Der 30. April 1818 zählt zu den dunkelsten Tagen der Salzburger Stadtgeschichte. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Küchenbrand im ehemaligen Priesterhaus bei der Dreifaltigkeitskirche aussah, entwickelte sich binnen kurzer Zeit zur Katastrophe. Eine Fettexplosion und ein starker Föhnsturm ließen die Flammen rasend schnell auf die umliegenden Häuser überspringen. Bald standen große Teile der rechten Salzachseite – die Neustadt und Froschheim – in Flammen. Mehrere Tage lang brannte die Stadt.

Von Karl Traintinger
77 Häuser, nach manchen Quellen weit mehr, wurden in Schutt und Asche gelegt. Unter den zerstörten Gebäuden befanden sich auch Schloss Mirabell, die Lodron’schen Paläste und drei Kirchen. Zwölf Menschen verloren ihr Leben, mehr als 1.100 Salzburgerinnen und Salzburger wurden obdachlos. Eine organisierte Feuerwehr gab es damals noch nicht. Gelöscht wurde mit Handspritzen, Eimern und nassen Tüchern – ein verzweifelter Kampf gegen ein vom Föhn getriebenes Inferno.
Unmittelbar nach dem Brand begann die Hilfe innerhalb der Stadt. Der Salzburger Magistrat organisierte Notquartiere in noch unversehrten Häusern, Klöstern und öffentlichen Gebäuden, um die rund 300 obdachlosen Familien unterzubringen. Kleider- und Lebensmittelspenden wurden gesammelt und über kirchliche Einrichtungen sowie die Stadtverwaltung verteilt. Viele Hauseigentümer erhielten zudem Unterstützung durch Versicherungsleistungen.
Besonders hervorzuheben ist die Hilfe durch den Salzburger Handelsstand, der seine Handelspartner in ganz Europa um Unterstützung für die Brandopfer ersuchte. Eine zentrale Rolle spielte dabei der „Obervorsteher“ des Salzburger Handelsgremiums, der Großhändler Franz Xaver Späth junior. So meldete etwa die Firma Azwanger Spenden aus Hamburg, Regensburg, Nürnberg, Augsburg und Prag. Die Salzburger Händler beschlossen in einer Mitgliederversammlung, die eingesammelten Gelder gemeinschaftlich zu verwalten. Kreishauptmann Graf Welsperg-Raitenau zeigte sich von dieser eigenmächtigen Verteilung allerdings wenig begeistert und verlangte eine genaue Aufstellung der Spendengelder und deren Verwendung. Diese Informationen lieferten die Händler jedoch nur zögerlich. Im Endergebnis kamen 20.928 Gulden zusammen – heute etwa 400.000 bis 800.000 Euro. Mit diesen Geldern konnten bei fünf Häusern die Mauern bis zum ersten Stock errichtet, bei 34 Häusern die Dachstühle aufgesetzt und 37 Gebäude mit Glasfenstern, Dachrinnen, Brandschutzestrichen und weiteren Sicherungen ausgestattet werden. Sämtliche Einnahmen und Ausgaben wurden am Ende in einer detaillierten Broschüre veröffentlicht.
Der Stadtbrand von 1818 veränderte Salzburg für immer. Er steht bis heute für Zerstörung und Verlust, aber auch für Solidarität, Zusammenhalt und einen mutigen Neubeginn. Die heutige Neustadt ist in vieler Hinsicht ein Kind dieser Katastrophe.
An nahezu allen wiedererrichteten Häusern wurden später Gedenktafeln mit Dankessprüchen angebracht. Zwei dieser stillen Zeichen der Erinnerung sind bis heute erhalten.


Gleich nach dem Eingang in das Haus Linzergasse 25, L.art Galerie (ehemals Galerie Weihergut), befindet sich an der rechten Wand eine Tafel mit dem Originaltext. „Die Liebe der Kaufleute zu den Mitbürgern [und] eine freundliche Sammlung im Ausland haben mich, nach der am 30. April 1818 [erfolgten] Zerstörung durch Flammen dauerhaft [wieder] aufgebaut.“


Die zweite erhaltene Tafel befindet sich am Haus Paris-Lodron-Straße 3. Im Zuge von Restaurierungsarbeiten hat sich einmal ein Schreibfehler eingeschlichen, der aber wohl nur Kundigen der lateinischen Sprache auffällt.
Literatur:
Meinhard Leitich, Anton Roither, Johannes Karolus: Lateinische Inschriften in der Stadt Salzburg
Erich Marx, Peter Husty, Peter F. Kramml: Die Flammen lodern wütend. Der große Stadtbrand in Salzburg 1818
Stadtführungen zum Thema Stadtbrand:
Mag. Christoph Koca >

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