Agnes Scherer: Three Wicked Games

Agnes Scherer: Three Wicked Games

Fotos (7): Karl Traintinger, Dorfbild.at

Diese Ausstellung hat etwas sofort Anziehendes: Sie wirkt leicht, schön, fast spielerisch und trägt doch von Beginn an etwas Unruhiges in sich. Agnes Scherers Three Wicked Games im Salzburger Kunstverein entwickelt aus historischen Bildvorlagen eine erstaunlich präzise Sicht auf unsere Gegenwart.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Ausgangspunkt sind zwei Ölgemälde (Tapisserie-Entwürfe) von Francisco Goya: Das Blindekuhspiel (La Gallina Ciega 1789) und Der Hampelmann (El Pelele 1791/92). Scherer erkennt in den zunächst harmlos erscheinenden Volksszenen Bilder einer sozialen Ordnung. Im Zentrum steht jeweils eine ausgelieferte Figur, rundherum gruppieren sich die anderen wie in einer genau gesetzten Choreografie aus Zuschauen, Lachen, Warten und Mitmachen. Dazu fügt Scherer eine dritte, erfundene Szene hinzu. So entsteht ein kleines Triptychon über Macht und Ohnmacht, das perfekt in die heutige Zeit passt.

Besonders stark ist, wie sie diese Konstellationen in eine Art gespenstisches Puppentheater überführt. Ihre Figuren wirken marionettenhaft, zart und fragil, mehr Hülle als Körper. Genau darin liegt die Kraft der Arbeit. Es geht nicht um den Menschen als feste Gestalt, sondern um Rollen, Abhängigkeiten und die Frage, wie sehr wir in gesellschaftliche Spiele eingespannt sind.

Scherer übernimmt Goyas Kompositionen fast wörtlich und verschiebt sie zugleich ins Unheimliche. Die Schönheit bleibt, aber sie kippt. Hinter der Anmut wird eine Struktur sichtbar, die von Kontrolle, Erwartung und subtiler Grausamkeit erzählt. Das wirkt weder belehrend noch überladen, sondern klar und konzentriert. Die Ausstellung zeigt, dass harmlos erscheinende Spiele es nicht zwangsweise sein müssen und wie nah historische Bildwelten an unserer Gegenwart liegen.

Agnes Scherer, geboren 1985 in Lohr am Main, arbeitet zu Machtverhältnissen, weiblicher Erfahrung und den psychischen Wirklichkeiten kapitalistischer Gegenwart. In Skulptur, Malerei, Collage und Objekttheater entwickelt sie szenische Bildräume, in denen die Marionette oft als Figur der Verstrickung erscheint. Sie lebt und arbeitet zwischen Franken und Salzburg und ist Professorin für Malerei an der Universität Mozarteum Salzburg.

Salzburger Kunstverein
Agnes Scherer: Three Wicked Games – bis 12. Juli 2026
Kuratiert von Mirela Baciak

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