Alfred Winter – ein Kulturpionier feierte seinen 80er

Alfred Winter - 40 Jahre TAURISKA - Bibliotheksaula PLUS

Alfred Winter - 40 Jahre TAURISKA - Bibliotheksaula PLUS | Foto: © 2026 Karl Traintinger

Wie kaum ein anderer prägte er viele Jahre das Kulturleben in Stadt und Land Salzburg. Am 6. Juli feierte Alfred Winter seinen 80. Geburtstag. Wir gratulieren!

Claudia Karner

Von Claudia Karner

Fast fünf Jahrzehnte zog Alfred Winter seine kulturellen Spuren. Und zieht sie noch immer. Ein gelernter Chemograph  mit Weitblick: 1967 gründete er in der Stadt Salzburg eine alternative Kulturinitiative, die er vorausschauend Club 2000 nannte und aus der sich die Szene der Jugend, heute Szene, entwickelte. Seine Frau Julia, eine talentierte Keramikerin, die er 1970 heiratete, stand ihm bei allen künstlerischen und finanziellen Abenteuern, die da kommen sollten, unterstützend zur Seite.

Verleger und Kulturmanager

1973 gründete einen Verlag und schuf für junge Schriftsteller wie Walter Kappacher, Erwin Einzinger und O.P.Zier ein publizistisches Sprungbrett. Sein erfolgreichstes Buch und Nachschlagewerk wurde „Salzburgs Synchronik“ von Franz Brettenthaler. 1978 wurde der gebürtige Niederösterreicher Kulturmanager des Landes Salzburg, von 1988 bis 2011 als Beauftragter für kulturelle Sonderprojekte. Beharrlichkeit, Begeisterungsfähigkeit und Neugierde waren Winters Stärken. Dazu kam noch, dass er den Riecher eines Trüffelschweins hatte. Und so förderte er Vergessenes und Unbeachtetes, Innovatives und Visionäres zu Tage, was Staunen und Begeisterung und mitunter auch Widerstand hervorrief.

Oft seiner Zeit ein Stück voraus: Kulturmanager Alfred Winter
Foto: Ulrike Halmschlager/Tauriska

Oft seiner Zeit ein Stück voraus: Kulturmanager Alfred Winter | Foto: Ulrike Halmschlager/ Tauriska

Visionär und Mentor

Alfred Winter organisierte viel beachtete Landesausstellungen („Die Kelten in Mitteleuropa“ und „Die Prostenstantenvertreibung“), holte alternative Nobelpreisträger nach Salzburg, und entdeckte den Philosophen Leopold Kohr („Small is beautiful!“) neu. Er initiierte die Schatzkammer Land Salzburg, den Verein Tauriska, die Goldegger Dialage und die Leopold-Kohr-Akademie. Über Kultur- und Kunstprojekte verschiedenster Art, von denen er persönlich überzeugt war, für die aber kein Geld im offiziellen Subventionstopf war, schüttete Winter sein Füllhorn aus. Wenn er sah, dass ein Projekt, das er finanziell und moralisch angeschubst hatte, aufging, erfüllte ihn das mit großer Freude. Ich habe es beim Brechelbad in Seeham-Webersberg selbst erlebt.

Small is beautiful – Alfred Winter und der Philosoph Leopold Kohr

Small is beautiful – Alfred Winter und der Philosoph Leopold Kohr | Foto: TAURISKA

Undomestizierbarer Beamter

1999 wurde Alfred Winter der Berufstitel Professor verliehen, 2009 der Anerkennungspreis für sein Lebenswerk.  Landeshauptmann Wilfried Haslauer brachte es  in seiner Laudatio auf den Punkt: „Ein subversiver Mensch, ein grabender Kulturschaffender, ein Scout, der –  und das ist wohl das Geheimnis seines Erfolges –  auch als Landesbeamter nicht domestizierbar ist.“

Ausgezeichnet mit dem Salzburger Stier: LH Wilfried Haslauer und Alfred Winter mit Gattin Julia
Foto: LPD

Ausgezeichnet mit dem Salzburger Stier: LH Wilfried Haslauer und Alfred Winter mit Gattin Julia | Foto: LPD

Menschenverknüpfer

Alfred Winter wäre nicht Alfred Winter, nähme er den Begriff Ruhestand tatsächlich wörtlich. Mit 76 Jahren startete er ein großangelegtes Erinnerungsprojekt zu Ehren der Ordensgründerin Maria Theresia Ledochowska  (Missionshaus Maria Sorg in Lengfelden), deren Todestag sich am 6. Juli 2022 zum 100. Mal jährte. Ledochowska, eine gebürtige Adelige, hatte viele Jahre in Salzburg gelebt und sich für die Mission in Afrika engagiert. Winters Ziel, sie so bekannt wie Leopold Kohr zu machen, ist allerdings noch nicht ganz erreicht.

Networking war eine Passion von Alfred Winter, und das bereits zu seinem Zeitpunkt, wo der Begriff noch nicht einmal angedacht war. „Menschenverknüpfer“ nannte ihn der Friedensforscher und Anti-Atomkraftgegner Robert Jungk. Eine Bezeichnung, die den Nagel auf den Kopf trifft. Winter brachte Personen mit den unterschiedlichsten sozialen, ökologischen, politischen und kulturellen Anliegen zusammen, die einander sonst wahrscheinlich nie im Leben begegnet wären.

Bewahrer von Erinnerungen

So wach und sprühend sein Geist auch sein mag – Computer kommt ihm keiner ins Haus. „Ich trete vehement für die altmodische Benutzung des eigenen Gehirns ein“, sagt Alfred Winter augenzwinkernd.  Er schaut lieber im Lexikon nach als im Internet und verschickt handgeschriebene Briefe, die er sogar mit eigenen Zeichnungen schmückt. Wie neulich, als er langjährige Wegbegleiter und -begleiterinnen zu Video-Interviews einlud. „Damit die kostbaren Erinnerungen und Begegnungen der vergangenen sechzig Jahre nicht verloren gehen.“

Wär‘ ja echt schad‘ drum!

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