermine oder ein Gespräch; so entsteht der Eindruck, der Landeshauptfrau-Stellvertreter scheut die direkte Auseinandersetzung mit seinen Konkurrent/inn/en. Oder ist der ÖVP die Kunst und Kultur nicht so wichtig? Denn die Volkspartei wollte für die Kulturdiskussion einen Vertreter schicken, der nicht einmal für den kommenden Landtag kandidieren wird. Das konnte nicht akzeptiert werden, die geplante Veranstaltung Anfang April wird also abgesagt, bevor noch die Einladungen verschickt sind.

»Der Faktor Kultur wird auch in Zukunft in Salzburg eine zentrale Rolle spielen«, so Dachverband-Vorsitzender Tomas Friedmann, »umso bedauerlicher und unverständlicher, dass Teile der wahlwerbenden Gruppen die öffentliche Diskussion scheuen«. Verwundert zeigt sich der Dachverband Salzburger Kulturstätten auch, dass sich die vier wahlwerbenen Parteien noch immer nicht schriftlich zu den seit Oktober 2012 vorliegenden »Elf Punkte zur Reform der Landeskulturpolitik« geäußert haben. Mit der Landeshauptfrau gab es auf Dachverband-Vorschlag immerhin eine einstündige Diskussion einer Kultur-Delegation mit VertreterInnen aller Sparten. Breiter Konsens scheint bisher nur in einem Punkt zu herrschen: Kultur soll künftig in einer (politischen) Hand sein, so eine zentrale Dachverband-Forderung, und nicht mehr auf vier Ressorts (zwei SPÖ, zwei ÖVP) aufgeteilt werden. Ansonsten spielt die Kulturpolitik wieder einmal eine Statistenrolle …

»Die Elf Punkte«, so Dachverband-Geschäftsführer Thomas Randisek, »wurden aus Unzufriedenheit mit der Kulturpoltik der vergangenen Jahre formuliert – und sie sind topaktuell. Eine Diskussion aller Anliegen sollte demokratiepolitische Pflicht sein!« Der Dachverband wird nach Ostern alle Parteien zu einer neuen Auseinandersetzung einladen, dann bleibt noch ein Monat bis zur Landtagswahl am 5. Mai 2013.

 

Informationen zu »Elf Punkte zur Reform der Landeskulturpolitik«:
http://www.kultplan.at/download/172

Presseaussendung
Dachverband Salzburger Kulturstätten
Mag. Thomas Randisek


Dachverband Salzburger Kulturstätten

Land Salzburg: Dachverband Salzburger Kulturstätten beharrt auf Einhaltung von Zusagen, fordert Reformen und Kulturgipfel

Mag. Thomas Randisek

Dachverband Salzburger Kulturstätten
Mag. Thomas Randisek

Die Turbulenzen rund um den Finanzskandal beim Land Salzburg beschäftigen seit Anfang Dezember 2012 Politiker, Journalisten und Betroffene. Nun wurde Mitte Jänner 2013 offiziell bekannt gegeben, das Land hätte bei Spekulationsgeschäften sogar einen Gewinn in Millionenhöhe eingefahren, dem widersprechen anderweitige Aussagen, die vor hohen Verlusten warnen.

Wenig bis gar nicht wurde bisher von der Öffentlichkeit thematisiert, dass auch Kunst und Kultur von den aktuellen Geschehnissen betroffen sind, allein der Dachverband Salzburger Kulturstätten hat bereits am 19. Dezember 2012 in einer Presse-Aussendung darauf ausdrücklich hingewiesen und Landeshauptfrau Gabi Burgstaller aufgefordert, Kultur zur “Chefin-Sache” zur erklären. (Heute heißt es nun, dass der frühere SPÖ-Bürgermeister von Zell am See, Georg Maltschnig, als Finanzreferent Landeshauptmann-Stellvertreter David Brenner nachfolgen soll.) Bereits um Weihnachten wurde seitens des Landes in Briefen an Kulturschaffende versprochen, dass 1/12 der Jahresförderung des Vorjahres im Jänner 2013 ausbezahlt werden – allerdings warten die Einrichtungen zehn Tage vor Ablauf der Frist immer noch auf das zugesagte Geld, Konten müssen überzogen, Kredite aufgenommen, die Stadt um Hilfe angegangenen werden; Unsicherheit macht sich breit.

Mit etwas Verspätung sind nun via Kulturabteilung auch die – vergangenen Herbst zwischen Kulturstätten und der Kulturabteilung des Landes vereinbarten und von Kulturlandesrat David Brenner unterschriebenen – Zielvereinbarungen für 2013 und 2014 ausgeschickt worden – und wo bleibt das Geld? Noch schlimmer als manche Kulturstätten sind einzelne Projekte und Künstler betroffen, die aufgrund mündlicher Zusagen Verpflichtungen eingegangenen sind, persönlich haften und nun auf angewiesene Zuschüsse warten. »Wir brauchen dringend Rechtsicherheit«, betont Tomas Friedmann, Vorsitzender des Dachverbands Salzburger Kulturstätten namens seiner Mitglieder und der gesamten Kulturszene, und fordert die Verantwortlichen auf, dringend offene Fragen zu beantworten:

  1. Wer wird Nachfolger von David Brenner als Kulturlandesrat, falls er auch demnächst von dieser Funktion zurücktritt?
    Vorschlag Dachverband: Bis zur Neuwahl soll Landeshauptfrau Gabi Burgstaller die Abteilung leiten, Kultur zur Chefin-Sache erklären.
  2. Werden alle Zusagen des Landes Salzburg gegenüber Künstlern, Kulturstätten und Projekten 2013 und 2014 eingehalten?
    Forderung Dachverband: Selbstverständlich sind alle Zusagen einzuhalten, es ist rasch Rechtssicherheit herzustellen.

  3. Werden die Landesbudgets 2013 und 2014 gegenüber dem Entwurf verändert und betrifft dies auch die (freie) Kultur?
    Anregung Dachverband: Jetzt die Chance nutzen, das Kulturbudget zugunsten der freien Szene aufwerten und bei langjährigen Einrichtungen wenigstens die Abgeltung der jährlichen Inflationsrate gewährleisten.

Der Dachverband Salzburger Kulturstätten verlangt bessere Kommunikation und erwartet Antworten bei einem Kulturgipfel von Künstlern und Kultureinrichtungen mit Vertretern der Salzburger Landespolitik. Als Termin wird Ende Februar/Anfang März 2013 empfohlen. Dabei soll auch klar gestellt werden, dass Spekulationen – auch über mögliche Kürzungen in der Kultur bei eventuellen Verlustgeschäften des Landes – eine klare Absage erteilt wird!

»Der Frust bei engagierten Künstlern und Kulturvermittlern hat eine Grenze erreicht«, stellt Dachverband-Geschäftsführer Thomas Randisek fest: »Ärger macht sich breit, dass für Events und repräsentative Player immer (mehr) Geld da ist, dass verstärkt Geld in Heimatpflege, Schlösser und Museen fließt, aber bei vielen engagierten freien Kulturstätten seit Jahren nicht einmal die Inflationsrate abgegolten wird. Ja, mit dem Argument, man müsse sparen, wird gekürzt.«

Der Dachverband Salzburger Kulturstätten kann diese Verteilungspolitik nicht akzeptieren, im Gegenteil, man wird künftig verstärkt für mehr Fairness kämpfen und erinnert an die elf Punkte zur Reform der Landeskulturpolitik vom Oktober 2012.

 


Dachverband Salzburger Kulturstätten

LAND SALZBURG: Kultur soll jetzt zur Chefin-Sache werden!

Der Dachverband Salzburger Kulturstätten fordert dringend Reformen und bessere Förderungen

Die Turbulenzen rund um den Finanzskandal beim Land Salzburg schlagen hohe Wellen, der Ausgang ist ungewiss, klar sind derzeit vorgezogene Neuwahlen im kommenden Frühjahr sowie – aus menschlichen Gründen durchaus mit einem Bedauern – der Rückzug von Landeshauptfrau-Stellvertreter David Brenner, zuständig für Finanzen, Sport und Kultur im Jänner 2013. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller hat angekündigt, die Position von Brenner in der laufenden Legislaturperiode nicht nachzubesetzen, sondern die Ressortagenden (Finanzen, Sport und Kultur) auf die Riege der SPÖ-Mitglieder aufzuteilen. Näheres ist nicht bekannt.

Nun fordert der Dachverband Salzburger Kulturstätten die Salzburger Landeshauptfrau auf, Kunst und Kultur zur Chefin-Sache zu machen. „Vor allem die freie Kunst und Kultur braucht dringend Stabilität und verlässliche Partner, die vorausschauend arbeiten und bedarfsgerecht fördern“, sagt Tomas Friedmann, seit 2005 Vorsitzender des Dachverbands von 75 Salzburger Kulturstätten. In diesen Tagen kam vom Land die Information, dass aufgrund des fehlenden Budgets – geplant war ein Doppelbudget für 2013 und 2014 (darüber gab es mit allen großen Einrichtungen Gespräche und Abmachungen) – kulturelle Einrichtungen im nächsten Monat 1/12 der Jahresförderung 2012 erhalten werden, alles andere sei offen, da für 2013 kein Budget beschlossen ist. Doch auch ohne die gegenwärtigen Turbulenzen ist es Mitte Dezember viel zu spät, um die kaufmännische Sorgfalt für laufende Ausgaben, Gehälter, Verträge, Mieten etc. übernehmen zu können. Dazu Dachverband-Geschäftsführer Thomas Randisek: „Bereits das geplante Kulturbudget ist inakzeptabel, da nach Jahren der Stagnation in vielen Bereichen Feuer am Dach ist. Sollte es nun im neuen Budget ein Nachbeben geben, dann müsse das Land Salzburg die volle Verantwortung dafür tragen.“

Der Dachverband stellt klar, dass mündliche Vereinbarungen – von leitenden KulturbeamtInnen – ebenso gültig seien wie schriftliche, verlangt aber mehr als die Einhaltung der ungenügenden Vorgaben, denn jetzt sei die Chance, das freie Kulturbudget an die Notwendigkeiten anzupassen: „Salzburgs freie Kultur braucht dringend eine politische Führung, der Kunst nicht nur eine Herzensangelegenheit ist, sondern die endlich die Förderungen wenigstens wieder an das Niveau wie vor zehn Jahren (2003) heranführt, als das Land von 100 Kultureuros wenigstens 13 Euro in die freie Szene gesteckt hat, derzeit sind es nicht einmal 10 Euro,“ so der Dachverband. Aktuell sollen auf Kosten der Kulturstätten verstärkt Heimatpflege, Burgen, Schlösser und Museen finanziert werden, während die freie Kultur einen historischen Tiefstand erreicht. „Der Frust bei engagierten Künstlern und Kulturvermittlern hat eine Grenze erreicht“, stellen Thomas Randisek und Thomas Friedmann übereinstimmend fest: „Ärger macht sich breit, dass für Events und repräsentative Player Geld da ist, aber bei vielen engagierten freien Kulturstätten seit Jahren nicht einmal die Inflationsrate abgegolten wird, das sind wieder Kürzungen – mit dem Argument, man müsse sparen.“ Die Kulturpolitik des Landes scheint an die Wand zu fahren, der Dachverband verlangt vorausschauende Reformen und ein Krisengespräch von Vertretern der Kunst und Kultur mit verantwortlichen Politikern und zuständigen Beamten.

Pressemitteilung vom 19. 12. 2012
Dachverband Salzburger Kulturstätten
Mag. Thomas Randisek


Michaela Gründler:
Apropos wird 15

 Im Dezember 2012 wird die Salzburger Straßenzeitung Apropos 15 Jahre alt. Anlässlich ihres Jubiläums bringt sie ihr drittes Buch mit dem Titel „So viele Wege“ heraus. Mitgewirkt haben 32 von 70 Verkäuferinnen und Verkäufern in Wort und Bild. Herausgekommen sind berührende, in ihrer Ehrlichkeit oft schonungslose Reflexionen des bisherigen Lebensweges, aber auch spielerische und optimistische Betrachtungen und Ausblicke auf Gegenwart und Zukunft.

„SO VIELE WEGE“

„Es geht immer weiter. Das habe ich im Leben gelernt. Ein Schritt nach dem anderen. Nur keinen Stress, sonst brichst du dir die Haxn! Ich spreche da aus Erfahrung“, schreibt Sonja in ihrem Text „Im Galopp“. Es geht immer weiter. Diese Erfahrung haben alle der 32 Autorinnen und Autoren gemacht, die bei diesem Buch mitgeschrieben haben. Hinfallen, aufstehen, weitergehen. Nur nicht liegen bleiben. So wie Andrea, die einige Jahre in einer kleinen Höhle auf dem Kapuzinerberg wohnte, und sich im Winter mit teuren Pelzmänteln aus der Kleiderkammer einer Sozialeinrichtung zudeckte, um nicht zu erfrieren. Oder Christoph, der oft genug am eigenen Leib erfahren hat, wie wenig genügt, um uns komplett aus der Fassung zu bringen und aus der Bahn zu werfen. Oder Jürgen, dessen Leben seit er denken kann „wie ein aufgerolltes Wollknäuel läuft“. Sie alle sind Stehaufmännchen, schmeißen sich immer wieder mit Kampfgeist, Mut und manchmal auch einer ordentlichen Portion Zorn zurück ins Leben. Leise und melancholisch hingegen die Töne der migrantischen Schreiberinnen und Schreiber: von der Suche nach einem besseren Leben ist da oft die Rede, von der Zerrissenheit zwischen alter und neuer Heimat, der Dankbarkeit, der Hoffnung und der Erkenntnis: „Jede Wegstrecke hat einen Anfang – aber auch ein Ende.“

Unsere inländischen VerkäuferInnen haben unter Anleitung von drei Salzburger Schriftstellern (Christoph Janacs, Fritz Popp, Christina Repolust) fiktive sowie biographische Texte zum Thema „So viele Wege“ geschrieben. Der Apropos-Sprachkurs, den es seit November 2011 gibt, verfasste kurze Texte zu Schlüsselwörtern wie „Irrweg, Lebensweg, Weggefährten, Weggabelung“ und hielt unter Anleitung des Profifotografen Bernhard Müller mit Wegwerfkameras für sie spannende Wege fest. Das grafische Konzept übernahm wie beim erfolgreichen Vorgängerbuch „Denk ich an Heimat“ Grafikdesignerin Annette Rollny von fokus design.

Ab 3.12.2012 gibt es „So viele Wege“ um 14 Euro bei den Apropos-Verkäuferinnen und –Verkäuferin. Wie immer bleibt die Hälfte des Verkaufserlöses dem/der Verkäufer/in.

SO TICKT APROPOS.  Kostet wenig. Bringt viel

Apropos bietet seit Dezember 1999 Hilfe zur Selbsthilfe. Menschen in Not kaufen die Zeitung um (mittlerweile) 1,25 Euro ein und verkaufen sie um 2,50 Euro. Sie sind quasi selbständige Unternehmerinnen und Unternehmer.

Mit Apropos haben sie ein professionelles Medium, das von JournalistInnen gemacht wird und in dem sie sich in der Rubrik „Schreibwerkstatt“ auch selbst ausdrücken können. Diese Sprachrohrfunktion ist in der Medienwelt einzigartig und die Apropos-Leserschaft schätzt dieses Eintauchen in fremde Lebenswelten. Apropos möchte mit seinen Themen für die Anliegen von Menschen in Not sensibilisieren

Zitat von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller: „Zum einen ist Apropos ein sehr sinnvolles Projekt, um Menschen nach einer schwierigen Lebenssituation wieder eine Aufgabe und ein strukturiertes Leben zu geben. Die Zeitung ist aber auch für jene Menschen, die Apropos lesen und kaufen, die Chance, ein Gefühl dafür zu bekommen, dass es im Leben nicht immer nur bergauf geht, und dass jede und jeder sehr schnell vom Absturz in die Armut betroffen sein kann. In diesem Sinn erweitert Apropos das soziale Gespür und Gewissen.“

VerkäuferInnen

Derzeit verkaufen 70 VerkäuferInnen. Die wenigsten sind dabei obdachlos, viele waren es in der Vergangenheit und haben sich im Laufe der Jahre stabilisiert. Not kennt keine Ländergrenzen, daher haben wir sowohl inländische wie auch migrantische VerkäuferInnen, viele davon aus Osteuropa. Bislang hat Apropos 600 Menschen in Not geholfen. Die Menschen stabilisieren sich in ihrer Lebenssituation durch den Verkauf, sie treten in Kontakt zu anderen Menschen, sie haben eine Tagesstruktur, sind in eine Gemeinschaft eingebunden und verdienen ein Zubrot zur Mindestsicherung, IV-Pension, Pensionsvorschuss oder auch ihren Lebensunterhalt. Apropos-VerkäuferInnen haben ein gutes Image in der Bevölkerung und tragen einen Apropos-Ausweis. Apropos ist eine würdevolle Alternative zum Betteln: Menschen in Not sind quasi selbständige Unternehmer.

Partizipation

Uns ist es wichtig, die Menschen hinter der Armut sichtbar zu machen und eine Brücke in die Mitte der Gesellschaft zu schlagen. Daher laden wir unsere VerkäuferInnen regelmäßig ein, sich neben dem Zeitungsverkauf auch in anderen Apropos-Projekten zu engagieren: bei unseren beiden Kochbüchern haben sie ihre Lieblingsrezepte vorgestellt, bei unseren zwei Lesebüchern haben sie unter Anleitung von Salzburger Schriftstellern Texte verfasst („Denk ich an Heimat“ (2010) hat sogar zwei Preise gewonnen: den Salzburger Volkskulturpreis und die Sozialmarie 2012) und bei unserem neuesten Buchprojekt  „So viele Wege“ arbeiten so viele VerkäuferInnen wie noch nie zuvor mit: 32 von 70!

Beziehungsaufbau

Unsere VerkäuferInnen haben einen Stammplatz mit Stammkundschaft. So wichtig die KäuferInnen für unsere VerkäuferInnen sind, so wichtig ist es auch umgekehrt. Viele ältere, einsame Menschen finden in ihrem/ihrer Verkäufer/in jemanden, der sich nach ihrem Befinden erkundigt, ihnen zuhört – einfach Anteil nimmt. So entstehen vielfach enge Beziehungen, manchmal sogar Freundschaften.

Größte Erfolge

  • wenn sich die VerkäuferInnen stabilisieren
  • wenn jemand besser aufgelegt aus dem Apropos-Büro geht wie er hereingekommen ist
  • dass Apropos mittlerweile ein gutes Image hat und wir Verständnis für Menschen in Not schaffen konnten
  • dass wir vielfach ausgezeichnet wurden (René Marcic Preis, Volkskulturpreis, Sozialmarie)

Größte Misserfolge

  • wenn jemand schlechter aufgelegt aus dem Apropos-Büro geht wie er hereingekommen ist
  • dass sich manche Menschen in Not (vor allem inländische) nicht trauen, die Zeitung zu verkaufen, weil sie befürchten, von Nachbarn oder Bekannten auf ihre Not angesprochen zu werden – Straßenzeitungsverkauf erfordert den Mut, sich als „bedürftig“ zu outen

Was bringt die Zukunft?

  • wir wollen Apropos verstärkt ins Salzburger Land tragen
  • die Apropos-Verkäuferschaft ist bunter geworden: nicht nur inländische VerkäuferInnen wie zu Beginn, sondern auch migrantische VerkäuferInnen verkaufen Apropos. Wir werden sie auch weiterhin mit Sprachkursen und Mitwirkung an Schreibwerkstätten neben dem Verkauf einbinden und sichtbar machen.
  • wir werden weiterhin Projekte machen, die eine Brücke in die Gesellschaft schlagen (Kooperation mit den Festspielen, Wirtschaftstreibenden, Gastronomen, Kulturschaffenden etc).

Historische Fakten

  • Am 1. Dezember 1997 erscheint die erste Ausgabe der Salzburger Straßenzeitung unter dem Namen “Asfalter” in einer Auflage von 5.000 Stück.
  • Sie ist ein soziales Zeitungsprojekt der Sozialen Arbeit GmbH.
  • Das Land Salzburg fördert Apropos seit dem Beginn. Zwei Drittel erwirtschaftet Apropos selbst.
  • Aufgrund eines Rechtsstreits mit zwei ehemaligen Redakteuren heißt die Salzburger Straßenzeitung ab Oktober 2003 “Apropos”.
  • Im November 2003 erlaubt Joanne K. Rowling den deutschsprachigen Straßenzeitungen, das erste Kapitel exklusiv von “Harry Potter und der Orden des Phönix” vorab zu drucken, um “ihre Auflage zu steigern und damit verstärkt auf die sozialen Anliegen der Zeitungsprojekte aufmerksam zu machen”, so der Carlsen Verlag. Insgesamt nehmen 21 Straßenzeitungen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz an dieser Aktion teil.
  • Am 17. November 2003 erscheint Salzburgs erstes Straßenbuch “Alles bei Leopoldine.” 15 Apropos-AutorInnen aus der Schreibwerkstatt veröffentlichen darin ihre Texte. Fotograf Luigi Caputo stellt kostenlos Fotos zur Verfügung. Die erste Auflage von 1.720 Stück war binnen eines Monats verkauft. Auch die zweite Auflage mit 1.500 ist vergriffen.
  • Zur 100. Ausgabe (Juni 2006) der Salzburger Straßenzeitung schenken uns die Kommunikationsagentur ikp und der Grafikdesigner Tom Grundnigg die Kampagne “Kostet wenig. Bringt viel.”
  • Salzburgs erster Straßenkalender “Auf den zweiten Blick” kommt im Dezember 2006 in einer Auflage von 1.500 Stück auf den Markt, wieder mit Fotos von Luigi Caputo. Ausverkauft.
  • Apropos erscheint im September 2007 zum letzten Mal im alten “Outfit.” Die Kommunikationsagentur ikp und Tom Grundnigg von der Idealfabrik schenken Apropos zum 10. Geburtstag im Oktober 2007 ein neues Zeitungsdesign. Mittlerweile erscheint die Zeitung in einer Auflage von 10.000-12.000 Stück. 60 Männer und Frauen verkaufen Apropos.
  • Salzburgs erstes Straßen-Kochbuch erscheint Anfang Dezember 2007. Mit kulinarischen VerkäuferInnenporträts und guten, günstigen und gesunden Rezepten.
  • Zum 10-jährigen Jubiläum im Dezember 2007 bekommt unser Verkaufsteam eine eigene Straßenuniform,  unentgeltlich entworfen vom Salzburger Modedesigner Christian Anton J. Wenger.
  • Aufgrund des großen Erfolges erscheint Anfang Dezember 2008 das zweite Straßenkochbuch. Statt sechs VerkäuferInnen präsentieren dieses Mal 12 Apropos-Frauen und -Männer ihre Lieblingsrezepte und was Genuss für sie bedeutet.
  • Im Juli 2008 wurde Chefredakteurin Michaela Gründler als erste Österreicherin und einzige Europäerin in den fünfköpfigen Vorstand des internationalen Straßenzeitungsnetzwerkes (INSP) gewählt, in dem sie sich bis Juni 2011 engagierte.
  • Im Dezember 2008 besucht Bundespräsident Heinz Fischer die Apropos-Redaktion.
  • Im März 2009 erhalten Chefredakteurin Michaela Gründler und Redakteurin Anja Keglevic (nun Eichinger) de René-Marcic-Preis für herausragende publizistische Leistungen und glaubwürdigen Journalismus.
  • Apropos wird salonfähig: 2010 geben Buhlschaft Birgit Minichmayr und Jedermann Nicholas Ofczarek Apropos vor allen anderen deutschsprachigen Medien ein Exklusiv-Interview.
  • Apropos kostet seit August 2010 statt 2 Euro nun 2,50. Die Hälfte bleibt wie immer dem Verkäufer/der Verkäuferin.
  • Im November 2010 erscheint das Apropos-Lese-Buch “Denk ich an Heimat”. 15 Straßenzeitungs-AutorInnen haben unter der Leitung des Salzburger Schriftstellers Walter Müller mitgewirkt. Das stimmige und schöne Buch mit Fotos von Bernhard Müller und gestaltet von Grafikerin Annette Rollny (beide fokus-design) durchbricht soziale Schranken. Wir sind mit dem Buch beim Salzburger Adventsingen 2010 eingeladen, bei den Rauriser Literaturtagen, wir werden für Lesungen gebucht und veranstalten selbst “Prominente Heimatduette”. Am 1. April 2011 lesen die Autoren Dimitré Dinev, Hera Lind, Walter Müller, der Kabarettist Fritz Egger und Schauspieler Karl Merkatz gemeinsam mit Apropos-AutorInnen im Theater Odeion mit musikalischer Umrahmung von “die.hammerling.”
  • Im Mai 2011 starten die Verkäufer Evelyne & Georg Aigner und Luise Slamanig sowie Schreibwerkstatt-Autorin Hanna S. auf der Frequenz der Radiofabrik (107,5 & 97,3 MHz) ihr selbständig gestaltetes Apropos-Radio. Sie sprechen jeden Monat über soziale Themen und würzen diese mit ihrer Lieblingsmusik und interessanten Studiogästen.
  • Michael Crepaz (Zahntechniker) und seine Frau Anita Crepaz (Psychotherapeutin) engagieren sich seit Juni 2011 im Apropos-Gesundheitsprojekt.
  • Im Herbst 2011 bekommen wir für “Denk ich an Heimat” den ersten Platz beim Salzburger Volkskulturpreis verliehen.
  • Seit November 2011 bietet Apropos für seine migrantischen VerkäuferInnen einen wöchentlichen Sprachkurs unter der Leitung von Deutsch-als-Fremdsprache-Lehrerin und Journalistin Christina Repolust an. Bald stößt Dolmetscherin Doris Welther zu uns.
  • Im Mai 2012 erhält “Denk ich an Heimat” einen der 15 Preise der “SozialMarie”, einem Preis für soziale Innovation – aus über 240 Einreichungen.
  • Im Juli 2012 erscheint Apropos im neuen Zeitungsdesign von Grafikdesignerin Annette Rollny (fokus-design), das wir uns als verfrühtes Geburtstagsgeschenk anlässlich unseres 15jährigen Jubiläums im Dezember 2012 schenken – nunmehr in Farbe. Dem vorangegangen sind zwei Fokus-Gruppen: in der Medienrunde im Oktober 2011 gaben uns Alexandra Föderl-Schmid (Der Standard), Andreas Koller (Salzburger Nachrichten), Gerhard Rettenegger (ORF), Elisabeth Klaus (Universität Salzburg), Katharina Krawagna-Pfeifer (Journalistin & Kommunikationsstrategin), Andreas Windischbauer (PR-Agentur ikp) sowie Alf Altendorf (Radiofabrik) wertvolles Feedback in den Apropos-Räumlichkeiten ebenso wie im November 2011 die “Quer-durch-die-Gesellschaft-Runde” mit Nicole Berkmann (Konzernsprecherin Spar), Klaus-Peter-Lovcik (Marketingleiter Volksbank Salzburg), Brigitte Promberger (Literaturhaus), Tomas Friedmann (Leiter Literaturhaus Salzburg), Michael König (Geschäftsführer Diakonie-Zentrum Salzburg), Ingemarie Jungbauer (Werbeagentur Platzl zwei). Wir danken allen ExpertInnen für ihre Anregungen.
  • Seit Frühling 2012 arbeiten 32 Straßenzeitungs-VerkäuferInnen am Buch “So viele Wege” unter der Anleitung der drei Salzburger Schriftsteller Christoph Janacs, Fritz Popp und Christina Repolust und dem Fotografen Bernhard Müller, das im November 2012 anlässlich 15 Jahre Apropos im Rahmen einer Feier präsentiert wird.
  • Im Dezember 2012 feiert Apropos das 15-jähriges Bestehen mit der Präsentation des dritten Buches „So viele Wege“

 

Presseaussendung
Mag. Michaela Gründler
Chefredakteurin Apropos

Apropos in der Dorfzeitung:

APROPOS: 1. Salzburger Strassenkochbuch
APROPOS: 2. Salzburger Strassenkochbuch
Michaela Gründler: Straßenzeitung APROPOS.
„Denk ich an Heimat“ – Buch und CD Präsentation
Bernhard Müller: Denk ich an Heimat
„Heimatduette“ – G´sundlesen im Odeїon


Mag. Thomas Randisek

FAIR PAY – auch für Salzburgs freie Kultur!

Dachverband Salzburger Kulturstätten erwartet positives Signal vom Land

Herbstzeit ist Klausurzeit. Neben der Kulturabteilung der Stadt Salzburg werden in den kommenden Tagen auch die Weichen für die Kulturförderungen 2013 und 2014 bei einer Klausur des Landes Salzburg gestellt. Diesem Doppelbudget gilt das besondere Augenmerk des Dachverband Salzburger Kulturstätten, der aktuell 76 freie Kulturstätten in Stadt und Land Salzburg mit insgesamt eine Million Besuchern pro Jahr vertritt. Besonderes Augenmerk deshalb, weil die Kulturförderung in Österreich vor allem zu den Aufgaben der Bundesländer gehört. Außerdem hat eine unbefriedigende Fördersituation der freien Szene in Salzburg bereits in den Vorjahren zu teils heftiger Kritik – manchmal noch hinter vorgehaltener Hand – geführt; der Dachverband hat dies gegenüber den Verantwortlichen artikuliert.

»Es gibt Unmut und Unzufriedenheit über die Förderpolitik der freien Szene im Bundesland Salzburg«, sagt Thomas Randisek, Geschäftsführer des Dachverbands Salzburger Kulturstätten, der dringend eine Valorisierung (Indexanpassung zwecks Wertsicherung) des Kulturbudgets fordert. Tomas Friedmann, Vorsitzender des Dachverbands, ergänzt: »Künstlerische Qualität, Engagement und breite Akzeptanz sprechen für die freie Szene.« Dies sei auch anerkannt, müsse sich aber in den Förderungen des Landes zeigen, denn das Budget sei bekanntlich die in Zahlen gegossene Politik. Gesprächsbasis ist für den Dachverband eine automatische jährliche Inflationsrateabgeltung, doch das reicht nicht mehr. Darum betonen Geschäftsführung und Vorsitzender: »Nach Jahren weitgehend gleich bleibender Förderungen und solidarischer Sparbereitschaft erwarten die Kulturstätten, die KulturarbeiterInnen und KünstlerInnen ein deutliches Signal, sprich FAIR PAY – also eine Erhöhung des freien Kulturbudgets, bedarfsgerechte Förderungen und Investitionen.«

Gegenwärtig beträgt das freie Kulturbudget des Landes Salzburg nicht einmal 10 Prozent des gesamten Kulturbudgets, konkret nur 4,6 Millionen Euro für alle Sparten, KünstlerInnen, Projekte etc. zusammen. Der Dachverband geht nach Berechnungen von einem Mehrbedarf von insgesamt rund 1,3 Millionen Euro im Budget aus. Sicher ist bisher, dass das Gesamt-Kulturbudget des Landes Salzburg – 2012 betrug es 47,6 Millionen Euro – in den beiden nächsten Jahren steigen wird, z.B. durch Übernahme der Ausfallshaftung für die Osterfestspiele. Und die freie Kunst & Kultur? Wird ihr Anteil am Landesbudget weiterhin lediglich 0,21 Prozent betragen? Werden also auch künftig von 100 Euro in Salzburg nur 21 Cent in die freie Kultur investiert?

Besonderen Nachholbedarf wird in drei Detailbereichen geortet:

Freie Theater
Der Dachverband fordert die deutliche Anhebung des beschämenden Budgetsansatzes von nur 160.000 Euro für 28 Theatergruppen und Projekte.

Freie Filmproduktionen
Der Dachverband stellt ein Auseinanderklaffen von kommerzieller Filmförderung und der Förderung des Salzburger Filmschaffens fest und verlangt das Zurechtrücken der Relationen (wiewohl man sich nicht der auf Tourismus ausgerichteten Filmwirtschaftsförderung verschließt).

• Freie Medien
Auch in diesem Förderbereich sollte das Land Salzburg mit den Förderungen der Stadt Salzburg gleichziehen. Dies gilt insbesondere für die Förderung von Radiofabrik und FS1 Community TV, beide sind unterdotiert.

Daten und Fakten zu den Kulturbudgets von Stadt und Land Salzburg finden Sie unter http://www.kultplan.at/material


Presseaussendung
Dachverband Salzburger Kulturstätten
Mag. Thomas Randisek