Anja Scherz: Goldstein

Anja Scherz

Anja Scherz | Foto: © Stroux Edition

Anja Scherz: Goldstein

Autorin: Anja Scherz
Titel: Goldstein: Ein phantastisches Leben
Genre: Investigatives Sachbuch, dokumentarischer Roman (biografische Spurensuche)
ISBN: 978-3-948065-30-0
Verlag: Stroux Edition
Erschienen: 12.01.2024

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Klappentext:

Eine Geschichte, die auf recherchierten Belegen und Aussagen von Zeitzeug:innen basiert und von realen Personen handelt: Der Schauspieler, Regisseur und Schauspiel-Dozent Raphael-Maria Goldstein entdeckt, er stamme nicht aus der gutbürgerlichen Duisburger Unternehmerfamilie, vielmehr sei er als Kind adoptiert worden. Seine Mutter, die Auschwitz-Überlebende Esther Goldstein, verrät ihm nur zögerlich, wer sein Vater ist: Otto Frank, der Vater von Anne Frank.

Er entschließt sich nicht nur über die Odyssee um seine Herkunft, sondern auch über sein bewegtes berufliches Leben in der Welt von Theater und Film zu schreiben. Als er das Manuskript beendet hat, stirbt er. Die Autorin übernimmt das Manuskript und prüft seine Dokumente, spricht mit Weggenoss:innen, recherchiert. Und nach und nach offenbart sich ihr das Ausmaß dieser unglaublichen Lebensgeschichte. Nichts ist, wie es scheint, aber vieles scheint, als ob es so gewesen sein könnte.

Anna Lemberger

Rezension von Anna Lemberger

Nach einem schweren Unfall, den Norbert Hans Burger erleidet, ist nichts mehr, wie es war. Denn als beide Eltern bei ihm als Blutspender ausgeschlossen werden, begibt sich Norbert nach seiner Genesung auf die Suche nach seiner Herkunft und findet Erstaunliches heraus: Er wurde adoptiert und soll der Halbbruder von Anne Frank sein. Vier Jahre nach Annes Tod soll deren Vater mit der Auschwitz-Überlebenden Esther Maria Goldstein einen Sohn gezeugt haben. Aus Respekt gegenüber seiner jüdischen Herkunft nennt sich Norbert fortan Raphael-Maria Goldstein. Diese fantastische Neuigkeit möchte er mit der gesamten Welt teilen und schreibt deshalb seine Memoiren. Doch kurz nach deren Fertigstellung stirbt er an einer neurologischen Erkrankung.

Der Schauspieldozent Raphael Goldstein war eine sehr schwierige Persönlichkeit – ein vom Leben Getriebener, immer auf der Suche nach Anerkennung. Von seiner deutschen Familie hatte er sich distanziert, und Freunde besaß er nicht viele. Die Schuld an seiner Ruhelosigkeit suchte er in der Tatsache, dass er in „einer falschen Familie“ aufgewachsen war.

Die Autorin und Investigativjournalistin Anja Scherz ist eine enge Freundin der Witwe von Raphael Goldstein. Diese bittet sie nun, nach beweisbaren Belegen für Raphaels Herkunft zu suchen. Denn Otto Frank hat seine Vaterschaft nie offen zugegeben, und auch die leibliche Mutter, Esther Goldstein, hinterließ keinerlei schriftliche Beweise. Ohne diese Nachweise lässt sich das hinterlassene Manuskript jedoch nicht veröffentlichen. Mit großem Aufwand kontaktiert die Journalistin frühere Wegbegleiter des Dozenten, Schauspielschüler*innen sowie Freundinnen und Freunde. Dabei stößt sie auf eine Vielzahl fantastischer Spuren des Norbert Hans Burger alias Raphael-Maria Goldstein.

Das farbenprächtige Cover ist ein echter Blickfang, der zum Lesen einlädt. Besonders die Buchbeschreibung macht neugierig, da sie scheinbar neue, bislang kaum bekannte historische Fakten verspricht. Der Autorin Anja Scherz ist es hervorragend gelungen, in einer Kombination aus Ausschnitten der Memoiren und ihren eigenen journalistischen Recherchen eine fesselnde Geschichte zu erzählen. Besonders beeindruckend ist der imaginäre Briefwechsel mit Anne Frank, der sich Raphael zeitlebens tief verbunden fühlte.

Die Ergebnisse der Nachforschungen von Anja Scherz bringen schließlich Überraschendes zutage, mit dem niemand gerechnet hat. Zwar konnte letztlich weder das ursprüngliche Manuskript veröffentlicht werden noch gelang es Anja, die für Raphael so wichtigen Identitätsnachweise zu finden. Dennoch wäre er mit dem Ende seiner Reise vermutlich durchaus zufrieden gewesen – immerhin wurde er mit einer Kippa auf dem Haupt bestattet, während ein Rabbiner das Kaddisch, das traditionelle jüdische Totengebet, für ihn sprach.

Ein außergewöhnliches Buch, das durch geschickte Perspektivwechsel am Ende eine völlig andere Geschichte erzählt, als es anfangs scheint. Aber gerade diese unvorhersehbare Wendung ist es, die die Leserschaft von der ersten bis zur letzten Seite in den Bann zieht.


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