Die Auftragskomposition des jungen slowenischen Komponisten Vid Ožbolt, eine Oper in fünf Akten nach der Tragödie des römischen Philosophen Seneca, kam am 23. Juni 2026 im Max Schlereth Saal der Universität Mozarteum zur Uraufführung. Das lateinische Original wurde von Alexander von Pfeil gekürzt und szenisch eingerichtet.

Die Oper verbindet antike Mythologie mit moderner Psychologie und spiegelt musikalisch das Archaische des düsteren Stoffes wider. Stürmischer Applaus für alle Mitwirkenden und den jungen Komponisten.
Das Stück beginnt mit einem fast 20-minütigen Monolog des Thyestes (großartig, aber auch furchterregend der Countertenor Stanislav Tsema). Dieser „aus des Tartarus tiefer Höhle“ entsandte Schatten fordert Clytaemnestras Liebhaber Aegisthus (Ilyà Dovnar) auf, Agamemnon, den siegreichen Helden von Troja, nach dessen Heimkehr zu töten.
Clytaemnestra (Sofia Levina) ist über die angekündigte Rückkehr ihres Gatten nicht begeistert. Zehn Jahre Abwesenheit waren eindeutig zu lang und die Opferung der gemeinsamen Tochter Iphigenie kann sie ihm auch nicht verzeihen. Mit ihrer Amme Nutrix (Erika Henriques) bespricht sie die geplante Bluttat.
Der Bote Eurybates (Joseph Breslau) berichtet in einem großen Monolog über die Schrecken und Gefahren auf stürmischer See. Dann endlich erscheint Agamemnon (Xuanbo Li), im Schlepptau drei gefangene Trojanerinnen (Lisa Hambrecht, Gundula Goecke und Varvara Nikishina) und die Seherin Cassandra (Sujin Kim). Der Empfang im Palast ist zwar herzlich, doch seine Ermordung während des Festes überaus brutal. Elektra (Lurda Bukau) und ihr Bruder Orestes (Oskar Widmer) können zwar gerettet werden, doch Cassandra weiß, dass die Gräueltaten noch nicht zu Ende sind: „Auch über euch wird Wahnsinn kommen!“
Laura Trilsam hat ein riesiges, filigranes Baugerüst auf die Bühne gestellt. Eine Brücke führt über den Orchestergraben und ermöglicht spektakuläre Auftritte. Gernot Sahler steht am Pult des Arcoensembles für zeitgenössische Musik und setzt Vid Ožbolts dramatische Klangsprache perfekt um. Dieser Abend beweist, dass auch moderne Oper für Gänsehaut sorgen kann. Ein voller Erfolg für den jungen Komponisten, von dem sicherlich noch einiges zu erwarten ist.



„Agamemnon“ – von Vid Ožbolt (Uraufführung). Oper in fünf Akten nach der Tragödie von Lucius Annaeus Seneca. Libretto nach dem lateinischen Original eingerichtet von Alexander von Pfeil. Eine Veranstaltung des Departments für Oper & Musiktheater in Kooperation mit den Departments für Gesang, Komposition & Musiktheorie und Szenografie. Musikalische Leitung: Gernot Sahler. Szenische Leitung: Alexander von Pfeil. Bühne und Kostüme: Laura Trilsam. Dramaturgie: Nikolaus Stenitzer. Mit: Stanislav Tsema, Dorka Denke / Sofia Levina, Ilyà Dovnar, Danny Leite / Xuanbo Li, Sujin Kim, Erika Henriques, Samuel Andre / Joseph Breslau, Lurda Bukau, Konstantin Eiser / Oskar Widmer, Lisa Hambrecht, Gundula Goecke, Varvara Nikishina. Arcoensemble für zeitgenössische Musik. Fotos: Mozarteum © Judith Buss

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