António Lobo Antunes: Wörterbuch der Sprache der Blumen

António Lobo Antunes | Foto: Penguin Randomhouse © Jose Manuel Ribeiro

António Lobo Antunes | Foto: Penguin Randomhouse © Jose Manuel Ribeiro

António Lobo Antunes: Wörterbuch der Sprache der Blumen

Autor: António Lobo Antunes
Aus dem Portugiesischen von Maralde Meyer-Minnemenn
Titel: Wörterbuch der Sprache der Blumen
Genre: Belletristik/ Gegenwartsliteratur (ab 1945)
ISBN: 978-3-630-87736-5
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
Erschienen: 25.02.2026

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Klappentext:

Er ist gebildet, elegant und zurückhaltend. Er ist der Sohn einer verarmten Großgrundbesitzerfamilie. Und er ist aktives Mitglied der Kommunistischen Partei Portugals. Letzteres wird ihn in die Fänge der Polizei und schließlich in die entsetzlichen Gefängnisse des Salazarregimes bringen. Dass die Partei nicht zu ihm stehen wird – vermutlich wegen seiner Homosexualität -, ist nur eines von vielen weiteren Hindernissen auf seinem Lebensweg.

Der Roman »Das Wörterbuch der Sprache der Blumen« setzt Júlio Melo Fogaça, einer bedeutenden, aber in Vergessenheit geratenen Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts ein Denkmal. In dreiundzwanzig Kapiteln erzählen dreiundzwanzig Menschen, die ihm begegnet sind, die ihn gekannt, ihn geliebt haben, von ihrem Leben und von der Rolle, die er darin gespielt hat. Es ist die Erinnerung an ein Menschenleben und eine Geschichte von Sehnsucht und Hoffnung, Armut und Einsamkeit, Schönheit und Natur, die Weltliterat António Lobo Antunes in seiner einzigartig kunstvollen Sprache heraufbeschwört.

Anna Lemberger

Rezension von Anna Lemberger

Júlio de Melo Fogaça, 1907 als Sohn wohlhabender portugiesischer Großgrundbesitzer geboren, war ein brillanter Geist seiner Zeit. Dem 1933 etablierten Estado Novo unter Diktator Salazar stellte er sich entschlossen entgegen. Als führendes Mitglied der Kommunistischen Partei Portugals lenkte er über Jahre den Widerstand aus dem Untergrund.

1960 wurde Fogaça von der PIDE, der berüchtigten Geheimpolizei des klerikal-autoritären Regimes, verhaftet. Es folgten Jahre der Folter und eine zermürbende Einzelhaft in Gefängnissen wie Tarrafal, die darauf abzielten, seine Persönlichkeit systematisch zu brechen.

Obwohl er nach der Nelkenrevolution die Freiheit wiedererlangte, starb er 1980 in Armut und bitterer Bedeutungslosigkeit. Die besondere Tragik seines Schicksals liegt in der doppelten Verstoßung: Während er in den Kerkern Salazars für die Freiheit litt, ließen ihn seine eigenen Genossen fallen. Die homophobe Parteiführung der PCP schloss ihren einstigen Helden wegen seiner Homosexualität aus – ein politisches und menschliches Todesurteil, das ihn zwischen allen Fronten zurückließ.

Der kürzlich verstorbene Autor António Lobo Antunes setzt diesem nahezu vergessenen Freiheitskämpfer mit seinem Werk ein eindrucksvolles literarisches Denkmal. Antunes, der selbst 27 Monate als Militärarzt im Kolonialkrieg in Angola gedient hatte, erlebte die Grausamkeiten der Diktatur aus nächster Nähe.

In seinem Roman „Das Wörterbuch der Sprache der Blumen“ bildet er dieses Grauen nicht einfach ab, er macht es körperlich spürbar. Man liest dieses Werk nicht, man erleidet es. In einer wortgewaltigen, oft verwirrend anmutenden Sprache aus mäandernden Gedanken hält der Autor seiner Leserschaft den Spiegel eines zerrissenen Portugals vor.

Bereits das Cover vermittelt die düstere Atmosphäre des Inhalts auf den ersten Blick. Ohne umständliche Einleitung lässt Antunes gleich zu Beginn einen der insgesamt 23 Erzähler zu Wort kommen, die dem Protagonisten Fogaça begegnet sind. In jedem dieser Kapitel schweifen die Figuren, die sich in der erzählerischen Gegenwart befinden, gedanklich zu früheren Erinnerungen und verdrängten Gefühlen ab.

Obwohl Antunes übergangslos und oft in komplexen, seitenlangen Sätzen die Perspektiven wechselt, liegt gerade darin der besondere Reiz: Es ist eine Einladung, sich auf ein äußerst anspruchsvolles, aber rhythmisch fließendes Leseerlebnis einzulassen. Wer mit der portugiesischen Geschichte vertraut ist, findet rasch den roten Faden, der zwischen den sprunghaften Gedanken fest mit dem Schicksal des „PCP-Prinzen“ verknüpft ist. Als feiner Kontrapunkt wird immer wieder die Sprache der Blumen eingeflochten – ein poetisches Gegengewicht zum chaotischen Grauen der Diktatur.

Da das Ende des Titelhelden im Roman bewusst offenbleibt, erweist sich eine anschließende Recherche zum tatsächlichen Lebensweg von Júlio Fogaça als überaus lohnenswert.

Das Wörterbuch der Sprache der Blumen ist ein feinsinniges und tiefgründiges Werk, das seine Leserinnen und Leser allerdings bis an die Grenzen fordert. Wer bereit ist, sich auf die sprunghafte Gedankenwelt, die tief sitzenden Emotionen und das literarisch aufgearbeitete Unrecht einzulassen, wird die Sprachgewalt von António Lobo Antunes zu schätzen wissen. Ein Buch, das nicht bloß gelesen, sondern durchdrungen werden will.


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