András Visky: Erinnerung wird zur inneren Freiheit

Timea Tankó, András Visky,Petra Nagenkögel

v.l.: Timea Tankó, András Visky,Petra Nagenkögel | Fotos: Karl Traintinger, dorfbild.at

Die Panoramabar der Stadt:Bibliothek bot am 2. Februar 2026 einen ruhigen, konzentrierten Rahmen für einen eindrucksvollen Literaturabend. Mit Die Aussiedlung stellte András Visky einen Roman vor, der aus extremer Erfahrung erzählt und dabei überraschend warm und zugewandt bleibt. Moderiert wurde der Abend von Petra Nagenkögel, die deutsche Übersetzung übernahm Timea Tankó.

Von Karl Traintinger

Im Zentrum des Buches steht Viskys eigene Kindheit: jüngstes von sieben Kindern, ausgesiedelt in die Bărăgan-Steppe, nachdem der Vater zu 22 Jahren Haft verurteilt worden war. Vier Jahre lang lebt die Familie unter Lagerbedingungen, in Erdhöhlen und bei Zwangsarbeit. Und doch erzählt der Roman nicht vom Zerbrechen, sondern vom Zusammenhalt – vor allem von der Kraft der Mutter Júlia und dem unbedingten Willen zur inneren Freiheit.

Visky fasst diese Erfahrungen in 822 kurze Textfragmente, die sich zu einem großen Ganzen fügen. Es sind Erinnerungen, aber keine rückwärtsgewandte Klage. Der Autor sprach davon, eine absurde Wirklichkeit aus der Sicht eines Kindes zu rekonstruieren. Während der Schreibjahre von 2018 bis 2022 telefonierte er täglich mit seinen Geschwistern – Erinnerung als gemeinsamer Prozess.

Die von Petra Nagenkögel gelesenen Passagen machten neugierig auf das Buch, die Gespräche wurden direkt von Timea Tankó übersetzt, die auch Einblicke in ihre Arbeit als Übersetzerin des Buches gab. Besonders eindrucksvoll war die kurze Lesung im Original: das Ungarisch klang rhythmisch und überraschend zugänglich – selbst für jene, die die Sprache nicht verstehen.

Dass Die Aussiedlung aktuell die ORF-Bestenliste anführt, wirkt nach diesem Abend folgerichtig. Es ist ein stilles, kraftvolles Buch über Liebe, Widerstand und Haltung und eines, das bleibt.

Die Veranstaltung war eine Kooperation von Stadt:Bibliothek und prolit.

András Visky, geboren 1957, lebt in Cluj-Napoca. Er ist Theaterautor, Regisseur und Dramaturg. Nach zahlreichen Theaterarbeiten veröffentlichte er 2022 seinen ersten Roman Kitelepítés, der in deutscher Übersetzung als Die Aussiedlung im Suhrkamp Verlag erschien.

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1 Kommentar zu "András Visky: Erinnerung wird zur inneren Freiheit"

  1. Januschefski Januschefski | 6. Februar 2026 um 08:29 |

    Ich habe András Visky und die beiden Damen Ende Jänner in Bad Ischl gehört und war sowohl von der Präsentation als auch vom Buch begeistert. Es liegt schon zuhause am Büchertisch!

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