Diese Ausstellung hat etwas sofort Anziehendes: Sie wirkt leicht, schön, fast spielerisch und trägt doch von Beginn an etwas Unruhiges in sich. Agnes Scherers Three Wicked Games im Salzburger Kunstverein entwickelt aus historischen Bildvorlagen eine erstaunlich präzise Sicht auf unsere Gegenwart.

Von Karl Traintinger
Ausgangspunkt sind zwei Ölgemälde (Tapisserie-Entwürfe) von Francisco Goya: Das Blindekuhspiel (La Gallina Ciega 1789) und Der Hampelmann (El Pelele 1791/92). Scherer erkennt in den zunächst harmlos erscheinenden Volksszenen Bilder einer sozialen Ordnung. Im Zentrum steht jeweils eine ausgelieferte Figur, rundherum gruppieren sich die anderen wie in einer genau gesetzten Choreografie aus Zuschauen, Lachen, Warten und Mitmachen. Dazu fügt Scherer eine dritte, erfundene Szene hinzu. So entsteht ein kleines Triptychon über Macht und Ohnmacht, das perfekt in die heutige Zeit passt.
Besonders stark ist, wie sie diese Konstellationen in eine Art gespenstisches Puppentheater überführt. Ihre Figuren wirken marionettenhaft, zart und fragil, mehr Hülle als Körper. Genau darin liegt die Kraft der Arbeit. Es geht nicht um den Menschen als feste Gestalt, sondern um Rollen, Abhängigkeiten und die Frage, wie sehr wir in gesellschaftliche Spiele eingespannt sind.
Scherer übernimmt Goyas Kompositionen fast wörtlich und verschiebt sie zugleich ins Unheimliche. Die Schönheit bleibt, aber sie kippt. Hinter der Anmut wird eine Struktur sichtbar, die von Kontrolle, Erwartung und subtiler Grausamkeit erzählt. Das wirkt weder belehrend noch überladen, sondern klar und konzentriert. Die Ausstellung zeigt, dass harmlos erscheinende Spiele es nicht zwangsweise sein müssen und wie nah historische Bildwelten an unserer Gegenwart liegen.

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