Adams Äpfel – Die Macht der Selbsttäuschung

Adams Äpfel – Die Macht der Selbsttäuschung

Anders Thomas Jensen zählt zu den bedeutendsten Drehbuchautoren Dänemarks. Seine tiefschwarze Filmgroteske „Adams Äpfel“ aus dem Jahr 2005 wurde vielfach ausgezeichnet. In den Kammerspielen des Salzburger Landestheaters inszeniert Max Immendorf die Bühnenfassung von K. D. Schmidt. Die hitzigen Diskussionen des gutmütigen Landpastors Ivan mit dem aggressiven Neonazi Adam sind noch bis 30. Dezember 2025 in den Kammerspielen zu erleben.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Ivan ist der festen Überzeugung, dass es keine schlechten Menschen gibt. Er schart schwarze Schafe um sich und ist begeistert über deren Fortschritte. Dass der kleptomanische Straftäter und Alkoholiker Gunnar absolut noch nicht trocken ist, nimmt er einfach nicht zur Kenntnis. Auch der arabische Tankstellenräuber Khalid wird ständig rückfällig. Ob aus dem gewaltbereiten Neonazi Adam wohl je ein friedlicher, positiver Mensch werden wird? Eine Aufgabe soll ihm dabei helfen, das Ziel heißt Apfelkuchen. Doch der Baum, den Adam vor der Kirche pflegen soll, wird von biblischen Plagen heimgesucht. Erst kommen die Krähen und dann die Würmer. Ein Blitzschlag bedeutet das endgültige Aus für den Apfelbaum.

Gelassen nimmt Ivan all diese Widrigkeiten auf sich, es ist wohl ein Werk des Teufels, der ihn prüfen will. Dieser grenzenlose Optimismus stört Adam gewaltig. Er versichert Ivan, dass Gott ihn hasse und daher ständig bestrafe. Seine Nachforschungen über den Pastor bringen schreckliche Schicksalsschläge zum Vorschein. Als er Ivan damit konfrontiert, verliert dieser seinen unbedingten Glauben an das Gute und wird schwer krank. Nun können seine Schäfchen ihre kriminellen Tendenzen unbeherrscht ausleben. Da erkennt Adam Ivans positiven Einfluss und er beginnt, seine aggressive Einstellung zu überdenken. Vielleicht gibt es ja doch noch einen Apfelkuchen und ein Happy End.

Lange Zeit sieht Ivan (Matthias Hermann) die Welt durch eine rosarote Brille. Er ist ein Meister der Verdrängung, selbst die schwere Behinderung seines Sohnes scheint er nicht zu bemerken. Als ihn die schwangere Sarah (Julienne Pfeil), eine Alkoholikerin, um Rat fragt, verschweigt er die so offensichtlichen Gefahren. Der Kleptomane Gunnar (Christian Freund) ist trotz seiner vielen Fehler eigentlich ein freundlicher, liebenswerter Mensch. Der Tankstellenräuber Khalid (Ismail Deniz) hingegen schießt für sein Leben gern, egal auf wen. Adam (Aaron Röll) will den Pastor unbedingt mit der schonungslosen Wahrheit konfrontieren: „Ich bin schlecht und du kannst nichts dagegen machen.“

Max Immendorf erzählt die bizarre Geschichte heiter und düster zugleich. Trotz all der absurden, skurrilen Szenen kommt immer wieder Warmherzigkeit zum Vorschein. Wer tiefschwarzen Humor liebt wird mit dieser Groteske viel Freude haben.

Dorfgockel

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